Es ist das historische Kleinod in der Gemeinde Handewitt schlechthin: das Dorfmuseum. Es hat nach ziemlich genau 25 Jahren einen geschichtsträchtigen Standort verlassen und ist an einen anderen gezogen: vom Kirchberg, wo sich einst die Handewitter Dorfschule befand, in die ehemalige Gemeindeverwaltung, wo fünf Dekaden lang kommunale Befindlichkeiten gesteuert wurden. Im Südflügel residiert nun die historische Sammlung. Vor wenigen Tagen war die Eröffnung.

Dorfmuseum Handewitt: Vom Kirchberg in die alte Gemeindeverwaltung
„Herr Hansen“ unterrichtet

Ein Umzug über mehrere Monate

Einige Schilder und einige Hingucker, darunter ein Grenzstein des 1974 erloschenen Kreises Flensburg-Land, bezeugen direkt an der Handewitter Hauptstraße den Umzug. Die automatische Schiebetür am Haupteingang, die einst zu Büros oder dem Einwohnermeldeamt führte, hat sich zum Einstieg in eine Zeitreise gewandelt.

Dorfmuseum Handewitt: Vom Kirchberg in die alte Gemeindeverwaltung
Ein Friseursalon ist integriert

In Blickrichtung befindet sich das große Schwarz-Weiß-Foto einer Jarplunder Dame mit Hund: Meta Röh. Von ihr stammt der große Schrank, der den ganzen Durchgang zum ehemaligen Verwaltungsflur bedecken kann.

Zu Fuß oder mit einem Rollstuhl-Lift lässt sich die Treppe zur ersten Etage bewältigen. Einmal rechts und vier weitere Stufen – und man landet im ehemaligen Sitzungsaal. Jetzt ist es die „Kuddelmuddel-Stuuv“, benannt nach dem plattdeutschen Wort des Jahres. Dort soll es Platz geben für die museumspädagogische Arbeit oder Sitzungen.

Dorfmuseum Handewitt: Vom Kirchberg in die alte Gemeindeverwaltung
Inga und Sabine Johannsen präsentieren historisches Spielzeug

Sabine Johannsen, die Vorsitzende des Fördervereins, ist dankbar für die große Unterstützung durch ihr Team – und auch von ihrer Familie. Tochter Inga fungiert seit wenigen Monaten als Stellvertreterin. Das Projekt „Umzug“ lief seit Oktober. Zum Mai endete das Mietverhältnis auf dem Kirchberg, wo zuletzt die Enge störte und viele Exponate auf dem Dachboden lagerten. „Ein Umzug ist auch immer eine Chance zum Sortieren und zum Aussortieren“, erzählt Sabine Johannsen. „Wir hatten noch nie so viel in der Hand gehabt wie in den letzten Monaten.“ Utensilien aus Bayern oder Dekoratives im französischen Rokoko-Stil passten nicht zum norddeutschen Konzept. 20 Fleischwölfe desselben Models waren mindestens 18 zu viel. Und es tauchte auch einiges auf, was der Holz­wurm zerstört hatte oder gerade noch gerettet werden konnte.

Hiesiges Landleben des 19. und 20. Jahrhunderts

Einige bauliche Maßnahmen beauftragte die Gemeinde. Zwischen dem ehemaligen Büro des Bürgermeisters und der „Kuddelmuddel-Stuuv“ wurde ein Durchgang mit Treppe geschaffen. Als Abgrenzung zur neuen Polizeistation wurde Mauerwerk eingezogen. Die Räumlichkeiten mussten mit Brandschutztüren nachgerüstet werden. Das Ambiente der Amtsstube ist noch erkennbar, nun ist sie der Hort einer Sammlung, die das hiesige Landleben des 19. und 20. Jahrhunderts ansprechend würdigt.

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Ein Kaufmann wie annodazumal

Ein Rundgang bietet viele Fassetten: zum Beispiel einen Kaufmannsladen mit Kasse, Tresen und alten Getränkeflaschen. Eine Miniatur-Version aus Holz steht im Spielzeugzimmer, wo Kinder der 1950er und 1960er Jahre gewiss in Erinnerungen schwelgen werden. In einem Klassenzimmer dominieren die Holzbänke und das Maskottchen „Herr Hansen“, das schon vor Jahren die Tafel mit Kreide beschriftet haben soll. Ein Schatz ist auch der Friseursalon mit seinen zwei Arbeitsplätzen und einer Leseecke, in der Zeitschriften von annodazumal liegen. In die Kunst des Waschens und der Handarbeit weisen Handmangel und Nähmaschinen ein.

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Landwirtschaftliche Geräte

Schlafzimmer, historische Küche und Trauungen

Rund zehn Themenzimmer prägen das Konzept. Eines betont die gesamte Spanne des Lebens: vom hellen Kinderwagen bis hin zur schwarzen Witwenkleidung. Das Schlafzimmer schlummert wie zu Omas Zeiten. Die beiden Küchen dokumentieren die Epochen um 1900 und 1960. „Der Herd wäre wohl noch nutzbar, wenn man den Abzug richtig anbringen würde“, meint Sabine Johannsen.

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Das Team des Dorfmuseums beteiligt sich auch an Veranstaltungen der Gemeinde

Im ehemaligen Trauzimmer hat die „beste Stuuv“ eine neue Bleibe gefunden. Eine herzrote Couch, ein Pult, ein Schrank, Tische und Stühle erzeugen eine Atmosphäre wie im Waggersrotter Holländerhof, von dem das Handewitter Dorfmuseum viel übernommen hat. Das historische Schmuckstück auf der Geest feierte am 22. Juni eine Premiere: Gegen eine Gebühr kam der Standesbeamte vom Bürgerhaus in die Hauptstraße und traute ein Paar aus der Region. Dazu gab es Sekt aus Kristallgläsern. Ein ebenso romantischer wie nostalgischer Moment, den in Handewitt nur das Dorfmuseum bieten kann.

Text und Fotos: Jan Kirschner 

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