Es gibt Menschen, die man als Weltenbummler bezeichnen kann, die sich überall auf unserem Planeten zu Hause fühlen, und dann gibt es jene Menschen, die fest in ihrer Heimat verwurzelt sind. Zur zweiten Kategorie gehört zweifellos Jochen Haut, der ein Kind der Flensburger Südstadt ist, der genauer gesagt praktisch sein ganzes Leben lang auf der Rude seinen Lebensmittelpunkt gehabt hat, und auch heute noch dort lebt.
Hans-Joachim Haut wurde am 13. Dezember 1952 geboren, in seinem Elternhaus, damals noch im Alten Husumer Weg. Heute würde seine Geburtsadresse allerdings „Nikolaiallee“ lauten – denn jener Straßenteil des Alten Husumer Weges ist längst umbenannt worden in Nikolaiallee. Hier verbrachte Jochen Haut seine ersten vier Lebensjahre. Auf der Rude – einem dörflichen Gebilde inmitten der Flensburger Südstadt, entstand etwa Mitte der 50er Jahre ein neues Wohngebiet, sowohl mit Miethaus- als auch mit Reihenhausbebauung. Jochens Eltern gehörten zu jenen, die dort, im Lundweg, ihr eigenes „Häuschen“ bauten. Im Jahr 1956 war es dann soweit: Die Familie Haut – Eltern und zwei Söhne – bezogen stolz und aufgeregt ihr neues Zuhause im Lundweg, Hausnummer 17.

Glückliche Kindheit auf der „neuen“ Rude

Für die beiden Söhne – Jochen hat noch einen acht Jahre älteren Bruder – entpuppte sich die Rude sehr schnell als wahres Spieleparadies. Seine Eltern hatten dem Jüngeren zwar den Taufnamen Hans-Joachim gegeben, doch hieß er, soweit er zurückdenken kann, immer einfach nur Jochen. „Wenn mich die Eltern wirklich mal als Hans-Joachim riefen, wusste ich sofort, dass es Ärger geben würde“, kann sich Jochen noch gut an die Kindheit erinnern.
Anfangs gab es dort, wo heute die Schule auf der Rude ihren Platz hat, zahlreiche Gärten. Als die schließlich aufgegeben werden mussten, um dem Schulneubau Platz zu machen, tat sich für die Kinder auf der Rude auf jenem Gelände ein wahrer Abenteuerspielplatz auf.
Jochens Großeltern hatten einen eigenen Garten, allerdings lag der woanders: Im Tal bei der Feldmühle. Heute würde man auch sagen können: Unterhalb des Jugendtreffs „exxe“, und dieser Garten hieß bei allen in der Familie Haut nur der „Feldmühlegarten“. Diese Parzelle mitsamt der Kolonie, in der sie lag, war das zweite große Schlaraffenland für die spielenden Kinder, hier wurde gern und häufig Verstecken oder „Cowboy und Indianer“ gespielt, jede Menge Rothäute skalpiert, und die damaligen Fernsehhelden wie die Cartwrights aus der TV-Serie „Bonanza“ erfolgreich imitiert.

Die Schulzeit

Im April 1959 war es soweit, Jochen wurde eingeschult. Seine Grundschule war ausgerechnet die St. Nikolai Knaben-Schule, nahe am Museumsberg gelegen. Der Schulweg vom Lundweg runter in die Innenstadt und später wieder den Anstieg hinauf zum Schulgebäude war für die sechsjährigen Schulanfänger unendlich weit und mühsam, anfangs wurden sie noch von einem Elternteil – zu Fuß natürlich – begleitet. Jochen gehörte zu den Jungen, die sich unterwegs, besonders auf dem Nachhauseweg, gern mal vergaßen und die Zeit verbummelten, so insbesondere in der Phase ab Sommer 1961, als das heutige Rathausgebäude am Pferdewasser im Entstehen war – auf der damaligen Großbaustelle gab es für die neugierigen Schulkinder unendlich viel zu sehen und zu entdecken. Übrigens wäre niemand von den Eltern damals auf die Idee gekommen, die Kinder etwa mit dem Auto oder als Fahrradfahrer zur Schule zu fahren und sie später wieder abzuholen.
Jochen wurde schließlich als Drittklässler erlöst, die nagelneue Schule auf der Rude war mittlerweile fertiggestellt, und Jochen wurde mit den Mitschülern, die wie er auf der Rude wohnten, ebendort in den sogenannten Aufbauzug umgeschult – jetzt war sein Schulweg nicht mehr der Rede wert, er wohnte nur einen Steinwurf entfernt vom Schulgebäude. In der Volksschulzeit stellte sich schnell heraus, dass Jochen ein aufgewecktes, „plietsches“ und wissbegieriges Kind war, so wurde er folgerichtig aufs Gymnasium umgeschult, im April 1963 (damals ging ein Schuljahr noch von April bis März) wechselte er auf die Goethe-Schule in der Bismarckstraße.
Jochen ging eigentlich stets recht gern zur Schule, sog das angebotene Wissen förmlich auf, interessierte sich insbesondere für die naturwissenschaftlichen Fächer. Nach insgesamt zehn Schuljahren auf der „Goethe“ – davon zwei Kurzschuljahre und eine „Ehrenrunde“ – baute er schließlich im Frühjahr 1972 sein Abitur, und war dann doch froh, dass er damit für sich das Kapitel „Schule“ endgültig abgeschlossen hatte – dachte er jedenfalls in jenen Tagen.

Vater Staat ruft – beim „Bund“

Mittlerweile zum jungen Mann herangewachsen, rief „Vater Staat“ ihn an die Waffen – das war damals noch so, fast alle jungen Männer mussten zum „Bund“, Jochen diente seine 15 Monate Wehrpflicht bei der Marine überwiegend im Raum Flensburg ab. Die Grundausbildung führte ihn für ein Quartal nach Eckernförde, die sich nahtlos anschließende Fachausbildung nach Bremerhaven, als „fertiger“ Gefreiter war er in Glücksburg-Meierwik stationiert, in der Marinefernmeldekompanie 72, er gehörte der Fachrichtung (Verwendungsreihe) 23 b an, war als Radarbeobachter eingesetzt, in dieser Funktion durfte er auch mehrfach zur See fahren. Auf den Messbooten „Oste“, „Alster“ und „Oker“ wurde er mehrfach für sogenannte Aufklärungseinsatzfahrten eingeschifft.

Berufswahl und Studium – mit Umwegen

Nach erfolgter Entlassung aus der Wehrpflicht war für ihn klar, dass er „Elektro-Technik“ studieren würde, einen Studienplatz in Braunschweig an der dortigen FH hatte er bereits sicher. Doch bevor er nach Niedersachsen zur Aufnahme des Studiums aufbrechen konnte, wurde die Familie Haut durch eine wahre Hiobsbotschaft geschockt: Jochens Mutter war schwer erkrankt, und die Diagnose der behandelnden Ärzte war verheerend: Die Mutter würde wohl nur noch etwa ein Jahr zu leben haben. Unter diesen Umständen war für Jochen klar: Er musste in Flensburg bleiben. Diese Entscheidung hat er nie bereut – so konnte er seine Mutter in ihren letzten Lebensmonaten noch ein Stück des Weges begleiten. Er nahm Fahrstunden, machte den Führerschein für LKWs, und fand schnell eine Anstellung bei der Spedition Vogt in Großsolt/Mühlenbrück, für die er eine ganze Zeitlang einen sogenannten „Redlefsen-Zug“ fuhr. Natürlich war das nicht sein Lebensziel, sondern nur eine vorübergehende Nebentätigkeit. Er bewarb sich an der Pädagogischen Hochschule (PH) in Flensburg, und wurde schließlich angenommen. Im Jahr 1974 nahm er sein Lehramts- Studium in Flensburg auf, seine Fächer waren Chemie und Physik, in jenen Jahren eine gute Fächerwahl, waren es doch seinerzeit Mangelfächer – die Absolventen dieser Fächer waren an den hiesigen Schulen begehrt. Das Studium schloss er erfolgreich im Jahr 1979 ab, saß anschließend jedoch wieder eine Zeitlang auf dem „Bock“ bzw. auf der „Straße“ – im wahrsten Sinne des Wortes, denn er überbrückte die folgenden Monate erneut als LKW-Fahrer für die Spedition Vogt. Die Zeit als Kraftfahrer brachte ihm nicht nur gutes Geld ein: Er lernte daneben viele Menschen aus Berufen und in Lebenssituationen kennen, zu denen er wohl sonst keinen Kontakt bekommen hätte. Insbesondere im Hamburger Freihafen erlebte er Dinge, die ihn menschlich ein ganzes Stück voranbrachten – sowohl positiv wie auch negativ. Die Kollegen aus der Speditionsbranche hat er als unheimlich nette und hilfsbereite Menschen in Erinnerung behalten – sie waren beinahe alle vom Charakter her „rau, aber herzlich“.

Jochens Wanderjahre als Junglehrer

Plötzlich flatterte ihm ein Brief ins Haus – er bekam eine Referendarstelle in Rendsburg angeboten, nahm diese natürlich an, und war in den nächsten zwei Jahren als „Dreiecksfahrer“ auf Schleswig-Holsteins Straßen unterwegs: Jochen pendelte ständig zwischen seinem Wohnort Flensburg, dem Schulort Rendsburg, und dem Seminarort Heide (dort fand die weitere Ausbildung statt). Auch diese anstrengende Zeit brachte er zu einem erfolgreichen Ende – nun war er ausgebildeter und fertiger Realschullehrer
mit den Fächern Chemie und Physik.
Jochen Haut bekam seine erste Lehrerstelle – auf Nordstrand! Ausgerechnet Nordstrand, dachte er sich, doch auch diese Zeit empfand er als sehr lehrreich, insgesamt unterrichtete er ein Halbjahr lang an der Herrendeichschule auf Nordstrand, die eine Realschule mit angegliederter Grundund Sonderschule war. Es ging dort sehr familiär zu, direkt an die Schule angedockt war übrigens der örtliche Kaufmannsladen – so ging man schon mal während der Pause rüber und kaufte sich seine Lebensmittel und andere Dinge ein.

Jochen findet seinen endgültigen Arbeitsplatz

Kurz vor dem Weihnachtsfest 1981 bekam Jochen plötzlich unverhofft Post aus Kiel, vom Kultusministerium: Es war eine Planstelle für die Fachkombination Chemie und Physik in Flensburg-Adelby frei, an der dortigen Kurt-Tucholsky-Schule. Dieses Weihnachtsgeschenk der besonderen Art sollte also Jochens Odyssee durch Schleswig-Holstein zu einem guten Ende bringen – er trat im Januar 1982 seinen Dienst an der Kurt-Tucholsky-Schule als Realschullehrer für Chemie und Physik an. Zwar liefen die Nordstrander Eltern anfangs Sturm gegen die Entscheidung aus Kiel, doch akzeptierten sie schließlich den Wunsch ihres geliebten Lehrers, der gern wieder heimatnah eingesetzt werden wollte.
Insgesamt sollte Jochen Haut 36 (!) Jahre als Lehrer an der KTS wirken, und das nicht nur als Realschullehrer. Die KTS war eine Gesamtschule, er unterrichtete somit auch neben den Realschülern in anderen Schularten – so war und ist es eben im dortigen Schulalltag. Im Juli 2018 ging er regulär in den Ruhestand. Das abschließende Fazit über seine jahrzehntelange Dienstzeit: „Insgesamt habe ich mich dort sehr wohlgefühlt, das Positive überwiegt bei weitem – natürlich erlebt man in einer dermaßen langen Lehrerkarriere auch Dinge, die nicht so erfreulich waren – doch ich war immer und jederzeit gerne Lehrer! Wenn mir das allerdings jemand schon während meiner eigenen Schülerzeit vorhergesagt hätte, hätte ich denjenigen für verrückt erklärt!“

