Manchmal hilft der liebe Gott den Journalisten – ein Satz, an den sich schon viele Zeitungsschreiber erinnern, wenn sie Mühe haben, ihr „Blatt“ voll zu kriegen. Und: Ich weiß wovon ich rede, habe ich doch selber ein Viertel-Jahrhundert – mal mehr, mal weniger – unter diesem kleinen Problem gelitten. Meistens hatte ich Glück, und der liebe Gott schickte rechtzeitig einen Einfall. Heute war er es nicht, der mich auf die zündende Idee kommen ließ. Obwohl: Etwas Himmlisches war wohl doch dabei, was mich an die dicken Ordner erinnerte, die ich von meiner Mutter „geerbt“ habe. Seit 25 Jahren hüte ich die losen Blätter, die sie interessant fand und aus der Zeitung sammelte, wie meinen Augapfel. Und ich wurde sogar fündig:

Vor 60 Jahren schrieb der von allen Schleswig-Holsteinern wohl geliebte Propst W. Knuth einen bemerkenswerten Artikel anlässlich der Einweihung des „Schöpfungsfensters“ von St. Marien. Der Artikel erschien am Sonnabend. 3. Dezember 1960. Die „Einweihung“ fand am nächsten Tag, Sonntag, 4. Dezember statt.„Sankt Marien erhält das Schöpfungsfenster“, so der Titel. Propst Knuth erinnerte zunächst daran, dass der Kirchenvorstand von St. Marien „bald nach dem Kriege“ den großen Gedanken gefasst habe, die altehrwürdige Kirche mit Fenstern auszustatten, die das Glaubensbekenntnis der gesamten Christenheit darstellt, angefangen von „Ich glaube an Gott, den Vater….und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn“, von Geburt, gekreuzigt und begraben, nach Auferstehung in den Himmel an die christliche Kirche und das ewige Leben, den Heiligen Geist und an das ewige Leben. In fünf Fenstern solle dieses Glaubensbekenntnis dargestellt und im sechsten Fenster, des biblischen Bekenntnisses den 3. Artikel: die Ausgießung des Heiligen Geistes.
Flensburgs berühmteste Künstlerin Käte Lassen (geboren 7. Februar 1860 in Flensburg, am 22. Dezember 1956 auch dort gestorben), sollte alle Fenster gestalten. Doch sie wurde krank, konnte den Auftrag nicht vollständig ausführen.
Einfühlsam berichtet der Propst über das Leiden der Künstlerin. Sie habe mit letzter Kraft am Himmelfahrtsfenster gearbeitet. „Der Entwurf wurde in Karton fertig am Tage, bevor sie sich aufs Sterbebett legte, die Ausführung hat sie nicht mehr gesehen.“ Eine schwere Kiste mit Glasproben habe in ihrem Zimmer gestanden. „Aber die Kraft fehlte, sie zu prüfen und auszuwählen.“ In den ersten Wochen ihrer Krankheit, so Knuth, hätten die Gedanken von Käte Lassen ständig um die Neugestaltung des 1. Artikels, des Schöpfungsfensters gekreist. Dann aber sei ihr langsam die Gewissheit zu ihrem nahenden Ende gekommen, und sie habe gesagt: Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass ich es nicht fertig bringe.“ Doch ihr Werk blieb unvollendet. Käte Lassen starb.
Zunächst verschloss der Kirchenvorstand das für die Schöpfung vorgesehene Fenster mit schlichtem Antikglas. Nach langer Überlegung beschlossen die Mitglieder des Kirchenvorstands, einen Künstlerwettbewerb zu veranstalten. Den gewann der Münchner Künstler Hans Gottfried von Stockhausen, 40 Jahre jünger als Käte Lassen. Somit wurde er mit der Gestaltung des siebten Fensters beauftragt. Das Schöpfungsfenster von Stockhausen vervollständigte schließlich das letzte große Werk der Käte Lassen!

Hedda Maue

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