Für einige Zeitgenossen mag der Mückenwald nicht mehr als eine Ansammlung von Bäumen sein, die sich zwischen Alter Ochsenweg und Alter Husumer Weg auf immerhin 25 Hektar erstreckt. Wer aber dort spazieren geht und vielleicht auf einem Weg stehen bleibt, um entspannt durchzuatmen, wird den Aufenthalt in der grünen Lunge von Flensburg-Weiche sicherlich genießen. Keine Frage: Der Mückenwald hat eine wichtige Naherholungsfunktion für den Stadtteil, er birgt aber auch manche Geheimnisse und vergessene Geschichten, die es wert sind, ans Tageslicht geholt zu werden.

Geheimnisse des Mückenwaldes, Teil 7
Start zum Mückenteich-Waldlauf

Trainingsgelände

Im Oktober 1989 gründete sich ein neuer Sportverein: der Leichtathletikklub Weiche. Die Sportplatz- und Hallenkapazitäten waren damals aber äußerst überschaubar. Also beschloss der Vorstand, für den kommenden Winter zwei Mal die Woche mit den Kindern im Mückenwald zu trainieren. Treffpunkt war der ehemalige Spielplatz zwischen dem ehemaligen Soldatenheim und dem Teich. Auch eine wöchentliche Muttergruppe etablierte sich im Gehölz. Erst allmählich fanden die Leichtathleten an anderen Sportstätten einen Unterschlupf.

Mückenteich-Waldlauf

„Warum kein Wettkampf an der Trainingsstätte?“, fragten sich die Leichtathleten. Am 10. März 1990 veranstaltete der LK Weiche erstmals den Mückenteich-Waldlauf. An der regnerischen Premiere, die gleichzeitig die Kreismeisterschaft im Waldlauf war, nahmen 77 Aktive teil. Start und Ziel lagen auf einer Wegekreuzung, dann ging es über 670, 1000 und 1600 Meter. Im Freibad und im Jugendtreff konnten die sanitären Einrichtungen genutzt werden. Die Stadt Flensburg hatte die Veranstaltung genehmigen müssen. Eine der Auflagen: „Hinweisschilder oder Ähnliches dürfen nicht an Bäumen befestigt werden.“ 1991 hatte die Laufveranstaltung bereits über 100 Teilnehmer. Allerdings sank allmählich die Beliebtheit, sodass der Mückenteich-Waldlauf 1997 letztmals ausgetragen wurde.

Zerstörungswut

Im Frühling 1998 schreckten Müllmassen und zerstörte Bänke von Spaziergängen im Mückenwald ab. Zugleich waren diese Schäden ein Anlass, über Maßnahmen nachzudenken. Die Aktionsgemeinschaft „Gesunder Stadtteil Weiche“, der Verschönerungsverein Flensburg und die Stadt waren sich einig, die Attraktivität des Waldgebietes zu erhöhen. „Nur wenn der Wald von den Bürgern angenommen wird, stellt sich auch die soziale Kontrolle ein“, sagte Stadtförster Jörn Hinze. Der direkt am Teichufer gelegene Wanderweg wurde ein paar Meter in den Wald verlegt und mit Kies versehen. Die Polizei sollte in den Abendstunden häufiger auf Streife durch den Wald gehen.

Neue Nachbarn

Die Briesenkaserne verabschiedete sich aus dem Stadtteil Weiche. Am 29. April 1993 wurde die Truppenfahne offiziell verhüllt. Schließlich löschte der letzte Soldat am 30. September 1993 das Licht der Briesenkaserne. Es folgte ein riesiges Konversionsprojekt: das Wohngebiet „Gartenstadt“. 1999 zogen die ersten von rund 3000 Menschen ein.

Geheimnisse des Mückenwaldes, Teil 7

Hörnerplatz

2001 wurde der Hügel im Verkehrskreisel am nördlichen Ausgang von Weiche mit einem Symbol für den Ochsenweg verziert. Als Alternative hatte die Stadt eine kleine Wiesenfläche direkt am Mückenwald angeboten. Dieser Standort wäre als Anfangspunkt des „Alten Ochsenwegs“ historisch sehr sinnvoll, optisch aber längst nicht so reizvoll gewesen. Allerdings war das Hörner-Denkmal im Herbst 2025 nicht mehr zu retten und wurde abgebaut.

Alarm

Am 4. Juni 2008 loderten die Buschfeuer nördlich von Weiche. Kurz vor Mittag zog der Rauch bis zum Alten Ochsenweg. Zwei Streifenwagen der Polizei und ein gesamter Löschzug der Berufsfeuerwehr rückten aus. Trotz anhaltender Hitze konnte das Übergreifen auf einen Fichtenbestand im Mückenwald verhindert werden. Nach zwei Stunden hieß es: „Feuer aus!“         

Text: Jan Kirschner
Fotos: Horst Otte   
 

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