„Was, ihr wohnt direkt an der Bundesstraße? Das ist doch bestimmt viel zu laut, bei dem heutigen Straßenverkehr“, wurde und wird er auch heute noch oft genug gefragt, unser aktueller Interviewpartner. Das Flensburg Journal war zu Besuch bei Gerd Schmidt in Flensburg, an der Bundesstraße. Nun, man ist schon etwas irritiert, wenn man die schmale und leicht zu übersehende Wohnstraße in Sünderup erstmals begeht; Bundesstraße?
Des Rätsels Lösung weiß Gerd Schmidt: „Als im damaligen Teil von Adelby, in Sünderup, in den Jahren ab 1949 die an der damals noch namenlosen Zuwegung gelegenen Grundstücke mit kleinen Wohnhäusern bebaut wurden, erhielten die Bauherren einen finanziellen Zuschuss vom „Bund“ – der Bundesrepublik. Als Dank für die geleistete Finanzspritze schlugen die neuen Anrainer den Straßennamen „Bundesstraße“ vor, der dann tatsächlich auch so von der zuständigen Gemeinde übernommen wurde. Die insgesamt 11 baugleichen Wohnhäuser wurden allesamt noch mit dazugehörigem Hühnerstall und Garten gebaut und angelegt, in jenen Nachkriegsjahren versorgten sich die Menschen noch weitgehend selbst.“
Die Schmidts wissen viel über die erste Bauphase zu erzählen: „Die Häuser wurden teilweise noch mit Materialien aus dem Krieg gebaut. Wir haben unser Haus Anfang der 70er Jahre vom Kreis Flensburg-Land erworben!“

Auf dem Land aufgewachsen

Das Licht dieser Welt erblickte Gerd im Herbst des Jahres 1939. „Ich bin praktisch in den Zweiten Weltkrieg hineingeboren worden, kam als ein Sonntagskind im ländlichen und bäuerlichen Nordhackstedt auf die Welt“, gibt uns Gerd freimütig Auskunft über die Anfänge seines Erdendaseins. Der Zweite Weltkrieg sollte für Gerds künftiges Leben noch eine besondere Bedeutung bekommen: Sein Vater wurde gleich im ersten Kriegsjahr 1939 zur Wehrmacht eingezogen und musste notgedrungen als Soldat in den Krieg ziehen. Der Vater verlor sein Leben als Soldat, ist 1943 im Krieg gefallen, dort, wo heute auch wieder ein Krieg tobt – in der Ukraine. Doch Gerd und seine Schwester verloren in jungen Jahren nicht nur ihren Vater, denn im Jahre 1955 verunglückte die Mutter tödlich, und die Kinder waren plötzlich Vollwaisen. Doch lebte im gleichen Ort ein Onkel der beiden Kinder. So konnten Gerd und seine Schwester aus der elterlichen Wohnung in einer Abnahme (Altenteil) umziehen in das nahegelegene Bauernhaus zu ihrem Onkel. Der nahm die beiden Kinder in seine Obhut, zog sie an Eltern statt groß. Gerd erlebte trotz der harten Schicksalsschläge eine beschauliche Kindheit auf dem Lande. Schließlich wurde er in die örtliche Volksschule eingeschult, lernte dort alsbald den Lehrer „Küster“ Clausen kennen, der mehr als nur ein Dorflehrer war. Er war eine wichtige Institution im Dorf, ein toller Mensch, zu dem die Kinder ehrfürchtig aufblickten. Dieser Mann wurde von den Jungs und Mädels, natürlich auch von Gerd, verehrt, bewundert und geschätzt. „Küster, wie ihn alle nannten, hat uns die Natur nahegebracht, er hat uns Gören viel Zuwendung gegeben, war ein zwar auch strenger, aber überwiegend geduldiger und einfühlsamer Lehrmeister, der uns mit einfachen Worten und vielen praktischen Beispielen die Abläufe des Lebens, der Natur erklärt und nahegebracht hat.“ Um Nordhackstedt herum gab es etliche Mergelkuhlen. Mergel ist ein weiches Gestein aus Ton und Kalk. Bei den Bauern war er damals ein beliebter Dünger, denn sein hoher Kalk- und Phosphatgehalt zersetzt den natürlichen Bodenhumus und macht dessen Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar. Die so entstandenen Kuhlen wurden zu Seen, die im Sommer als Badestellen genutzt wurden, im Winter dagegen zu Eisbahnen, die zum Schlittschuhlaufen einluden. „Im Winter durften wir aber erst aufs Eis rauf, wenn Küster Clausen persönlich die Haltbarkeit festgestellt und überprüft hatte, das Eis für die Bevölkerung freigab. Das hat auch jeder akzeptiert – er war halt die Obrigkeit und hatte das Sagen“, erinnert sich Gerd noch gut an die Zeit vor rund 70 Jahren, als strenge, schneereiche und kalte Winter bei uns im Norden noch an der Tagesordnung waren. „Im Winter 1946/1947 lag der Schnee an den Straßenrändern teilweise so hoch, dass wir Kinder die Telefonleitungen berühren konnten“, beschreibt Gerd anschaulich einen besonders strengen Winter aus den Nachkriegsjahren.

