Sein Gehirn zu trainieren, geht auch durch körperliche Bewegung, habe ich in den letzten Monaten festgestellt. Deshalb versuche ich, mehr Aktivität in meinen Alltag einzubringen und so mein Bewegungszentrum regelmäßig zu beanspruchen. Koordinationstraining ist ganz offensichtlich eine gute Möglichkeit, das Zusammenspiel von Sinnesorganen, der Muskulatur und dem peripheren sowie zentralen Nervensystem zu fördern.

Egal, ob durch Liegestütze oder etwa Hanteltraining: Wer seine Muskeln stärken will, findet schnell wirkungsvolle Übungen. Will man jedoch sein Gehirn trainieren, ist das etwas komplizierter. Man versteht ja selbst in der Gehirnforschung immer noch nicht wirklich, was genau im Gehirn passiert, wenn wir eine bestimmte Gehirnleistung trainieren. Im Grunde ist nicht mal bekannt, wo genau welche Prozesse ablaufen.

Was unstrittig ist, aber in aller Regel gut funktioniert: Das Trainieren einer bestimmten Fertigkeit: Zum Beispiel, sich Telefonnummern zu merken. Wie sich das aber auf andere Prozesse oder Teile des Gehirns auswirkt, ist noch weitgehend unklar. Die Forschung hat sich daher zum Ziel gesetzt, herausfinden, was die Gehirnleistung generell trainieren könnte.

Gedächtnistraining mit kleinen Tricks

Es gibt bereits zahlreiche Trainingsprogramme für das Gehirn auf dem Markt, auch wenn die Wissenschaft immer noch viele offene Fragen sieht. Doch steht auch fest: Man kann nichts falsch machen, wenn man das Gehirn stimuliert. Und es muss gar nicht kompliziert sein. Schon vor vielen Jahren haben Ärzte Patienten mit Gedächtnisproblemen den Tipp gegeben: Erzähle jeden Abend daheim, wen du so alles am selben Tag getroffen hast. Das hat den betroffenen Patienten durchaus geholfen, die eigene Gedächtnisleistung zu verbessern. 

Wie wir das Gehirn aufwecken können

„Das Kurzzeitgedächtnis kann man trainieren, das Langzeitgedächtnis nicht“, wissen die Gehirnforscher. „Doch geht Gehirntraining über reine Gedächtnisübungen hinaus – wie etwa das Merken von Telefonnummern.“ Unstrittig ist heute: Modernes Gehirntraining erhöht und stabilisiert die Grundfunktionen der mentalen Leistungsfähigkeit. Zumindest bis zum Alter von 80 bis 85 Jahren sei das durch Studien belegt. Demenz werde mit Gehirntraining zwar nicht aufgehalten, aber die verbleibenden Strukturen im Gehirn würden gestärkt.

Und wie genau gelingt das? „Alles Neue regt das Gehirn an“, sagen Psychologen. „Man sollte deshalb simple Dinge des Alltags einfach mal ein bisschen anders durchführen.“ Versuchen Sie zum Beispiel einmal, einen Text zu lesen, wenn Sie ihn falsch herum halten. Oder einen Textabsatz daraufhin durchzugucken, wie oft etwa der Buchstabe „n“ auf ein „e“ folgt.

Bewegung und Abweichen von Routinen

„Das Gehirn mag keine Routine“, wissen längst die Fachleute. Neue Wege zu erkunden fordert heraus – auch ganz wörtlich in einer ungewohnten Umgebung, einer fremden Stadt oder beim Waldspaziergang.

Und überhaupt scheint Bewegung für das Gehirn wesentlich zu sein. „Die körperliche Anstrengung, verbunden mit neuen Impulsen, ist ein wichtiger Anreiz für den Kopf.“ Wichtig ist aber auch ein langer Atem beim Gehirntraining. Genau wie beim Sport bringt es nichts, an vielen Tagen hintereinander im Fitnessstudio exzessiv zu trainieren. Der Körper braucht stets seine Erholungsphasen, die braucht unser Gehirn aber auch.

Neugier als wichtiger Faktor

„Wer generell neugierig und wissbegierig ist, braucht im Grunde kein Gehirntraining“, wissen Fachleute. „Gehirntraining ist aber eine gute Hilfe, wenn man im Alltag zu wenig gefordert ist.“ Das kann gerade jene Menschen betreffen, die länger in eine Reha müssen, oder ältere Mitbürger, die nicht mehr so mobil sind.

Für ältere Menschen eignen sich Übungen mit einem großen Blatt Papier und einem Stift sehr gut. Allein schon durch das Schreiben wird bereits die Durchblutung des Gehirns angeregt.

Ein Beispiel: Auf einem Blatt verteilt stehen viele Buchstaben, diese müssen in alphabetischer Reihenfolge durchgestrichen werden. Mit solchen einfachen Übungen sollte man beginnen. Danach darf es auch etwas anstrengender werden, wenn etwa eine einfache Skizze aus dem Gedächtnis nachgezeichnet wird. Der Spaß kommt mit der Übung. Auch einfache Spiele wie etwa „Memory“ können sehr hilfreich sein. 

