Das Flensburger Schifffahrtsmuseum ist ein 1979 gegründeter Zweigbetrieb der städtischen Museen, der im Jahr 1984 im ehemaligen Zollpackhaus an der Schiffbrücke als ein Höhepunkt der 700-Jahr-Feier der Stadt eingeweiht wurde. Das Schifffahrtsmuseum ist heute gewissermaßen die „Schatzkammer“ des Historischen Hafens unserer Stadt. In seinen Räumlichkeiten finden sich Schiffsbilder, Schiffsmodelle, zahlreiche Seefahrtinstrumente und Maschinen. Ein imposantes Stadtmodell zeigt Flensburg in der Zeit um das Jahr 1600, die Geschichten des Hafens und der Höfe, der Fördeschifffahrt, der Werft werden übersichtlich und informativ dargestellt. Es erzählt somit umfassend die höchst abwechslungsreiche maritime Seite der Fördestadt mit all ihren Geschichten über den Hafen und die Kaufmannshöfe, über Schiffe und Reeder, über Matrosen, Maschinisten und Kapitäne und ihren Alltag an Bord. Es sind Geschichten aus der Ferne und von den heimischen Küsten. Geschichten aus Dänisch-Westindien über Zucker, Rum und Versklavung. Geschichten von der Förde über Butterfahrer und Petuhtanten. Geschichten von der Werft über Konstrukteure, Nieter und Schweißer.

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum
Teil des Stadtmodells Flensburg um 1600

Um interessierte Besucher noch ein Stück weit mehr lecker zu machen:

Ihr erlebt bei einem Besuch das Schifffahrtsmuseum mit allen euren Sinnen: Stationen zum Ausprobieren, Anfassen, Mitmachen, Hingucken, Hinhören und Staunen machen den Museumsbesuch zu einer Entdeckungsreise sowohl für kleine als auch für große See(h)leute. Und als I-Tüpfelchen obendrauf: Der Museumsladen und das Museums-Café laden zum Stöbern und Verweilen ein.

Für Liebhaber geistiger Getränke: Im alten Zoll-Keller des Museums befindet sich der Rum-Keller. Eine moderne Multimedia-Installation führt die Zuschauer auf die Spuren der großen Flensburger Kaufmannsfamilien und erzählt von dem Abenteuer der Dänisch-Westindienfahrt, den Schrecken der Sklaverei sowie dem Reichtum, den der Zucker und Rum einst nach Flensburg brachten.

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Wer pflegt und verwaltet heue die genannten Schätze?

Ein Museum ist nur so gut wie sein Team. Die Kernmannschaft ist relativ klein – neben der Museumsleiterin Su­sanne Grigull, MA, gehören noch Frauke Ahrens, MA, Bildung und Vermittlung, sowie Dr. Martin Müller, als wissenschaftlicher Volontär dazu.

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum
Das Team: Dr. Martin Müller, Susanne Grigull, Frauke Ahrens

Wie funktioniert es dennoch? Das wollte das „Flensburg Journal“ von Dr. Martin Müller wissen, dem wissenschaftlichen Volontär im Museums­team. „Eine gute Zusammenarbeit ist uns sehr wichtig“, weiß Martin Müller zu erzählen. „Alle Bereiche im Museum arbeiten zielführend Hand in Hand, denn nur so können wir unseren Gästen ein schönes und umfassendes Erlebnis bieten. Wir bekommen dabei sowohl Hilfe von den Mitarbeitenden der Städtischen Museen Flensburg, die ihren Anteil leisten an der Kasse, in der Aufsicht und im Depot, aber auch von zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich engagiert etwa um die hauseigene Bibliothek oder unser Bildarchiv kümmern, und eine weitere Gruppe von Ehrenamtlern, die wir augenzwinkernd als die „Maschinisten“ und „Simulanten“ bezeichnen: Diese unentbehrlichen Helfer kümmern sich – wie die Bezeichnung schon verrät, zum einen um unsere Maschinenhalle und zum anderen um unsere Simulator-Anlagen, die von den Gästen teils ehrfürchtig bestaunt werden und auch ausprobiert werden dürfen.“

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Wer ist dieser wissenschaftliche Volontär?

