Seit Ende Oktober war der Museumsberg Flensburg für Besucher geschlossen. Doch hinter den Kulissen hat das Museumsteam weitergearbeitet: Bereits seit Anfang Dezember steht eine neue Kunstausstellung im Heinrich-Sauermann-Haus und wartet auf Besucher: „Lena Kaapke – de manufactis“ ist die erste Museums-Einzelausstellung der 1989 in Flensburg geborenen, vielfach ausgezeichneten Künstlerin Lena Kaapke.
In der Ausstellung auf dem Museumsberg sind Arbeiten zu erleben, die nicht nur das Handgefertigte thematisieren, sondern auch die Herstellungsorte in China und anderen Ländern. Aktuell hat sich Lena Kaapke auch mit der Sammlung und dem Archiv des ursprünglich als Kunstgewerbemuseum gegründeten Flensburger Museums beschäftigt. In den Mittelpunkt ihrer konzeptuellen Arbeit stellt sie die kunstvollen historischen Klöppelspitzen und vor allem ihre Herstellerinnen, die in der Geschichte des Museums bislang unbeachtet geblieben sind. Parallel zur Ausstellung entstand ein Katalog mit aktuellen Fotografien der Installationen in den Ausstellungsräumen sowie Texten von Lena Kaapke und der Kuratorin der Ausstellung, Dörte Ahrens. Auch im benachbarten Hans-Christiansen-Haus hat sich viel getan. Vier Abteilungen der ständigen Sammlung wurden in frisch renovierten Räumen komplett neu konzipiert.
„Vom Jugendstil in die Moderne“ zeigt am Beispiel von Käte Lassen, Wenzel Hablik und Hans Fuglsang den Weg der Malerei in Schleswig-Holstein vom Jugendstil kommend in die moderne Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Porträts und großformatigen Figurenbilder zeigen deutliche Einflüsse von impressionistischen bis zu expressionistischen Stilmitteln.
„Tendenzen im Abstrakten: Informel und gestische Malerei“ ist der Saal betitelt, der sich künftig der abstrakten Malerei seit den 1950er Jahren widmet. Neben internationalen Größen wie K.R.H. Sonderburg oder Walter Störer sind mit Werken von Lilly Kröhnert, Günter Messenbrink und Uwe Lempelius auch regionale Tendenzen sichtbar.
„Realismus ab den 1960er Jahren“ spielte als Gegenbewegung zur Unbestimmtheit des Informel in Schleswig-Holstein eine bedeutende Rolle. Nicht nur Harald Duwes Werk zeigt dabei einen sozialkritischen Blick auf die bundesdeutsche Gesellschaft. „Realistische Tendenzen in der Kunst der Gegenwart“ beschließen den Rundgang: Neuerwerbungen der letzten Jahre, darunter Werke von Künstlern wie René Schoemakers, Ralf Rainer Odenwald oder Volker Tiemann, zeigen realistische Kunst unserer Zeit. Die neuesten Anschaffungen sind zwei digitale Arbeiten des jungen Flensburger Künstlers Lukas Haak.
Auch die Alten Meister haben während der erzwungenen Museumsschließung Aufmerksamkeit erfahren: Mit Fördermitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung konnte ein bedeutendes Gemälde aus dem Depot restauriert werden. In der Biedermeier-Abteilung hängt nun das Porträt einer unbekannten Dame des Düsseldorfer Künstlers Carl Ferdinand Sohn, einem der erfolgreichsten Porträtmaler seiner Zeit. Unter dicken Schichten aus vergilbtem Firnis, alten Übermalungen und Schmutz von 150 Jahren kam ein fein gemaltes, elegantes Damenbildnis zum Vorschein, das Zeugnis ablegt von der Meisterschaft des Malers und von der Eleganz seines Modells.
Seit Monaten laufen die Vorbereitungen zur Ausstellung „True Colours. Farbe in der Kunst, Literatur und Musik“, die ab dem 25. April Meisterwerke aus dem Museumsbestand zeigen wird, ergänzt um Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen. Kunstwerke aus vier Jahrhunderten, streng nach Farben sortiert, erzählen von der Bedeutung, der Wirkung und der Kraft von Farbe.
Infos: www.museumsberg.de

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