Fragen an Björn Both

Warum ist es genau dieses Album-Thema geworden?

Wir sind mit Santiano ja immer bemüht, für uns und unsere Fans neue Welten zu erschließen, eine Entwicklung stattfinden zu lassen, und trotzdem Santiano zu bleiben, ohne uns ständig selbst zu kopieren. So sind wir anfänglich und zwischendurch immer mal wieder auf traditionellen Segelschiffen zu finden, aber auch schon auf schweren Stahlkolossen mit viel Rost und schmierigen Ketten. Dann haben wir ein Boot in Fitzcarraldo-Manier über Berge und durch die Wüste gezogen und sind zuletzt unter dem Meer hindurch gefahren. Nun geht es für uns ins Eis. Erstmalig mit einer Art Konzeptalbum gibt es im Grunde drei Erzählebenen. Die offensichtliche ist die Erzählung einer Polarreise im vorletzten Jahrhundert mit all seinen Entbehrungen, Rückschlägen aber auch der Triumphe, der kleinen und großen Siege. Sie erzählt von Mut, aber auch vom fast Aufgeben, von Zusammenhalt und vor allem vom Überwinden und Ankommen. Hier liest sich schon raus, dass natürlich auch die Befindlichkeiten, die sich in der Pandemie zeigten, eine Rolle spielen. Mit dem neuen Album WENN DIE KÄLTE KOMMT gehen wir nicht einfach nur ins Eis und feiern eine alte Abenteuergeschichte. Sondern wir werden auch auf die Probleme eingehen, die sich dort seit langer Zeit zeigen und die uns alle angehen. Ob wir wollen oder nicht. Aus diesem Grund haben wir uns zusammengeschlossen mit Arved Fuchs und seiner Ocean Change Mission und werden ihn, die „Dagmar Aaen“ und die Crew in Zukunft unterstützen. Und wo es für uns geht, Raum geben und Plattform sein für wichtige Informationen über Entwicklungen, die sich seit langer Zeit abzeichnen und wo wir verdammt noch mal und mit Verlaub, endlich den Hintern hochkriegen sollten.

Wie wichtig ist es Ihnen, die Arbeit am Album auch lokal umzusetzen, Stichwort: Elephant Music?

Dass es in einer digitalisierten Welt auch tatsächlich ohne räumliche Nähe geht, erleben wir ja selbst täglich in unserer Tätigkeit als Musiker. Nicht selten schicken auch wir aufgenommene Dateien zu Produzenten oder in Studios, wo sie dann verarbeitet werden. Corona hat das sicherlich noch einmal beschleunigt und verstärkt. Umso mehr wissen wir zu schätzen, dass wir mit Santiano zu Elephant Music kurze Wege haben, uns Auge in Auge sehen, uns direkt austauschen können und so – sozusagen Old School – die Dinge entwickeln und arbeiten. Dass die eigentliche Produktions- und Arbeitszentrale immer noch in Flensburg ist, ist für uns alle ein Segen. Selbst das neue Video haben wir hier gedreht. Ansonsten sind wir schon gut in der Republik verteilt mit einem Management in Berlin, Konzert Agenturen aus Bayreuth und Wacken und einer Plattenfirma in München und Berlin.

Text: flj
Fotos: Benjamin Nolte

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