SG-Wahnsinn: Fakten zum Meistertitel 2019

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Der Vollzug

Am Pfingstsonntag um 16.37 Uhr war die deutsche Meisterschaft der SG Flensburg-Handewitt perfekt. Zum dritten Mal nach 2004 und 2018, diesmal mit nur vier Minuspunkten. Erfolgstrainer Maik Machulla: „Es ist fast unglaublich, dass wir das große Ziel zwei Jahre in Folge erreicht haben – wir hatten zwei ziemlich unterschiedliche Mannschaften.“ Die SG-Geschäftsstelle atmete durch: 3000 blaue Meister-Shirts waren nicht umsonst produziert worden.

Ein besonderes Double

Erst einmal zuvor war es einem Verein gelungen, gleichzeitig Titellorbeeren in der Bundesliga und mit der A-Jugend zu erreichen: 2001 dem SC Magdeburg. Damals gehörte Maik Machulla zu den SCM-Akteuren, nun führte er die SG-Jungs zur Meisterschaft und freute sich mit dem SG-Nachwuchsteam über den nationalen Titel.

Der Umbruch

Sechs Spieler waren ausgeschieden, sechs Neuzugänge mussten integriert werden. Es klappte unerwartet gut. Im Tor beispielsweise musste erstmals überhaupt ein völlig neues Gespann eingebaut werden. Benjamin Buric und auch Torbjörn Bergerud schlugen voll ein, harmonierten zusammen wesentlich besser als ihre Vorgänger.

Der Trainer

Maik Machulla arbeitete stets akribisch und kreativ, änderte die Kommunikation. „Aber die Spieler können immer mit mir reden, das ist mir sehr wichtig“, sagt Maik Machulla, der seit Dezember 2017 nur drei Bundesliga-Niederlagen verdauen musste. Das verschaffte Respekt und Vertrauen im Kreise der Mannschaft.

Der Aufsteiger

Linkshänder Magnus Röd darf als der große Komet in dieser Saison bezeichnet werden. „Mein persönlicher Anteil an meiner zweiten Meisterschaft ist größer als an der ersten“, sagte er. Nach einer starken Weltmeisterschaft überrundete der Norweger sogar Platzhirsch Holger Glandorf.

Das Karriereende

Tobias Karlsson gewann in seinem 501. Spiel für die SG die deutsche Meisterschaft und hängte seine Handballschuhe an den berühmten Nagel. „Mit einem Ballon durch die Halle zu kreisen, wäre vielleicht traumhafter, aber besser hätte ich mir den Abschluss meiner Karriere nicht vorstellen können.“ Im Februar wird der 38-Jährige Team-Manager der schwedischen Nationalmannschaft. Zunächst folgt aber das Abschiedsspiel: Am 10. August in der Flens-Arena.

Der Spieler der Saison

Nach 2004 stellten die Flensburger erstmals wieder den „Spieler der Saison“. Die Parallelen sind verblüffend. Vor 15 Jahren machte Lars Krogh Jeppesen das Rennen. Der Däne spielte halblinks, deckte im Mittelblock und zog 2004 nach vier Jahren bei der SG mit der Meisterschale weiter zum ruhmreichen FC Barcelona. Nun heimste Rasmus Lauge diese Ehrung ein. Ebenfalls Däne, ebenfalls ein Rückraumass und ebenfalls eine wichtige Defensivkraft. Nach ebenfalls vier Jahren in Flensburg und dem Bundesliga-Titel in der Tasche wird er sich nun dem finanzkräftigen ungarischen Top-Klub Telekom Veszprém anschließen.

Der Sonderzug

750 Schlachtenbummler feierten auf der Schiene. Der SG-Sonderzug hatte sich in den Meisterzug verwandelt, der sich Flensburg, der „deutschen Handball-Hauptstadt“, näherte. Die bisherigen 1:7 Punkte bei den vier Auswärtstouren mit der Bahn waren kein schlechtes Omen. In Düsseldorf glückte der erste Sieg.

Der Prozentmann

Benjamin Buric lehnte sich nach dem erfolgreichen Oster-Spitzenspiel bei den Rhein-Neckar Löwen etwas weit aus dem Fenster. „Wir sind zu 80 Prozent deutscher Meister“, sagte der Keeper. Nach der Partie beim Bergischen HC grinste er in die Runde: „Jetzt sind wir zu 100 Prozent Meister!“ Am nächsten Tag war Benjamin Buric erschöpft von der Feierei: „Ich habe zu viel Wasser getrunken.“

Die Rekorde

Die weiße Weste hielt die ganze Hinrunde und wurde erst Ende März mit einer Niederlage in Magdeburg befleckt. Erst als vierter Klub in der 53-jährigen Bundesliga-Historie blieb die SG über ein Jahr lang ungeschlagen. Mit 64:4 Punkten gehen nun die beste Bilanz der Vereinshistorie und die drittbeste Ausbeute der Ligageschichte in die Annalen ein.

Der Dauermeister

Marius Steinhauser kann seit dem Frühjahr 2016 pausenlos als aktueller Meister angesprochen werden. Zwei Mal gewann der Rechtsaußen mit den Rhein-Neckar Löwen, zwei Mal mit der SG die Schale. „Unglaublich“, schüttelt er selbst mit dem Kopf. Zum Glück für die SG hat der „Glücksbringer“ seinen Vertrag bis 2023 verlängert.

Die Zugabe

Die ausgelassene Stimmung auf dem Südermarkt garnierte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke mit einer Überraschung: Göran Johannessen beantwortete eine Anfrage aus Paris mit einem Treuebekenntnis zur SG und setzte seine Unterschrift unter einen bis 2023 gültigen Kontrakt. „Wir haben noch Großes vor in der Zukunft“, sagte der Norweger. In der Hinrunde war er aufgrund einiger Blessuren der Pechvogel, in der Rückrunde bewies er seine Qualitäten.
Text und Fotos: Jan Kirschner

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