„Ballast“ ist ein Begriff aus der Seefahrt. Er stammt ursprünglich aus dem Niederdeutschen: Ballast (von „bare Last“). Als Ballast bezeichnet man das Gewicht, das tief im Schiffsrumpf platziert wird, um dessen Schwerpunkt zu senken und so die Stabilität zu erhöhen (genauer gesagt, um ein aufrichtendes Moment zu erzeugen, das der Krängung des Rumpfes entgegenwirkt). Unzureichend mit Ballast beladene Schiffe neigen bei starkem Wind zum Kentern oder übermäßigen Krängen.

Wo befindet sich die „Ballastbrücke“?
Die heute noch gleichnamige Straße liegt fördenah auf dem Ostufer der Binnenförde zwischen der Abzweigung zur Nordstraße und der zur Straße „Am Industriehafen“.
An der Ballastbrücke wurden im Mittelalter ohne Ladung in See gehende Schiffe (sogenannte „Leerfahrer“) zur Erhöhung der Stabilität mit Sand als Ballast beladen. Seit 1581 wurde der Sand dafür aus dem zum Hospital „Zum Heiligen Geist“ gehörigen Sandberg von St. Jürgen entnommen. Für diesen „Ballast-Sand“ entrichteten die Schiffer einmal jährlich zur Fastnachtzeit einen Obolus von „12 Mark lübsch“. Der Sandhügel und die Schiffsanleger erhielten dadurch ihre Namen. Der ehemalige „Ballastberg“ ist heute übrigens ein gern genutzter Aussichtspunkt im Volkspark, dessen steiler Abbruch wahrscheinlich vom früheren Abbau des Ballastsandes stammt. Der heute noch aktuelle Straßenname „Blasberg“ kennzeichnet in etwa seine damalige Lage.

Wenn die Segelschiffe keine Fracht geladen hatten, wurde zur Sicherung ihrer Stabilität „Ballast“ geladen, also ersatzweise ein Ausgleichgewicht in den Schiffsladeraum eingebracht. Dazu nahm man in Flensburg den vor Ort reichlich vorhandenen Sand. Dieser fand sich in rauen Mengen auf dem Ostufer der Förde am sogenannten Ballastberg, heute Blasberg, nördlich des Lautrupsbachs. Hier luden die Schiffe seit jenem erwähnten und belegten Jahr 1581 den Sand an einer besonderen Ballastbrücke, an die bis heute der gleichlautende Straßenname erinnert.
Eine anstrengende Handarbeit
Die Übernahme des Ballastes war eine sehr mühselige und langwierige Schufterei, die sowohl von Männern und auch von Frauen verrichtet wurde. So ist überliefert, dass im Jahre 1808 immerhin 17 Frauen bei dieser „Plackerei“ mitarbeiteten. Der Sand wurde zunächst in Schubkarren geschaufelt, anschließend auf einer mit Holz belegten Rampe an Bord des Schiffes gefahren und dort in den Laderaum gekippt. Dabei wanderte der schwere Karren in einer Kette von Teilstrecken von Hand zu Hand. Im Laufe der Jahrhunderte sind so Tausende von Schiffen mit Ballast beladen worden.

Die Karren gehörten dem Flensburger Schiffergelag, welches durch den Sandverkauf gute Einnahmen erzielte. In der Satzung des Gelags war festgelegt: „Es soll keinem, weder einheimischen noch ausländischen Schiffern verstattet werden, an anderen Örtern als allein an der Ballastbrücke sein Schiff zu ballasten.“ Ebenso war es in den Hafen einlaufenden Schiffen verboten, mitgeführten Ballast im Fahrwasser der Flensburger Förde zu versenken. Er musste vielmehr zur Ballastbrücke gebracht werden und dort ausgeladen werden, damit er dort wieder zur Verfügung stand und die Flensburger Förde nicht versandete. Etwaige Zuwiderhandlungen wurden mit Geldstrafen geahndet. Im 18. und 19. Jahrhundert, als Flensburg insbesondere durch den regen Handel mit den Westindischen Inseln reich wurde, war die Ballastbrücke ein wichtiger Umschlagplatz. Die Schiffe brachten Rohrzucker und Rum aus der Karibik und luden hier Ballast ein oder aus.

Die Bebauung an der Ballastbrücke
Die Häuser und Gebäude an der Straße Ballastbrücke wurden zu einem großen Teil im 19. Jahrhundert sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet. Etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam es auf dem Ostufer der Förde zu ersten Ansiedlungen von Gewerbetreibenden. Noch ziemlich unabhängig von der innerstädtischen Entwicklung des Handels wuchsen nach und nach diese Ansiedlungen auf, insbesondere an der heutigen Johannisstraße sowie der St.-Jürgen-Straße – wenngleich die Verlandung der Innenförde stets zunahm. Hier waren nun neben den Fischern und den dazugehörigen Handwerksbetrieben (wie z. B. eine kleine Fischereiwerft) auch die Schnapsbrenner (St. Johannis) und die Leineweber (St. Jürgen) zuhause, später kamen dann auch die Kapitäne der Handelsschifffahrt (St. Jürgen) hinzu, die meist nah am Wasser wohnten. Der Weg in die eigentliche Stadt Flensburg blieb aber dennoch weit, da das innere Fördetal hauptsächlich sumpfig war, deshalb jahrzehntelang ohne befestigte Wege und ohne Bebauung blieb.

