Was für ein Jahr!
Ein Jahr, das weltweit durch das neue Coronavirus (COVID-19) geprägt wurde, welches zu Jahresbeginn der Öffentlichkeit noch nahezu unbekannt war und ganz weit weg erschien. Nur 12 Monate später wurde „Corona-Pandemie“ von der Gesellschaft für deutsche Sprache zum Wort des Jahres gekürt.
Ein Jahr, in dem wir alle unsere Leben umplanen, umstrukturieren und umdenken mussten. Die Auswirkungen auf das tägliche Leben in Flensburg stellten die Menschen vor organisatorische und soziale Herausforderungen, die sie nicht nur im bundesweiten Vergleich diszipliniert und mit Bravour gemeistert haben. Hierfür gilt Ihnen mein herzlicher Dank! Insbesondere die Einschränkungen des öffentlichen Lebens und die damit einhergehenden Belastungen auf den Schultern der Gastronomie und Hotellerie, der Kunst- und Kulturschaffenden sowie des Tourismus und des Sports trafen alle hart. Ihr Durchhaltevermögen beeindruckt mich zutiefst und nötigt mir größten Respekt ab.
Dieser gilt in dieser außergewöhnlichen Zeit auch allen Helfenden und Unterstützenden, denen ich einen Riesendank aussprechen möchte. Das Kranken- und Pflegepersonal, die Blaulicht-Dienste, die Bundeswehr und die DEHOGA sind nur einige Namen, die ich hier aufgrund ihrer besonderen Leistungen hervorheben möchte. Um sämtliche Akteurinnen und Akteure aufzulisten, die über sich hinausgewachsen sind und Großes für unsere Stadt und ihre Menschen geleistet haben, fehlt hier schlichtweg der Platz. Umso mehr möchte ich mich an dieser Stelle von ganzem Herzen bei all jenen bedanken, die sich mit kreativen Ideen, Projekten, Aktionen, Spenden(-aufrufen) oder anderweitig beherzt für die vom Virus Betroffenen, die sozial Schwachen und für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft eingesetzt haben.
Leider mussten „wegen Corona“ zahlreiche kulturelle, sportliche und viele andere öffentliche und private Veranstaltungen verschoben oder abgesagt werden oder konnten zumindest nur unter erheblichen Einschränkungen stattfinden. So auch beinahe sämtliche Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum der friedlichen Volksabstimmung und deutsch-dänischen Grenzziehung.
Ebenfalls auf der Strecke geblieben ist die geplante Auffrischung der Städtepartnerschaften Flensburgs mit dem englischen Carlisle und dem polnischen Slupsk. Schweren Herzens wurden der alljährliche Jugendaustausch sowie das Treffen der offiziellen Delegationen in unserer Stadt abgesagt. In einer virtuellen Konferenz konnten wir zumindest unsere guten Beziehungen zur befreundeten russischen Stadt Pensa weiter pflegen und ausbauen. Neu mit Leben füllen konnten wir die seit 1987 bestehenden Beziehungen mit der mecklenburg-vorpommerischen Kreisstadt Neubrandenburg. Noch „vor Corona“ besuchten uns ca. 60 Teilnehmende aus unserer Partnerstadt. In ein schönes und entspanntes Programm eingebunden traten wir in den Dialog, hörten einander zu und richteten den Blick gemeinsam in die Zukunft. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der deutschen Einheit waren Oberbürgermeisterin Simone Lange und ich zum Festkonzert mit der Neubrandenburger Philharmonie in der Festkirche in der „Vier- Tore-Stadt“ eingeladen.
Mit Blick auf zukünftige Kooperationsmöglichkeiten in den Bereichen Wirtschaft, Hochschulen und Sport entstand ein erster Kontakt zur polnischen Stadt Kielce. Zusammen mit unserer Oberbürgermeisterin, dem Geschäftsführer der SG Flensburg-Handewitt, Dierk Schmäschke, und Elisabeth Rosner, Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Kreis FL/SL-FL, besuchten wir im Februar die aufstrebende Metropole und führten erste Gespräche um das Potenzial einer für beide Seiten fruchtbaren Zusammenarbeit auszuloten. Der dortige Bürgermeister ist uns dabei keinesfalls fremd: Niemand Geringeres als der ehemalige Handballer der SG und Nationalspieler Bogdan Wenta leitet die Geschicke der Stadt.
Doch nicht nur Veranstaltungen und das soziale und kulturelle Leben hatten mit Hindernissen und Einschränkungen zu kämpfen, sondern auch die Kommunalpolitik. Einige Ausschusssitzungen sowie zwei Ratsversammlungen mussten ausfallen. Die politische Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit war jedoch jederzeit gegeben. Unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften und aufgrund des daraus resultierenden Platzbedarfs zog die Ratsversammlung aus dem Ratssaal aus und zunächst in reduzierter Form gemäß „Pairing-Vereinbarung“ in die Bürgerhalle ein. Im letzten Quartal schlug sie ihre Zelte im Deutschen Haus auf, in dem sie seitdem dank der Saalgröße auch wieder in Vollbesetzung tagen kann. Rein digitale Versammlungen sind bisher aufgrund des Öffentlichkeitsgebotes und der damit verbundenen datenschutz- und anderen rechtlichen Aspekte leider noch nicht, aber wohl in absehbarer Zeit möglich.
Dass selbst in Zeiten einer Pandemie wichtige politische Entscheidungen getroffen werden können, zeigt ein Rückblick auf einige in diesem Jahr gefasste Beschlüsse:
• Rückwirkend zum 01.01.2019 wurde die Straßenbaubeitragssatzung in Kraft gesetzt, aufgrund derer auf die Straßenausbaubeiträge verzichtet wird und somit die Einwohner*innen im Stadtgebiet jährlich um rund 400.000 € entlastet werden.
• Um den lokalen Unternehmen in der Corona-Pandemie zu helfen, werden ihnen nach entsprechendem Antrag die vorausgezahlten Gewerbesteuern im Jahr 2020 rückerstattet.
• Es wurde der Weg geebnet für die Ertüchtigung der Kaianlagen auf dem Gelände der Stadtwerke Flensburg zur Aufnahme des Wirtschaftshafens von der Ostseite der Förde bis 2023. Im Kontext dazu beschloss die Politik die Leitlinien für die Entwicklung des Sanierungsgebiets Hafen-Ost zu einem nachhaltigen urbanen Quartier im kooperativen Verfahren.
• Die Kommunalpolitik traf zudem nach langer intensiver Diskussion mit deutlicher Mehrheit den Satzungsbeschluss für das Bahnhofshotel samt Parkhaus. An dieser Stelle zeigte sich besonders deutlich, wie schwierig es ist in einer wachsenden und sich weiter entwickelnden Stadt im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie unter angemessener Beteiligung der Öffentlichkeit mit Weitsicht und Augenmaß die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen.
• Als Reaktion auf den bedauerlichen und weitreichenden Verlust von Karstadt und weiteren Geschäften in unserer Innenstadt, folgte als Signal an die Flensburger Wirtschaft die Gründung eines Wirtschaftsbeirats sowie die Etablierung eines Innenstadtmanagers.
• Die Stadt Flensburg beteiligt sich zudem am Verfahren zum Erlangen des Siegels „Kinderfreundliche Kommune“ und verpflichtet sich damit zur Umsetzung der Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention und folglich zur Verbesserung der Lebenslage von Kindern und Jugendlichen in Flensburg.
• Die Politik traf den Aufstellungsbeschluss für die notwenige Erweiterung der für unsere Stadt wirtschaftlich bedeutenden und international erfolgreichen Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG).
• Mit Pelle Hansen (Bündnis90/Die Grünen) und Lisa Vogel (SPD) durfte ich zwei neue stellvertretende Stadtpräsidenten an meiner Seite begrüßen.

