Er hat es zu Teilen seiner großen Leidenschaft „Fußball“ zu verdanken, wie sein Leben tatsächlich verlaufen ist, dass er nun schon fast die Hälfte seines bisherigen Daseins auf der anderen Seite des „großen Teichs“ in den Vereinigten Staaten verbracht hat und dort auch ganz offensichtlich sein privates und berufliches Glück gefunden hat. Das Flensburg Journal sprach mit seinen Eltern Brigitte und Klaus Görres, die heute – als zufriedene Rentner und mehrfache und glückliche Großeltern – nach wie vor in Flensburg-Weiche leben und dort zuhause sind.
Saschas unbeschwerte Kindheit
Sascha Görres wurde am 27. Februar 1980 geboren, natürlich in Flensburg. „Wir wohnten damals noch in Engelsby in einer Etagenwohnung, im Trögelsbyer Weg“, erinnert sich seine Mutter. „Hier hat unser Sascha seine ersten Schritte gemacht“, ergänzt Vater Klaus. „Als er man gerade etwa zwei Jahre alt war, entdeckte er das runde Etwas für sich – das bald stets im Mittelpunkt seines Lebens stehen sollte … Unsere Wohnung hatte einen langen Flur, den Sascha jetzt als Spielfeld für sich nutzte: Hier kickte und bolzte und schoss er praktisch durchgehend den Ball hin und her und immer noch einmal. Ich kam meist gegen 16 Uhr von der Arbeit heim. Da stand der Junge schon mit dem Ball unterm Arm und erwartete mich an der Wohnungstür: „Komm Papa, wir spielen ein Spiel!“ Zum Glück für Familie Görres war die Nachbarin in der Wohnung darunter ziemlich schwerhörig …

Bald wurde die Wohnung allerdings zu klein für die vierköpfige Familie, ein Schwesterchen komplettierte das Familienglück. „Wir fanden schließlich in Weiche im Hirschbogen das passende Haus für uns.“ Der Vater hatte es jetzt nicht mehr allzu weit zur Arbeit, und im Umfeld gab es für die Kinder unendlich viele Spielmöglichkeiten, zudem sehr viele gleichaltrige Kinder. „Sascha haben wir bald tagsüber kaum noch bei uns zuhause gesehen. Er war ständig draußen, den Ball immer dabei, und schnell fand er in Weiche viele Freunde und Fußballkumpels, die ihn seine gesamte Jugendzeit über begleiten sollten.“
Der Junge wird Vereinsspieler
Natürlich kannten die Jungs längst den örtlichen Fußballverein ETSV Weiche. „Sascha bettelte so lange, bis wir ihn im Alter von 5 Jahren dort anmeldeten, er nun mit Begeisterung seine ersten Schritte als Vereinskicker in der „Pampers“-Mannschaft machte – so wurden die Kleinsten damals genannt. Seine besten Freunde, Nachbarskinder und Spielkollegen wie Andy Stark, Mario Albrozeit und Ronny Bettenbühl waren natürlich auch dabei. Weiche-Urgestein „Haddy“ Suhr und Holger Strauß waren seine ersten Trainer, beide haben den wissbegierigen Jungs viel zeigen können und gute Jugendarbeit geleistet. Haddy trainierte gleich mehrere Jugendmannschaften, und als auch Holger immer weniger Zeit hatte, war plötzlich sein Vater Klaus Trainer der F-Jugend“, schmunzelt Brigitte Görres. Klaus blieb insgesamt 20 Jahre der Jugendabteilung des ETSV Weiche als Trainer treu.
Als Sascha älter wurde und in die D-Jugend wechselte, sollte und wollte er nicht mehr vom eigenen Vater trainiert werden. „Dennis Hagen wurde nun sein Coach und Trainer, der genauso kompetent war und der Mannschaft ebenfalls gut bekam. Sascha und auch Andy und Mario waren allesamt sehr gute Kicker, deren Können natürlich auch anderen Vereinen sowie deren Trainern und Verantwortlichen nicht verborgen blieb.“ Selbst in der Schule, der hiesigen UNESCO-Schule, war Fußball ein Dauerthema. Alljährlich zum Schuljahresende fand dort ein internes Turnier aller Klassenstufen statt. „Saschas 4. Klasse gewann dabei nicht nur das beliebte Turnier, sondern besiegte auch leicht und locker höhere Klassenjahrgänge.