Dr. Martin Müller hat eine interessante und – aus Sicht eines Flensburgers – durchaus ungewöhnliche Lebensgeschichte zu erzählen. Auf die Frage, ob er selbst Flensburger oder norddeutscher Herkunft sei, kommt eine überraschende Antwort: „Ich komme ursprünglich aus Oberammergau, bin dort geboren und aufgewachsen.“ Ein klassischer Bayer also ausgerechnet im nördlichsten Zipfel des Landes – sogar noch einer aus den Alpen! Martin Müller weiter: „Auf dem Gymnasium des nahegelegenen Klosters Ettal habe ich mein Abitur gemacht. Von klein auf habe ich mich sehr für die Natur und Geschichte interessiert. Nach dem Abi wollte ich eigentlich meinen Zivildienst ableisten in einer Einrichtung, die zu meinen Interessen gepasst hätte. Ich wurde beim Bund gemustert und als „nicht wehrdiensttauglich“ eingestuft. So entfiel der Zivildienst, doch ich fand eine andere passende Lösung für mich“, verrät er uns. Martin entschied sich für ein freiwilliges ökologisches Jahr, und kam so nach erfolgreicher Bewerbung erstmalig mit Schleswig-Holstein in Berührung. „Ich durfte mein freiwilliges ökologisches Jahr in der Geltinger Birk ableisten. Dabei verliebte ich mich schnell in diese für mich völlig andere Welt, war bald ein überzeugtes Nordlicht“, schmunzelt der heutige Enddreißiger rückblickend über seine Anfänge im hohen Norden.

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Martin wird zum Flensburger

Er wollte künftig gern in Flensburg dauerhaft leben, und gemäß seinen Interessen hier ein Studium aufnehmen – folglich war das Studium auf Lehramt eigentlich als „Backup“ gedacht.

So begann er folgerichtig an der Uni in Flensburg ein Studium der Fächer Geschichte und Geographie. „Seit meinem Studienbeginn bin ich übrigens in Flensburg zuhause, fühle mich hier in dieser einzigartigen Stadt pudelwohl und glücklich, wohne zudem im historisch geprägten Straßenbild des Oluf-Samson-Ganges, und habe außerdem heute meinen „Traum-Job“ gefunden.“ Zwischendurch hat er auch andere Gegenden des Nordens kennengelernt: „Nach dem Bachelor wechselte ich für einige Semester nach Greifswald, weil ich zu den genannten Studienfächern auch noch Germanistik belegen wollte – was in der Kombination in Flensburg nicht möglich war. Zur Abrundung des Studiums wechselte ich für ein Auslandsjahr nach Budapest.“ Nach erfolgreichem Studienabschluss in Greifswald und einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter am dortigen Historischen Institut – „ich bin seinerzeit immer von Flensburg gependelt“ – kehrte er schließlich wieder an seinen Lebensmittelpunkt Flensburg zurück. 

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Von 2022 bis Sommer 2024 leistete Martin sein Referendariat an der Nordsee ab, in Tönning. „Dort hatte ich mir ein kleines Zimmer zusätzlich gemietet, jedoch meinen Hauptwohnsitz in Flensburg beibehalten.“ Was nun? Diese Frage stellte sich anschließend nach beendetem Referendariat. Er erfuhr von der Ausschreibung einer Volontärstelle im hiesigen Schifffahrtsmuseum. „Ich bewarb mich auf die genannte Stelle, und wie man sieht, ich hatte Erfolg mit der Bewerbung. Es ist allerdings eine befristete Stelle, die ich jetzt noch bis Ende August 2026 bekleiden darf.“  

Seine Aufgaben sind vielfältig, er hat mit Verwaltungstätigkeiten zu tun, aber auch viel mit Forschung und Recherche, hat zudem ein größeres Projekt begleitet und betreut: Die Sonderausstellung über den Oluf-Samson-Gang, die einen vielschichtigen Blick auf ein besonderes Stück Flensburger Stadtgeschichte warf. Im Zentrum stand der Oluf-Samson-Gang – eine Straße mit 400 Jahren bewegter Vergangenheit, die wie kaum ein anderer Ort in unserer Stadt von vielen Gegensätzen geprägt ist: einst Seemannsviertel, später Bordellstraße, heute angesagte Wohnstraße und Touristenattraktion. Daneben macht er Führungen durchs Haus, kümmert sich um Folgeausstellungen – es gibt genug für ihn zu tun.  

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Führung durchs Schifffahrtsmuseum

Auch der Schreiber dieser Zeilen kam in den Genuss einer solchen Führung. Sein Fazit: Verstaubt und langweilig? Keinesfalls! Im Flensburger Schifffahrtsmuseum – in den insgesamt vier Häusern rund um den Innenhof – wird sowohl die Geschichte der Stadt als auch die der mal deutsch, mal dänisch geprägten Region sehr lebendig erzählt. Dabei rücken atmosphärische Inszenierungen sowie unterschiedliche Mitmach-Angebote die historischen Exponate in ein neues Licht, wecken Neugier und machen die Faszination und die Bedeutung der Seefahrt für Klein und Groß erlebbar.

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum
Blick aus dem Ruderhaus

In insgesamt sieben Dauerausstellungen – und einer Sonderausstellung – werden die Meilensteine der Flensburger Stadt- und Handelsgeschichte aufgegriffen – angefangen bei der Zeit des Walfangs über die sogenannte West­indienfahrt und dem damit verbundenen kolonialen Erbe bis hin zu den beliebten Butterfahrten auf der Förde. Aber auch in allgemeingültige Themen wie den Schiffbau und das Leben an Bord kann hier im Museum eingetaucht werden.

Für all diese Themen hält das Museum ein breites Vermittlungsangebot für die unterschiedlichsten Zielgruppen vor – seien es spannende Führungen oder interaktive Workshops. Diese lassen sich direkt über die neu gestaltete Internetseite des Schifffahrtsmuseums buchen!

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Das Museum als beliebter und gern genutzter Veranstaltungsort

Der Innenhof und ebenso das Foyer im ehemaligen Zollpackhaus – mit dem Info-Stand, und Museumsladen und Café – sind so ausgestattet, dass Veranstaltungen aller Art dort durchgeführt werden können und auch tatsächlich dort stattfinden. „Regelmäßig finden Konzerte und Veranstaltungen etwa der Flensburger Hofkultur hier statt“, weiß Martin Müller. „Auch die Uni Flensburg oder die Stadt Flensburg halten regelmäßig im Hause unterschiedliche Veranstaltungen ab.“ Das unterstreicht den Eindruck, den man als interessierter Besucher des Museums gewinnt: Das Flensburger Schifffahrtsmuseum ist ein lebendiger und wertvoller Bestandteil sowohl der Geschichte als auch der Gegenwart der schönen Stadt Flensburg!

Ein Museum der etwas anderen Art – „unser“ Schifffahrtsmuseum

Ein Besuch ist aus Sicht des Flensburg Journals nur jedem wärmstens zu empfehlen – gerade wir Einheimischen sollten uns das nicht entgehen lassen. Anschließend haben wir nämlich eine lohnende Empfehlung parat für unsere Freunde, Gäste, Nachbarn und Verwandte, falls die mal zu Besuch in unserer schönen Stadt weilen oder uns nach Tipps fragen, was man sich hier in „Flens“ unbedingt anschauen sollte!

Mit Martin Müller sprach Peter Feuerschütz
Fotos: Schifffahrtsmuseum Flensburg   

- WERBUNG -