Als Fahrschüler nach Flensburg

Gerd durchlief die Grundschule im heimatlichen Nordhackstedt, er wurde im Anschluss umgeschult nach Flensburg und kam dort auf eine Mittelschule. Seine neue Schule wurde die hiesige Hebbelschule. Der Schulweg war nun ein völlig anderer, mit dem vorherigen nicht zu vergleichen. „Um 6.30 Uhr morgens ging ich aus dem Haus. Wir kamen aus allen umliegenden Dörfern, wie Medelby, Osterby, Hörup und Meyn, fuhren alle mit dem Fahrrad zum Bahnhof nach Schafflund. Schon 1950 bekam ich mein erstes Fahrrad, ein großes Rad der Marke „Vaterland“. In Schafflund stiegen wir in den Zug nach Flensburg. In Flensburg angekommen, ging es zu Fuß bis zur Schule. In den ersten Jahren hatten wir wegen der sehr großen Zahl an Schulkindern meist im wöchentlichen Wechsel mal vormittags, mal nachmittags Unterricht. So waren wir den ganzen langen Tag unterwegs, kamen in der Woche mit Spätunterricht erst abends um halb acht nach Hause“, denkt Gerd an eine teils anstrengende Schulzeit zurück. „Das war aber in jenen Jahren so, keiner hat sich darüber beklagt oder gar beschwert!“
Gerd beendete die Mittelschule erfolgreich mit der Mittleren Reife, plante im Anschluss eigentlich seinen Berufswunsch zu verwirklichen: Er wollte zur See fahren!

Wie die Berufsentscheidung getroffen wurde

Doch es sollte anders kommen: Gerds leider viel zu früh verstorbener Vater war im Zivilberuf Ingenieur für Wasserwirtschaft gewesen.
Zu diesem Beruf wollte ihn auch sein Onkel bewegen, doch Gerd zögerte noch. „Das ist ein schöner Beruf; im Sommer und bei Sonnenschein arbeitest Du draußen, im Winter und bei Schnee und Regen bist Du drinnen im Büro“, argumentierte der Onkel. Bevor er aber nun seinen Berufswunsch Seemann in die Tat umsetzen konnte, wurde Gerd erst noch zu Herrn Otterbach zitiert.
Der Herr Otterbach war schon in den Vorkriegsjahren der Kreisbaumeister im Kreis Flensburg-Land und Kollege seines Vaters gewesen. Selbstverständlich wurde Gerd dort vorstellig beim einstigen Freund seines Vaters. Otterbach, ein selbstbewusster und respekteinflößender Mann, schaute den Knaben an und ordnete kurzerhand an: „Junger Mann, Sie haben hier im Bauamt noch etwas zu erledigen und fortzuführen! Ihr Vater konnte seine Aufgabe leider nicht vollenden durch seinen frühen Tod. Sie haben die Pflicht, die Arbeit Ihres Vaters fortzusetzen und zu vollenden. Sie werden genau wie er „Ingenieur für Wasserwirtschaft und Kulturtechnik“.
Otterbach klang sehr überzeugend, Gerd konnte nach der geschilderten Ansprache nur noch nicken …
Diesem beeindruckenden Plädoyer eines so wichtigen Mannes der örtlichen Führungselite konnte sich Gerd also nicht entziehen, er verwarf nun gedanklich den eigentlichen Berufswunsch „Seefahrt“ und wandte sich dem vorgeschlagenen Berufsweg zu – der ja letztlich auch mit dem von Gerd stets favorisierten Element „Wasser“ eng zu tun hatte.
In den Jahren von 1957 bis 1959 sollte der junge Mann den späteren Beruf von der Pike auf erlernen und kennenlernen. In diesen beiden Jahren absolvierte er mehrere verschiedene Praktika im Kreis Flensburg-Land, erst ein Jahr lang im Tiefbau, dann ein halbes Jahr lang in der Landwirtschaft und schließlich noch 6 Monate in einem Baubüro, um so ein allumfassendes Bild der Tätigkeiten zu bekommen, für die er anschließend konkret geschult und ausgebildet werden sollte. „Neben dem Praktikum besuchte ich abends in Flensburg in den Räumen der Berufsschule die Abendschule, mit dem Ziel Fachhochschulreife. Mit dem erworbenen Reifezeugnis war die Voraussetzung fürs geplante Studium geschaffen“, beschreibt Gerd die ausbildungsintensiven Jahre 1957 bis 1959.

