Wer kann schon von sich behaupten, derart viele sehr unterschiedliche typische Flensburger Wurzeln in sich zu vereinen? Die meisten Flensburger*innen vermutlich nicht, denn seine hiesigen Wurzeln ziehen sich von Geburt an durchs Familienleben, später Kindheit, Schule, Jugend, Lehrzeit, Beruf – bis hin zu den Hobbies und Freizeitaktivitäten. Das Flensburg Journal sprach mit Gerhard Nicolaisen, der zeitlebens seinen Lebensmittelpunkt in Flensburg hatte, und eigentlich heute immer noch hat – na gut, seit 2012 lebt er vor den Toren der Stadt in Harrislee im Kreisgebiet – doch der Reihe nach …

Zuhause im Alten Kupfermühlenweg 38

Alter Kupfermühlenweg in Flensburg: Eine langgezogene Straße in der Nordstadt in Nord-Süd-Richtung verlaufend auf dem Höhenzug parallel zur Apenrader Straße. Der Alte Kupfermühlenweg gliederte sich früher in drei Teile: Den nördlichen im Bereich Klues, den südlichen, sowie den mittleren Teil. Im Folgenden ist stets die Rede vom mittleren Teilstück des Alten Kupfermühlenwegs. Ebendort war die Familie Nicolaisen zuhause!

Das älteste Haus im Alten Kupfermühlenweg, Nr. 50

Die Kriegsjahre

Gerhard Nicolaisen ist gewissermaßen ein Christkind, erblickte er doch am Heiligabend das Licht dieser Welt, sein Geburtshaus stand in der Harrisleer Straße, Hausnummer 34. Man schrieb das Jahr 1937, seine Eltern Johannes und Andrea Nicolaisen waren seit drei Jahren verheiratet, und zur Zeit von Gerhards Geburt planten sie den Bau eines eigenen Hauses. Da erhielten sie ein Angebot, das Zweifamilienhaus der Großeltern Claus und Maria Nicolaisen im Alten Kupfermühlenweg 38 auf Grund von Krankheiten und finanziellen Schwierigkeiten zu übernehmen. In jenen Jahren ging es noch sehr ländlich zu in diesem Teil der Nordstadt; vielleicht ein Dutzend Häuser standen im Mittelabschnitt der Straße, die ansonsten durch zahlreiche Gartengrundstücke geprägt war. Die Nicolaisens waren allesamt in handwerklichen Berufen aktiv, schon Gerhards Vater und Großvater waren Maurer. Da lag es nahe, dass man neben der Arbeit an seinem eigenen Häuschen werkelte, es erweiterte, ausbesserte, umbaute – oder im Freundes- und Bekanntenkreis mithalf, ein Haus hochzuziehen oder zu verschönern.
So wuchs Gerhard eigentlich immer auf „Baustellen“ auf, sowohl zuhause als auch in der Nachbarschaft waren alle fleißig dabei, das eigene Heim zu verschönern. Für die Kinder war die Zeit paradiesisch, gaben die umliegenden Grundstücke und Gärten doch zahllose Spiel- und Versteckmöglichkeiten her. Sein Revier ging runter bis zur Terrassenstraße, in der die Kinder damals gern und oft spielten.

