Uwe L. Naffin: Der Teamplayer

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„Ich hab´s geschafft!“ Dieser Satz würde Uwe L. Naffin nie über die Lippen kommen. Dabei hätte einer der bekanntesten Unternehmer der Region allen Grund dazu. Im August feierte die team AG das 50. Dienstjubiläum des Wanderupers, der wahlweise als Vater der team baucenter, als Ideengeber, Querdenker und Visionär bezeichnet wird.

Der Jubilar begann als Azubi und ist heute Geschäftsführer von elf Niederlassungen der team baucenter Gruppe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Außerdem ist er Standortleiter im team baucenter Wanderup. Er ist Mitbegründer und im Beirat der NA-LOG, einer Verbundgruppe von 27 renommierten Baustoffhändlern, die eine flächendeckende bundesweite Belieferung mit Baustoffen garantieren. Er war Profi-Handballer im Handballbundesligaverein Weiche-Handewitt, engagiert sich seit einigen Jahren im Vorstand des Golfclubs Husumer Bucht und für das Wanderuper Weihnachtsdorf, das er mitbegründet hat. Sich auf Lorbeeren auszuruhen, ist seine Sache nicht. Der agile 65-Jährige ist heute noch genauso umtriebig wie zu Zeiten seiner Ausbildung. Es gehe im Leben jeden Tag aufs Neue ums Schaffen, darum, Herausforderungen zu meistern, Ideen umzusetzen, Menschen zu begeistern. „Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden“, zitiert er den Industriellen und SPD-Politiker Philip Rosenthal.

Erfolgreiche Kaninchenzucht und gescheiterte Umerziehung

„In jeder Schwierigkeit lebt eine Möglichkeit“ – auch dieser Satz begleitet Uwe L. Naffin seit Jahrzehnten. Wenn er über seine Wurzeln spricht, wird ein bisschen klarer, woraus er seine Energie schöpft. Gemeinsam mit sechs Geschwistern, darunter sein Zwillingsbruder Peter, wuchs er in Wanderup auf. Die Eltern waren Flüchtlinge, der Vater arbeitete als Landarbeiter auf einem Hof. Entsprechend bescheiden lebte die Familie. „Wir hatten wenig Geld und das Ansehen einer Flüchtlingsfamilie war nicht besonders hoch“, erinnert er sich. „Da wurde man als Kind schon mal gehänselt oder verprügelt.“ Gleichwohl erfuhr der Wanderuper Junge schon in frühen Jahren, dass Solidarität ein hohes Gut ist. „Unser Vater brachte uns bei, dass wir Geschwister als Team gemeinsam stark sind – und mit meinem deutlich kräftigeren Zwillingsbruder an meiner Seite war es tatsächlich möglich, den etwas ruppigeren Dorfkindern etwas entgegenzusetzen.“ Zudem hatte seine Mutter trotz der immer prekären Finanzlage der Familie das Talent, den Kindern eine Zuflucht und ein Zuhause zu schaffen. Gut erinnert sich Uwe L. Naffin an den Spott, den die Kinder ertragen mussten, die statt einer langen Hose nur ein Leibchen mit Strumpfhaltern und kratzigen Wollstrümpfen unter der kurzen Hose trugen. Seine Mutter war erfinderisch: Eines Abends verschwand der Mantel des Vaters – und der Sohn konnte fortan stolz eine lange Hose tragen.
Aufsehen erregte der Schüler auch, weil er Linkshänder war. Damals galt das als Behinderung. Da wurde, erinnert sich Uwe L. Naffin, schon mal der linke Arm am Stuhl festgebunden, damit man gezwungen war, mit der rechten Hand zu schreiben. „Bei Ballsportarten wurde ich oft nicht in die Mannschaft gewählt, weil die Schulkollegen dachten: Ein Linkshänder bringt es nicht.“ Die Umerziehung half nicht viel. Uwe L. Naffin blieb Linkshänder – und versenkte später als Profihandballer so manchen Ball im Tor. Die vermeintlichen Defizite begriff er als Herausforderung. „Es war kein Geld für ein Fahrrad da, also züchtete ich Kaninchen und konnte von den Einnahmen einen alten Drahtesel erwerben“, berichtet er von ersten unternehmerischen Erfolgen. Weil er bei den Bundesjugendspielen wiederholt an der Disziplin Werfen scheiterte, warf er so lange Steine von einem Haufen auf den anderen, bis er sich sichtbar verbessert hatte. Statt mit Rückzug auf Ausgrenzungen zu reagieren, ging er neugierig und wach auf die Mitmenschen zu, übernahm früh Verantwortung und setzte sich für andere ein. „Ich war dann bald Klassensprecher, im TSV Wanderup Jugendwart und Betreuer, später Kapitän bei der SG Weiche-Handewitt. Solche Funktionen wurden im Laufe meines Lebens immer wieder an mich herangetragen.“

