Kultur, Geselligkeit und Klönschnack vom 17. bis 20. September
Ellund ist schon seit einem halben Jahrhundert keine eigenständige Gemeinde mehr, aber immer noch ein lebendiges Dorf. Das wird auch bei einem Treffen im Schützenheim deutlich, bei dem Vertreter sämtlicher örtlicher Vereine nochmals das anstehende Jubiläum besprechen. Der Tisch ist gut gefüllt, viele haben sich freiwillig gemeldet, ihren Teil zum Gelingen des Ereignisses beizutragen. Es heißt: „625 Jahre Ellund“. Seine 770-köpfige Bevölkerung feiert vier Tage lang – vom 17. bis zum 20. September – mit Kultur, Geselligkeit und Klönschnack. Dabei wird das Dorf gewiss seine Lebendigkeit unter Beweis stellen. „Der Zusammenhalt ist überragend“, meint einer der Anwesenden. Ein anderer schmunzelt: „Beim Umzug wird ja niemand an der Straße zum Zuschauen stehen, weil alle mitlaufen wollen.“

23 Jahre seit dem letzten Jubiläum
Dieses Mal ist man in Ellund rechtzeitig dran. Es ist eine kuriose Randnotiz, dass die 600-Jahre-Party nicht schon 25, sondern erst 23 Jahre zurückliegt. Das kam so. 2001 überlegte der inzwischen verstorbene Ellunder Chronist Hans Truelsen auf der Rückfahrt von einer Veranstaltung, wie alt sein Dorf eigentlich wäre. Die Antwort fand er in einem Archiv auf einem privaten Erbvertrag. 1401 wurde die Ortschaft „Ellundt“ erstmals erwähnt, exakt 600 Jahre zuvor. Für die Ausrichtung eines großen Festes war es zu diesem Zeitpunkt zu spät, zumal damals die Arbeiten an der Ortsentwässerung tiefe Schneisen in das Ellunder Ortsbild zogen. So einigte man sich darauf, das Jubiläum im September 2003 nachzuholen.

Damals entstand auch eine kleine Chronik des Dorfes. Man geht davon aus, dass der Ortsname von einem Erlenwald abgeleitet wurde. Für die Frühzeit gibt es allerdings kaum bis gar keine Quellen. Erst für Anfang des 17. Jahrhunderts sind zwölf Höfe, Bohlen genannt, historisch belegt. Sie gehörten unterschiedlichen Grundherren: vier dem König, vier dem adeligen Gut Lindewitt und zwei der Kirche Sankt Marien zu Flensburg. Eine war eine Kollunder Freibohle und die letzte besetzten sechs Kätner. Die Gemarkung umfasste insgesamt 1350 Hektar. Sie galt als „armes Heidebauerndorf“, das manchmal auch als „Elend“ tituliert wurde.

Einflüsse von Kriegen und Politik
Auch wenn Ellund nur eine kleine Ortschaft war, so wurde es doch immer wieder von den Wirren der großen Politik berührt. Zum Beispiel vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), als Truppen das Dorf völlig verwüsteten. 1706 erhielt Ellund eine eigene Dorfsatzung: den sogenannten „Willkür- oder Scheerbrief“, der alle Dorfangelegenheiten regelte – von landwirtschaftlichen Bestimmungen bis hin zu Strafen.
Lange herrschte in Ellund wie andernorts die gemeinsame Flurbewirtschaftung. 1800 verfügte die königliche Regierung die Durchführung einer Landaufteilung. Die Richtigkeit dieser großen Maßnahme zeigte sich schnell: Höhere Felderträge brachten mehr Wohlstand ins Dorf. Allerdings nur kurz, denn im Zuge des Bankrotts des dänischen Staats (1813/14) sanken die Bodenpreise drastisch. In Ellund gingen die Höfe reihenweise pleite.

Unruhig war auch die Zeit zwischen 1848 und 1871: Die Administration war mal dänisch, dann schleswig-holsteinisch oder kaiserlich-königlich-österreichisch und schließlich preußisch. Mit der Eingliederung von Schleswig-Holstein in das Deutsche Reich wurden die kommunalen Strukturen reformiert. Unter anderem wurde das Amt des Gemeindevorstehers, später Bürgermeister, neu installiert. Das erste Ellunder Gemeindeoberhaupt war Peter Asmus Petersen (1866-1869). Ihm folgten elf weitere, bis Christian Sörensen (1966-1974) den Schlusspunkt setzte.
Landwirtschaft, Handwerker und eine Sparkasse
Um 1900 dominierte im 220-Seelen-Dorf die Landwirtschaft. Daneben existierten ein Schmied, ein Kaufmann, eine Gastwirtschaft und einige Handwerker. 1921 gründete sich eine eigene Spar- und Darlehenskasse, die 1965 mit der Raiffeisenbank Handewitt verschmolz. Seit 1923 floss elektrischer Strom. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die politische Situation abermals verändert: Nach der Volksabstimmung von 1920 war Ellund Grenzort. Eine geographische Lage, die 1978 durch den Bau der Autobahn und des Grenzübergangs bundesweit bekannt wurde.

Die Nachkriegszeit stand im Zeichen der Flurbereinigung, die von 1955 bis 1958 abgewickelt wurde. Neue Wirtschaftswege zogen sich durch die Felder, Vorflutgräben regelten die Entwässerung, Aufforstungen bedeckten besonders sandige Flächen, und Asphalt legte sich über die Dorfstraßen. Gleichzeitig begann die Bautätigkeit. Ellund wuchs und wandelte sich immer mehr zum Wohndorf. 1974 endete die kommunale Eigenständigkeit Ellunds. Ein kompliziertes Patt im Gemeinderat begleitete die Entscheidung zwischen Harrislee und Handewitt. Letztendlich beschlossen die Ellunder, sich der Großgemeinde Handewitt anzuschließen und dem „Schul-Trend“ zu folgen. Kinder und Jugendliche Ellunds besuchten bereits seit 1970 die Dörfergemeinschaftsschule in Handewitt. Dank des Vereinswesens und der Feuerwehr bewahrte Ellund aber stets seine eigene örtliche Identität, was die große Euphorie um das Dorfjubiläum untermauert.

Kinder-Disco, großes Fest und Nacht der Chöre
2003 pulsierte der rege Gemeinsinn drei Tage. Senioren-Nachmittag, Kinder-Disco, etliche Vorführungen und ein Umzug durch das geschmückte Ellund hielten das ganze Dorf auf Trab, bis die Show-Band „Tante Luzy“ das große Festzelt einheizte. Die Gemeinde Handewitt stiftete damals zwei Bänke. Bürgermeister war Horst Andresen. Dieser erinnerte vor einiger Zeit an das aktuelle Jubiläum. Unter Leitung des Wehrführers Richard Andersen setzte sich ein Festausschuss vor einem Jahr erstmals zusammen und bereitete die vier Festtage vor. Auf dem Reitplatz am Ellunder Schützenheim wird ein 500 Personen fassendes Zelt aufgebaut.

Der Reigen beginnt am Donnerstag, 17. September, um 18.30 Uhr mit einer Eröffnung – unter dem Motto „40 Jahre Kulturtreff Ellund“. Später spielen das „Geestland-Trio“ und die Band „Timmerlund“. Eine Dia-Show von Nico Kjergaard lässt an allen Tagen die Historie Ellunds lebendig werden. Am Freitag steppt ab 17 Uhr der Bär bei der Kinder-Disco, ab 19 Uhr feiern die „Ellunder Nordlichter“ ihr 25-jähriges Bestehen mit einer „Nacht der Chöre“. Am Samstag startet um 10 Uhr ein Umzug am Reitplatz, der auch dorthin zurückkehrt und in ein buntes Kinderfest übergeht. Am Samstag folgt eine weiß-blaue Nacht. Für Kurzentschlossene gibt es um 20 Uhr noch Eintrittskarten an der Abendkasse. Kostenpunkt: 20 Euro. „DJ K Dee“ sorgt für Musik. Nach einer vermutlich rauschenden Nacht bilden am Sonntag ein Gottesdienst mit Pastor Hanno Weber und Bläserchor (11 Uhr) sowie ein Frühschoppen mit Mittagessen (12 Uhr) den Abschluss.
Text und Fotos: Jan Kirschner