Interessantes Gespräch: Bestes Gehirntraining!

Auch zwischenmenschlicher und gegenseitiger Kontakt aktiviert das Gehirn. So ist ein interessantes Gespräch eigentlich schon das beste Gehirntraining. Man hört nämlich zu, und reagiert auf das Gesagte. Das erfordert bereits Kreativität, Flexibilität und Merkfähigkeit. Das kann man auch mit Leuten machen, die stark eingeschränkt sind. Man beginnt mit einfachen Fragen, die der Andere mit Ja oder Nein beantworten kann.

Wir können unser Gehirn trainieren wie einen Muskel. Ein paar einfache Übungen, in den Alltag integriert, verbessern merklich unsere Aufmerksamkeitsspanne oder unser Erinnerungsvermögen. Ob Kurzzeit- oder Langzeitgedächtnis: Je mehr wir trainieren, desto besser werden auch unsere Fähigkeiten in anderen Bereichen. Denn im Gehirn funktioniert nichts vollständig voneinander isoliert. Rechte und linke Hirnhälfte arbeiten zusammen, ebenso wie Sprach- und Rechenzentrum. Und genau so sollte das auch sein.

Einige Übungsvorschläge

Konzentrationsübungen

Buchstaben streichen: Nimm einen Artikel in einer Zeitung oder in einem Magazin zur Hand, entscheide dich vorab für einen Buchstaben und beginne jetzt, diesen aus dem kompletten Text zu streichen. Tipp: Der im Deutschen statistisch häufigste Buchstabe ist das „E“, der am seltensten gebrauchte das „Q“.

Fingerübung: Geht auch nebenbei im Bus oder beim Warten in der Schlange im Supermarkt: Mit Daumen und Finger der Hand – also Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleinem Finger – nacheinander ein „O“ bilden. Erst mit einer Hand, dann mit beiden parallel, dann die Steigerungsform: mit beiden Händen gegen die Richtung der jeweils anderen Hand.

Kraft- und Kombinationsübungen

Lückenfüller: Wo auch immer das Gehirn Leerräume selbstständig füllen muss, ist seine Kombinationsfähigkeit gefragt. Dafür gibt es spezielle „Lückentexte“, aber auch unvollständige Zahlenreihen oder grafische Muster eignen sich gut dafür.

Seitenverkehrt: Du bist Rechtshänder? Dann mache eine Woche lang zumindest eine Tätigkeit deiner Morgenroutine mit der anderen Hand! Wenn du dich beim Zähneputzen, Haare kämmen oder Whats-App-Tippen plötzlich unbeholfen fühlst wie ein Kleinkind, kannst du dir sicher sein, dass die Übung wirkt: Dein Hirn ist gerade mächtig gefordert.

Spieglein, Spieglein an der Wand: In einen Spiegel schauen wir fast täglich. Aber spiegelverkehrt schreiben oder zeichnen? Eine andere Liga! Nimm dir eine Vorlage – das kann ein Satz oder eine Zeichnung sein – und versuche, sie händisch spiegelverkehrt zu kopieren.

Erinnerungsübungen

Was war nochmal gestern? Rufe dir Alltagssituationen ins Gedächtnis, indem du banale Fragen aus deiner Vergangenheit beantwortest: „Was habe ich vorgestern gefrühstückt?“ oder „Was war das Geburtstagsgeschenk meines Partners vor zwei Jahren?“ Versuche, immer schneller auf die Information zuzugreifen und sie in deiner Erinnerung noch einmal zu verbildlichen.

Schon mal eine Treppe rückwärts hinaufgestiegen? Oder versucht, dich an deine Termine des Tages zu erinnern, bevor du im Kalender nachgeschaut hast? Der Alltag ist voller kleiner Herausforderungen – wenn wir bereit sind, unsere Gewohnheiten zu durchbrechen. Die kleinste Veränderung unserer Routinen hilft uns dabei, einen frischen Blick auf die Dinge zu entwickeln. Und mit diesem – immer noch kindlichen Verhaltensmuster – kann unser Hirn viel, viel mehr leisten, als wir ihm jetzt zutrauen.

Merke

Denke stets daran, auch Dein Gehirn zu trainieren. Wenn Du das nicht ständig wieder vergessen haben solltest, hast Du schon den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht! Übrigens: Das sollten auch schon jüngere Menschen beherzigen – den Körper trainieren jene Altersgruppen ja schließlich auch, warum also nicht das Gehirn? In dem Sinne … sei kreativ und starte Dein eigenes und persönliches Gehirn-Fitness-Programm: Dein persönliches Fitness-Studio ist dann überall dort, wo Du Dich gerade aufhältst!

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