Er ist sowas von „flensburgisch“ – wenngleich sein Nachname „Meyer“ das nicht auf den ersten Blick vermuten ließe. Der Name „Meyer“ ist übrigens einer der häufigsten Nachnamen in ganz Deutschland – ursprünglich eine Berufsbezeichnung für einen Hofverwalter oder Pachtbauern (aus dem Lateinischen maior abgeleitet = „der Größere/Obere“). Aber unser Protagonist ist ja abstammungsmäßig auch ein „Buten-Flensburger“ …

In Fruerlund geboren und aufgewachsen
Rüdiger Meyer wurde am 4. Juli 1951 in Fruerlund geboren. Doch schon bald darauf wurde das Barackenlager „Kielseng“ zu seinem zweiten Lebensmittelpunkt, weil seine Großeltern dort wohnten. „Das Lager ist längst Geschichte. Es befand sich im Gebiet zwischen der Swinemünder Straße und dem Straßenzug Kielseng bis etwa zum Klärwerk“, weiß Rüdiger zu erzählen. Rüdigers Großeltern und die Mutter waren kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus Danzig in den Westen geflohen, erreichten über viele Umwege schließlich Flensburg. „Dort im Flüchtlingslager und in unserem Haus in der Fruerlunder Straße habe ich meine ersten Lebensjahre verbracht.“

Fruerlund wurde nun für den Heranwachsenden zu seinem Revier, in dem er lebte, spielte und erste Freunde fand. 1958 wurde er in die gleichnamige Grundschule Fruerlund eingeschult, am Bohlberg gelegen und fußläufig leicht für ihn zu erreichen. Rüdiger war stets ein guter Schüler, schaffte demzufolge im vierten Schuljahr auch die Prüfungen für die anschließende Umschulung aufs Gymnasium – oder Oberschule, wie man damals noch sagte.

Der „Oberschüler“
Ostern 1962 wechselte Rüdiger aufs Gymnasium: das spätere „Förde-Gymnasium“ in der Elbestraße. „Die Schule war brandneu, hatte noch gar nicht ihren späteren Namen erhalten“, klärt mich Rüdiger auf. Tatsächlich: Die neue Schule nahm als „Neues Gymnasium im Aufbau“ im April 1961 den Lehrbetrieb auf. Als Rüdiger 1962 dorthin kam, waren noch nicht einmal alle Baumaßnahmen abgeschlossen. „Als Sextaner im ersten Schuljahr wurden wir in den ersten vier Monaten noch in der Goetheschule unterrichtet“, schmunzelt er im Rückblick. Der heutige Name des neuen Gymnasiums wurde 1973 auf Vorschlag eines Lehrers eingeführt, um den regionalen Bezug zur Flensburger Förde zu stärken.

„Ich denke gern an meine Schulzeit zurück“, lächelt mein Gesprächspartner, „ich hatte gute Klassenkameraden und kompetente Lehrer, habe viel dort gelernt und fürs spätere Leben mitbekommen. Und ganz wichtig: Ich habe am Förde-Gym meine spätere Frau erst kennen und später lieben gelernt!“ Im Gegensatz zu einigen anderen Flensburger Gymnasien war das „Förde-Gym“ bereits eine gemischte Schule – Jungen und Mädchen gemeinsam in den Schulklassen. „Insgesamt dauerte meine Zeit am Gymnasium nur 8,5 Jahre – das war den beiden Kurzschuljahren in 1966 und 1967 geschuldet, in denen in Schleswig-Holstein der Schuljahresbeginn bundesweit vom Frühjahr (Ostern) auf den Spätsommer verlegt wurde. 1970 legte ich im Frühjahr mit Erfolg mein Abitur ab.“
Der Student – mit Umwegen
Im Herbst 1970 schrieb sich Rüdiger an der CAU (Christian-Albrechts-Universität) in Kiel für sein Studium ein. In Kiel hatte er bereits seine ersten zwei Semester komplett studiert, als ihn urplötzlich das Schicksal in Form eines Musterungsbescheids von der Bundeswehr ereilte. Wie es dazu kam? Seine Eltern waren mittlerweile innerhalb Flensburgs umgezogen, wurden mit den üblichen Unterlagen im Einwohnermeldeamt in Flensburg vorstellig um die Familie umzumelden – einschließlich ihrer Kinder. Dabei fiel auf, dass der Sohn Rüdiger wehrdienstmäßig noch gar nicht erfasst war. Das wurde in Windeseile – innerhalb von 3 Wochen – von den zuständigen Stellen nachgeholt. Rüdiger wurde nun gemustert, war wehrdiensttauglich, und wurde alsbald eingezogen zur Bundeswehr, zur Ableistung seiner Wehrpflicht. „Ich wurde nun ein sogenannter „W15“ und als solcher nach Leck zur Luftwaffe zum AG 52 eingezogen. Die Grundausbildung absolvierte ich in Holland – dort bekamen wir wegen der Auslandsverwendung den doppelten Wehrsold, für einen Studenten wie mich nicht ganz unwichtig. Zwischendurch habe ich wiederholt im Straßenbau gearbeitet – bei der damaligen Firma ATE-Bau, ca. 10 Stunden täglich – das wurde sehr gut bezahlt!“