Studium in Eckernförde

1959 war es dann soweit: Gerd nahm nach erfolgreich absolvierter Aufnahmeprüfung das angestrebte Studium mit dem Berufsziel Ingenieur für Wasserwirtschaft an der Staats-Bauschule in Eckernförde auf. Just in jenem Jahr 1959 wurde am Lorenz-von-Stein-Ring ein neues Schulgebäude nach Plänen von Friedrich Spengelin fertiggestellt, und ab 1961 fürs Studium genutzt. Damals hieß die Ausbildungsstätte noch Schule, heute ist die einstige Ausbildung in jener Form längst anders organisiert und zu einem Studium geworden. Vor 60 Jahren waren die Dozenten noch Bau- oder Oberbauräte, heute sind es Professoren. Bis zu ihrer Schließung gehörte die Schule zur Fachhochschule Kiel, Fachbereich Bauwesen. Zum Wintersemester 2007/08 wurde der Standort Eckernförde aufgegeben, da der Fachbereich ausgegliedert und in den Fachbereich Bauwesen der Fachhochschule integriert wurde. Für Gerd begann so als knapp 20jähriger junger Mann das Studentenleben in einer für ihn fremden Stadt.
Er wohnte stets mit seinem Freund aus Kindheitstagen zusammen, sie lernten gemeinsam Eckernförde kennen, wechselten dabei häufig das Quartier – keine leichte Zeit für die jungen Leute. Unser Protagonist war in einer Hinsicht allerdings vielen seiner Mitstudenten in einem Punkt weit voraus: Er wusste schon genau, was er wollte, hatte ein klares Ziel vor Augen, war entsprechend motiviert. Er legte folgerichtig einen guten Abschluss hin und beendete zeitgerecht in den veranschlagten 6 Semestern sein Studium. Nun war er Ingenieur für Wasserwirtschaft und Kulturbautechnik.

Berufs- und Privatleben werden geordnet

Es kam, wie es einst Herr Otterbach dem jungen Mann ins Stammbuch geschrieben hatte: Otterbach stellte im Jahre 1962 den frisch ernannten Ingenieur Gerd Schmidt ein im Bauamt des Kreises Flensburg-Land. 1962 war nicht nur für Gerd Schmidt ein besonderes Jahr: Konrad Adenauer war Bundeskanzler, Heinrich Lübke war Bundespräsident der Bundesrepublik, übrigens ein gelernter Ingenieur und einst im ähnlichen Metier wie Gerd tätig. Und international hielt die Welt den Atem an: Während der Kubakrise vom 22. bis 28.Oktober 1962 bestand die Gefahr, dass in der Karibik der Dritte Weltkrieg ausbrechen würde. In Übereinkunft mit der kubanischen Regierung hatte die Sowjetunion Raketen mit Atomsprengköpfen, taktische Atomwaffen sowie 40 000 Mann auf der Insel stationiert. Die Krise war Höhepunkt der Ost-West-Konflikte, damals Kennedy und Chruschtschow die Führer der sich gegenüberstehenden Machtblöcke NATO und Warschauer Pakt. In der Bundesrepublik begann die Zeit des „Wirtschaftswunders“, erste Gastarbeiter aus Italien, Spanien, Jugoslawien und der Türkei kamen ins Land.
Privat war Gerd Schmidt bereits bei seiner Elke in festen Händen, er wollte nach dem Eintritt ins Berufsleben auch gerne mit der Noch-Freundin und Partnerin eine eigene Wohnung beziehen. Ohne Ehepartner hatte man damals kaum eine Chance eine Wohnung zu bekommen. Darum haben die beiden schnell geheiratet. Gewohnt wurde anfangs noch bei den Schwiegereltern, dann einige Jahre in Handewitt. 1967 waren die nötigen Voraussetzungen erfüllt und sie konnten eine 3-Zimmer-Wohnung von der GEWOBA Nord eG im Angelsunder Weg in Adelbylund beziehen.