Am Ende der 30er Jahre zog bereits am Horizont der kommende Weltkrieg herauf. Gerhards Vater wurde wie alle anderen jungen Männer von der Wehrmacht registriert und erfasst. Doch das Schicksal wollte es anders mit Vater Johannes: Er verletzte sich bei einem Unfall am Knöchel derart schwer, dass er zunächst als „untauglich“ für den Waffendienst eingestuft wurde. Der NS-Staat hatte dennoch beste Verwendungsmöglichkeiten für einen gelernten Handwerker: Gerhards Vater wurde 1941 mit der gesamten Belegschaft und Chef, sowie Gerätschaften in die Organisation Todt eingegliedert. Die Organisation Todt war eine paramilitärische Bautruppe im nationalsozialistischen Deutschland, die den Namen ihres Führers Fritz Todt trug. Die 1938 gegründete Organisation unterstand ab März 1940 diesem auch als Reichsminister für Bewaffnung und Munition. Insgesamt vier Jahre lang gehörte Johannes der Organisation an, und war durch ganz Russland unterwegs beim Bau von Baracken sowie beim Brückenbau, zog dort von Baustelle zu Baustelle, von 1941 bis zum bitteren Ende 1945. Er überstand dieses Abenteuer glücklicherweise unversehrt, geriet auf der abenteuerlichen Rückkehr in der Tschechei in amerikanische Gefangenschaft, war zu seinem großen Glück schon etwa sechs Wochen später Mitte 1945 wieder zu Hause.
Der Krieg ging auch am kleinen Gerhard nicht spurlos vorbei. Vom eigenen Haus aus, auf einer Anhöhe gelegen, hatte man den besten Blick auf die Flensburger Förde, bis hinüber zur Marineschule und zum Industriehafen. Von dieser guten Aussichtsposition verfolgte der Junge am 19. Mai 1943, wie über 60 US-Bomber einen Luftangriff auf Flensburg flogen, und dabei zahlreiche Industrieanlagen, die Werft und die Stadtwerke bombardierten und teilweise zerstörten. Die deutsche Flak feuerte aus allen Rohren, ein gespenstisches Szenario bot sich den entsetzten Flensburgern. Die Nicolaisens flüchteten mit Tante und Onkel rechtzeitig in den Luftschutzraum des Hauses. Als es wieder ruhiger wurde und sie aus dem Keller hervortraten, bot sich ihnen ein Flammenmeer von der Werft und vom Gaswerk her. Von da an wurde Gerhards Mutter noch vorsichtiger, und so rannten die beiden bei jedem Fliegeralarm durch einen schmalen Gartenweg vom Alten Kupfermühlenweg hinunter zum Erdbunker an der Apenrader Straße.

Die Schulzeit

Im April 1944 wurde Gerhard eingeschult, er kam in die Knabenschule Ramsharde in der Bauer Landstraße, doch schon im Herbst 1944 wurde diese zum Lazarett umfunktioniert, er wurde in die Waldschule umgeschult. Kurz nach Kriegsende ging es drunter und drüber: An geplanten und regelmäßigen Unterricht war kaum zu denken, denn es strömten jetzt zahllose Flüchtlinge in die Stadt. Unterkünfte für diese armen Menschen waren rar gesät, auch Schulgebäude wurden zur Unterbringung dieser armen Menschen akquiriert. Gerhards Vater war mittlerweile wieder daheim und nahm die künftige Schulkarriere seines Sohnes selbst in die Hand: Dank der dänischen Wurzeln in der Familie Nicolaisen konnte er den Sohn problemlos in die 1. Klasse der dänischen Duborg Skolen einschulen lassen.
Doch dort verblieb der Junge auch nicht lange, 1946 fand die Umschulung statt in die Schulgasse, 1947 ging es weiter auf die Petri- Schule. Nach dem 6. Schuljahr – so war es nach damaligem Schulgesetz – und erfolgreicher Aufnahmeprüfung absolvierte Gerhard von 1951 bis 1953 die Mittelschule, wieder auf der Duborg Skolen. Er war trotz der vielen Schulwechsel ein guter Schüler, brachte stets ordentliche bis gute Noten mit nach Hause, und die Eltern hätten ihn gern aufs Gymnasium geschickt. Doch der Junge, mittlerweile 15 Jahre alt und mit eigenem Kopf ausgestattet, hatte die Schule völlig satt. Er wollte erwachsen sein, fühlte sich auch so, und wollte, wie auch sein Vater und Großvater, den Maurerberuf erlernen, arbeiten und Geld verdienen. So kam es schließlich auch: Gerhard ging von der Schule ab und absolvierte von April 1953 bis 1956 eine Maurerlehre.