Studium Teil 2
1973 war er wieder „frei“, hatte sich jedoch inzwischen entschlossen, zwar das Studium fortzuführen, jedoch nicht in Kiel an der Uni, sondern in seiner Heimatstadt Flensburg an der hiesigen PH, der Pädagogischen Hochschule Flensburg, die damals ihren Standort in der Mürwiker Straße – zwischen Jahnstraße und Arndtstraße – unweit des Flensburger Stadions hatte. Rüdiger studierte in den Fächern „Geschichte“ und „Geographie“ aufs Lehramt.
Mit seiner Freundin Silvia bezog er eine erste gemeinsame Wohnung – „unsere Studentenbude“ – in Mürwik in der oberen Osterallee, Ecke Nordstraße, gegenüber von ehemals „Autohaus Thurner“.
Im Lehrerberuf kurzzeitig tätig
Rüdiger schloss das Lehramt-Studium erfolgreich ab, machte das erste Staatsexamen in Kiel. Es folgten für ihn anschließend kurze Einsatzzeiten an verschiedenen Schulen im Flensburger Umland, so war er anfangs ein halbes Jahr lang an der Zentralschule in Harrislee tätig, danach wechselte er für ein komplettes Schuljahr an eine Schule in Schafflund, als angestellter Lehrer.

Vier Jahre Dänemark
Mittlerweile hatte Rüdigers Freundin Silvia ebenfalls ihr Lehramt-Studium erfolgreich beendet. Sie fand eine entsprechende Anstellung im benachbarten Dänemark: Sie unterrichtete an der deutschen Nachschule in Tingleff, einem Internat der deutschen Minderheit in Nordschleswig. „Wir wohnten gemeinsam diese vier Jahre lang jenseits der Landesgrenze in Tingleff, hatten insgesamt eine schöne Zeit dort verbracht“, erinnert sich das Ehepaar Meyer gern an jene Jahre in Tingleff. „Während der Dänemark-Jahre stand bald unser gemeinsamer Entschluss fest, unserer festen Beziehung einen offiziellen Status zu verleihen, sprich: zu heiraten.“

Eine rauschende Hochzeitsfeier
„Es war für uns beide natürlich ein einmaliges und überragendes Ereignis und ein unvergessliches Erlebnis: unsere Hochzeit im Jahr 1978 im Schloss Glücksburg“, sind sich die beiden Eheleute einig. „Es war übrigens eine ökumenische Hochzeit! Eine ökumenische Trauung ist ein gemeinsamer Gottesdienst mit jeweils einem Pastor bzw. Pfarrer der jeweiligen Konfessionen für Paare unterschiedlicher Konfessionen – in unserem Fall war es katholisch und evangelisch.“ Rüdiger war katholisch erzogen, seine Silvia evangelisch. Rüdiger wirft in dem Kontext kurz reumütig ein, dass „ich Jahre zuvor unmittelbar vor meiner Kommunion gemeinsam mit einem Freund die Beichte geschwänzt habe“, dieses Fehlverhalten aber seinerzeit keinerlei Konsequenzen für die beiden Jungs bedeutete.