Über 40 Jahre im Bauamt tätig

Gerd Schmidt nahm also 1962 seine Tätigkeit im Gebäude des Kreises, im Bauamt, auf. Dort verblieb er für die kommenden 12 Jahre, an einem für ihn günstig gelegenen Arbeitsplatz in Flensburg. Die große Gebietsreform Anfang der 70er Jahre betraf auch den Arbeitgeber von Gerd Schmidt, den Kreis Flensburg-Land, einen Landkreis, der in jener Form immerhin 107 Jahre Bestand hatte. 1974 wurde er mit dem Nachbarkreis Schleswig zum Kreis Schleswig-Flensburg zusammengefasst. Das bedeutete für viele Mitarbeiter, die zuvor in Flensburg in der Waitzstraße Nr. 1-3 ihrer Tätigkeit nachgingen, eine räumliche Veränderung. Der Kreis Schleswig-Flensburg ist gemessen an seiner Fläche der drittgrößte Kreis des Landes. Trotz des Namens gehört die Stadt Flensburg nicht zum Kreisgebiet, da sie kreisfrei ist. Kreisstadt ist Schleswig. Ab 1974 hatte Gerd folglich täglich den Arbeitsweg nach Schleswig und zurück zu bewältigen. „Das war aber kein Problem, daran hat man sich schnell gewöhnt; oft genug war ich ja auch im gesamten Kreisgebiet dienstlich unterwegs“, ist Gerds Kommentar zum Standortwechsel. „Zudem herrschte schnell ein wirklich tolles Arbeitsklima in Schleswig, die gesamten 40 Jahre im Bauamt waren für mich eine schöne und ausfüllende Zeit; ich habe meine Arbeit wirklich gern gemacht!“ Für ihn war die Arbeit, der Beruf, eine Berufung – im wahrsten Sinne des Wortes!

