Für einige Zeitgenossen mag der Mückenwald nicht mehr als eine Ansammlung von Bäumen sein, die sich zwischen Alter Ochsenweg und Alter Husumer Weg auf immerhin 25 Hektar erstreckt. Wer aber dort spazieren geht und vielleicht auf einem Weg stehen bleibt, um entspannt durchzuatmen, wird den Aufenthalt in der grünen Lunge von Flensburg-Weiche sicherlich genießen. Keine Frage: Der Mückenwald hat eine wichtige Naherholungsfunktion für den Stadtteil, er birgt aber auch manche Geheimnisse und vergessene Geschichten, die es wert sind, ans Tageslicht geholt zu werden.

Geheimnisse des Mückenwaldes, Teil 8
2009: Waldkindergarten-Gruppe im Mückenwald; Foto: Jan Kirschner

Naturgruppe

2009 beflügelten drei Faktoren die Gründung einer Waldkindergarten-Gruppe in der städtisch-integrativen Kindertagestätte Weiche: die Nachfrage aus der Elternschaft, die knappen Kapazitäten im Gebäudekomplex an der Bahnstraße und schließlich die sinnvolle Verknüpfung mit dem Kneipp-Konzept, für das sich die Kindertagesstätte schon vorher entschieden hatte. Das morgendliche Ziel der Kleinen war ab sofort der Mückenwald. Die Naturgruppe existiert noch heute.

Zäune und Kahlschlag

2012 näherte sich das wachsende Neubaugebiet der Gartenstadt immer mehr dem Mückenwald, der zeitgleich eine kräftige Durchforstung erfuhr. Einige Wege waren nur schwer passierbar, im Gelände blieben einige Baumstämme und Asthaufen zurück, um so die Ansiedlung von Kleintieren zu fördern. Die Stadtverwaltung beschloss, einen neuen Zaun zu setzen, um die Abgrenzung zwischen der Gartenstadt und dem Mückenwald zu betonen. Eine Absprache mit den neuen Haus- und Grundstücksbesitzern schlug allerdings fehl. In Unkenntnis dieser Maßnahme hatten die Anwohner zuvor selbst die Initiative ergriffen und einen Zaun errichtet, um die Tiere des Mückenwaldes fernzuhalten.

Geheimnisse des Mückenwaldes, Teil 8
Sturmfolgen: 2 2009: Waldkindergarten-Gruppe im Mückenwald 014 fiel sehr viel Holz an; Foto: Horst Otte

Kräftige Herbststürme

Orkan „Christian“ erreichte am 28. Oktober 2013 bis zu 169 Stundenkilometer. Kurz darauf folgte der fast genauso kräftige Orkan „Xaver“. In Weiche war das Freibad besonders gebeutelt. Einige Bäume hatten sich quergelegt. Ein Koloss beschädigte das Dusch- und Umkleidegebäude sowie einige Zäune. Im Mückenwald stand ein Schild: „Städtische Wälder dürfen nicht betreten werden.“ Als das Betretungsverbot wieder aufgehoben wurde, zeigte sich das Ausmaß der Verwüstung. Nördlich des Freibades hatte das Unwetter eine größere Lichtung geschlagen, die wieder aufgeforstet werden musste. Nach den Aufräumarbeiten lagen viele Baumstämme am Wegesrand.

Umgestaltung

Im Herbst 2018 war so mancher Spaziergänger schockiert. An vielen Stellen des Mückenwaldes lagen Stämme und glänzten frische Baumstucken. Einige Ecken waren regelrecht abgeholzt worden. Michael Gräf, damals der zuständige Förster beim Technischen Betriebszentrum Flensburgs, erklärte, dass der Mückenwald langfristig „umgestaltet“ werden sollte – vom Nadelwald zu einem standortgerechten Laubwald, aufgelockert durch wenige Nadelbäume. Da in jener Zeit der Grundwasserspiegel stark angestiegen war, hatten sich zudem in einigen Bereichen des Waldes die Zweifel an der Standfestigkeit der Bäume gemehrt. Der Abtransport des Holzes verzögerte sich aufgrund eines durchnässten Bodens. Inzwischen sind im Mückenwald Eiche, Aspe, Ahorn, Birke und Edelkastanie heimisch geworden.

Geheimnisse des Mückenwaldes, Teil 8
Der Mückenwald ist ein Rückzugsgebiet für die Tierwelt; Foto: Jan Kirschner

Drainage

Um 2018 herum stand auch der Rundweg um den Mückenteich längere Zeit unter Wasser. Eine Art „Drainage“ sollte Abhilfe schaffen. Es wurde ein Überlauf für das Wasser angelegt – um die Nässe in andere Ecken des Mückenwaldes umzuleiten, wo sie dann versickern sollte. Dadurch war gewährleistet, dass man den Rundweg um den Teich wieder nutzen konnte. Im Uferbereich wurden einige Bäume geopfert, um eine Moorbildung zu fördern. Heute gilt das Areal als ein ökologisch besonders wertvolles Biotop, das Reptilien, Amphibien und auch Vögel anlockt. Jährlich werden Wintervogelzählungen durchgeführt, wobei Waldkauz, Graureiher, Dom­pfaff oder Kleiber beobachtet werden.

Freizeit-Tipp

Der Mückenwald hat eine wichtige Naherholungsfunktion für Weiche. Wer ihn durchschreitet, trifft immer wieder auf andere Spaziergänger, Hunde mit Herrchen oder Frauchen sowie Radfahrer. Es gibt mehrere Eingänge: am Alten Husumer Weg, an der Dialyse-Station im Ochsenweg und im Stiftungsland. Der Mückenwald ist auch Teil eines Flensburger Radwanderweges, was einige Informationstafeln bekunden.     

Text: Jan Kirschner    

- WERBUNG -