Für einige Zeitgenossen mag der Mückenwald nicht mehr als eine Ansammlung von Bäumen sein, die sich zwischen Alter Ochsenweg und Alter Husumer Weg auf immerhin 25 Hektar erstreckt. Wer aber dort spazieren geht und vielleicht auf einem Weg stehen bleibt, um entspannt durchzuatmen, wird den Aufenthalt in der grünen Lunge von Flensburg-Weiche sicherlich genießen. Keine Frage: Der Mückenwald hat eine wichtige Naherholungsfunktion für den Stadtteil, er birgt aber auch manche Geheimnisse und vergessene Geschichten, die es wert sind, ans Tageslicht geholt zu werden.

Standortwahl

Im Dezember 1953 unternahm die Landesplanungsbehörde eine Dienstreise nach Flensburg. Sie sollte einen Standort für eine „Zwei-Bataillons-Kaserne“ mit 2000 Mann finden. Es war noch eine geheime Mission, denn die Bundeswehr wurde erst eineinhalb Jahre später gegründet.  Die Beamten kreuzten zunächst an der Marienhölzung auf. Nach einem Austausch mit den Vertretern Flensburgs meinten sie: „ungünstig“ – wegen dem Bau einer Umgehungsstraße und der Nähe zum „wertvollsten Wohngebiet“. Da wirkten die 32 Hektar im Süden des ehemaligen „Flugplatzes Weiche“ wesentlich attraktiver. An diesem Standort mussten nur landwirtschaftliche Flächen und etwas vom Mückenwald geopfert werden. Außerdem war genug Platz für einen Standortübungsplatz.

Häuser als Waldflanke

Ab 1956 verwandelte sich Flensburg-Weiche in eine große Baustelle. Auslöser war die neue Heereskaserne, die nördlich des Alten Husumer Weges allmählich aus dem Boden wuchs. Im Stadtteil mussten zudem etliche Wohnungen für die stationierten Soldaten und ihre Familien sowie für die beschäftigten Zivilisten geschaffen werden. Große Teile des Mückenwaldes waren frisch aufgeforstet. Ein 400 Meter langer Streifen am Alten Husumer Weg – zwischen Freibad und der damaligen dänischen Schule am Ochsenweg – wurde vom Waldgebiet abgetrennt und mit Wohnblöcken bebaut.

Geheimnisse des Mückenwaldes, Teil 5

Kaserne am Wald

Die Heereskaserne, die ab Oktober 1964 den Namen Briesenkaserne trug, wurde am 14. März 1958 von einem Vorkommando der Bundeswehr bezogen. Weiche wurde zum Zuhause des Jägerbataillons 51 und des Panzergrenadierbataillons 163. Der angrenzende Mückenwald hatte für Übungen praktisch keine Bedeutung. Was vorkam: Soldaten, die am Wochenende Bereitschaftsdienst hatten, wurden schon mal zum Müllsammeln losgeschickt und landeten dabei auch im nahen Gehölz.

Eine Straße „Am Mückenteich“

Auf der südlichen Seite des Alten Husumer Weges gab es in jener Zeit sieben Baracken, die als „Obdachlosenunterkünfte“ galten. Diese kleine Siedlung muss ein „dunkles Loch“ gewesen sein. Im Flensburger Rathaus wurde mehrfach über eine fehlende Straßenbeleuchtung und die ramponierten Wege debattiert. 1957 wurde die Sackgasse zwischen Ochsenweg und Försterstieg etwas aufgewertet und erhielt den Straßennamen „Am Mückenteich“. Sieben Hausnummern wurden vergeben. Im Sommer 1967 übernahm ein Abrissunternehmen die Regie. „Der Abbruch der Häuser ist vordringlich, da sie den baupolizeilichen Vorschriften nicht entsprechen“, hieß es. Die Adresse „Am Mückenteich“ verschwand. Die Sackgasse wurde später in den Hirschbogen integriert.

Das Bodenprofil des Mückenwaldes

Am 28. April 1967 bohrte Brunnenbau-Spezialist Peter Rosacker nicht weit vom Mückenteich. Er entdeckte zunächst eine Mischung aus Sand und Mutterboden, durchstieß ab anderthalb Meter Tiefe viel Kies und Steine. Der Grundwasserspiegel lag bei 2,9 Metern. Die Bohrung stoppte bei 9,5 Metern, wo sich zunehmend Ton ausbreitete.

Naherholungsgebiet

Im Frühling 1973 wirbelte ein neues Konzept durch die Baumwipfel: ein „Naherholungsgebiet Mückenteich“. Die CDU-Fraktion im Rathaus stellte im Ausschuss für Grünanlagen einen entsprechenden Antrag. „Ein dauerhafter Erfolg ist nur möglich, wenn sich alle Bürger darum bemühen“, sagte Dieter Pust, Ratsherr und Vorstandsmitglied im CDU-Ortsverband Weiche. Im Stadtteil startete man mit viel Elan. Unternehmen spendeten Bänke und ein Klettergerüst für den Mückenwald. Die Evangelische Jugend und die CDU trafen sich zum Müllsammeln. Bald waren zwei Lastwagen mit weggeworfenen Autoteilen, Fahrrädern und Blechschüsseln gefüllt.        

Text: Jan Kirschner

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