Auch in der Kreisauswahl des KFV Flensburg kickte Sascha inzwischen mit Erfolg. Bei einem Turnier aller SHFV-Teams sämtlicher Fußballkreise auf der Halbinsel Priwall bei Lübeck holte unsere Flensburger Auswahl seinerzeit sensationell den dritten Platz – sonst waren wir dort immer nur unter „ferner liefen“ platziert“, weiß Klaus noch genau. Gern hätten den Jungen diverse andere Vereine – auch von außerhalb Flensburgs – zu sich geholt. Doch seinen Eltern war es wichtiger, dass er daheim in Flensburg eine solide Schulbildung erfuhr und zudem einen ordentlichen Schulabschluss hinlegte.
Saschas Fußballkarriere in Flensburg
Im Verein ETSV Weiche durchlief Sascha alle Jugendmannschaften bis rauf zu den Jungmannen (A-Jugend). Als A-Jugendlicher des älteren Jahrgangs wurde er mit einer Sondergenehmigung für die Seniorenmannschaften freigeholt. So rückte er im Spieljahr 1999 in die 1. Herren (damals in der Bezirksliga spielend) des ETSV auf und schaffte mit dem Team gleich in seiner ersten Saison ungeschlagen den Aufstieg in die Bezirksoberliga. Er war sofort ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, wurde mit gerade einmal 20 Jahren sogar zum Mannschaftskapitän gewählt – das beschreibt am besten seinen hohen Stellenwert innerhalb des Teams.
In der Saison 2001/2002 holte diese Mannschaft mit Platz 1 die Meisterschaft in der Bezirksoberliga nach Weiche. In der anschließenden Aufstiegsrunde verpasste das Team allerdings den Aufstieg in die Verbandsliga. Sascha Görres, der im Frühjahr 1999 seine Schullaufbahn mit dem Abitur an der AVS in Flensburg erfolgreich abschloss, begann im Herbstsemester 2000 sein anvisiertes Studium der Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Flensburg. Zwischen dem Schulabschluss und dem Studiumbeginn leistete er seinen 10monatigen Wehrdienst bei der Luftwaffe ab, in den Standorten Heide und Leck.

Sportlich entschied er sich nach intensivem Überlegen nach immerhin 17 Jahren Vereinszugehörigkeit zum ETSV Weiche zu einem Wechsel zum höherklassig spielenden Oberligisten und Nachbarverein TSB Flensburg – er wollte gern auch einmal höherklassig spielen.
Der Vereinswechsel verlief zwar unglücklich, aber …
Seine erste Oberligasaison 2002/2003 verlief leider wenig erfolgreich für seinen neuen Verein TSB, der den unerwarteten Aufstieg zu Saisonbeginn erst einmal verkraften musste – dem Team ging leider die Tauglichkeit für die anspruchsvollere Spielklasse ab. So stieg die Mannschaft schließlich als 17. und Tabellenletzter am Saisonende in die Verbandsliga ab, Sascha stand jedoch in allen 32 Ligaspielen in der Startaufstellung der Truppe, wurde meist im linken Mittelfeld eingesetzt und spielte persönlich eine bemerkenswert gute Serie.
Sportlich lief es für den aufstrebenden Kicker also nicht so gut wie erhofft, doch er machte in diesem Jahr die Bekanntschaft des US-Amerikaners Marco Genee, der während eines Gastsemesters in Flensburg beim TSB Flensburg als Trainer hospitierte.
Ein unverhoffter Wechsel des Studienorts
Sascha hatte bereits einige Semester im Fach „Wirtschaftsinformatik“ an der FH in Flensburg absolviert, als ihm sein neuer Bekannter dabei half, als Austauschstudent für zunächst ein Semester nach North Carolina in die USA gehen zu können.
Ab dem Herbst 2003 studierte er nun also an der „University of North Carolina at Pembroke“, wo besagter Marco Genee bereits als Assistenzcoach des College-Fußballteams tätig war. Nach dem ersten halben Jahr kehrte Sascha zwar vorerst zurück nach Deutschland, um im Frühjahr 2004 seine letzten Kurse an der FH Flensburg zu absolvieren, auch seine abschließende Diplomarbeit fertigte er später in den jeweiligen Saisonpausen 2005 und 2006 in Deutschland an. Zum Herbstsemester 2004 kehrte Görres in die Vereinigten Staaten an die UNCP zurück und schloss im Frühjahr 2005 sein dortiges Studium mit einem Bachelor in Business Management ab.
(Pembroke ist eine Kleinstadt im Robeson County, North Carolina, USA. Sie liegt etwa 145 Kilometer landeinwärts und nordwestlich der Atlantikküste. Die Einwohnerzahl betrug laut Volkszählung von 2020 rund 2.900. Quelle: wikipedia)
Erfolge als Fußballspieler in Pembroke
Ein wichtiger Grund, warum er überhaupt an der UNCP für ein Gastsemester angenommen wurde, war sein fußballerisches Können. Nun spielte er natürlich auch für diese Uni in deren Fußballteam. Mit dem Collegeteam, den UNCP Braves, erreichte er 2004 erstmals in der Geschichte der Fußballsparte des Colleges das Final-Four-Turnier der „NCAA Division II Championship“. Sascha Görres fand sich schnell in der neuen Umgebung zurecht und wurde für seine überragenden Saisonleistungen sogar in das First-Team All-American der NCAA Division II gewählt. In seinen beiden College-Spielzeiten kam er in insgesamt 38 Partien zum Einsatz, erzielte dabei 15 Tore und bereitete weitere 28 Treffer vor – man kann also feststellen, dass er dort bestens einschlug und mitverantwortlich für den unerwarteten sportlichen Erfolg der Institution wurde.

Sascha hat die „Qual der Wahl“
Nun hatte Sascha zwei Studienabschlüsse in der Tasche, einmal den Bachelor der FH Flensburg in Wirtschaftsinformatik und zudem das entsprechende Diplom der „University of North Carolina at Pembroke“. Nun stellte sich ihm die Frage: Wie stelle ich mir mein weiteres Leben vor? Beruflich hätte er sofort bei seinem Onkel Gerd Pontius in Flensburg anfangen können. Der hatte einige Jahre zuvor ein international erfolgreiches Unternehmen in der Luftfahrtbranche gegründet, das weltweit für Flughäfen und Fluggesellschaften beratend tätig war. Sascha hatte schon während seines Studiums ebendort erfolgreich einige Praktika absolviert. Doch Sascha sah für sich eine andere und ihm besser ins Konzept passende Option: Ihm winkte in den USA eine Karriere als Fußball-Profi!
Sascha erlebt eine erfolgreiche Sportkarriere
Im Jahr 2005 wurde er beim „USL-1 College Draft“ von dem Profi-Verein „Richmond Kickers“ zum Probetraining eingeladen und – nachdem er beim Probetraining überzeugen konnte – mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet. (Der Begriff „Draft“ beschreibt den Prozess des Erwerbs von Spielern durch professionelle Sportligen wie der „Major League Soccer (MLS)“, die ihre künftigen Spieler meist aus College-Mannschaften auswählen.)
Das war gewissermaßen Lohn und Anerkennung für Saschas fußballerische Leistungen und Erfolge während seiner College-Zeit. Nun zog Sascha um aus dem beschaulichen Pembroke nach Richmond, in die Hauptstadt von Virginia, einer Stadt mit rund 240.000 Einwohnern.
Sein Start in die Profi-Karriere verlief sehr erfolgreich: In seiner ersten Profisaison, in der er im Team meistens im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, erreichte Sascha Görres mit Richmond sogar das Playoff-Finale der USL First Division, unterlag dort aber den Seattle Sounders mit 3:4 im Elfmeterschießen. Zur Saison 2006 zogen sich die Richmond Kickers jedoch aus finanziellen Gründen in die USL Second Division zurück. Eine Klasse tiefer war das Team aber auch sehr erfolgreich, denn am Ende der Saison 2006 gelang durch einen 2:1-Finalerfolg gegen die Charlotte Eagles sogar der Gewinn der Meisterschaft. Sascha trug wesentlich zu diesem sportlichen Triumph bei: Er wurde für seine Leistungen folgerichtig in die Mannschaft der Saison („All League First Team“) berufen, eine besondere Auszeichnung, die er zwei Jahre darauf in 2008 erneut erhielt.

Die Mannschaft war in diesen Jahren bis ins Jahr 2010 sehr erfolgreich, wurde Vizemeister in der Saison 2007, dann holte das Team in 2009 erneut die Meisterschaft in der USL-2. Ab 2008 spielte Sascha Görres überwiegend als linker Verteidiger und wurde 2008 sogar für die Wahl des „Defender of the Year“ nominiert. (Anmerkung: In den USA dauert eine Spielzeit/Saison nur etwa 9 Monate und wird innerhalb eines Kalenderjahres absolviert.) Sascha blieb dem Club weiterhin treu, spielte von Anfang 2011 bis zum Ende der Saison 2016 mit seiner Mannschaft in der Eastern Conference der United Soccer League. Sein letztes Punktspiel bestritt er am 24.07.2016 beim 3:0-Sieg im Heimspiel gegen die zweite Mannschaft des Toronto FC.
