Peter Danielsen und Martin Danielsen
Peter Danielsen, 1716 – 1747
Peter Danielsen war als ältester der vier am Leben gebliebenen Söhne seines gleichnamigen Vaters am 30. Dezember 1716 in St. Johannis in Flensburg geboren worden. Er wurde wie sein Vater Seemann. Als Matrose fuhr er in den Jahren 1737 und 1738 auf dem Schiff seines Stiefvaters Hans Göttsche, im Jahre 1741 erhielt er, wie auch sein Bruder Nikolai, vom Flensburger Rat sein Attest als Salzschiffer. Nach dem Tod des Stiefvaters und seiner Mutter übernahm er von beiden noch lebenden Brüdern das väterliche Haus in der Ramsharde.
(Anmerkung: Die Ramsharde, früher auch St. Gertrud genannt, war der nördliche Teil der Flensburger Altstadt und einer der vier ursprünglichen Siedlungskerne der Stadt. Ramsharde umfasste somit das Gebiet vom Nordertor bis zur Neuen Straße nördlich der Marienkirche.)
Um dieselbe Zeit, noch im Jahr 1742, hat Peter Danielsen geheiratet. In den Trauregistern der Flensburger Kirchspiele ist seine Eheschließung nicht verzeichnet; er wird seine Frau wohl von auswärts geholt haben. Seine Frau hieß Maria, und sie gebar ihm zwei Töchter, die in St. Marien getauft wurden: Marie Danielsen, getauft am 17. Oktober 1743, und Anna Sophia Danielsen, getauft am 13. Oktober 1746. Das Memorial des Kirchenrechnungsführers zu St. Marien enthält die Eintragung, dass dem Schiffer Peter Danielsen angezeigt sei, nicht aus dem Kirchspiel zu ziehen, ehe er sich vom Amt des Kirchengeschworenen und der Pflicht, ein Jahr lang bei den Gottesdiensten in der Kirche mit dem Klingelbeutel zu gehen, freigekauft hatte.
Am 28. November 1746 bezahlte er dem Kirchspiel die Loskaufsumme in Höhe von 15 Mark Lübsch. Er muss damals zu den besser bemittelten Bürgern des Kirchspiels gehört haben, die festgelegte Summe zum Freikauf wurde nach den Vermögensverhältnissen der Bürger veranschlagt, und hier steht Peter Danielsen mit 15 Mark Lübsch immerhin an zweiter Stelle, während nach ihm noch 9 weitere Bürger aufgeführt waren, die deutlich weniger zu zahlen hatten.
Peter Danielsen, ganz in der Familientradition
In einer Liste aus dem Jahr 1745 über die in Flensburg beheimateten Schiffe wird Peter Danielsen als Führer der 1735 in Flensburg erbauten Galiot „Anna Sophia“ genannt, die 46 Lasten fassen konnte. Dieses Schiff segelte zu den britischen Inseln, nach Kopenhagen, und zu den russischen Ostseeprovinzen, sodass Peter Danielsen nur selten in Flensburg war. Danielsen hatte die Hälfte der Schiffsparten der „Anna Sophia“ erworben, und er muss gute Einkünfte durch das Schiff gehabt haben. Selbstverständlich war Peter Danielsen Mitglied des Flensburger Schiffergelags, der jährlich, wie die anderen Schiffer auch, seinen Beitrag in Höhe von einer Mark Lübsch und 8 Schillingen bezahlte.