Zurück in Flensburg – zumindest zeitweise
Im Jahr 1979 verließ Silvia die deutsche Nachschule in Tingleff, sie erhielt endlich in Flensburg eine neue Lehrerstelle. Die beiden jungen Eheleute suchten und fanden für sich eine gemeinsame Wohnung in Flensburg: im Schlehenbogen im Stadtteil Mürwik. Für Rüdiger begann jetzt eine Zeit, in der er regelmäßig pendeln musste: das Referendariat.
So heißt der praktische Vorbereitungsabschnitt nach einem akademischen Studium, der mit dem 2. Staatsexamen abschließt. Es ist zwingend erforderlich für Berufe im öffentlichen Dienst, insbesondere für das Lehramt. Diese 24 Monate verbrachte er wechselweise an einer Schule in Hutzfeld (Ostholstein), rund 140 km von Flensburg entfernt, oder in der Hansestadt Lübeck, am dortigen Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung – und am Wochenende ging es stets nach Hause. Das praktizierte Rüdiger bis 1981, dem Ende des Referendariats. „Es war ein ständiges „Gegurke“ durch ganz Schleswig-Holstein“, erinnert er sich nicht so gern an jene Monate – und das auch noch aus einem anderen (privaten) Grund!

Gründung der Familie
Im Jahr 1980 kündigte sich erster Nachwuchs bei den jung verheirateten Meyers an. Noch im gleichen Jahr wurde der erste Sohn geboren, und knapp zwei Jahre später, in 1982, kam noch ein weiterer Sohn dazu – nun waren die Meyers als Familie komplett. Rüdiger hätte sehr gern mehr Zeit bei der Ehefrau und den Kleinkindern verbracht. Das ließ der Beruf leider nicht zu.
Beide Eheleute waren schon immer sportbegeistert. Zurück aus Tingleff, bemühten sie sich Anfang 1980 gemeinsam um eine Aufnahme in den Tennis-Club (TC) Mürwik, der seine vereinseigene Sportanlage in der Jahnstraße betrieb – idyllisch am Volkspark gelegen. „Wir mussten sogar einen Bürgen beibringen“, schmunzelt Rüdiger. „Es hat aber keine Probleme gegeben: Wir wurden bald darauf als ordentliche Mitglieder akzeptiert und im Verein aufgenommen. Anfangs spielte jedoch nur ich aktiv Tennis – Silvia war ja schwanger und musste deshalb erst einmal aufs Tennisspielen verzichten“, erzählt unser Protagonist.

Eintritt ins Berufsleben – anders als geplant
Im Jahr 1981 war Rüdiger Meyer endlich am ersehnten Ausbildungsziel angelangt: Mit dem erfolgreich abgelegten zweiten Staatsexamen war der Ehemann und junge Vater jetzt ein fertig ausgebildeter Lehrer – fand jedoch trotz intensiver Bewerbungen keine Stelle für sich in ganz Schleswig-Holstein. Was nun? Diese Frage stellte sich alsbald. Er wollte ja schließlich arbeiten und Geld verdienen – auch wenn das im angestrebten und erlernten Beruf leider nicht möglich war.

Erster Schritt in die Selbständigkeit
Mit Freunden entwickelte man nach geraumer Zeit den Plan, in der Flensburger Innenstadt ein ganz neues Restaurant zu eröffnen. Es sollte ein französisches Lokal sein. „Dafür nahmen wir extra während eines Paris-Urlaubs Anschauungsunterricht in den dortigen Cafés und Bistros – nahmen von diesem Ausflug nach Frankreich auch zahlreiche und vielfältige Anregungen mit und setzten diese teilweise um bei der Einrichtung und Ausstattung unseres Restaurant-Traums in Flensburg.“
Man eröffnete nach umfangreichen Arbeiten in 1982 das Restaurant „Franchi’s“ in der Großen Straße 29 (heute befindet sich dort ein Schuhgeschäft, Leguano). „Das Emblem bzw. Logo für das „Franchi’s“ zeichnete übrigens mein Großvater, und rechtzeitig zur Eröffnung buchten wir Platz an einigen hiesigen Litfaßsäulen, um das Plakat mit dem Hinweis auf die Neueröffnung publik zu machen. Wir fassten schnell Fuß in Flensburg – trotz vielfacher Konkurrenz in der Innenstadt – wie etwa direkt gegenüber das arrivierte Café Preußer. Ich war nun für die kommenden drei Jahre als Geschäftsführer des „Franchi’s“ im Einsatz – ein Job, der mir durchaus zusagte.“ Er belegte sogar extra einen Kurs zum „Eisproduzieren“ in Rendsburg: „Ich hatte den Ehrgeiz, möglichst alles professionell machen zu können.“

Familie Meyer bezieht ihr endgültiges Zuhause
Die nun vierköpfige Familie Meyer war schon geraume Zeit auf der Suche nach einer passenden Wohnung für sich. Fündig wurde man im Jahr 1983: „Gegen mehrere Mitbewerber setzten wir uns durch bei der Bewerbung für ein Reihenhaus im Twedter Strandweg im Stadtteil Mürwik. Das Haus war genau das, was wir uns vorgestellt hatten“, erinnert sich Rüdiger. Überglücklich zogen die Eltern mit den kleinen Söhnen ebendort ein. „Als uns das Haus vier Jahre später, in 1987, zum Kauf angeboten wurde, haben wir nicht lange überlegen müssen. Seitdem sind wir glückliche Eigentümer dieses unseres Familienhauses, in toller Lage gelegen, in einem netten Umfeld – was will man mehr?“
Rüdiger findet seine berufliche Erfüllung
Rüdiger spürte trotz guter Erfolge als „Gastronom“, dass er diesen Job nicht „auf ewig“ machen wollte. „Ich kannte als eingefleischter Flensburger und nun auch Café-Betreiber zahllose Leute in der Region, war „gut vernetzt“ – wie man heute wohl sagen würde. So bekam ich nach und nach immer mehr Kontakte zur hiesigen WAK (Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein), die 1976 als zentrale Weiterbildungseinrichtung der Industrie- und Handelskammern (IHK) in Schleswig-Holstein gegründet wurde. Die WAK nutzte viele Jahre das Gebäudeensemble rund um den historischen Heiligengeistgang als zentrales Bildungszentrum, lag für mich also praktisch vom „Franchi’s“ aus „um die Ecke“, so Rüdiger Meyer. „Das war im Jahr 1985“, weiß er noch genau.

Die WAK in Flensburg (heute in der Heinrichstraße 16 gelegen) ist das zentrale IHK-Bildungsunternehmen der Region. Sie bietet berufliche Aus- und Weiterbildung, Beratung für den Wiedereinstieg sowie Firmenseminare an. Sie ist gewissermaßen eine „eierlegende Wollmilchsau“ – könnte man es flapsig ausdrücken: Sie bietet Aufstiegsfortbildungen (Vorbereitung auf IHK-Prüfungen für Fachwirte, Betriebswirte, Industriemeister oder Fachkaufleute), ein Duales Studium (Bachelor für BWL) sowie Existenzgründer und andere Seminare an wie spezielle Kurse und Qualifizierungen für den Schritt in die Selbstständigkeit oder Firmenschulungen.
Der neue Beruf: Dozent und Ausbilder
Die eben genannten Bildungsangebote fand Rüdiger höchst interessant und passend auf ihn und seine Fähigkeiten zugeschnitten. „Ich fing nun an, erste Kurse und Seminare für die WAK abzuhalten. Seit dem Jahr 1988 war ich hauptamtlich als Freiberufler in Sachen Ausbildungspädagogik für die WAK tätig.“

Jedes dual ausbildende Unternehmen braucht anerkannte Fachleute als feste Ansprechpartner für Auszubildende. Als sogenannter AdA-Ausbilder war er bald ein gefragter Pädagoge und als Freiberufler nicht nur an der WAK, sondern später auch an der Uni Flensburg und an der DAA tätig. Die Ausbildereignung richtet sich an Mitarbeiter aus allen Branchen sowie an Selbstständige. Für den Abschluss zahlreicher IHK-Aufstiegsfortbildungen, etwa zum Industriemeister oder Fachwirt, ist sie zwingend erforderlich.
Rüdiger Meyer, bald in ganz Flensburg bekannt als der „Ausbilder der Ausbilder“
„Diese Seminare und Kurse fanden übrigens nicht nur in den Räumlichkeiten der WAK, der Uni oder in anderen Ausbildungseinrichtungen statt, sondern wir waren sehr viel in der Region unterwegs, besuchten Firmen, Betriebe aller Art.
Viele Flensburger Firmen (z. B. die Stadtwerke, Queisser Pharma, die Stadtverwaltung im Rathaus, sehr viele Gastronomiebetriebe) schickten ihre Angestellten zu uns, oder die Chefs kamen auch selbst, z. B. Geschäftsführer bekannter Autohäuser, das Personal vom „Beach Motel“ St. Peter-Ording, vom „Intermar“ Glücksburg, dem „Alten Meierhof“, selbst von den A-Rosa Hotels Sylt und Travemünde. Das ging auch durchaus mal über Flensburgs Stadtgrenzen hinaus: Wir waren im gesamten Landesteil Schleswig unterwegs, sogar auf Sylt hielten wir diverse Seminare ab.“

Das Dream-Team
Neben Rüdiger Meyer waren auch andere Pädagogen und Fachleute als Dozenten für die WAK unterwegs. „Einer von diesen Fachleuten war mein heutiger Freund und langjähriger Wegbegleiter Hans-Ludwig Lorenzen, seines Zeichens Jurist und als Rechtsanwalt in Flensburg tätig. Wir haben häufig gemeinsam vor den Kursteilnehmern gestanden und sie in die AdA-Geheimnisse eingeweiht. Dabei wurde viel gefrotzelt und wir haben uns auch vermeintlich gegenseitig angemacht“, schmunzeln beide unisono. „Teilweise warteten die Hörer schon förmlich darauf, dass wir beide uns kabbelten – so wie einst die legendären „Netzer und Delling“ bei Fußball-Übertragungen im TV.“
Heute kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass beide in den Flensburger Betrieben und Ausbildungsinstitutionen bekannt sind „wie ein bunter Hund“! Rüdiger hat längst für sich festgestellt: „Es ist manchmal schon frappierend, wie viele Leute man kennt und kennengelernt hat. Wenn man mal durch die Stadt oder sein Quartier geht, wird man sehr häufig freundlich gegrüßt – wohl auch ein Zeichen, dass man den Leuten eine gute Zeit geboten hat und ihnen etwas mitgegeben hat fürs künftige Berufsleben …“

Ein umtriebiger Mensch
Stillstand und Langeweile kamen in Rüdigers Leben so gut wie nie vor. Er war schon immer sportbegeistert: Regelmäßig stand er auf dem Tennisplatz und duellierte sich mit Gegnern um Spiele, Sätze und Punkte. Und wie es so ist in Sportvereinen: Als er gefragt wurde, ob er sich vorstellen könnte, ein Ehrenamt im Verein zu übernehmen, war es gewissermaßen um ihn geschehen. „Für mehr als 10 Jahre agierte ich als Sportwart im TC Mürwik, verbrachte dort häufig viele Stunden nach Feierabend und an den Wochenenden.“ Lange Jahre haben er und seine Frau auch den Golfsport betrieben, waren häufig auf der Golfanlage in Glücksburg anzutreffen.
Selbst zu Hause war Rüdiger stets mit einem seiner vielen Hobbies beschäftigt. „Ich bin auf bestimmten Themenfeldern ein leidenschaftlicher Sammler“, beschreibt er sich selbst. „Das sind die Modellautos der Marke Wiking, allgemein altes Blechspielzeug, und meine ganz große Leidenschaft schon seit dem Jahr 1970: Comics aller Art – insbesondere alle Asterix-Hefte, praktisch alles von und mit Donald Duck, und und und …“
Nebenbei griff unser Protagonist auch gern und regelmäßig zu seinen Malutensilien – viele seiner Bilder sind im gesamten Haus zu bewundern, wo sie die Wände zieren.