Die Ballastbrücke verlor den direkten Anschluss an die Stadt
Der gerade erst entstandene Siedlungsbereich im Lautrupsbachtal und entlang der Ballastbrücke verlor vorerst durch die Eisenbahnlinie den Anschluss an das städtische Siedlungsgefüge. Bezugspunkte blieben jedoch der Ballastabbau und der Kiesabbau, die Ziegelei, zeitweilig der Seglerhafen, später dann die der Ballastbrücke vorgelagerten Kohleanlagen und der Freihafen. Die ebenerdigen Stadterweiterungsflächen entlang des schmalen Fördetales wurden somit von gewerblichen Einrichtungen „besetzt“.

Außerhalb des Stadtkerns der Stadt Flensburg vollzog sich um die Jahrhundertwende (1880-1900) die Siedlungstätigkeit auf die Hangkronen. So war der Siedlungsbereich „auf Duburg“ im Zusammenhang mit der dortigen Kasernenanlage zu sehen, die westliche Höhe galt dagegen eher als ein privilegierter Standort für die einheimischen Kaufleute, während die östliche Hangkrone mehr für gutbürgerliches Wohnen stand. Der Bereich um die Voigtstraße und die Schreiberstraße, zugänglich über den Sandberg (Marmeladenfabrik), wurde schließlich zum Siedlungsbereich für den ersten Flensburger Arbeiterbauverein.

Die Fördespitze im Wandel der Zeiten
Bei nachlassender gewerblicher Nutzung wurde die Fördespitze nach und nach umstrukturiert: Die Hafentreppe, die Promenade sowie der Spiel- und Grillbereich stellten den Beginn einer städtischen Freiflächennutzung dar. Große Probleme bereiteten nach wie vor die Umklammerung durch den Verkehr (Bahndamm, die Straßenzüge, sowie die vielen PKW-Park- und Stellflächen) und die dadurch schlechte Anbindung an die angrenzenden Gebiete.

St. Jürgen: Private Sanierung, Anbindungsprobleme
Die Abtrennung des Kapitäns- und Fischerviertels St. Jürgen vom Hafen wurde durch den vierspurigen Ausbau des Hafendammes weiter verstärkt, die Verkehrsbelastung stieg und steigt weiter an. Private Initiativen seit Mitte der 70er Jahre führten zur Einrichtung eines nicht-kommerziellen Fußgängerbereiches in der St.-Jürgen-Straße, begleitet von Modernisierungen. Hiervon unberührt blieben die Probleme im sogenannten „Gänge-Viertel“ und zum Hafendamm hin bestehen.

Nach der Stilllegung der Eisenbahnlinien wurden die vorhandenen Trassen für den Straßenbau genutzt. Mit dem Bau der Nordstraße und der ausgebauten Straße Am Lautrupsbach blieb die doppelte Trennlinie in West-Ost Richtung erhalten, die Ballastbrücke und die Bismarckstraße riegelten die kleine Siedlung in Nord-Süd Richtung ab.
Johannisviertel: Baulicher Torso, Nutzungskonflikte
Im Johannisviertel häuften sich alsbald die negativen Folgewirkungen. Das alteingesessene Gewerbe wanderte nach und nach ab, bei nachlassendem Investitionsdruck blieben die abgeräumten Flächen unbebaut. Innenstadtbesucher und Einkäufer drängten in das Quartier und „besetzten“ das Viertel nahezu flächendeckend für Parkplatznutzung.

Gleichzeitig breiteten sich zentrale Einrichtungen der Verwaltung räumlich aus. Neubauten ohne Rücksicht auf die historischen Strukturen, eine nochmals erhöhte Verkehrsbelastung, Ver- und Bedrängung der Wohnnutzung sind die Folgen. Heute ist die Gegend um die Ballastbrücke ein Teil des maritimen Flairs am Flensburger Hafen und ein Ort, der an die Blütezeit des Segelschiffszeitalters erinnert.

Die Ballastbrücke ist somit auch ein Zeugnis für die Entwicklung Flensburgs vom Hafen zur Handelsmetropole. Auf dem höchsten Punkt des Ballastberges steht übrigens heute der weithin sichtbare Mürwiker Wasserturm. Die Straße „Ballastbrücke“ erhielt ihren Namen im Jahr 1923. In den 1980er-Jahren wurde ein Teil der Straße in Harniskai umbenannt.
Text: Peter Feuerschütz
Fotos: Bodo Nitsch, Stadtarchiv