Neues Zuhause im Alten Kupfermühlenweg 43

Sein Vater arbeitete bereits kurz nach Rückkehr von seinem Kriegseinsatz wieder im erlernten Beruf als Maurerpolier und später als Meister. Er hatte zwar im Alten Kupfermühlenweg 38 mit weiteren Familienangehörigen sein altes Zuhause wieder vorgefunden, sah sich aber jetzt nach etwas Neuem um.
Gegenüber dem Grundstück der Nicolaisens in Nummer 38 lag ein großes Gartengrundstück mit Nummer 43, dass der Vater 1950 erwarb. Er zahlte übrigens damals 1,80 D-Mark pro Quadratmeter des Grundstücks. Auf diesem besagten Grund und Boden entstand schließlich das eigene Haus der jungen Familie Nicolaisen. Es wurde komplett in Eigenleistung hochgezogen, von innen ausgebaut und eingerichtet, und schließlich nach Fertigstellung um die Jahreswende von 1950 auf 1951 bezogen. Alle halfen mit, Familie, Nachbarn, Kollegen – das war damals so. 1955 wurde das Haus dann noch verschönert und komplett verblendet.

Gerhard findet seinen Platz im Leben

In den Lehrjahren war Gerhard sehr umtriebig, schon ab 1953 engagierte er sich zusätzlich gewerkschaftlich in der IG Bau Steine Erden, erst noch im Jugendvorstand, später auch in anderen Funktionen, so unter anderem als Delegierter seines Kreisverbandes. 1956 legte er mit Erfolg seine Gesellenprüfung ab. Nun stand ihm die ganze Welt offen – das empfand er selbst offenbar auch so.
„Nach meiner Gesellenprüfung wollte ich mit zwei Freunden nach Kanada auswandern“, erinnert sich Gerhard noch genau an jene Zeit. „Wir drei hatten schon einen Termin bei der Auswanderungsbehörde in Hamburg in der Admiralitätsstraße, doch nur einer von uns hat tatsächlich die Auswanderung durchgezogen. Das war mein Freund Dieter Ohlsen. Mit ihm pflege ich bis heute den Kontakt per Telefon. Dieter hat leider bereits nach 5 Jahren in Kanada durch einen Jagdunfall sein Augenlicht verloren, und kann sich sonst nur in Blindenschrift artikulieren.“
Ein wesentlicher Grund, dass Gerhard damals nicht ausgewandert ist, lag darin begründet, dass er seine spätere Frau kennen und lieben gelernt hatte. Gerhard blieb somit Deutschland und Flensburg erhalten. Durch seine sportlichen Aktivitäten, Gerhard spielte Handball bei IF Stjernen, lernte er 1955 auf dem Stiftungsfest des Vereins im Borgerforeningen seine Freundin Elfi kennen – man sieht: Sport verbindet!
Die beiden waren fortan ein Herz und eine Seele, wollten ab jetzt nur noch gemeinsam ihren Lebensweg beschreiten und verlobten sich folgerichtig am 20. Geburtstag von Gerhard, dem 24.12.1957.
Die noch junge Bundeswehr schrieb ihn Anfang 1958 an und wollte ihn zu den Waffen rufen. Jetzt begann Gerhard zu rotieren, wollte er doch unbedingt noch vor Antritt der Wehrpflicht seine Elfi heiraten. Da er zu dem Zeitpunkt nicht volljährig war – wurde man damals erst mit 21 Jahren – musste er entsprechende Papiere einholen und sich mündig erklären lassen. Doch er kriegte es hin, am 28. März 1958 hat er seine Elfi geheiratet, und abends wurde in Niehuus in der damaligen Gaststätte „Zur Gemütlichkeit“ ein rauschendes Hochzeitsfest gefeiert. „Die Feier begann nachmittags bei strahlendem Sonnenschein, als schließlich nachts der letzte Gast ging, war draußen vor der Tür eine ganze Menge Schnee gefallen, und es entwickelte sich zur Schneekatastrophe 1958!“
Keine drei Wochen später, am 16. April 1958, trat Gerhard seinen Wehrdienst, der damals 12 Monate dauerte, in Schleswig beim dortigen Flakbataillon an. Seine Frau Elfi war dank der Hochzeit gut versorgt – das war für Gerhard natürlich eine Herzensangelegenheit gewesen, sich trotz Wehrpflicht um das Wohl seiner Ehefrau zu kümmern.
Die Bundeswehrzeit hinderte ihn zwar an einigen seiner vielen Tätigkeiten, doch gleich nach der Entlassung gab Gerhard samt Familie Gas: Nun wurde am Elternhaus Nr. 43 angebaut um damit auch für die sich vergrößernde Familie Platz zu schaffen. Parallel wurde auf einer anderen Baustelle gearbeitet; in Harrislee wurde gleich anschließend von Gerhard ein Neubau für die Schwiegereltern hochgezogen.
Familiär tat sich auch etwas: Ende September 1959 kam Sohn Gunnar auf die Welt, im August 1961 folgte die Tochter Birte – die nächste Generation der Nicolaisens war somit personell komplett. Die nächsten Jahre waren geprägt vom Familienleben und von viel Arbeit, am noch elterlichen Haus, bei Nachbarn und Kollegen – und der Mittelteil des Alten Kupfermühlenwegs änderte nach und nach sein Antlitz, immer mehr Häuser entstanden, die Straße selbst wurde auch der neuen Zeit angepasst, denn die Menschen fuhren nach und nach immer mehr Autos.
Beruflich kam es 1966 zu einem Wechsel: Gerhard versuchte sich nun mit Erfolg als Fliesenleger, konnte er doch in diesem Gewerk mehr Geld verdienen. Diesen Job machte er bis 1971. Immer mal wieder stichelten die Kollegen, aber auch die Verwandten, dass er doch seinen „Meister“ machen sollte. Die Fähigkeiten dafür besäße er locker, befanden die Fachleute aus seinem Umfeld.
Staatlich unterstützt und finanziert nahm Gerhard dieses Vorhaben tatsächlich in Angriff: Von Oktober 1970 bis April 1971 lernte er in Vollzeit im Meisterkursus, und bestand schließlich die Prüfung von der Handwerkskammer zum Maurermeister.