In den 1740er Jahren zählte das Schiffergelag so viel Mitglieder wie nie zuvor; in Flensburg waren seinerzeit nicht weniger als 110 Schiffe beheimatet, deren Führer fast alle Flensburger Schiffer waren. Man stelle sich den Flensburger Hafen vor, wenn auch nur ein Drittel dieser großen Handelsflotte an den Pfählen lag. Ein unübersehbarer Mastenwald schien dann der Hafen zu sein, und an der Schiffbrücke herrschte ein buntes Treiben. Der Flensburger Schifffahrt war es zu verdanken, dass die Wirtschaft der Stadt sich nach den Rückschlägen des 17. Jahrhunderts bald wieder erholte und die negativen Auswirkungen der königlichen Kommerzverordnung von 1742 überwunden wurden. Denn diese Verordnung hatte bestimmt, dass die dänischen Inseln und Norwegen alle Waren mit Ausnahme derjenigen für industriellen Gebrauch aus erster Hand importieren durften, Kolonialwaren und Erzeugnisse aus diesen Produkten durften nicht mehr in Flensburg gekauft werden.
Für viele Flensburger Kaufleute bedeutete diese Bestimmung den Ruin ihrer Geschäfte, und da waren es jetzt die hier beheimateten Segler, die der Stadt wieder Geld zuführen konnten, indem sie kurzerhand in Charter fuhren oder sich teilweise auf Walfisch- und Robbenfang umstellten, und dadurch für Flensburgs Wirtschaft neue Möglichkeiten schufen.
Als im Jahr 1743 seine in Kopenhagen angeheuerte Besatzung aus nicht näher benanntem Grund gegen ihn meuterte, nutzte er später im Jahr, im November 1743, einen Aufenthalt in Flensburg, um vor dem Rat der Stadt Klage gegen die Besatzung der „Anna Sophia“ wegen aufsässigen Betragens gegen ihn als Schiffsführer zu erheben. Nachdem er zwei glaubwürdige Schiffer als Zeugen beigebracht hatte, erkannte das Gericht folgendes Urteil:
„In Sachen „Peter Danielsen gegen sein aufmüpfiges Schiffsvolk (5 Besatzungsmitglieder)“ erkennen Bürgermeister und Rat der Stadt nach Ermittlungen und teilweisen Geständnissen der Beklagten, dass diese höchst unrecht und strafbar gehandelt hätten, folglich deren Lohn komplett verfallen solle, jedoch von einer sonst verdienten Gefängnisstrafe in diesen Fällen abzusehen seien.“ Das genannte „Schiffsvolk“ hat dem Urteil zugestimmt!
Vermutlich auch den Seemannstod gestorben
Am 18. Juli 1747 wird Peter Danielsen zum letzten Mal urkundlich erwähnt, unter diesem Datum ist er in das Schuld- und Pfandprotokoll eingetragen, dass er dem Nicolai Christiansen auf sein Haus in Ramsharde eine Obligation auf 300 Mark Courant gegeben hat.
Da sein Tod nicht in Flensburg verzeichnet ist, muss er außerhalb der Stadt gestorben sein. Er ist entweder in einer fremden Hafenstadt verstorben und beerdigt worden, oder er hat wie sein Vater und der Bruder Nicolai den Seemannstod in den Wellen gefunden. Er wurde nur 30 Jahre alt. Was aus der Witwe und den beiden Töchtern geworden ist, ist nicht bekannt. Da sie nirgends urkundlich erwähnt werden, sind sie vermutlich aus Flensburg fortgezogen. Das Haus wurde 1749 an den Schiffer Matthias Fernau verkauft, und dieser übernahm auch Peter Danielsens Galiot „Anna Sophia“, die noch so manches Jahr den Namen seines Heimathafens Flensburgs über die Meere trug.
Martin Danielsen, 1724 – 1768
Martin Danielsen war als der zweitjüngste Sohn des Schiffers Peter Danielsen im Februar 1724 geboren. Sein Vater verstarb, als Martin gerade einmal 7 Jahre alt war. Auch für Martin war klar, dass er den Beruf des Seemanns ergreifen würde, und so kam es, als er 14 Jahre alt geworden war, dass er als Schiffsjunge sein Glück auf den Meeren suchte. 1742 wird Martin, inzwischen 18 Jahre alt, urkundlich als „Seefahrender“ erwähnt, er fuhr seinerzeit als Matrose auf einem Flensburger Segler. Er hat dann aber bald die Seefahrt aufgegeben, und sich dem Segelmacherhandwerk zugewandt.