Eine reiselustige Familie
„Im Laufe unseres Familienlebens sind wir weit gereist, haben praktisch jeden Kontinent dieses Planeten mindestens einmal besucht. Mit Erfolg haben wir schon vor vielen Jahren für uns eine spezielle Urlaubsform entdeckt: den Haustausch.“ Beim Haustausch (Home Swapping) „urlaubt“ man kostenlos in der Wohnung oder dem Haus einer anderen Familie, während diese im Gegenzug im eigenen Zuhause wohnt. Man zahlt lediglich die Anreise und Verpflegung.
„In Sachen Haustausch haben wir auch schon viele – teils ferne – Länder besucht. Wir waren auf diese Weise sogar in den USA unterwegs, in England, Schottland und Irland – haben bei diesen Haustausch-Aktionen – weil wir mit dem Flugzeug angereist sind – das eigene Auto zuhause gelassen und quasi auch einen Autotausch vorgenommen, so auch bei einem Urlaub in Holland. Mit dem eigenen PKW waren wir jedoch in den anderen und nähergelegenen Urlaubsländern wie Österreich, Frankreich, Spanien, Norwegen usw. angereist.“
Allmählicher Rückzug aus dem Berufsleben
In den letzten Jahren hat sich Rüdiger Meyer nach und nach aus dem Berufsleben zurückgezogen. Seinen Teil der Aufgaben im AdA-Bereich hat er längst an einen kompetenten Nachfolger übergeben, wenngleich er einige wenige Kurse noch höchstpersönlich abhält.

Nachdem er sich ja schon vor gut vier Jahrzehnten aus dem Gastro-Gewerbe (siehe „Franchi’s“) zurückgezogen hat, ist er vor 20 Jahren noch einmal diesbezüglich „rückfällig“ geworden. „Irgendwann im Jahr 2006 fragte mich ein guter Freund, ob ich ihm bei der Eröffnung – und allem was damit einhergeht –eines Lokals helfen könnte.“ Rüdiger half gern und trug so seinen Anteil dazu bei, dass noch im gleichen Jahr das Restaurant „Vigo“ im historischen Holmhof (Holm 43a) in der Flensburger Innenstadt eröffnen konnte.
Das Restaurant bereichert den malerischen Holmhof mit seiner Außenterrasse, hat allerdings nach einem Besitzerwechsel seinen Namen längst in „Vertigo“ geändert. Das Restaurant ist bis heute eine beliebte Kombination aus Café, Bar und Restaurant.
Rüdiger Meyer heute
Heute sind der „Mitt-Siebziger“ Rüdiger und seine Frau Silvia altersmäßig im sogenannten „Ruhestand“ angekommen, doch sie benehmen sind noch keineswegs so, wie man das landläufig von Rentnern so vermutet. Beide Söhne sind mittlerweile erwachsen und stehen fest im eigenen Leben, haben schon selbst Familien gegründet und eigene Kinder. „Wir haben zu beiden Söhnen und ihren Familien gute Kontakte, natürlich auch zu unseren vier Enkelkindern“, strahlen die stolzen Großeltern. Eine der beiden Familien lebt nur einen „Katzensprung“ entfernt in Solitüde, diese beiden Enkel sehen ihre Oma und ihren Opa („er ist der Beste!“) naturgemäß sehr häufig. Doch auch die Familie des anderen Sohnes lebt nicht so weit entfernt: Sie sind auf Sylt zuhause. „Das hat den Vorteil, dass wir auch mal kostenlos auf Sylt einige schöne Urlaubstage verbringen können.“

Seine sportlichen Aktivitäten hat Rüdiger Meyer mittlerweile reduziert. „Irgendwie fordert das Älterwerden doch seinen Tribut“, hat er erkannt. Künftig werden sie möglicherweise häufiger mal mit einem „altersgerechten E-Bike“ durch Mürwik und entlang des Ostufers der Flensburger Förde radeln. „Und natürlich die Kontakte zu den Kindern und Enkeln pflegen sowie zu den guten Freunden, von denen manche ja zu unserer Freude ganz in der Nähe wohnen, also schnell mal längskommen können auf ein Glas Wein oder einen Cappuccino“, sind Rüdiger und Silvia Meyer mit sich selbst und ihrem Leben durchaus im Reinen.
Das Flensburg Journal bedankt sich für ein interessantes und nettes Gespräch, wünscht den Interviewpartnern einen schönen Sommer 2026 und für die Zukunft alles Gute, bei anhaltend guter Gesundheit!
Mit Rüdiger Meyer sprach Peter Feuerschütz
Fotos: privat