Für die Stadt Flensburg im Einsatz

Gerhard war nicht nur ein guter Handwerker, sondern er hatte echtes Zeichentalent, so hatte er schon in jungen Jahren viele technische Zeichnungen gefertigt, die allgemein Anklang fanden wegen ihrer Klarheit und Präzision.
Als ihm zu Ohren kam, dass die Stadt Flensburg einen technischen Zeichner in ihrem Vermessungsamt suchte, bewarb er sich auf jenen Posten, und bekam tatsächlich die ausgeschriebene Stelle. Am 2. August 1971 trat er seinen Dienst im Vermessungsamt der Stadt Flensburg an.
Beruflich blieb er der Stadt Flensburg treu bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Ende September 1997 – er war insgesamt 26 Jahre im Dienst der Stadt aktiv. Im Vermessungsamt war er bis 1977 tätig. Im August 1977 wechselte er ins Hochbauamt. Die gut 20 Jahre in jener Behörde waren eine intensive Zeit für ihn. Gerhard war in der sogenannten „Bauunterhaltung“ tätig.
Die Stadt Flensburg war in jenen Jahren für weit über 180 eigene Gebäude und Liegenschaften verantwortlich. Dazu gehörten unter anderem das alte ZOB-Gebäude, sämtliche städtischen Schulen, die Duburghalle und zahlreiche Kindergärten, Berufsfeuerwehr und freiwillige Feuerwehren, Altenheime und zahllose Liegenschaften von Flensburg-Weiche bis in den Kollunder Wald.
Als „Bauunterhalter“ war Gerhard beinahe ständig im gesamten Flensburger Stadtgebiet auf Achse. „In einem Jahr bin ich mal nur mit dem eigenen PKW mehr als viertausend Kilometer innerhalb der Stadtgrenzen gefahren“, weiß Gerhard aus dieser abwechslungsreichen Zeit zu berichten. „Das Büro sah mich meistens nur kurz morgens und erst wieder spät am Abend zur Feierabendzeit“, ergänzt er zur Vielseitigkeit dieser Tätigkeit.
Und Feierabend war meistens gleichbedeutend mit weiterer Arbeit im privaten Umfeld. So wurde 1977 am inzwischen von den Eltern übernommenen Haus der bereits dritte Anbau – eine Gebäudeverlängerung – hinzugefügt, in den Folgejahren wurde ein Altbau saniert für Tochter und Schwiegersohn, eine Doppelgarage mit Werkstatt für den Sohn, dem folgte der Bau eines Zweifamilienhauses für Sohn Gunnar, Gleiches kurz nach der Jahrtausendwende für die Familie der Tochter – irgendwo wurde eigentlich immer gebaut, renoviert oder angebaut.