Jochens Privatleben

Neben seinem Beruf gab es auch noch ein Privatleben: Bereits als Junge begann er sich für Kartonmodellbau zu interessieren – ein Hobby, das ihn sein Leben lang begleiten sollte. Mit der Zeit traute er sich immer mehr zu, die Modelle wurden größer, anspruchsvoller, schwieriger zu bauen. In seinem Wohnzimmer kann man heute noch seine Werke bewundern, insbesondere solche Schiffe wie die „Oste“ oder die „Alexandra“, auf denen er selbst einmal zur See gefahren ist, hat er gern gebaut.
Er blieb bis 1983 in seinem Elternhaus im Lundweg wohnen – sehr praktisch für ihn, konnte er sich doch in seiner Ausbildungszeit sowie in den ersten Berufsjahren auf die wichtigen Dinge konzentrieren, musste sich nicht um „Alltagskram“ wie Wäschewaschen, Kochen und Einkaufen kümmern. Als Student hat er sich dennoch nicht nur ums Lernen und Studieren gekümmert. Das Studentenleben hat ja auch durchaus seine schönen Seiten, so war er gern mit Freunden auf Tour, wobei ihm der Norwegen-Trip mit VW-Bus noch sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Die Jugendlichen seiner Generation wurden spätestens seit den 68er Jahren immer selbstbewusster und zunehmend politischer, auch Jochen interessierte sich für die allmähliche Wandlung in unserer Gesellschaft, und wurde politisch aktiv. Im Jahr 1976 wurde er Mitglied in der SPD, an der PH engagierte er sich in den dortigen Gremien und wurde sogar zum AStA-Vorsitzenden gewählt. Durch sein ehrenamtliches Engagement lernte Jochen zahlreiche Gleichgesinnte in Flensburg kennen, so auch Peter Krohn, der schon länger in der SPD aktiv war, und insbesondere in seinem Stadtteil Weiche für sein starkes Eintreten für die Gemeinschaft bekannt war. Peter Krohn hatte drei Töchter, die Jochen im Laufe der Jahre allesamt kennenlernen sollte. Im Jahr 1983 ergab es sich, dass Jochen häufig mit der mittleren Krohn-Tochter Martina zusammentraf, bei einer politischen Großveranstaltung auf der Flensburger Exe, einer Veranstaltung mit der SPD-Größe Egon Bahr, funkte es zwischen den beiden. Martina und Jochen waren heftig ineinander verliebt, wollten nur noch zusammen sein, bezogen als erste gemeinsame Unterkunft vorübergehend einen Wohnwagen, der auf einem nahegelegenen Campingplatz einen Dauerplatz innehatte, bis sie kurze Zeit später eine eigene gemeinsame kleine Wohnung in Weiche in der Amrumer Straße bezogen.
Für beide Frischverliebten stand schnell fest: Wir bleiben zusammen und wollen unbedingt heiraten! Eines Tages saßen sie mit den Krohns beisammen, man plauderte über die Zukunftspläne der jungen Leute, und Peter Krohn erwähnte beiläufig, dass er und seine Frau ja in Kürze Silberhochzeit feiern würden. Tochter Martina war sofort Feuer und Flamme: „Wir könnten ja am gleichen Tag wie ihr, am Tag eurer Silberhochzeit, heiraten, und so ein gemeinsames großes und unvergessliches Fest feiern!“
So wurde es gemacht, und es wurde dann tatsächlich eine schöne und gelungene Feier! Das junge Paar war überglücklich, wünschte sich jetzt „nur“ noch ein paar Kinder. Und auch das hat bestens geklappt: Im Januar 1985 kam das erste Kind, eine Tochter, zur Welt, noch im gleichen Kalenderjahr(!) 1985 (das schaffen nicht sehr viele Paare) wurde der Sohn geboren, im Dezember, 1987 kam eine zweite Tochter dazu, und nach einer – zumindest für die Hauts – längeren Babypause wurde als viertes Kind eine weitere Tochter im Jahr 1991 geboren, am Tag der Arbeit, „wie es sich für einen SPD-Mann gehört“, erzählt Jochen Haut augenzwinkernd.

