Unsere Heimatstadt Flensburg wird gerade von uns Einheimischen oft kritisiert: die Probleme im Straßenverkehr, die maroden Ufer unserer Innenförde, zahlreiche Leerstände in der Fußgängerzone der Innenstadt, – dabei vergessen wir nur zu schnell die vielen schönen Seiten unserer Stadt und des Umlandes, die die Gegend auch für viele Urlauber so attraktiv machen. Einer dieser vielen attraktiven Orte in Flensburg ist unser Strandbad Solitüde, am Ostufer der Flensburger Förde gelegen und als begehrter Badestrand nicht nur von den Ortsansässigen schon seit vielen Jahren immer wieder gern genutzt!

Warum heißt es eigentlich „Solitüde“? Gibt es diesen Strand schon länger in seiner heutigen Form? Diese und ähnliche Fragen trieben unseren Redakteur um – er erkundete deshalb die selbst bei Einheimischen oft nur wenig bekannte Geschichte eben jenes Strandbades!
Der Stadtstrand am Ostufer der Förde
Die „Solitüde“ ist ein Gebiet innerhalb der kreisfreien Stadt Flensburg. Es gehört zum Stadtteil Mürwik, grenzt an die Flensburger Förde und westlich an das zu Glücksburg gehörende Meierwik. Südlich von Solitüde liegt der Stadtbezirk Friedheim. Das eigentlich hier gemeinte Gebiet „Solitüde“ gehört wie auch die Bereiche Twedter Holz, Fahrensodde, Twedter Mark einschließlich der Cäcilienschlucht zum gleichnamigen Stadtbezirk „Solitüde“.

Zum Strandgebiet Solitüde werden der Solitüder Wald – typisch für diesen Wald die zahlreichen Steilhänge zur Förde runter – und neben einer dünneren Bebauung insbesondere der eigentliche Strand gezählt.
Die Geschichte der Namensgebung
Das Wort Solitüde (im Französischen „solitude“ geschrieben) stammt aus dem Französischen und bedeutet Einsamkeit. Im Gebiet Solitüde stand Mitte des 19. Jahrhunderts nur ein einzelner großer Hof mit ausgedehnten Ländereien. Dieser Hof mit dem dazugehörigen Land wurde 1841 von Baron Schack von Brockdorff zu Petersholm und Thomasgaard, einem königlich-dänischen Kammerherrn, erworben. Der ehemalige Oberst von Brockdorff, der später als dänischer Zollverwalter in Kiel wirkte, wollte das Ensemble eigentlich als seinen künftigen Ruhestandssitz nutzen. Dieser Besitz wurde auch Meierwik genannt. Schack von Brockdorff baute sich ein für damalige Begriffe sehr ansehnliches und stattliches Steinhaus und nannte im Jahre 1844 den gesamten Landsitz – mit ausdrücklicher königlicher Erlaubnis vom 30. August 1844 – „Solitüde“. Eine Benennung seines Grundeigentums mit französischen Hauptwörtern war im 18. und auch noch 19. Jahrhundert bei deutschen Fürsten und Adligen durchaus beliebt und üblich – vergleiche etwa Schloss „Sanssouci“ (auf Deutsch „ohne Sorge“) von Friedrich dem Großen. Mit einer entsprechenden Namensgebung erhoffte man sich wohl ein größeres Ansehen in seinen gesellschaftlichen Kreisen.

Schack von Brockdorff starb am 14. Januar 1858 in Wandsbek, seinen Landsitz Solitüde hatte er aber schon im Jahre 1845 wieder weiterverkauft. Danach wechselte das Anwesen in den kommenden wenigen Jahren gleich mehrfach seinen Besitzer, bis es im Jahre 1858 Eigentum einer Familie Rasch wurde.
Solitüde wird Teil der kreisfreien Stadt Flensburg
Im Jahre 1910 wurde das Solitüder Gebiet als Teil von Twedt zusammen mit Twedter Holz, Fruerlund und Engelsby in die Stadt Flensburg eingemeindet. In jenen Jahren wurde das Gebiet um Solitüde noch kaum als Ausflugziel genutzt. Zwar wurde im Jahre 1912 die Straßenbahn nach Mürwik – mit der Endhaltestelle unterhalb der Kelmstraße – eingerichtet, und damit gleichzeitig auch die Badestrände zwischen Fahrensodde und Meierwik verkehrstechnisch erschlossen. Doch erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der anschließenden Volksabstimmung von 1920 mit der daraus resultierenden Abtrennung des nun dänisch gewordenen nördlichen Fördeufers der Flensburger Förde, die Kontrollen beim Grenzübertritt zur Folge hatte, wurde das Südufer der Flensburger Förde stärker belebt, da die Flensburger Ausflügler den jetzt erforderlichen Grenzübertritt vermeiden wollten.

Der Solitüder Strand wird wesentlich erweitert
In den Jahren 1922 und 1923 wurden über 200.000 Kubikmeter Sand, die bei der Anlage des Freihafen-Beckens, dem heutigen Yachthafen Kielseng, ausgebaggert worden waren, in der Bucht von Solitüde verklappt und so zum heutigen Strand von Solitüde aufgespült, der auf diese Weise erheblich an Größe gewann.

Im Jahre 1924 wurde die Solitüde zum Strandbad erklärt. Der einstige Hof Solitüde des Barons Schack von Brockdorff wurde noch im gleichen Jahr nach Plänen von Paul Ziegler und Theodor Rieve zu einer sogenannten „Sommerwirtschaft“ umgebaut. Irgendwann in dieser Zeit erhielt Solitüde zudem eine Dampferanlegebrücke, die heute noch als Badebrücke genutzt wird – allerdings in mehrfach abgewandelter Bauform.
Ziemlich genau ein Jahr später, in 1925, wurde die Straßenbahnlinie 4 nach Glücksburg in Betrieb genommen. Am 21. September 1925 wurde diese immerhin 10 Kilometer lange Straßenbahnlinie von Flensburg nach Glücksburg eröffnet. Somit war es den Flensburgern nun möglich, von der Kelmstraße nach Solitüde zu wandern, von dort weiter nach Glücksburg, um von dort mit der Straßenbahn zurück in die Innenstadt zu fahren.

Die 1930er und 1940er Jahre
Die Entwicklung des Gebiets Solitüde zu einem Ort der Erholung und zu einem attraktiven Freizeitpark und Strandbad dürfte besonders dadurch begünstigt worden sein, dass durch die anhaltende Bautätigkeit der Marine im Stadtteil Mürwik der zuvor näher an der Stadt gelegene und einstmals sehr beliebte Badestrand „Klein-Westerland“ – beim heutigen Sonwik gelegen – in den 1930er Jahren komplett überbaut wurde und damit als stadtnaher und günstiger (sprich: kostenloser) Badestrand wegfiel. In jenem Jahrzehnt existierte sogar bei der Gaststätte der Solitüde eine Freilichtbühne, die gelegentlich für Theater-, Opern- und Operettenvorstellungen des Flensburger Stadttheaters genutzt wurde. Ebenfalls wurden andere Freiluftaktivitäten dort veranstaltet, wie Indianerspiele oder Ähnliches. Im Juni 1935 wurde ebendort ein größeres Kanu-Treffen durchgeführt.

Im Jahre 1945, in jener Übergangsphase unmittelbar vor und anschließend nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, lag der Bezirk Solitüde inmitten des „Sonderbereichs Mürwik“, in dem die letzte Reichsregierung unter Karl Dönitz einige Wochen lang residierte.
Nach der Teilkapitulation der Wehrmacht für den noch verbliebenen Rest des Reichsgebiets, Dänemark und die Niederlande am 4. Mai 1945 wurden im Großraum Flensburg gemäß dem Befehl von Dönitz insgesamt über 70 U-Boote versenkt, die meisten im Bereich der Geltinger Birk. Am 5. Mai 1945 kam es so auch zur Selbstversenkung von U 2551, das zum damals modernsten U-Boot-Typ gehörte. Das anschließend im flachen Wasser liegende Wrack wurde offenbar am 23. Juli 1945 durch ein britisches Räum-Kommando gesprengt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Jahre 1950 wurde dann die erste Buslinie vom ZOB Flensburg nach Solitüde eingerichtet. Nach dem Ende des Weltkrieges flüchteten sehr viele Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in die westlichen Landesteile des einstigen Deutschen Reichs, so auch in die Fördestadt Flensburg. Damals diente auch das Restaurant Solitüde zeitweilig als Flüchtlingslager, das offiziell jedoch nicht als Kriegsfolgenhilfe-Lager anerkannt war.

