„Irgendwie helfen die“, lautet oft die Antwort, wenn man andere nach dieser Institution befragt. Fast ein jeder hat den Begriff „Weisser Ring“ schon irgendwann einmal gehört, gelesen oder anderweitig zur Kenntnis genommen. „Vielen Menschen ist aber gar nicht bewusst, was dieser Verein alles zu leisten imstande ist, was er kann und wem er auf Anfrage hilfreich zur Seite steht“, erklärt uns Dagmar Henning, die Leiterin der Außenstelle Flensburg des Weissen Rings, die während vieler Gespräche und Präsentationen obige und ähnliche Antworten erhalten hat.
Die Geschichte der Vereinsgründung
Der Verein wird im Jahr 2026 bereits 50 Jahre alt. Er wurde als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“ ins Leben gerufen und schnell in den heutigen Begriff „Weisser Ring e. V.“ umbenannt. Am 24. September 1976 wurde er in Mainz gegründet; einer der maßgeblichen Initiatoren und Mitbegründer war der seinerzeit landesweit bekannte Fernsehjournalist Eduard Zimmermann (1929-2009). Zimmermann war lange Jahre das Gesicht der von ihm erfundenen und moderierten Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“, die im ZDF immer noch regelmäßig ausgestrahlt wird und ein Millionenpublikum erreicht.
Der „Weisse Ring“ ist heute Deutschlands größte Opferschutzorganisation und bietet Opfern von Kriminalität schnelle und direkte Hilfe. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe und des Opferschutzes.

Warum wird eine solche Organisation benötigt?
Den Gründern des Vereins war längst klar, dass die Kriminalität niemals vollständig in den Griff zu bekommen sein würde. Zudem vermissten sie schon immer eine intensive Betreuung der Kriminalitätsopfer, bei denen neben körperlichen und materiellen Schäden einer erlittenen Straftat häufig die psychischen Folgen sehr viel schwerer wiegen und oft noch jahrelang nachwirken. Nicht von ungefähr heißt es: „Das Opfer hat fast immer lebenslänglich“.
Der Verein hat sich das Ziel gesetzt, Kriminalitätsopfern und ihren Angehörigen schnelle und direkte Hilfe zu leisten, und ist heute die mit Abstand größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität in Deutschland.
Fakten
Die Anzahl der Straftaten in einem Kalenderjahr allein in unserem Staat ist schon erschreckend. Etwa 5,84 Millionen Straftaten (5.840.000!) wurden allein im Jahr 2024 in Deutschland registriert. Im Vergleich zu 2019 (das war zuvor das letzte komplette Jahr ohne Corona bedingte Einschränkungen) liegt die Fallzahl um immerhin 7,4 % höher. Dabei ist die Zahl der Gewaltkriminalität zum Vergleichsjahr 2023 gestiegen auf 217.277 Fälle (neuer Höchststand seit 2007).
Aufgaben des Vereins
Neben der aktiven Opferhilfe ist der Verein öffentlich aktiv und fordert von Politik, Justiz und Verwaltung die Verbesserung der rechtlichen und sozialen Situation von Kriminalitätsopfern und ihrer Angehörigen. Der „Weisse Ring“ kämpft außerdem für ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Situation der Opfer. Er unterstützt daneben die Kriminalitätsvorbeugung und fordert immer und immer wieder mehr öffentliche Mittel für die Vorbeugung von Kriminalität.
Die Vereinsstruktur
Es gibt mittlerweile 18 Landesverbände, die das gesamte Bundesgebiet abdecken. In diesen Landesverbänden mit bundesweit über 400 Außenstellen sind mehr als 3.000 professionell ausgebildete, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer tätig. In unserem Bundesland Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 16 Außenstellen, mit zusammen 176 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Die Außenstelle Flensburg besteht schon seit dem 01.03.1980 und wird seit dem 01.01.2025 durch Dagmar Henning geleitet; sie war zuvor als Stellvertreterin bereits hier aktiv. Die Amtsübergabe durch die Landesvorsitzende Manuela Söller-Winkler fand am 04.02.25 im Rahmen einer Feierstunde in der Bürgerhalle statt. Frau Söller-Winkler dankte auch Frau Gesche Seifert, Leiterin der Außenstelle Schleswig, für ihren engagierten Einsatz während der Neuorganisation der Außenstelle Flensburg im letzten Jahr. Auch der stellvertretende Stadtpräsident Flensburgs, Ralf Loell, sowie Denis Butgereit, der Leiter der Bezirkskriminalinspektion Flensburg und Frau Carolin Thomsen vom Frauennotruf betonten in ihren Grußworten die Wichtigkeit der Arbeit des „Weissen Rings“ und die gute Vernetzung mit den Institutionen.
Aktuell sind in der Außenstelle 6 ehrenamtliche Mitarbeitende sowie 4 Hospitantinnen und Hospitanten aktiv. „Aus Kostengründen unterhalten die Außenstellen keine eigenen Büros“, sagt Außenstellenleiterin Dagmar Henning, „Doch dankenswerterweise stellt uns der SBV den SBV-Treff „Komm´ rein“ in der Apenrader Straße stundenweise zur Verfügung. Dort halten wir unsere regelmäßigen Monatstreffen ab und können die Räumlichkeiten für Beratungsgespräche nutzen“, ist sie dem SBV sehr dankbar.

Wie hilft der „Weisse Ring“?
Der Verein leistet seine Hilfe unabhängig(!) von einer Mitgliedschaft oder sonstigen Verpflichtungen. Mögliche Hilfsmaßnahmen sind unter anderem:
• Menschlichen Beistand und persönliche Betreuung nach einer Straftat leisten
• Hilfeschecks für eine anwaltliche und psychotraumatologische Erstberatung
• Übernahme von Anwaltskosten, insbesondere zur Wahrung von Opferschutzrechten im Strafverfahren und zur Durchsetzung von Ansprüchen nach dem SGB XIV (ehemals „Opferentschädigungsgesetz“)
• Begleitung zu Terminen
• Finanzielle Unterstützung zur Überbrückung tatbedingter Notlagen (Soforthilfen; Bestattungskosten etc.)