Selbständig als Segelmacher
Bereits 1748 war er selbständiger Bürger, Hausbesitzer und Segelmacher in St. Marien in Flensburg. Das Segelmachergewerbe war ein wichtiges Handwerk in Flensburg, das viele Menschen beschäftigte, und mit den vom Vater geerbten finanziellen Mitteln wird Martin ohne weiteres in der Lage gewesen sein, eine eigene Werkstatt zu gründen. Im selben Jahre, 24jährig, heiratete er eine junge Schifferstochter, worüber das Trauregister zu St. Marien so berichtet:
„1748, den 31. Januar, ist der Ehrenfeste und Vorachtbare Junggesell Martin Danielsen, Bürger und Segelmacher allhie, mit der Viel-Ehr und Tugendbelobten Jungfer Anna Bruhn, Tochter des Ehrenwerten und Vorachtbaren Schiffers Hans Bruhn hieselbst nachgelassene eheleibliche Tochter, im Hause copuliret worden.“
Anna Bruhn war 1722 im Kirchspiel St. Marien geboren worden, war im Kreis von 6 Geschwistern groß geworden, und nach dem frühen Tod des Vaters von der Mutter erzogen worden. Das frisch vermählte junge Paar bezog gleich nach der Trauung ein eigenes Haus, hier im Kirchspiel St. Marien. Zwischen 1748 und 1763 wurden Martin und Anna Danielsen sieben Kinder geboren, von denen eine Tochter als Säugling starb.
Erfolgreich im Beruf
Martin Danielsen war ein gesuchter und gefragter Segelmacher, der eine große Werkstatt gehabt haben muss, denn aus den Eintragungen der Kirchenrechnungsbücher geht hervor, dass er zu den bemittelten Bürgern des Kirchspiels gehörte und gut verdiente. 1757 kaufte er sich für 101 Mark Courant in der St. Marienkirche eine „Mannsstätte“, die er bar bezahlte. Das konnten sich nur wohlhabende Bürger leisten, die meisten begnügten sich damit, für eine geringe Gebühr einen Platz in der Kirche zu mieten.
Martin Danielsens Schaffensperiode war nur recht kurz, und ließ ihn und seine Frau nicht die Früchte ihrer Arbeit ernten. Offensichtlich erkrankten beide zeitgleich an einer Infektionskrankheit, denn sie starben beide im Jahr 1768 mit nur zwei Tagen Abstand: Martin am 25. April im Alter von 44 Jahren, Anna am 27. April im 46. Lebensjahr. Sie wurden nebeneinander auf dem Kirchhof an der St. Marienkirche beerdigt.
Beim Tod der Eltern waren alle sechs Kinder noch unmündig; der Rat der Stadt Flensburg sorgte jedoch dafür, dass ihnen achtbare Bürger als Vormünder zugeteilt wurden.
Die Kinder
Die älteste Tochter Maria verlobte sich mit dem ersten Gesellen ihres Vaters namens Hinrich Friedrich Gade, der seit 1766 bei Martin Danielsen arbeitete. 1769 heirateten die beiden jungen Leute in der Marienkirche, und das junge Heim des frisch getrauten Paares wurde nun zur Sammelstätte für die verwaisten Geschwisterkinder. Martins Sohn Peter wurde, der Familientradition folgend, zum Seemann ausgebildet. Im Jahre 1783 wird er noch als Schiffer in Flensburg erwähnt. Später ist Peter nach Sonderburg gezogen, wo er ein Haus erwarb und eine Familie gründete.
Was aus den anderen Kindern wurde, ist nicht bekannt. Sohn Hans wurde wie sein Bruder Peter Seemann.
Text: Flj überarbeitet













