So viele waren es noch nie: Bei der jährlichen Zählung der Goldenen Scheckenfalter im Stiftungsland Nordoe bei Itzehoe hat Schmetterlings-Experte Detlef Kolligs von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein 350 Falter an einem Tag erfasst – mehr als doppelt so viele wie bei den Zählungen in den beiden Vorjahren. Auch in weiteren Projektgebieten, darunter die Geltinger Birk und Lütjenholm, kontrollierte das Team die Bestände. „Die Entwicklung der Schmetterlinge ist besonders im Raupenstadium stark witterungsabhängig. In diesem Jahr waren die Bedingungen ideal: ein anhaltend kalter Winter, gefolgt von einem trockenen, sonnigen Frühjahr“, erklärt Kolligs.
Warum 31 Schmetterlinge trotzdem ein Erfolg sind
Auf der Geltinger Birk hat Insekten-Expertin Antje Walter 31 Exemplare gezählt. Das ist deutlich weniger als in Nordoe – und dennoch ein Erfolg: Die Ostseesturmflut im Herbst 2023 hatte einen Großteil des Vorkommens überflutet. Einige Raupen überlebten in ihren Gespinsten am Boden und bilden nun wieder die Grundlage für eine Erholung. „Das Besondere ist, dass die Population es trotz der Flut aus eigener Kraft geschafft hat, sich zu erholen“, sagt Kolligs.
Entscheidend dafür ist der erhaltene Lebensraum: Die Birk ist weiterhin reich an Blütenpflanzen wie Habichtskraut und Hornklee. Auch der lila leuchtende Teufelsabbiss, die wichtigste Raupennahrungspflanze, kommt dort ausreichend vor.
Stabile Bestände auch in Lütjenholm
Auch in Lütjenholm im Kreis Nordfriesland zeigte sich der Bestand stabil. In diesem Jahr flogen dort rund 100 Falter; 2025 waren es etwa 150. Dass die Art trotz stark genutzter Raupennahrungspflanzen auf der Hauptfläche weiter vorkommt, zeigt die Bedeutung größerer, vielfältiger Naturschutzflächen mit Ausweichmöglichkeiten.
Acht Jahre nach Ende der Projektlaufzeit ist das ein großer Erfolg: Die Populationen sind offenbar in der Lage, sich selbst zu erhalten. „Biologen sprechen erst dann von einer stabilen Population, wenn eine Art ein Gebiet über mehrere Generationen hinweg besiedelt“, erklärt Kolligs.
Das LIFE-Aurinia-Projekt endete 2018, die ersten Aussetzungen fanden bereits 2014 statt. Damit ist die Zehn-Jahres-Marke erreicht – ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Goldene Scheckenfalter in Schleswig-Holstein dauerhaft wieder Fuß gefasst hat.
Vor dem „für-immer-Verschwinden“ gerettet
Die letzten Falter flogen in den 1990er Jahren durch Nordoe und Jardelund – danach galt die Art fast zwanzig Jahre lang in Schleswig-Holstein als ausgestorben. Das EU-geförderte Projekt „LIFE Aurinia“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein sollte den gold-karierten Falter zurück in seinen ursprünglichen Lebensraum bringen. Dafür wurden magere Grünlandflächen mit ausreichend Nahrungs- und Nektarpflanzen für Raupen und Falter wiederhergestellt.
Zwischen 2014 und 2016 wurden jährlich Scheckenfalter-Raupen ausgesetzt – insgesamt etwa 15.000 Tiere. „Das hört sich viel an. Man geht aber davon aus, dass es nur etwa jede hundertste Raupe bis zum Falter schafft“, erklärt Kolligs, der die Maßnahme seit 2010 begleitet.
„Das Engagement hat sich ausgezahlt, der Goldene Scheckenfalter ist hier gerettet“, zieht Kolligs Resümee. Wo der Goldene Scheckenfalter vorkommt, profitieren auch viele weitere bedrohte Arten – darunter der Mittlere Perlmuttfalter, die Arnika und das Gewöhnliche Kreuzblümchen. „Insgesamt kann man von einem Vorzeigeprojekt für den Naturschutz sprechen“, sagt Kolligs.
Text und Foto: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein















