Peter Danielsen, ca. 1680-1731

Peter Danielsen, 1680 in St. Jürgen geboren, hat von klein an am Hafen gelebt, und viel dort mit Kindern der Fischer und Seefahrer die Zeit verbracht. So war es für ihn selbstverständlich, später zur See fahren zu wollen. Da es ein geachteter Beruf war, wird ihm sein Vater den Wunsch sicherlich gern erfüllt haben. Da die Gemeinde St. Johannis noch keine eigene Schule hatte, wurde er von seinem Vater in die Schreibschule des benachbarten St. Nikolai Kirchspiels geschickt, wo er Singen, Lesen, Schreiben und Rechnen lernte. Mit 13 Jahren wurde er 1693 in der St. Johannis-Kirche von Pastor Hoyer konfirmiert, und kam dann als Schiffsjunge auf ein in Flensburg beheimatetes Segelschiff, auf dem er seine erste Reise in die große Welt antrat. Die Schiffsjungenzeit dauerte fünf Jahre; wenn die Jungen Glück hatten, kamen sie in dieser Zeit weit herum und lernten einige Weltmeere und fremde Länder kennen – die Ausbildung war allerdings hart, früh lernten die Jungen, gegen Kälte und Sturm ihren Mann zu stehen und sich bei unbedingtem Gehorsam in der Gemeinschaft robuster Seeleute zu behaupten.

Peter muss als Matrose früh erwachsen werden

Peter Danielsen fuhr nach beendeter Schiffsjungenzeit erst als Leichtmatrose und dann als Matrose auf Flensburger Schiffen, kehrte immer wieder nach Flensburg zurück, wohnte in Landzeiten bei den Eltern, und lernte in den Jahren nach 1701 ein Mädchen kennen, in das er sich allmählich verliebte. Sie hieß Maria Hack, war 6 Jahre jünger, und lebte bei ihren Eltern in St. Johannis. Ihr Vater Christian besaß eben­dort ein eigenes Haus. Während seiner Aufenthalte in Flensburg war Peter bald ein gern gesehener Gast im Hause Hack, und als er 1707 Steuermann geworden war, hielt er bei Vater Hack um die Hand der inzwischen 21jährigen Maria an. Um Neujahr 1709 wurden Peter Danielsen und Maria Hack in der St.  Johannis Kirche getraut. Sie wohnten im dortigen Kirchspiel zur Miete, hier wurde ihnen am 1. Oktober 1709 der Stammhalter geboren. Anfang des Jahres 1710 erhielt Peter Danielsen bereits ein eigenes Schiff, wie im Memorial des Kirchenrechnungsführers beschrieben, „weil er, Peter Daniel, nun ein eigen Fahrzeug hat“, sich vom Amt des Kirchengeschworenen freizukaufen hatte, doch da er um diese Zeit auf See war, hat sein Freund Hermann Wackerhagen die Bürgschaft auf sich genommen.   

Jüngster Schiffer in Flensburgs Handelsflotte

Seit dem Jahr 1710 war Peter Danielsen selbständiger Schiffer, wohl einer der jüngsten Schiffsführer der Flensburger Handelsflotte, der erst 30 Jahre alt war und schon das Ziel aller Seemannswünsche, ein eigenes Schiff zu führen, erreicht hatte. Seine ersten Fahrten waren erfolgreich und brachten gute Gewinne, und so konnte er bereits 1712, wohl auch noch zusätzlich mit finanzieller Hilfe seines Vaters, ein eigenes Haus kaufen, das „außer Pforten zwischen Christian Andersen auf der Oster- und Jens Nikolai auf der Westerseite“ lag.

Das erste Jahr im eigenen Haus brachte durch die Kriegsereignisse viel Aufregung mit sich, zumal seine Frau auf sich allein gestellt war, denn Peter Danielsen lag in diesem Kriegswinter 1712/1713 in Norwegen fest, wo er mit seinem Schiff eingefroren war und von den Geschehnissen in der Heimat nichts wusste. Auch in Flensburg waren in diesem strengen Winter die Schiffe im Hafen eingefroren, wurden allerdings sämtlich von den schwedischen Besatzern geplündert. Die Flensburger Förde war wochenlang zugefroren, erst im Frühjahr kehrte Peter Danielsen mit seinem Schiff zurück – da waren die Schweden geschlagen, und die größte Not der Flensburger Bürger bereits überwunden.