Zurück auf der Rude

Im Jahr 1988 zogen die Hauts zurück in Jochens Elternhaus in den Lundweg 17, dort war für die inzwischen auf fünf Menschen angewachsene Familie Haut genügend Platz vorhanden. Jochens Vater überließ dem Sohnemann gern das für ihn längst zu groß gewordene Haus – er zog in eine passende Mietwohnung um.
Nun war die Familie Haut (fast) komplett, einen Hund hatte man eh schon länger. „Den habe ich gewissermaßen mitgeheiratet“, weiß Jochen zu erzählen. Ursprünglich lebte der nämlich bei den Schwiegereltern, doch als das junge Paar den Hund während eines Urlaubs der Krohns bei sich zu Hause in Pflege aufnahm, fand der Hund am neuen Zuhause so viel Gefallen, dass er nach erfolgter Rückkehr in sein altes Zuhause einfach wieder zu den jungen Leuten zurücklief, abends vor der Balkontür stand, und Einlass begehrte. Den Hauts war das eigentlich nur recht, hatten sie den Vierbeiner doch längst ins Herz geschlossen und seine Anwesenheit schon vermisst. Auch so „kann man auf den Hund kommen“, wissen Martina und Jochen Haut seitdem.


Der SPD-Mann

Seine Partei – die SPD – war längst Bestandteil seines Alltags für Jochen geworden, und 1982, als ein Kandidat für die anstehende Kommunalwahl gesucht wurde, kamen die Genossen in seinem Ortsverein Weiche auf ihn zu: „Mach du das doch, Jochen!“
Der vakante Posten lag allerdings in einem Wahlbezirk, in dem die SPD bis zu dem Zeitpunkt stets chancenlos war – für die 1982er- Wahl waren jedoch die Wahlkreise anders geschnitten worden; so wurde Jochen dann tatsächlich gewählt und wurde somit erstmals Mitglied in der Flensburger Ratsversammlung!
Zwar hatte er die auf ihn zukommende Arbeit nicht unterschätzt – er wusste ja bereits von seinem Schwiegervater, dass ehrenamtliche Tätigkeit durchaus in Arbeit und viel Zeiteinsatz ausarten kann, doch merkte er bald mehr und mehr, dass Beruf, Familie mit Frau und vier Kindern, Partei- und Ratsherrnarbeit einen irgendwann auch mal schaffen könnten. So erging es ihm im Jahr 1989: Jochen gab sein Mandat zurück, um sich insbesondere mehr seiner Familie widmen zu können. Er fand sogar zu seinem Kindheits- und Jugendhobby zurück, das er schon länger stark vernachlässigt hatte. Eines Tages kaufte er sich „nur einen“ Kartonbaubogen – und war sofort wieder infiziert. Jochen merkte schnell, dass ihm die Beschäftigung mit den oft kleinteiligen Kartonbaubögen Ruhe und Abstand vom Alltagsgeschehen verschaffte, er bei dieser „Fummelarbeit“ bestens abschalten konnte. Daneben konnte er sich jetzt auch wieder mehr der Fotografie widmen, einem weiteren Hobby, an dem er zunehmend Freude fand. Die Politik ließ ihn allerdings nicht los, auf der örtlichen Ebene war er weiterhin aktiv, und als die Kinder „aus dem Gröbsten“ raus waren, seine Frau wieder berufstätig war, stellte er sich erneut zur Wahl, und ist seitdem, seit dem Jahr 2003, bis einschließlich heute in Flensburg Ratsmitglied. Auf die Frage, wie lange er besagtes politisches Amt noch bekleiden möchte, kommt sofort die Antwort: „Ein Ende ist für mich zumindest schon absehbar – spätestens in 2023 wird es soweit sein!“