Eine eindrucksvolle Bilanz als Profi-Fußballer
Seit der Verpflichtung durch die Richmond Kickers spielte er insgesamt zwölf Spielzeiten für das Team. Seine sehenswerte Bilanz: Er bestritt 281 Spiele, stand dabei mehr als 23.000 Minuten auf dem Platz, schoss 17 Tore, stand an dritter Stelle für die meisten Vorlagen in der Vereinsgeschichte (52 Vorlagen). Er war Teil von zwei USL-Meisterschaftsteams und hält noch heute den Vereinsrekord für die meisten aufeinanderfolgenden Einsätze (107). Sascha wurde außerdem zweimal in das USL All-League First Team und das USL All-League Second Team gewählt und war 2008 Finalist für die Wahl zum USL „Defender of the Year“. Von 2013 bis 2018 war er zusätzlich auch noch als Assistenztrainer des Richmond Kickers Pro Teams unter den Cheftrainern Leigh Cowlishaw und David Bulow tätig.
Saschas Karriere als Fußball-Lehrer
Schon in recht jungen Jahren kümmerte er sich um die Erlangung von Trainerscheinen sowie den entsprechenden Lizenzen. So besitzt Sascha neben einer US-amerikanischen Jugend-Fußballlizenz – die „US-Soccer-National-B-Lizenz“, auch eine A-Lizenz, begann bereits im Jahr 2007 in Richmond als Trainer für den Richmond Kickers Youth Club, in dem er nun als Cheftrainer für verschiedene Altersgruppen und Leistungsstufen fungierte. 2015 wurde er sogar zum Cheftrainer des „Development Academy Program“ von Richmond United befördert und trainierte in den letzten acht Spielzeiten verschiedene Altersgruppen. 2018 wurde er zum Boys Director ernannt und betreute die talentiertesten U13- bis U19-Teams der Region. Mit beachtlichem Erfolg: Unter seiner Führung unterzeichneten sieben Spieler USL-Amateurverträge mit Richmond Kickers Pro, 22 Spieler traten den MLS Professional Academies bei und über 60 Spieler nahmen an College-Fußballprogrammen teil, darunter über 40 in Programmen der Division 1.
Die Trainingsarbeit mit Kindern und Jugendlichen war ihm übrigens nicht neu: Bereits während seiner Zugehörigkeiten zum ETSV Weiche und später zum TSB Flensburg hatte er mit Erfolg die damalige C-Jugend des ETSV Weiche erfolgreich trainiert, gemeinsam mit seinen Fußballkameraden Jan Neujahr und Jens Nielsen!

Berufswechsel in die Funktionärsebene
Ganz bewusst trieb Sascha nach seiner Spielerkarriere seine Funktionärslaufbahn im Fußballbereich voran. So wurde er folgerichtig zum Direktor der Richmond United Academy im Bundesstaat Virginia ernannt. „Ich fühle mich sehr geehrt, diesen Posten übernehmen zu dürfen“, erklärte im Jahr 2018 der gerade 38 Jahre alt gewordene Ex-Profi in einer offiziellen Mitteilung der Richmond Kickers, für die er zwischen 2005 und 2016 – überwiegend in der dritthöchsten Liga des Landes – mehr als 280 Pflichtspiele bestritten hatte. Nach dem Ende seiner aktiven Zeit wurde Görres bei den Kickers in den Trainerstab der ersten Mannschaft integriert.
Im Jahr 2017 erwarb er in Florida die amerikanische A-Lizenz. Fortan kümmerte sich der Ex-Profi intensiv um das Tagesgeschäft der Richmond-Akademie. „Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, erfüllt mich sehr, es ist immer wieder eine Bestätigung für den Einsatz, den man leistet, wenn die Talente der Region eine positive Entwicklung nehmen“; weiß Sascha Görres aus gelebter Erfahrung. Und es funktioniert: Mit dem U12- und U14-Team ist die Talentschmiede in der jeweils höchsten US-Spielklasse am Ball.