Die Geschichte der Familie Danielsen in Flensburg - Kapitel 2

Familiengründung

Das Familienglück wurde in den nächsten Jahren auf harte Proben gestellt, so wurde dem Paar im Januar 1711 ein weiterer Sohn geboren, wenige Monate später verstarb der Erstgeborene im Alter von zwei Jahren, doch auch der zweite Sohn starb kurz darauf, ebenfalls im zarten Alter von zwei Jahren. Nach kurzer kinderloser Zeit bekamen sie 1717 ein Mädchen, doch auch dieses Kind verstarb im Alter von vier Jahren. Inzwischen war am 30. Dezember 1716 ein weiterer Sohn geboren, und auf den Namen Peter getauft, drei Jahre später am 24. Januar 1720 kam ein weiterer Sohn, Nicolai, auf die Welt. Diese beiden Jungen sollten den leidgeprüften Eltern erhalten bleiben.

Umzug nach Ramsharde

Für den Schiffsführer zeigte sich immer mehr, dass das Wohnen im Kirchspiel St. Johannis für ihn ungünstig war, wurden doch immer mehr Frachtgüter in sein Haus geliefert, die später umständlich zum Liegeplatz im Hafen befördert werden mussten. Doch alsbald ergab sich die günstige Gelegenheit, von einem Verwandten seiner Frau, dem Kaufmann Moritz Moritzen, dessen Gewese an der Ostseite der Ramsharde, der heutigen Norderstraße, mit Vorkaufsrecht zu mieten – zwei Jahre später gelang ihm dieses Gewese zu kaufen. Das Grundstück erstreckte sich bis an die Schiffbrücke. Sein Haus in St.  Johannis verkaufte er daraufhin.

Das neu erworbene Wohnhaus war ein kleines Giebelhaus aus Fachwerk, das heute noch mit einer veränderten Front in der Norderstraße Nr. 90 steht. Wie alle Flensburger Giebelhäuser erstreckte dieses Haus sich weit den Hof hinunter, mit einer ganzen Anzahl von Zimmern, deren Fenster nach Süden wiesen, und die wohl die täglichen Wohnräume der Familie gewesen sein dürften. An das Haus schlossen sich nach hinten Ställe und Vorratsschuppen an, der gepflasterte Hof ging in einen schmalen Garten über, der sich bis zur Schiffbrücke erstreckte, und dort mit einem Packhaus abschloss. An der Brücke, direkt dem Packhaus gegenüber, pflegte nun Peter Danielsens Schiff zu liegen, wenn es im Heimathafen war.

1723 bekam er ein neues Schiff, größer und seetüchtiger als sein bisheriges. Es war eine Galeasse und hieß „Der Ringende Jacob“, fasste gut vierzig Lasten (entspricht etwa 2 Tonnen) und fuhr in fester Route von Flensburg über Kopenhagen nach Drontheim (heute Trondheim). 

Ein Teil der für sein Schiff bestimmten Frachtgüter wurde jetzt in seinem Packhaus an der Brücke eingelagert, sodass das Laden und Löschen weniger Zeit kostete und die Liegezeit im Hafen so verkürzt werden konnte.

