Was wünscht sich jeder Mensch für sein Leben? Nun, da gibt es sicher viele Wünsche, doch unbestritten möchte man stets geachtet werden, anerkannt, das Gefühl haben stolz und wertvoll zu sein, man möchte verstanden und geschätzt werden. Doch wenn der Mensch erst einmal ein gewisses Alter erreicht hat, wohl schon im Herbst oder gar Winteranfang seines Daseins angelangt ist, ist das oft gar nicht mehr so selbstverständlich, wenn nämlich Müdigkeit, Gebrechlichkeit, Altwerden das Leben bestimmen und häufig genug erste dementielle Symptome auftreten. Der Prozess des Altwerdens ist oftmals ein schleichender, den die Partner, erwachsenen Kinder und Enkel oft noch ein ganzes Stück begleiten, die Senioren auf diesem Wege zu Hause pflegen, passen und behüten.
Das Pflegen von Angehörigen ist Arbeit, anstrengend und kraft- und zeitraubend, deshalb brauchen Pflegende hin und wieder eine Auszeit, um sich zu entspannen und neue Kraft zu sammeln. Doch die Entscheidung, den Betreuungsbedürftigen zur Kurzzeitpflege ins Heim abzugeben, ist nicht immer ganz einfach. Im Pflegeauszeit-Konzept von „Haus Ilse“ gibt es keine heimtypischen Organisationsstrukturen: Die Gäste genießen das Maximum an Freiheit und Selbstbestimmung. Die integrierte „Haus Ilse Tagespflege“ öffnet den Gästen in der Wohngemeinschaft viele Türen.

Gast sein bei „Ilse“

„Bei uns und den angebotenen Aktivitäten funktionieren die Menschen oft wieder – das wollen Demenzkranke ja gern zurückerlangen. Wenn sie dann jedoch wieder zu Hause sind bei ihren Angehörigen, sind sie häufig nur noch erschöpft und erledigt. Das liegt mit an der Abwechslung, die ihnen die Zeit in der Tagespflege gibt“, weiß Andre David, examinierter Altenpfleger, Initiator und Geschäftsführer von „Haus Ilse“.
„Ilse“ bietet eine echte Alternative zu den stationären Pflegeheimen, zur klassischen Kurzzeitpflege und zu anderen Betreuten Wohnformen, bedeutet eine kooperative Ergänzung zu den Ambulanten Pflegediensten und bringt eine spürbare Entlastung für die Angehörigen zu Hause mit sich. Für die Gäste ist sie wie ein persönlicher Wegbegleiter. „Wir sind ihre Alltagsbegleiter, mit viel Herzpflaster für jeden Einzelnen im Gepäck“, ist Heinke Pries vom Konzept des Hauses überzeugt. „Wir gehen auf jede und jeden individuell ein, bieten Einzelbetreuung, aber auch eine solche in Kleingruppen oder auch größeren Gruppen an. Wir nennen das unser Baukastensystem – wird ein „Mehr“ benötigt, gibt es das eben, umgekehrt genauso.“

Das „Pflegenativ“-Büro

Seit dem 1. August 2021 gibt es eine echte Bereicherung sowohl für das „Ilse“-Personal als auch für Angehörige der Leistungsempfänger: den „Pflegenativ“- Verwaltungsbereich, mit einem hellen und freundlichen Herzpflaster vor dem Empfangstresen, einer großzügigen Empfangslounge mit gemütlicher Sitzecke, sowie einigen angrenzenden Büroräumen für die notwendigen Verwaltungstätigkeiten. Hier werden die Fäden für das Gesamtkonzept der „Haus-Ilse-Philosophie“ gesponnen, das „Pflegenativ“-Büro ist die zentrale Anlaufstelle für alle Angelegenheiten.
Dieser Bereich liegt unmittelbar am Wiesharder Markt, gleich um die Ecke – von Haus „Ilse“ gesehen. In diesen Räumlichkeiten werden Gespräche mit Angehörigen geführt, können ungestört vom Alltagsbetrieb im Haus „Ilse“ Fragen geklärt, Probleme erörtert und Vorschläge zur weiteren Betreuung eines Angehörigen diskutiert werden. Gern steht Gyde Hicks am Empfangstresen für alle möglichen Informationen bereit.