Verpatzte Prüfung und Neuanfang

Die Lehrer in Wanderup entdeckten das Potenzial ihres Schülers und empfahlen ihn nach dem Abschluss der Volksschule für die weiterführende Schule. Uwe L. Naffin erinnert sich noch heute an die Busfahrt nach Flensburg, „ordentlich gekämmt, im weißen Hemd und unglaublich aufgeregt“. Die Prüfungssituation überfordert den Jungen vom Dorf. „Ich habe sogar Schule mit ´h´ geschrieben und kriegte kaum ein Wort heraus.“ Damit war der Traum von der höheren Schule geplatzt. Doch glücklicherweise hatte ein Lehrer, der es gut mit ihm meinte, eine neue Idee: Der Raiffeisenbezugsverein Wanderup, der mit Saatgut, Futtermitteln, Dünger, Pflanzenschutzmitteln und dem Getreide der Landwirte handelte, suchte einen kaufmännischen Auszubildenden. Der quirlige 15-Jährige überzeugte und startete 1969 seine berufliche Karriere mit dem Sortieren von 5.000 Jutesäcken. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung ging es nach Hamburg zur Bundeswehr. Anschließend bewarb sich Uwe L. Naffin erfolgreich in Kiel – und wurde abgeworben, weil man ihn wieder in Wanderup brauchte. In der Raiffeisenbezugsverein-Geschäftsstelle durfte er einen neuen Geschäftszweig, den Handel mit Baustoffen, aufbauen. Die Leitung übernahm er mit „freier Hand“. Sollte heißen: Bei Erfolg durfte der Einmann-Betrieb wachsen, bei Misserfolg wäre er abgewickelt worden. Uwe L. Naffin gab alles, bildete sich weiter in Marketing, Betriebswirtschaft und Logistik – und schrieb schwarze Zahlen. Die Geschäfte wurden von einem Zelt aus betrieben. Dachlatten, Zement, Gehwegplatten und Pfannenblech lieferte der junge Chef mit einem LKW – vom Schrottplatz erworben und flottgemacht – schon mal selbst aus, wenn Not am Mann war. 1975 schloss die Konkurrenz, der in Wanderup ansässige Baustoffhandel. Uwe L. Naffin, damals von vier Mitarbeitern unterstützt, ergriff die Chance und gründete das erste Baucenter in seinem Heimatort. Seine Vorgesetzten konnte er mit guten Zahlen, findigen Ideen und viel Charme davon überzeugen, in den Standort zu investieren und ihn sukzessive zu erweitern.
1990 wurden die Aktivitäten der Unternehmensgruppe nach Mecklenburg-Vorpommern ausgeweitet. Sämtliche Niederlassungen erhielten den Namen team baucenter. Auch bei der Namensgebung hatte Uwe L. Naffin, ebenso wie bei der Entwicklung der erfolgreichen Eigenmarke teamline, seine Finger im Spiel. 2018 erwirtschaftete die team Gruppe mit mehr als 2.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Jahresumsatz (konsolidiert) von 1,914 Mrd. Euro. In der Sparte Bau wurden 2018 464,8 Mio. Euro Umsatz gemacht. Der modernste und größte Standort ist das team baucenter Wanderup mit 106 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Immer am Ball