Das Schiffergelag

Im Leben der Flensburger Schiffer, unter denen Peter Danielsen eine geachtete Stellung einnahm, spielte ihre Gilde, das Schiffergelag, eine wichtige Rolle. Einst der Zusammenschluss Flensburger Kaufleute und Schiffer, hatte sich ihr Charakter nach und nach gewandelt, und war nach 1700 ausschließlich die Vereinigung der Schiffsführer. Die Statuten der Gilde beschrieben haarklein die beruflichen Rechte und Pflichten ihrer Mitglieder, die von diesen stets zu beachten waren. Daneben kamen auch gesellschaftliche Belange zum Tragen, so wurden auf dem alljährlich im Januar stattfindenden Schiffergelag die alten Schiffertänze getanzt, zudem in fröhlicher Gesellschaft mit seinesgleichen gefeiert. Die finanziellen Beiträge der einzelnen Gelagsbrüder richteten sich nach der Höhe ihrer jährlichen Heuer. Peter Danielsen wird erstmals in der Abrechnungsliste von 1722 genannt, in 1725 steht er mit 200 Mark Lübsch Heuer verzeichnet, von denen er 6 Mark und 4 Schilling an das Gelag abzugeben hatte. 

Kindersegen und Leid

Zu ihren beiden Söhnen Peter und Nikolai, die noch in St. Johannis geboren wurden, bekamen Peter und Maria Danielsen in St. Marien noch drei weitere Jungen. Der erste dieser drei verstarb auch recht früh, die anderen beiden – Martinus, getauft am 6. Februar 1724 und Paul, getauft am 2. März 1729 – waren jedoch gesund und wuchsen zusammen mit den beiden älteren Brüdern unter der Obhut der Mutter in dem kleinen Haus in Ramsharde heran. Von hier waren es nur wenige Minuten zum Stadttor, dem heutigen Nordertor, wo das Land noch unbebaut war, wo es sich für die Kinder damals herrlich spielen ließ. In der Ferne in Richtung des Hafens drohte von Gallvig (Galwik) allerdings das Schreckgespenst des Galgens, an dem hin und wieder ein unglücklicher Gehängter baumelte, und die Jungen werden für ihre Spielaktivitäten den Schlossberg bevorzugt haben, wo wenige Jahre vorher, in 1719, mit dem Abbruch des Schlosses Duburg begonnen war. 

1727 wurde im Süden der Stadt auch das Rote Tor an der Ausfallstraße nach Schleswig abgebrochen und durch ein neues Stadttor mit schön geschwungenem Barockgiebel ersetzt. Doch das werden die in Ramsharde (Norderstraße) wohnenden Kinder kaum bemerkt haben, da ihr Leben sich im Norden abspielte, und Hafen, Schlossberg und der Platz vorm Nordertor die Spielstätten ihrer Kindheit und Jugendzeit waren.

Als erfolgreicher Handelskapitän

Im Jahr 1726 wurden Handel und Schifffahrt in Flensburg von einer königlichen Verfügung getroffen, die auch für Peter Danielsen Probleme mit sich brachte. Die Hauptstadt Kopenhagen erhielt vom König die ausschließliche Handelsbefugnis für die sogenannten „vier Articeln“: Wein, Branntwein, Salz und Tabak. Diese Waren durften zukünftig nur von Kopenhagener Firmen direkt aus dem Ausland importiert werden, was sich für den Flensburger Zwischenhandel, der sich gerade mit diesen Artikeln befasst hatte, eine fühlbare Einschränkung bedeutete. Zum Glück gab es für Danielsen genug andere Waren, die zu befördern waren, denn Flensburgs Wirtschaft befand sich in jenen Jahren in einem Aufschwung, der Flensburgs Schiffern zu Gute kam. Aus den Schifffahrtslisten der Jahre 1729 bis 1731 ist ersichtlich, dass Danielsen mit seinem Schiff unter anderem Mauersteine nach Kopenhagen brachte, die dort nach dem großen Brand der Residenz zum Wiederaufbau von Teilen der Hauptstadt benötigt wurden. Die besten dänischen Ziegelsteine wurden damals an der Flensburger Förde hergestellt, wo am Nord- und am Südufer eine Ziegelei neben der anderen lag, damals der größte Industriezweig des Herzogtums Schleswig. So waren es vorwiegend Flensburger Schiffer, die nachträglich vom Brand Kopenhagens profitierten, und die lohnenden Lasten dorthin transportierten.  