David und Goliath

Andre David war Begründer der Institution, fing im Jahre 2005 ganz klein als Einzelkämpfer an, begann in der Flensburger Wrangelstraße in den Räumlichkeiten einer einstigen Villa, vergrößerte nach und nach seinen Wirkungskreis. Im Jahr 2017
gelang ihm dann der Quantensprung: Er erwarb und bezog in Wees ein zuvor als Drogeriemarkt („Schlecker“) genutztes Ladenlokal, und wandelte dieses in sein erstes Haus „Ilse“ um. Sein eigens für Haus „Ilse“ entwickeltes Konzept funktionierte, so dass er im Jahr darauf, in 2018, sich erneut vergrößerte: Es kam Handewitt dazu, sein zweites Standbein mit dem Haus „Ilse“.
Die im März 2020 beginnende „Corona“-Pandemie machte ihm anfangs stark zu schaffen – sämtliche Aktivitäten mussten runtergefahren werden, doch bot ihm die Pandemie kurze Zeit eine Chance die er beim Schopf ergriff. Die zahlreichen pflegebedürftigen Menschen, die noch ohne Unterstützung zu Hause lebten, durften nun von ambulanten Alltagsbegleitern betreut und gepasst werden. Andre David schickte sämtliche Mitarbeiter in die betroffenen Haushalte – so entstand gewissermaßen durch die widrigen Umstände die ambulante Alltagsbegleitung. Um es mit dem naheliegenden Wortspiel zu beschreiben: So konnte David schließlich zum Goliath werden!

Schnelle Entscheidungsfindungen und kurze Wege

Mittlerweile sind etwa 40 Betreuungskräfte für „Haus Ilse“ im Einsatz, immerhin 15 Betreuungskräfte wirken im Bereich „Pflegenativ“. „Haus Ilse“ agiert eigenständig, ist dadurch sehr flexibel, kann sofort auf behördliche Maßnahmen, gesellschaftliche Wandlungen reagieren – ist nicht auf Anordnungen „von oben“ – aus einer anonymen Firmenzentrale – angewiesen. So klappt die Zusammenarbeit mit Betreuungsbüros und ähnlichen Institutionen hervorragend, spontane Anfragen etwa zu Arztbegleitungen können sofort bedient werden. Das wissen längst auch die Kommunen, die sich gern auch in einzelnen Fällen melden.
„Wir sind jedoch nicht die Versorger“, ergänzt Andre David zu diesem Punkt. „Das ist und bleibt Aufgabe der Pflegedienste. Wir sehen uns nicht als deren Konkurrenz, sondern als wichtige Unterstützer der Pflegetätigkeiten! Wir streben ein Kooperation zu diesen Diensten, sind gewissermaßen „ziemliche beste Freunde“, wie es treffend in dem gleichnamigen Spielfilm dargestellt wurde.“

Das „Herzpflaster“

Unsere Gäste genießen ein Maximum an Freiheit und Selbstbestimmung. Sie können wählen zwischen täglichen Ausflugsfahrten, abwechslungsreichen Veranstaltungen im Hause „Ilse“, oder individuellen Rückzugsmöglichkeiten.
Buchen beispielweise die Angehörigen eine Auszeit, wird der Tagesgast nicht wie sonst üblich nach Hause gefahren; er übernachtet in seiner „Koje“. So heißen die gemütlich eingerichteten Einzelzimmer mit TV im Haus „Ilse“, die zusätzlich über eine Rufanlage verfügen und mit dekorativen Erinnerungsmerkmalen ausgestattet sind. Was will man mehr als pflegender Angehöriger? Und was hat es mit dem erwähnten „Herzpflaster“ auf sich? Damit ist ein weiteres Angebot von „Pflegenativ“ des Hauses „Ilse“ umschrieben, das insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie vor anderthalb Jahren bestens bei Angehörigen und ihren Pflegebedürftigen ankommt und sehr gern gebucht wird. Die stundenweise Betreuung nach Bedarf: Gewissermaßen als ein „Herzpflaster“ bietet „Pflegenativ“ im Zusammenspiel mit Haus „Ilse“ eine 1:1-Betreuung für eine oder auch mehrere Stunden ganz nach den Bedürfnissen auch bei den zu Betreuenden zu Hause an.
Als staatlich anerkannte systemrelevante Einrichtung hat Haus „Ilse“ durchgehend geöffnet, es dient laut unserer Landesverordnung zur allgemeinen Alltagssicherung!

Text: Peter Feuerschütz
Fotos: Benjamin Nolte, Haus „Ilse“

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