In Richmond sein privates Glück gefunden
Der Fußballsport hat auch seinen Teil „Schuld“ daran, dass Sascha neben dem sportlichen Erfolg auch sein privates Glück in Richmond gefunden hat. Auf der Geschäftsstelle seines Vereins war jahrelang neben anderen dort beschäftigten Mitarbeitern eine gewisse attraktive und blonde junge Frau im Management tätig, mit der er immer mal wieder dienstlich zu tun hatte. Man fand sich recht schnell gegenseitig sympathisch – obwohl es im Verein überhaupt nicht gern gesehen wurde, wenn Profis oder andere Beschäftigte innerhalb des Vereins Beziehungen eingingen … Als es dann irgendwann bei Sascha und der Kollegin Shelley so richtig funkte, mussten sie ihre Beziehung anfangs noch recht lange geheim halten. Doch aus der anfangs heimlichen Beziehung wurde schließlich eine gegenseitige Liebe, die von allen letztlich akzeptiert wurden. Das Happy-End: Die beiden heirateten, mittlerweile sind sie eine glückliche vierköpfige Familie: Shelley, Sascha und die beiden Söhne Lasse und Henning.

Eine weitere berufliche Veränderung auf der Karriereleiter …
Im Jahr 2023 wurde Sascha Görres von einem Indoor-Sportanbieter beauftragt, einen neuen Jugendfußballverein in Richmond aufzubauen. Der Virginia Velocity FC sollte die bestehende Infrastruktur des hochmodernen Sofive Richmond nutzen und perspektivisch durch eigene Outdoor-Fußballfelder ergänzt werden. Görres wurde eingestellt, um den Verein von Grund auf zu gründen. Für ihn bedeutete diese Aufgabe eine einmalige Chance. „Alles, was ich in fast 40 Jahren als Spieler, Trainer und Manager im Fußball gelernt habe, konnte ich hier bündeln und auf die Probe stellen“, sagt Görres.
Ziel war es, nicht nur Trainingsprogramme zu entwickeln, sondern einen Verein mit klarer Identität und langfristiger Vision für die Community in Richmond zu schaffen. Sein Verständnis von Vereinsfußball ist stark von seiner eigenen Jugend geprägt. Aufgewachsen in Weiche spielte er viele Jahre mit Freunden aus der Nachbarschaft gemeinsam in einer Mannschaft. Die Vereinskultur beim ETSV Weiche, aufgebaut von Haddy Suhr und vielen engagierten Menschen, empfand er als zweites Zuhause.
Genau dieses Gefühl vermisst Görres im amerikanischen Jugendfußball häufig. Sascha verfolgt daher bewusst einen anderen Ansatz. Fußball soll mehr sein als „nur“ Training und Spielbetrieb. Im Mittelpunkt stehen Beziehungen, Verbundenheit und die Freude am gemeinsamen Spielen. Einen Ort zu schaffen, der sportliche Entwicklung und echtes Vereinsleben verbindet, bezeichnet er heute als die anspruchsvollste und erfüllendste Aufgabe seiner bisherigen Laufbahn. Dass dieses Modell funktioniert, zeigt die Entwicklung des Vereins: Im ersten Jahr startete Virginia Velocity FC mit fünf Mannschaften. Inzwischen ist der Club auf 16 Teams angewachsen – ein klares Zeichen dafür, dass der Ansatz bei Spielern und Familien in der Region Anklang findet.

Fazit
Man kann schon mit Fug und Recht sagen, dass für ihn in den Vereinigten Staaten ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Überhaupt das Jahr 2023: Die vierköpfige Familie Görres ist in jenem Jahr auch privat umgezogen: Aus der Großstadt Richmond in das nahegelegene Chesterfield, in eine großräumig angelegte Wohnlandschaft mit über 200 Wohneinheiten, etwa eine halbe Stunde von Saschas Arbeitsplatz in Richmond entfernt.
Auch wenn Sohn, Schwiegertochter und die beiden Enkelkinder Tausende von Meilen entfernt leben, freuen sich Brigitte und Klaus Görres natürlich über das Glück ihres Sohnes, das er in der Fremde gefunden hat – die für ihn längst zur Heimat geworden ist. „So haben wir in den vergangenen Jahren viele Flugkilometer sammeln können – wir freuen uns, dass wir nach wie vor so fit sind, dass wir relativ regelmäßig zu den Kindern in die USA fliegen zu können“, bestätigen uns die stolzen Großeltern und Eltern.
Mit Brigitte und Klaus Görres sprach Peter Feuerschütz, Sascha Görres steuerte Ergänzungen bei!
Fotos: privat















