Neun historische Raddampfer fahren bis heute auf der Elbe

Die Gesellschaft wurde am 8. Juli 1836 als Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft gegründet, der reguläre Linienverkehr begann am 30. Juli 1837 mit dem Raddampfer Königin Maria. Das Jubiläumsjahr 2026 markiert damit 190 Jahre seit der Gründung; der Linienverkehr auf derselben Flussstrecke ist ein Jahr jünger und kommt 2026 auf 189 Jahre.

Nach Angaben des Betreibers verfügt die Weiße Flotte Sachsen mit neun historischen Raddampfern über die älteste und größte Raddampferflotte der Welt, ergänzt um zwei Salonschiffe. Die Namen sind an der Elbe Programm: Stadt Wehlen, Diesbar, Meissen, Pillnitz, Pirna, Kurort Rathen, Krippen, Dresden, Leipzig.

Die Baujahre sind das Bemerkenswerte. Die Stadt Wehlen wurde 1879 in Dienst gestellt und ist das älteste Schiff der Flotte, die Meissen entstand 1885, die Krippen kam 1892 dazu, die Kurort Rathen fährt seit 1896 die Elbe auf und ab. Der Rumpf der Diesbar entstand 1883, in Dienst kam sie 1884, ihre Dampfmaschine ist deutlich älter: gebaut 1857 von John Penn and Sons und ursprünglich für einen Vorgängerdampfer bestimmt.

Im Fahrplan 2026 steht die Diesbar allerdings auf keiner Linie. Sie fährt als Sonderfahrt und ist das einzige mit Kohle befeuerte Schiff der Flotte, was den Aufwand erklärt.

Was die Flotte am Laufen hält, steht in Laubegast

Eine Dampfmaschine von 1857, die im Fahrgastbetrieb läuft, ist ein zugelassener Antrieb mit laufenden Prüfpflichten. Das setzt eine Werkstatt voraus, die Ersatzteile nicht kaufen, sondern herstellen kann.

Genau die gibt es. Die Werft in Dresden-Laubegast wurde 1898 gebaut und wird nach Angaben des Betreibers bis heute für sämtliche Reparaturarbeiten genutzt.

Das ist die eine Bedingung, unter der solche Flotten überleben: die eigene Werft. Wer Instandhaltung auslagert, ist von Zulieferern abhängig, die für Bauteile aus dem 19. Jahrhundert keinen Katalog haben. Wer sie im Haus behält, hält auch das Wissen im Haus, und beim Dampfbetrieb ist das Wissen der teurere Teil.

Fehlt die Auslastung, hilft auch die beste Werft nicht

Um 1900 fuhren nach überlieferten Angaben jährlich mehr als drei Millionen Passagiere mit der Gesellschaft. Diese Größenordnung ist heute nicht mehr erreichbar, aber sie erklärt, warum die Flotte damals so groß werden konnte, dass genug Substanz für ein Überleben übrig blieb.

Wie knapp das bleibt, zeigt das jüngste Kapitel. Nach der Insolvenz im Sommer 2020 übernahm zum 1. September 2020 die schweizerische United Rivers AG mit Sitz in Basel, seither firmiert der Betrieb als Weiße Flotte Sachsen.

Ein Jubiläumsjahr als Anlass für die Fahrt nach Dresden

Für die Maschinen selbst muss man den Fahrplan lesen wie einen Werftplan. Nicht jedes Schiff fährt jeden Tag, und die Dampfer werden nach Bedarf und Wasserstand eingeteilt.

Praktisch bedeutet das zwei halbe Tage. Die Werftfahrt nach Laubegast stand im Fahrplan 2026 an einem einzigen Tag, am 11. April, mit Abfahrten um 9.30 und 14 Uhr, dreieinhalb Stunden Dauer, 37 Euro für Erwachsene und 26 Euro ermäßigt. Die täglichen Linienfahrten in die Sächsische Schweiz begannen erst mit dem Sommerfahrplan am 2. Mai, ab Terrassenufer um 10, 12 und 14 Uhr, gut drei Stunden hin und zurück. Zwei Halbtagsfahrten in getrennten Fahrplanabschnitten ergeben zwei Nächte als sinnvolles Minimum, denn die erste Abfahrt um 9.30 Uhr lässt sich vom Hotel Dresden in Elbnähe ohne Vorlauf erreichen. Aus Norddeutschland ist die Anreise ohnehin ein halber Tag.

Das Jubiläumsjahr wird mit einem eigenen Programm begleitet. Am 3. Oktober findet die große Jubiläumsparade statt, wenn die Schiffe geschlossen vom Terrassenufer elbaufwärts bis zur Blauen Brücke fahren. Für ein Publikum, das Schiffe nach Nieten und Kesselzeichen beurteilt, ist die Parade der bessere Grund als jedes Feuerwerk.

Foto: Envato.com

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