Kim Andersen (62) war Vollblutpolitiker. Aber 2017 wurde er Beamter; denn das ist man als Generalkonsul in Flensburg. Das Direktorium des Außenministeriums in Kopenhagen hatte ihn vorgeschlagen, die Regierung bestätigte ihn, und Ihre Majestät die Königin ernannte ihn für diesen historischen Posten in Flensburg mit Wirkung vom 1. September 2017.
Kim Andersen ist Inhaber eines Chefpostens im Außenministerium Dänemarks und von dort gesandt ans dänische Generalkonsulat in Flensburg mit dem Landesteil (Süd-)Schleswig einschl. Kiel als geografisches Aufgabengebiet.
Geschichte

Der historische Hintergrund für eine diplomatische Vertretung Dänemarks in Flensburg war die Grenzziehung von 1920, und die dadurch sich neu etablierte dänische Minderheit.

Der dänische Generalkonsul in Flensburg arbeitet im Großen und Ganzen eigenständig und hat somit beispielsweise den direkten Kontakt zum Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein in Kiel und zur dänischen Regierung in Kopenhagen. So gesehen hat das Generalkonsulat als geschichtliche Einrichtung einen Sonderstatus im globalen Netzwerk des Außenministeriums.

Margrethe II.

Dies ermöglichte beiden Seiten – Dänemark wie Schleswig-Holstein – einige Möglichkeiten bei den Vorbereitungen und der Durchführung des 4-tägigen Besuchs Ihrer Majestät Königin Margrethe II. von Dänemark im September 2019.
Für den Generalkonsul und seine Mitarbeiter galt es, eine großartige und historische Aufgabe zu lösen.
Kim Andersen legt aber Wert auf die Feststellung, dass die Aufgabe nur bewältigt werden konnte dank der Mitarbeit vieler Menschen aus der dänischen Minderheit, von deutschen Einrichtungen und Behörden, die alle ein phantastisches Engagement zeigten. So haben alle dazu beigetragen, dass der Besuch als total problemfrei, angenehm und feierlich erlebt wurde.

„Man kann nicht sehen, was es an Vorbereitung bedarf, wenn alles reibungslos verlaufen soll – und dann auch verlief“, meint Generalkonsul Kim Andersen, der wie andere auch der Auffassung ist, dass dieser Besuch einmalig war und sich nie wiederholen wird.
Auftakt 2020

Auf der einen Seite war der Besuch der dänischen Königin Ausdruck einer innerlichen Verbundenheit mit der dänischen Minderheit im Landesteil Südschleswig. Auf der anderen Seite war es der Wunsch der Monarchin, freundschaftlich das Bundesland Schleswig-Holstein näher kennenzulernen. „Der Besuch diente“, – so Kim Andersen – „auch als Auftakt zum Jubiläumsjahr 2020, dem 100. Jahr der friedlichen Grenzziehung 1920 zwischen Deutschland und Dänemark, festgelegt in einer Volksabstimmung unter internationaler Aufsicht.“