Wie sich die Arbeit rund ums Wasser entwickelte

Das Programm „Nord“ wurde hier im Grenzgebiet aufgelegt – zur Förderung der Wirtschaft und Landschaft. Bedingt durch die Randlage im Land und den 2. Weltkrieg gab es reichlichen Nachholbedarf, also war viel zu tun! Gerd beschreibt eindringlich seine Arbeit in jenen Jahren: „So habe ich Gräben, Rohrleitungen, Deiche, Straßen und Brücken bauen dürfen – immer gemeinsam mit den jeweiligen Wasser- und Bodenverbänden. Es war eine Tätigkeit mit vielen interessanten Menschen und Persönlichkeiten an Objekten und Vorhaben im gesamten Kreisgebiet. Damals war alles an Bauten gewünscht von der Allgemeinheit – aus heutiger Sicht wohl gelegentlich zu viel des Guten. So sagte der bereits zitierte Otterbach einmal 1974 zu mir: „Gerd, ich weiß nicht, ob ich in meinem beruflichen Leben alles richtig gemacht habe!“
Und Gerd fährt fort: „Das war für mich Anstoß über meine Arbeit nachzudenken: Ich machte Wasserwirtschaft, d. h. ich bewirtschaftete das Wasser. Einst musste sich der Mensch vor dem Element Wasser schützen, danach machte er sich das Element zunutze, regulierte es, nutzte es für seine Bedürfnisse. Schließlich kam die Zeit, in der das Wasser vor dem Menschen geschützt werden musste. Die fortschreitende Entwicklung drückte sich aus in diversen Wassergesetzen, der jeweiligen Epoche angepasst. Mein Berufsleben begann mit dem „Kaiserlichen Wassergesetz von 1913“, 1957 wurde ein Bundesgesetz erlassen (das WHG – Wasserhaushaltsgesetz), es folgte praktisch in der heutigen Gegenwart im Jahre 2000 das EU WRRL, im Langtitel „Europäische Wasserrahmenrichtlinie“.“
Wasser- und Bodenverbände sind Genossenschaften und zuständig für fließende Gewässer (vom Rinnsal bis zum Fluss bzw. Strom). Im Kreis Schleswig-Flensburg gab es ca. 90 dieser Verbände, sowohl Land als auch Bund gaben viele Steuergelder zur Erhaltung der Anlagen, die allgemein zur Entwässerung errichtet wurden.
Im Laufe der Jahre veränderte sich allmählich der Inhalt seiner Tätigkeiten, von der aktiven Ingenieur- und Bautätigkeit hin zur behördlichen Aufsichts- und Genehmigungstätigkeit. Der große Nachkriegshunger war mittlerweile gestillt, nun verlangte die Natur ihr Recht.
„Mit Unterstützung des Kreises durfte ich ein Fernstudium mit Präsenzphasen mit einigen Semestern Ökologie und Wasserrecht belegen, die Präsenzzeiten fanden in Hannover und Lüneburg statt. Ein Umstand, der mir doch sehr im späteren Berufsleben zugutekam“, weiß Gerd die Wertschätzung und persönliche Förderung durch den Dienstherrn zu schätzen.

Eintritt in den Ruhestand

Apropos Wertschätzung: „Im Jahre 2001 habe ich meine Arbeit im Kreis beendet, ich trat in den sogenannten Vorruhestand, die Altersteilzeit begann.
Als der Tag des Abschiednehmens kam, bereiteten meine Kollegen heimlich für mich eine riesige Überraschung anlässlich der Zurruhesetzung vor. An meinem letzten Arbeitstag war ich erst noch im Kreisgebiet dienstlich unterwegs, doch wurde ich mit einem angeblich wichtigen Auftrag zu einer namenlosen Wiese am Europäischen Fernwanderweg in die Fröruper Berge bestellt.
Meine Frau fragte mich noch morgens am Frühstückstisch, ob ich nicht doch ein zusätzliches Hemd für den Tag mitnehmen wollte – ich habe mir noch nicht mal dabei etwas gedacht. Als ich nun in den Fröruper Bergen auf jener Wiese ankam, stürmten plötzlich mit lautem Gejauchze meine sämtlichen etwa 40 Kollegen aus dem umliegenden Wald und forderten mich auf, den auf der Wiese stehenden Stein zu enthüllen. Gesagt, getan: Ich enthüllte den großen Stein, der die Aufschrift trug: „Schmidts Wiese“.
Die gesamte Kollegenschaft, meine Ehefrau, der ADS-Naturkindergarten, alle waren dabei. Die Überraschung hatte geklappt; ich war sprachlos und gerührt“, denkt Gerd Schmidt selbst heute noch gern an jenen Tag zurück. Anschließend wurde der „letzte Arbeitstag“ gebührend und würdevoll in den Räumlichkeiten des Naturkindergartens gefeiert. „Den Naturkindergarten durfte ich insgesamt 10 Jahre lang bei Umweltprojekten begleiten.
Die Auszeichnung durch die Kollegenschaft empfand ich als sehr persönlich und ehrenvoll. Sie hat mir mehr bedeutet als irgendein offizieller Orden!“ Auf die Frage, ob es in seiner Tätigkeit ein besonderes Kleidungsstück mit Wiedererkennungswert gab, muss Gerd nicht lange überlegen: „Aber ja, das ist die Knickerbockerhose! Da wir als Wasserbauer häufig genug in Gummistiefeln am Einsatz-
ort unterwegs waren, bot sich besagte Hose förmlich an als inoffizielle „Dienstbekleidung“ – sie endet knapp unterhalb der Knie und ist einfach praktisch beim Schuhwechsel!“