Dass große Ziele nur im Team erreichbar sind, erlebte der erfolgreiche Baustoffhändler nicht nur beruflich, sondern auch im Handball. Denn wenn er in den 80er Jahren Feierabend machte und die Tür seines Büros abschloss, ging es zum Training. Schon als Sechsjähriger hatte der Schuljunge im TSV Wanderup trainiert. Hier wurde er später auch von Henning Lorenzen, Manfred Werner und Horst Andresen von der SG Weiche-Handewitt entdeckt und abgeworben. Seine Mitspieler wollten ihn ungern gehen lassen. „Du hast doch kein Talent dafür, bleib lieber hier“, hieß es. Tatsächlich war sich der junge Sportler nicht sicher, wie es um sein Talent stand. Aber inzwischen wusste er, auf welche Stärken er sich verlassen konnte: Disziplin, Ausdauer, Ehrgeiz und Teamfähigkeit. Als Rechtsaußen, Abwehrchef und Kapitän errang Uwe L. Naffin mit dem Handballbundesligaverein so manchen Sieg. Er musste aber auch Niederlagen wie das Spiel gegen die Reinickendorfer Füchse verkraften, als 1981 in Berlin 30 Sekunden vor Schluss der Bundesliga-Traum der SG Weiche-Handewitt platzte. Als aufregendstes Erlebnis hat er einen Auftritt im ARD Fernsehstudio in Hamburg mit Heinz Jacobsen vom THW Kiel in Erinnerung. Als peinlichste Niederlage die Tatsache, dass die Mannschaft in Trikots von Tusem Essen ein Spiel verlor (30:13), weil die Sportler die eigenen Hemden im Intercity vergessen hatten.
Nach mehreren Verletzungen wie Schlüsselbeinbruch und Knöchelbruch beendete Uwe L. Naffin seine Karriere als Profi-Handballer, engagierte sich aber weiter als Trainer und war noch einige Jahre Ersatzspieler der HSG Tarp-Wanderup. Gleichzeitig absolvierte er den ersten von mehreren Marathons, spielte Tennis, lernte Tauchen, bewies Ausdauer als Triathlet („Das Schwimmen ist wirklich brutal“), wagte sich an Tandem-Fallschirmsprünge und Bungee-Sprünge. Er fährt gerne Ski, ist inzwischen leidenschaftlicher Tänzer und engagierter Golfspieler mit einstelligem Handicap. Dieser Sport verlangt ihm, der schon so viel ausprobiert hat, einiges ab: „Wenn dir von hundert Schlägen einer gelingt, ist es gut. Golf spielen erzieht zur Demut.“ Um sich fit zu halten, fährt er im Sommer vor der Arbeit mit dem Fahrrad an einen Badesee, schwimmt ein paar Runden, dehnt sich mit Yogaübungen. Auch die gesunde Ernährung ist ein großes Thema für den 65-Jährigen. In der team Gruppe ist bekannt, dass zu Besprechungen im team baucenter Wanderup gerne gesunde Nussmischungen und frisches Obst gereicht werden. „Man kann nicht erwarten, ohne Disziplin fit zu bleiben“, weiß der ehemalige Profisportler. Wenn er in team-Meetings Ideen entwickelt, muss man schon ausgeschlafen sein, um ihm folgen zu können. Menschen vom Typ „Bedenkenträger“ haben es da manchmal schwer. Wer sich auf die Ideen einlässt, wird überrascht. Als Uwe L. Naffin sich für Pippi Langstrumpf begeistert, ist manch einer skeptisch. Heute ist ein team-Truck mit Pippis Konterfei ein echter Hingucker, ebenso wie Pippis Pferd „Kleiner Onkel“, das fast lebensgroß die Fassade des Wanderuper team baucenters schmückt. Aus „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“ wurde „Ich bau mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Das Marketing mit der anarchisch-fröhlichen, rot bezopften Göre Pippi fällt auf – Ziel erreicht.

Neues wagen, Menschen begeistern

Dass Dinge leicht sind, hat Uwe L. Naffin nie erwartet. Zu trainieren, um besser zu werden, ist Teil seines Lebens. So lernt er regelmäßig englische Vokabeln und nimmt an Englisch-Lehrgängen teil, um die Sprache, in der er in der Schule nie unterrichtet wurde, besser zu beherrschen. „Meine Bildung war dünn“, gibt er zu. „Da gab und gibt es viel nachzuholen.“ Und auch die Anekdote rund um das Thema Musik zeigt, wie er denkt: Als Schulkind sei ihm nach einem Vorsingen unmissverständlich klar gemacht worden, dass seine Stimme zum Singen nicht tauge. Als Erwachsener traf er anlässlich eines Treffens der weitläufigen Verwandtschaft plötzlich auf lauter musikalische Menschen: „Es wurde fröhlich musiziert und gesungen beim großen Naffin-Familienfest.“ Uwe L. Naffin nahm daraufhin Gesangsunterricht, lernte viel über die richtige Atmung, die Einbindung des Körpers als Resonanzraum und darüber, dass Stimmbänder wie ein Muskel trainiert werden können. Nach 20 Stunden Einzelunterricht wusste er: „Negative Glaubenssätze kann man auflösen. Ich werde kein großer Sänger, aber zum munteren Mitsingen reicht es.“
Uwe Naffin stände nicht da, wo er jetzt steht, wenn er nicht immer auch pragmatisch agiert hätte. Er kann verhandeln, Vorteile nutzen und hat ein Gespür für gute Geschäfte. Vor allem aber ist er ein Idealist. Sich selbst und andere immer wieder auf einen guten Weg bringen – das treibt ihn an. Es sei sein Lebensmotto, andere zu begeistern, ihnen Mut zu machen und Freude zu schenken. Ideen hat er genug. Da verbietet sich fast die Frage nach dem beruflichen Abschied. Sicher werde etwas zu Ende gehen. „Aber gleichzeitig fängt ja auch immer wieder etwas an!“ Privat wird gerade eine Tour mit einem Husky-Gespann geplant – ein Geschenk der team AG zu seinem 50sten Dienstjubiläum. Zu den Anforderungen zählen eine gute Kondition, Koordinationsfähigkeit und Teamgeist – Uwe L. Naffin freut sich einmal mehr auf die Herausforderung und neue Erfahrungen.

Bericht: Petra Südmeyer, Fotos: Andreas Birresborn, privat

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