Peter bleibt auf See verschollen

Mit einer Eintragung vom 16. März 1731 im Flensburger Ratsprotokoll wurde Peter Danielsen zum letzten Mal urkundlich genannt. Über seinen Verbleib und den seines Schiffes fehlt seitdem jegliche Nachricht, sein Schiff ist in diesen Wochen wohl untergegangen, und der Schiffsführer samt Besatzung wird den Seemannstod gestorben sein. Das Unglück hat sich vermutlich vor der norwegischen Küste zugetragen, und die Angehörigen werden monatelang mit großer Sorge in Flensburg auf Nachricht gewartet haben. Bei seinem Tod war Peter Danielsen 51 Jahre alt, stand im vollsten Leben, und hätte für seine Familie noch viel schaffen und verdienen können. Die drei Jahrzehnte seines Seemannslebens hatte er genutzt, sodass er seiner Witwe und den vier Söhnen ein schuldenfreies Haus und Lagergebäude hinterlassen konnte, und für den Lebensunterhalt und die Erziehung der Kinder war ausreichend vorgesorgt.

Die Geschichte der Familie Danielsen in Flensburg - Kapitel 2

Die Witwe als Familienoberhaupt

Seine Frau Maria war es gewohnt, lange und viel allein zu sein, den Alltag zu meistern. Zwei Jahre nach Peters Tod heiratete sie erneut einen Schiffer, den 27jährigen Hans Göttsche in St. Marien. Der war nun 20 Jahre jünger als sie, ein Umstand, der im Schiffergelag sicherlich für Aufsehen gesorgt haben dürfte. Die Danielsen-Kinder blieben im Haushalt der Mutter und des Stiefvaters wohnen, dieser kümmerte sich sehr um die vier Jungs, und sorgte dafür, dass sie von Rats wegen Vormünder erhielten. Am 11. März 1734 wurde der Nachlass Peter Danielsens gerichtlich geteilt, wobei jeder der vier unmündigen Söhne 1772 Mark Lübsch (rund 10.000 Mark) in bar erhielt; die Summen wurden den Vormündern übergeben. Die Jungen waren also nicht arm, zumal ihnen gemeinsam das Haus gehörte, in dem sie mit Mutter und Stiefvater wohnten.

Erwachsene Kinder

Die beiden älteren Söhne Peter und Nikolai verließen nach und nach das Haus, um wie ihr Vater zur See zu fahren. Die Mutter hatte also nur noch die beiden jüngeren Brüder zu Hause, die mit Bewunderung an ihrem Stiefvater hingen. Das Familienleben war offensichtlich harmonisch, denn die älteren Söhne kehrten immer wieder von ihren Reisen in das Elternhaus zurück. In den Jahren 1737 und 1738 fuhr der ältere Bruder Peter sogar als Matrose auf dem von seinem Stiefvater geführten Schiff. Die Seefahrt brachte dem Stiefvater Hans Göttsche leider auch kein Glück; im Sommer 1741 ging er mit seinem Schiff in einem Sturm im Skagerrak unter, und fand mit nur 35 Jahren den Seemannstod.

Ein Schicksalsschlag zuviel

So verlor die Ehefrau Maria auch ihren zweiten Mann auf See, und dieser zweite Schicksalsschlag scheint sie so schwer getroffen zu haben, dass sie die Kraft zum Weiterleben verlor, und bereits am 30. November 1741 verstarb. Sie wurde am 3. Dezember von den Brüdern des Schiffergelags auf dem Marienkirchhof zu Grabe getragen.

Der älteste Sohn war zu dem Zeitpunkt 24 Jahre alt, übernahm von den Vormündern der jüngeren Brüder das Haus, heiratete bald und gründete eine eigene Familie. Der zweite Sohn Nikolai wird nirgendwo mehr erwähnt, er ist vermutlich 1741 ebenfalls den Seemannstod gestorben. Der dritte Sohn Martin war 17 Jahre alt, und fuhr als Schiffsjunge zur See, und der jüngste Sohn Paul, damals 12 Jahre alt, wurde von seinem Vormund Hans Peter Rasch aufgenommen und in dessen Familie großgezogen.                 

Text: Flj überarbeitet    

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