Nicht nur Flensburg

Kim Andersen fühlt sich – trotz seines Wohn- und Amtssitzes in einer historischen Villa im Nordergraben 19 in Flensburg, die gerade vorsichtig und umfassend renoviert wird – nicht nur als Gesandter in Flensburg, sondern auch als dänischer Diplomat für die Menschen in Schleswig, Eckernförde, Rendsburg, Husum, Tönning und Niebüll, um nur einige zu nennen. Gerade auch in seiner Funktion als offizielle Behörde. Als Vertreter des Staates Dänemark ist er eben nur diesem verantwortlich.
Die dänische Minderheit gehört dabei zu seinem ganz besonderen Verantwortungsbereich. Daneben gilt es aber ganz gewöhnliche konsuläre Aufgaben zu bewältigen: Menschen, die nach Dänemark möchten, behilflich sein, Pass- und Visumfragen klären und Menschen bei grenzüberschreitenden Schwierigkeiten helfen – wenn es geht.
Der dänische Diplomat mit Sitz in Flensburg sieht dem Jubiläumsjahr 2020 mit Optimismus entgegen. Er ist Vertreter in der staatlichen Leitungsgruppe 2020 sowie im nordschleswigschen 2020-Präsidium und kann als solcher mitteilen, dass über 700 Veranstaltungen geplant sind: Musik, Theater, Konferenzen, Buchpräsentationen usw., die jeder im Internet finden kann unter www.genforeningen2020.dk [1].
„Die vielen Angebote sind ein wahrer Schatz für die Menschen nördlich und südlich der Grenze“, davon ist Andersen überzeugt.
„Hier bekommt man einen Einblick in den individuellen Charakter der dänischen Minderheit und die Gemeinschaft mit dieser“, sagt der Generalkonsul.
„Die Dänen bekommen einen tiefgreifenden Einblick in Deutschland, seine Kultur und Wirtschaft, die eine nähere Bekanntschaft verdienen“, fügt Andersen hinzu.

Zukunftsweisend

Die Feierlichkeiten anlässlich des

  1. Jahrestages der Grenzziehung sind aber nach Überzeugung Kim Andersens nicht nur für Dänen interessant. Nach dem für Dänemark verlorenen Krieg von 1864 und der Volksabstimmung von 1920 wurde Nordschleswig nach 56 Jahren wiedervereint mit Dänemark, während Südschleswig draußen vor blieb.
    Aber auch interessant und zukunftsweisend für deutsch-dänische Zusammenhänge: Nach dem Ende der Feierlichkeiten mit dem Besuch der königlichen Familie in Nordschleswig 9.-12. Juli 2020 beginnt das sogenannte deutsch-dänische kulturelle Freundschaftsjahr mit Besuchen Ihrer Majestät und diversen dänischen kultur- und wirtschaftsbetonten Veranstaltungen in Deutschland.

Der Politiker

Kim Andersen und seine Frau Birte wohnen, wenn sie nicht in Flensburg sind, in Skanderborg nahe Aarhus. Ihre drei Kinder sind alle erwachsen und außer Haus.
Während Birte Andersen immer noch kommunalpolitisch aktiv ist, hat Kim Andersen – Mitglied der rechtsliberalen Partei Venstre – bereits vor Jahren die Kommunalpolitik und seinen Job als Vizebürgermeister an den Nagel gehängt, um sich als Folketings-Politiker in Kopenhagen zu etablieren. Hier erarbeitete er sich mit Engagement, Fleiß und Können einen Ruf, der ihn befähigte verschiedenste besondere Aufgaben zu lösen, die ihm auch ein Ministeramt hätten einbringen können.
Vor dem Hintergrund seiner beruflichen Laufbahn bei dänischen landwirtschaftlichen Verbänden aber auch wegen seines finanzpolitischen Hintergrunds und seiner besonderen Kenntnisse der grenzüberschreitenden Probleme wurde er vom damaligen Regierungschef Anders Fogh Rasmussen gebeten, sein persönlicher Vertreter bei den Untersuchungen der Möglichkeiten für einen grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt 2005-2007 zu sein.
Auch die jahrelange Arbeit im Südschleswigausschuss des Folketing, der die Mittel für die dänische Minderheit bewilligt, war nie nur Pflicht für Kim Andersen. Alles in allem wurde mit Kim Andersen 2017 eine grenzlandpolitische Kapazität zum Generalkonsul in Flensburg ernannt.
Intern in seiner Partei hatte Kim Andersen diverse Jobs inne und wurde oft dorthin delegiert, wo es um Energie und Rohstoffe ging. Aber die Partei nutzte auch seine steuer- und wirtschaftspolitischen Fähigkeiten sowie als rechtspolitischen Experten.
International zu bemerken ist, dass er als Delegierter Dänemark bei den Generalversammlungen der Vereinten Nationen 2000 und 2013 vertrat.

Bericht: Bernd EngelbrechtFotos: Sven Geißler,
Lars Salomonsen, privat

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