Mit Blick auf das kommende Jahr 2021 hoffe ich vor allem auf nach und nach zurückkehrende Normalität im öffentlichen und privaten Leben und in der Wirtschaft sowie im gesellschaftlichen Miteinander. Hoffnung macht, dass schon bald Impfungen möglich sein werden, so auch in Flensburg im bereits eingerichteten Impfzentrum in der Twedter Mark 11. Doch es wird sicherlich Monate dauern bis alle Freiwilligen durchgeimpft sind und die sogenannte „Herdenimmunität“ hergestellt ist.
Umso wichtiger ist es gerade in der vor uns liegenden kalten Jahreszeit, dass wir gemäß den geltenden Anund Verordnungen in unserem Verhalten nicht nachlässig werden und weiterhin Rücksicht aufeinander nehmen. Wir alle haben es in der Hand, uns und
andere zu schützen. Gemeinsam können wir uns eine gute Grundlage für zeitnahe Lockerungen und Öffnungen erarbeiten. Gemeinsam können und werden wir diese Pandemie durchstehen und gemeinsam können und werden wir schneller zu einer neuen Normalität zurückkehren.

Mit diesem Appell und mit dieser Zuversicht wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein glückliches, ein erfolgreiches und vor allem ein gesundes Jahr 2021.

Ihr Stadtpräsident Hannes Fuhrig

Foto: Michael Staudt

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