• Vermittlung von Hilfen anderer Organisationen (z. B. in Flensburg mit dem Frauennotruf, ProFamilia, Diakonisches Werk, Haus der Familie)
Wie nehme ich Kontakt auf zum „Weissen Ring“?
Dafür gibt es diverse Möglichkeiten, die alle gern genutzt werden können. Die gängigste Kontaktaufnahme erfolgt telefonisch oder per Mail, aber auch eine Benachrichtigung von der Polizei oder über die Netzwerkpartner (z. B. Frauennotruf, Frauenhaus) ist selbstredend möglich – wichtig ist stets, dass der Kontakt überhaupt zustande kommt.
Die Außenstelle Flensburg ist erreichbar unter: Telefon: 0151-14 19 72 22; flensburg@mail.weisser-ring.de.
Bundesweit gibt es den Service des „Opfer-Telefons“ unter der Nummer 116 006. Das Besondere an diesem Hilfsangebot des „Weissen Rings“ ist, dass die Nummer an 7 Tagen der Woche von 7 bis 22 Uhr erreichbar ist. Sie ist überall gültig, ebenfalls kostenfrei und auch anonym. Zudem kann auch eine Onlineberatung genutzt werden: www.weisser-ring.de.
Was leistet der „Weisse Ring“ zusätzlich?
Eine weitere wichtige Aufgabe, die der Verein erfüllt, ist die Prävention. Der Verein unterstützt bei der Kriminalitätsvorbeugung. Seit der Vereinsgründung 1976 stellte er für Kriminalprävention (übrigens ein fest verankertes Satzungsziel) über 51 Millionen Euro zur Verfügung. Die Kriminalprävention findet in den Außenstellen durch aktive Zusammenarbeit mit Polizei, Verwaltung, Kinder- und Jugendhilfe und anderen Akteuren und sowie Netzwerkpartnern statt.
Prävention – wie funktioniert sie?
Zahlreiche Präventionsveranstaltungen, z. B. für Senioren, aber auch für andere Zielgruppen, finden regelmäßig statt, in öffentlichen Einrichtungen, wie etwa Nachbarschaftszentren oder Servicehäusern, Sportvereinen usw. Das reichhaltige und aussagekräftige Informationsmaterial für unterschiedliche Zielgruppen wird von Interessierten gern genutzt.
Wie finanziert der „Weisse Ring“ seine Arbeit?
Der Verein nimmt keine staatlichen Zuschüsse in Anspruch. Seine Tätigkeiten finanziert er ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Geldbußen*, oder aus Nachlässen.
*Gerichte und Staatsanwaltschaften können dem Täter auferlegen, einen Geldbetrag an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen – davon profitiert u. a. der „Weisse Ring“.
Bilanz seines 50jährigen Wirkens
Der Verein hat in den knapp 50 Jahren seit der Vereinsgründung vielen hunderttausend Kriminalitätsopfern und ihren Angehörigen menschlichen Beistand und immaterielle Hilfe geben können. Der Verein setzt dabei auf das ehrenamtliche Engagement: In jährlich vielen zigtausenden Stunden stehen die Helfer des Vereins Opfern mit Rat und Tat zur Seite und geben ihnen persönliche Zuwendung. Der Verein hat in dieser Zeit für Opferbetreuungsmaßnahmen einschließlich direkter materieller Hilfen mehr als 193 Millionen Euro bereitgestellt. Er kämpft seit der Gründung für ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für die Situation der durch Kriminalität Geschädigten und hat seit seiner Gründung weit mehr als 62 Millionen Euro für das öffentliche Eintreten für Opferbelange eingesetzt. Er begleitet Projekte der Schadenswiedergutmachung und des Täter-Opfer-Ausgleichs.
Der „Weisse Ring“ ist Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband und bei Victim Support Europe, dem Dachverband der Hilfsorganisationen für Kriminalitätsopfer in Europa. Er ist als ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen und mildtätigen Zwecken dienend anerkannt und beachtet die vom Deutschen Spendenrat entwickelten Grundsätze zur Gestaltung der Spendenwerbung.
Sein Engagement ist unverzichtbar
Über allem steht die Erkenntnis: Opfer brauchen Beistand! Diesen oftmals bitter nötigen Beistand leisten im „Weisse Ring“ ehrenamtliche, professionell ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ausbildung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter findet in der extra dafür etablierten „Akademie des Weissen Rings“ statt. Sie sorgt für die Aus- und Weiterbildung der rund 2.700 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und greift dabei auf die jahrzehntelange Expertise des Vereins im Umgang mit Kriminalitätsopfern zurück. Der Verein legt hohen Wert auf die Aus- und Weiterbildung seiner ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus diesem Grund ist der Bereich Aus- und Weiterbildung auch eines der Satzungsziele des Vereins.
Das Flensburg Journal bedankt sich bei Dagmar Henning für ein zielführendes und interessantes Gespräch über die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeiten des Vereins „Weisser Ring e. V.“. Bleiben Sie auch künftig gemeinsam mit Ihren vielen ehrenamtlichen Mitarbeitenden „am Ball“ und helfen Sie den viel zu vielen Kriminalitätsopfern hierzulande!
Kontakt zur Außenstelle Flensburg:
Telefon: 0151-14 19 72 22
flensburg@mail.weisser-ring.de
Mit Dagmar Henning sprach Peter Feuerschütz
Fotos: Der „Weisse Ring“















