Wiedervernässtes Moor in Schleswig-Holstein wird zum Hotspot für bedrohte Arten – und zum bundesweit wichtigsten Lebensraum der Haubenazurjunger

Sie schwirren wie lautlose Mini-Hubschrauber blitzschnell vorwärts, rückwärts und seitwärts über die stillen Teiche, Tümpel und Wasserflächen des Jardelunder Moors – einem der wertvollsten Naturschutzgebiete der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein nahe der dänischen Grenze. Die Haubenazurjungfer im leuchtend blauen Gewand steht dabei für eine der wichtigsten Erfolgsgeschichten dieses Jahres im Stiftungsland: Hier im Jardelunder Moor befindet sich das letzte große Vorkommen der Art in Deutschland – und damit ein Bestand von bundesweiter Relevanz.

Dass dieser Bestand bis heute erhalten geblieben ist, liegt daran, dass der Kreis Flensburg, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Partner auf dänischer Seite das einst trockengelegte Torfabbaugebiet vor über 30 Jahren wiedervernässt und in einen einzigartigen Lebensraum zurückverwandelt haben. Dieser leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, denn intakte, nasse Moore binden große Mengen Kohlenstoff.

Insgesamt wurden im Jardelunder Moor 32 der 65 in Schleswig-Holstein vorkommenden Libellenarten nachgewiesen – also fast die Hälfte.  Mehr als 500 dokumentierte Funde belegen, wie artenreich und wertvoll das Gebiet für den Naturschutz ist.

Ein echter Rückzugsort für hochspezialisierte Arten

„Das Jardelunder Moor ist, wie sich in den vergangenen 20 Jahren gezeigt hat, einer der letzten Zufluchtsorte in ganz Deutschland für einige hochspezialisierte Insektenarten. Besonders die Haubenazurjungfer findet hier noch die Bedingungen, die sie zum Überleben braucht“, sagt Arne Drews, Artenexperte des Landes Schleswig-Holstein. Er hat das Gebiet in den vergangenen 20 Jahren mehrfach untersucht und gemeinsam mit anderen Fachleuten umfangreiche Daten zusammengetragen.

Wenn das Moor wieder lebendig wird 

Es ist kein Zufall, dass sich hier wieder so viele Arten ansiedeln konnten. Die Libellen profitieren von der Wiedervernässung des Moores. Wo früher Entwässerung das Moor künstlich ausgetrocknet hat, bleibt das Wasser seit gut 30 Jahren wieder im Moor. Die alten Torfstiche sind heute nass und verlanden langsam, was vielen hochspezialisierten Arten – darunter Libellen – genau die Lebensräume bietet, die andernorts kaum noch zu finden sind.

Neben der Haubenazurjungfer finden auch die Große Moosjungfer und die Hochmoor-Mosaikjungfer hier geeignete Bedingungen. Beide gelten in Schleswig-Holstein als gefährdet oder sogar stark gefährdet.

Ein Erfolg, der beflügelt

Die Libellen im Jardelunder Moor sind mehr als nur faszinierende Flugkünstler. Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich der Einsatz für die Natur lohnt. Wo sie leben, ist das Ökosystem intakt. „Wenn wir Moore vernässen, stellen wir oft schon nach wenigen Jahren fest, dass die typischen Tiere und Pflanzen zurückkommen. Wir sichern mit der Moor-Renaturierung nicht nur das Überleben einer einzelnen Art, sondern schaffen ein ganzes Ökosystem“, sagt Gerrit Werhahn, Leiter des Moorschutz-Teams der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Das Jardelunder Moor ist heute ein wertvoller Rückzugsort für viele seltene Arten. Oder anders gesagt: Hier ist ein Stück lebendige Zukunft entstanden. Mit schillernden Flügeln.“

Zugleich sei das Gebiet aus naturschutzfachlicher Sicht noch längst nicht in einem wirklich guten Zustand. Um diesen Lebensraum und seine wichtige Funktion als Kohlenstoffspeicher zu erhalten und weiterzuentwickeln, seien weitere Anstrengungen nötig. Deshalb plane der Kreis Schleswig-Flensburg zusätzliche Vernässungsmaßnahmen – auch auf den Flächen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Pressemitteilung Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Foto: Arne Drews

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