Sport im IF Stjernen

In Flensburg gab es bereits seit 1923 einen Sportverein der dänischen Minderheit, DGF Flensborg. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam im Jahr 1948 mit IF Stjernen ein weiterer Verein dazu. Es war für die Handballer der dänischen Minderheit in jenen Tagen problematisch, Spielgegner zu finden. Der deutsche Handball-Verband nahm die DGF-Handballer nicht auf, gegen dänische Mannschaften zu spielen war fast unmöglich – man benötigte für eine Reise nach Dänemark in der Nachkriegszeit sogar noch ein
Visum.
Aus der Not heraus wurde der zweite dänische Sportverein IF Stjernen gegründet. Die Handballer der „Sterne“ trainierten zum Anfang der 50er Jahre auf 7er-Feldern auf dem kleinen Sportplatz am Cornelius-Hansen-Weg in der Nordstadt.
Gerhard und weitere 11 Schulfreunde von ihm guckten gern dabei zu, fragten auch mal nach, ob sie vielleicht mitspielen dürften. „Dann müsst ihr aber dem Verein beitreten“, bekamen die Jungs zu hören.

Gesagt, getan: Fast alle der Jungen wurden Mitglied im IF Stjernen, und durften fortan beim Handballtraining mitmachen. So wurde Gerhard Nicolaisen im Jahr 1950 als 14-Jähriger Mitglied im IF Stjernen, spielte anfangs in der Jugend-Mannschaft, später in der Jungmannen-Mannschaft. So hießen damals die heute als B-Jugend bzw. A-Jugend bezeichneten Teams.
Mit Beginn seiner Zeit bei der Bundeswehr in 1958 trat das Handballspielen aus zeitlichen Gründen in den Hintergrund, bald hörte Gerhard ganz auf, und ließ den Ball ruhen. Das war dem Umstand geschuldet, dass Arbeit, Familie, Bautätigkeiten den ganzen Mann forderten. Die Kontakte zu den Handballfreunden rissen jedoch nicht ab, und irgendwann im Herbst 1969 – die Idrætshalle war gerade als Neubau fertig geworden – bekam Gerhard wieder Lust aufs Handballspielen, ab 1969 war er wieder regelmäßig dabei, zuerst in der 2. Männermannschaft, sowohl immer dienstags beim Training in der nagelneuen Halle als auch bei den zahlreichen Punktspielen. In den 50er Jahren spielten die „Sterne“ mit der 1. Männermannschaft in der höchsten Spielklasse Oberliga, und es gab regelmäßig spannende Begegnungen und Kämpfe in der Duburghalle mit dem TSB Flensburg und dem THW Kiel usw.
Mit 32 Jahren zählt man beim Fußball und auch Handball zu den „Alten Herren“. Eine solche Truppe gab es natürlich auch bei IF Stjernen, und in dieser eingeschworenen Gemeinschaft spielte Gerhard in den 70er und bis in den 90er Jahren sehr erfolgreich mit, wurde mehrfach Bezirksmeister und Kreismeister bei den „Alten Herren“, nahm an unzähligen Turnierveranstaltungen in Dänemark teil. Die Kameradschaft in der Truppe war legendär, die Siege wurden stets gebührend gefeiert. Ab 1974 konnten Feiern dann endlich auch im eigenen Clubheim der „Sterne“ stattfinden. In jenem Jahr wurde das vereinseigene „Engelsby Centret“ in der Brahmsstraße fertiggestellt – nun hatte der Verein endlich wirklich einen Vereinsmittelpunkt und eigenes Zuhause.
Gerhard war mittlerweile mit Leib und Seele ein „Stjerner“ geworden, und engagierte sich neben dem Handball ehrenamtlich im Vereinsvorstand. Immerhin zehn Jahre lang war er als Protokollführer und zeitweise als 2. Vorsitzender auf Vorstandsebene
aktiv. Mit den Handballern und deren Partnerinnen wurde regelmäßig eine zünftige Weihnachtsfeier veranstaltet, und beinahe in jedem Jahr fanden gemeinsame Fahrten statt – oft zu den Sportfreunden nach Esbjergade auf Seeland, aber auch mal eine Fahrt mit der Fähre nach Oslo, zum Teambuilding, wie man so etwas heute nennt.
Der Verein hat Gerhards langjährige Vereinszugehörigkeit und seinen ehrenamtlichen Einsatz für das Gemeinwohl entsprechend gewürdigt: Im Jahr 1978 wurde er mit der Silbernen Vereinsnadel geehrt, und 1987 wurde ihm sogar die Goldene Vereinsnadel verliehen. Bis zum heutigen Tag ist Gerhard Nicolaisen seit 68 Jahren Vereinsmitglied – da kann man mit Fug und Recht von Vereinstreue sprechen!