Seine Verdienste um den Flensburger Sport

Wie er seine bisherige politische Tätigkeit bewertet, fragen wir ihn. „Als zu große persönliche Beanspruchung habe ich meine Tätigkeit in der Kommunalpolitik eigentlich nie empfunden.
Trotz vieler Sitzungen, trotz unzähliger Abende mit Pflichten bzw. Arbeit außer Haus habe ich es nie als lästig wahrgenommen, eher das Gegenteil war der Fall: Insbesondere durch die jahrzehntelange Tätigkeit im Ausschuss „Bildung und Sport“, dem ich lange als Vorsitzender diente, habe ich unzählige tolle Menschen und Charaktere kennenlernen können.“ Viele Jahre lang verging kaum eine Jahreshauptversammlung in irgendeinem hiesigen Sportverein, an der Jochen Haut nicht als Vertreter der örtlichen Politik teilnahm. Auch dem Trägerverein des Flensburger Stadions war er stets verbunden, sogar deshalb mit einer persönlichen Beziehung zu dieser Institution, weil sie ein besonderes und Lieblingsprojekt seines Schwiegervaters Peter Krohn war, der allerdings die tatsächliche Geburt und Arbeitsaufnahme jener Einrichtung nicht mehr erleben durfte: Er verstarb plötzlich und unerwartet kurz vor Gründung des Vereins.
(2006 wurde der Trägerverein Flensburger Stadion e. V. gegründet. Er betreut mit angestellten Vollzeit und einigen Teilzeitkräften seitdem das Stadion und weitere dort befindliche Sportanlagen. Die Stadt Flensburg beteiligt sich dabei mit rund 210.000 Euro jährlich, um die in die Jahre gekommenen Anlagen zu erhalten.)
„Gerade die Sportler wussten meinen Einsatz immer zu schätzen, wenngleich oft genug hohe Hürden zu bewältigen waren, und längst nicht alle Probleme und Baustellen zur Zufriedenheit der betroffenen Vereine, Vorstände, Sportler und Funktionäre gelöst werden konnten.“ Besonders gefreut hat ihn, dass sein Einsatz für den lokalen Sport vom Sportverband Flensburg auch offiziell anerkannt und gewürdigt wurde. „Man hat mir für meine Verdienste um den Sport in Flensburg einen Zinnbecher überreicht – eine Ehrung, die sonst nur erfolgreichen Sportlern und verdienten Funktionsträgern vorbehalten ist!“
Jochen Haut ist neben den bereits aufgezählten Tätigkeiten noch in diversen anderen Gremien aktiv, im eigenen Wohn-Quartier gehört er schon „gefühlt ewig“ dem Rude-Forum an, er verfolgt mit etwas Wehmut die gerade anstehenden Umbaumaßnahmen auf der Rude, die dem Stadtteil im Stadtteil Südstadt künftig eine anderes Gesicht verleihen werden.
„Insbesondere der Abriss des Kaufmannsgebäudes lässt bei alteingesessenen Rude-Bewohnern wie mir Trauer aufkommen“, weiß Jochen zu berichten.
Während der Schulzeit seiner Kinder war er zehn Jahre lang Elternbeiratsvorsitzender, die Schule hat also für ihn immer etwas sehr Wichtiges in seinem Leben bedeutet.
Die wenigen freien Abende hat er dann umso intensiver und bewusster mit seiner Ehefrau daheim verbracht. Martina hat ihm stets den Rücken freigehalten und ihn bei seinen vielfältigen Tätigkeiten unterstützt.

Der Ruhestand

Zeitgleich mit dem Eintritt in den verdienten Ruhestand war für Jochen die Auszahlung einer Lebensversicherung fällig. „Dieser glückliche Umstand hat uns in die Lage versetzt, uns einen lang gehegten Traum zu erfüllen: Die Anschaffung eines Wohnmobils.“ Seine Frau Martina hatte die Möglichkeit, ebenfalls in den Ruhestand zu treten – jetzt haben die beiden Eheleute endlich die Zeit und Muße, sich auf Achse zu begeben, und auch spontan einfach mal wegzufahren. Die Töchter wohnen allesamt in der Nähe, nur der Sohn ist mit seiner Familie in der Hauptstadt Berlin ansässig geworden. Die Kinder haben mittlerweile selbst mehrere Kinder in die Welt gesetzt, es gibt also genügend Enkelkinder, an denen sich die Hauts erfreuen können, daneben haben sie als weitere Familienmitglieder einen etwas älteren sowie einen noch sehr jungen Hund zu passen, schließlich auch noch Haus und Garten – Langeweile sollte somit in absehbarer Zeit für Jochen Haut und seine Frau nicht aufkommen.
Wir wünschen den beiden Hauts einen schönen „Ruhestand“, bleibt fit, gesund und munter, und genießt das Leben in all seinen positiven und sonnigen Facetten!


Das Gespräch führte Peter Feuerschütz.
Fotos: Benjamin Nolte, privat

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