Vor der Gastwirtschaft wurde 1963 ein Minigolfplatz angelegt. In den 1960er und frühen 1970er Jahren befand sich am Strand von Solitüde der von der Stadt betriebene Campingplatz Solitüde für hunderte Zelte und Wohnwagen, der damals für viele Urlauber ein beliebter Anlaufpunkt war. Seit 1976 gehört Solitüde zu den mittlerweile 14 Landschaftsschutzgebieten der Stadt Flensburg.
Die Entwicklung nach der Jahrtausendwende
Zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Solitüder Strandpavillon westlich vom Weg zur Badebrücke errichtet. Im Jahre 1998 wurde die Strandpavillon Solitüde GmbH & Co KG gegründet, die dort einen Gastrobetrieb führte. In ihm fanden ein Restaurant, ein Kiosk, sanitäre Anlagen sowie die DLRG Platz. Ab 2014 wurden der Restaurant- und Kioskbereich des Pavillons zeitweise nicht mehr genutzt; seit Mai 2016 befand sich darin ein Bistro. Seit einigen Jahren betreibt ein neuer Pächter den Pavillon – es ist nur zu wünschen, dass der über einen längeren Zeitraum durchhalten wird und dieses so traumhaft gelegene Etablissement von Einheimischen und auch „Zugereisten“ für ihre privaten Feierlichkeiten genutzt werden kann.

Solitüde heute
Das Gebiet dient heute zum großen Teil der Naherholung. Neben zwei großen Spielplätzen befindet sich dort ein italienisches Restaurant im alten Anwesen des Barons (Solitüde 13). Im Sommer ist auch der dortige Minigolfplatz geöffnet. Der Ostseestrand Solitüde mit seinen flachen Dünen und dem feinen Sand ist bei entsprechendem Strandwetter meist gut besucht und belebt, die großzügig angelegten Spielplätze, der Hundestrand, ein Beach-Volleyballfeld, und nicht zuletzt die von der Stadt Flensburg dort aufgestellten und regelmäßig gepflegten Grill-Möglichkeiten werden sehr gut angenommen von der Bevölkerung. Der Zugang ist kostenfrei, der Badebereich wird in den Sommermonaten von der DLRG überwacht. Das Ostsee-Hochwasser vom Oktober 2023 führte auch in Solitüde zu zahlreichen Schäden und Zerstörungen, und ein erheblicher Teil der Sanddünen wurde abgetragen oder in anderen Bereichen des Strandes neu angelagert. Die zerstörten Wege sind jedoch längst wieder instand gesetzt, überdies wird der Strandbereich und die zahlreich aufgestellten Abfallbehälter vom TBZ der Stadt regelmäßig geleert, überhaupt der gesamte Strandabschnitt einschließlich der Spielgeräte gut in Schuss gehalten.

Der am Strand entlang verlaufende Ewoldtweg verbindet Fahrensodde mit Solitüde und Meierwik. Mit dem Beschluss vom 28.01.1960 ehrte die Ratsversammlung den Schöpfer der Wanderwege in Schleswig-Holstein, den Amtsgerichtsrat Dr. Walter Ewoldt.
In den Sommerwochen und -monaten wird Solitüde, wenn das Sommerwetter richtig mitspielt, wie in allen Vorjahren wieder von vielen Sonnenhungrigen aus der Region als Ausflugsziel genutzt werden – wer kann schließlich schon von sich behaupten, einen eigenen Ostseestrand praktisch vor der Haustür liegen zu haben?
Mit dem eigenen Auto (bitte jedoch beachten: Es sind nicht immer ausreichend Parkplätze vorhanden!), per Fahrrad, Roller, mit öffentlichen Verkehrsmitteln – oder auch zu Fuß – ist der beliebte Strand leicht zu erreichen, und sein sanft abfallender Badebereich ist gerade für Kinder ein echtes Bade- und Plantsch-Vergnügen.

Das Strandbad Solitüde ist heute eine attraktive Anlaufstelle für Einheimische und Urlauber, sowohl für Badegäste als auch Spaziergänger, Fahrradfahrer und nicht zu vergessen auch jene Touristen, die als „Sehleute“ den sagenhaften Ausblick auf die Flensburger Förde und die nördlich verlaufende dänische Seite des Fjords genießen möchten.
Text: Peter Feuerschütz
Fotos: Stadtarchiv Flensburg