Andere Hobbies

Man mag es kaum glauben, dass Gerhard noch irgendwo oder irgendwie Zeit für andere Dinge gefunden haben könnte – doch dem war durchaus so! „Früher habe ich unheimlich gern fotografiert, jede Menge Dias entwickeln lassen, unzählige Fotoalben und Dia- Filme erstellt, nebenbei im Alltag regelmäßig Notizen gemacht über meine aktuellen Tätigkeiten.“ Das kam ihm zugute, als er vor einigen Jahren sein komplettes Leben in einem Buch zusammengefasst hat, auf rund 200 eng beschriebenen Seiten, mit dem für sein Leben beispielhaften Titel „Langweilig war es nie!“ „Ich habe auch einige Jahre lang Tennis gespielt – und jetzt die letzten drei Jahre wieder bis zum Beginn der Corona-Krise.
Als älterer Mensch treibst Du so regelmäßig Sport für dich selbst, bist aber nicht so von Verletzungen bedroht wie im Handballsport!“, konnte Gerhard dem Mitte der 80er Jahre in Mode gekommenen Tennis viel Gutes abgewinnen.
„Trotz der eigentlich immer anstehenden Bautätigkeiten in meinem Leben sind wir viel gereist. Ab 1970 weilten wir häufig an der Costa del Sol in Spanien. Wir alleine und auch mit Freunden haben bis heute 19 Länder in Europa besucht, und waren weiterhin in Kanada, Ägypten und Tunesien unterwegs. Es ist zwar wunderschön in Flensburg und im Norden unseres Landes – doch auch viele andere Flecken dieser Erde sind immer wieder eine Reise wert!“ Trotzdem hat Gerhard ein großes Faible für seine Wurzeln, seine Heimat und seine Familiengeschichte. So betreibt er schon seit einigen Jahren Ahnenforschung, anfangs der eigenen Familie Nicolaisen, dann der Familie seiner Ehefrau, die eine geborene Weber ist, und jetzt zusätzlich auch der Familie seiner eigenen Mutter, einer geborenen Christesen. „Flensburg interessiert mich natürlich auch weiterhin, ich sammle schon lange historische Postkarten aus dem älteren und jüngeren Flensburg“, ergänzt Gerhard noch eine weitere Variante seiner vielfältigen Hobbies.
Das Flensburg Journal bedankt sich bei Gerhard Nicolaisen und seiner Ehefrau für ein äußerst interessantes und kurzweiliges Gespräch, das viele neue Einblicke in einige Teilbereiche unserer schönen Stadt sowie in ein erfülltes Leben eines typischen Flensburgers mit sich brachte!

Text: Peter Feuerschütz
Fotos: Benjamin Nolte, privat

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