Das „andere“ Leben neben und nach der Arbeit

Noch in seiner Zeit beim Kreis Schleswig-Flensburg hat Gerd Schmidt im Landkreistag mitgewirkt, in der Abteilung Fließgewässer. Eine seinem Beruf nicht ganz fremde Tätigkeit bedeutete seine Wahl in den Aufsichtsrat in der Baugenossenschaft GEWOBA Nord. Als Mieter und Bewohner im Angelsunder Weg in einem GEWOBA-Haus wurde Gerd schon früh in die Vertreterversammlung der GEWOBA gewählt. Als dann in Flensburg Ende der 90er Jahre ein neues Mitglied für den Aufsichtsrat gesucht wurde, fiel die Wahl auf unseren Protagonisten. Letztlich war er insgesamt 15 Jahre lang erfolgreich im besagten Gremium der GEWOBA Nord tätig, bis er im Jahr 2013 aus Altersgründen ausschied.
In seiner Freizeit leistete er überdies noch Vorstandsarbeit im Naturschutzverein Winderatter See/Kielstau, war in der Geschäftsführung im Verein Schleswigsche
Geest aktiv, einem Zusammenschluss von etwa 50 Wasser- und Bodenverbänden der Geest. Erwähnenswert ist daneben auch seine Mitarbeit im Gewässer- und Landschaftsverband „Flensburger Förde“.
Außerdem wirkt er noch im Wasser- und Bodenverband „Flensburger Innenförde“ mit. Und die Familie?
Er ist seit 1962 glücklich verheiratet mit Ehefrau Elke, sie haben gemeinsam eine längst erwachsene Tochter samt Schwiegersohn und zwei Enkelkinder, die den Schmidts viel Freude bereiten.

Das Element „Wasser“ und Gerd Schmidt – das passt!

Neben Familie, Haus und Garten war und ist „Wasser“ das große Thema für Gerd. Neben den Arbeitsfreuden mit dem Wasser und rund um das feuchte Element gibt es für ihn auch eine spezielle Freizeitfreude mit dem Element Wasser:
Gerd badet seit 30 Jahren für sein Leben gern täglich in der Ostsee mit sehr vielen und netten Gleichgesinnten. „Leider habe ich 30 Jahre vorher anfangs in den vier Wintermonaten mit dem Baden ausgesetzt. Sonst hätte ich heute noch bessere Messwerte zur Verfügung gehabt“, beschreibt Gerd seine alltägliche Routine vor und nach dem Bad in der Ostsee.
Seine regelmäßigen und täglichen Messungen von Temperatur und Salzgehalt gehen seit Jahrzehnten an das zuständige Landesamt.
„Früher hatten wir einen Kaiser“, heißt es im Volksmund, dennoch bemüht Gerd das Wort „früher“: „Früher schlugen wir im Winter ein Loch in die zugefrorene Förde um Baden gehen zu können.
Früher gab es in manch einem Sommer sogar Tage, an denen man wegen zunehmender Verschmutzung des Wassers nicht baden mochte – das haben wir jetzt seit Jahren zum Glück nicht mehr erleben müssen.“ Gerds regelmäßige Temperaturmessungen der vergangenen 30 Jahre weisen übrigens eindeutig nach, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur des Wassers von 9,2° C auf 10,6° C gestiegen ist.
Was möchte Gerd Schmidt noch loswerden? Er muss nicht lange überlegen:
„Einen besonderen Dank möchte ich den Mitarbeitern des TBZ Flensburg und der Stadtwerke Flensburg für die gleichbleibend gute Pflege der Badeeinrichtungen an der Flensburger Förde aussprechen.
Es wird gern und oft über beide Institutionen gemeckert, doch in der genannten Hinsicht arbeiten beide vorbildlich!“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen …
Das Flensburg Journal bedankt sich bei Gerd Schmidt für ein aufschlussreiches und interessantes Gespräch, wünscht ihm für die Zukunft alles Gute – möge er noch recht lange und mit viel Freude das Leben genießen dürfen, auch beim täglichen und erfrischenden Bad in der Ostsee!

Mit Gerd Schmidt schnackte Peter Feuerschütz;
Fotos: Benjamin Nolte, privat

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