Madonna, Rihanna oder die Rolling Stones sind schon in der Stockholmer „Tele 2 Arena” aufgetreten. In Kürze wird das Stadion zum Schauplatz der Finalspiele bei der Handball-Europameisterschaft. Die Schweden halbieren es und schaffen so einen Handball-Tempel für 20.000 Menschen. Diese Spielstätte ist nur eine der Superlative bei der EHF Euro, die vom 9. Januar bis zum 26. Januar erstmals mit 24 Nationen ausgetragen wird. Erstmals veranstalten mit Schweden, Österreich und Norwegen gleich drei Gastgeber ein solches Großereignis gemeinsam. Die SG Flensburg-Handewitt wird mit einer großen Armada vertreten sein.
Jim Gottfridsson und Simon Jeppsson werden eine richtige Heim-EM erleben. Seit einigen Wochen ist der erste Spieltag in Göteborg ausverkauft. 11.000 Zuschauer werden dabei sein, wenn Schweden auf die Schweiz trifft. Die beiden weiteren Gegner in der Vorrunde sind Slowenien und Polen. „Wir haben einen starken Kader und natürlich unsere Fans im Rücken, was allerdings auch einen großen Erwartungsdruck erzeugen wird“, glaubt Simon Jeppsson. Das Minimalziel ist die Hauptrunde, die dann in Malmö ausgetragen wird. „Wenn wir gut zusammenfinden, ist vieles möglich“, sagt Jim Gottfridsson. „Zunächst einmal wollen wir die Hauptrunde erreichen.“
Hampus Wanne, der dritte Schwede im SG-Kader, sagte aufgrund seiner Verletzung an der Achillessehne ab. „Eigentlich wollte ich schnell zurückkehren“, erzählt er. „Als ich Ende November noch Schmerzen hatte, wusste ich, dass es nichts werden würde. Vor drei Wochen musste ich unserem Nationaltrainer Kristjan Andresson endgültig absagen.“
Lasse Svan und Anders Zachariassen spielen für Dänemark und bestreiten die Vorrunde in Malmö. Mehrere tausend Dänen werden die Brücke über den Öresund passieren und in die Malmö-Arena einfallen. „Wenn es so wird wie 2011 bei der Weltmeisterschaft, dann bekommen wir einen klaren Heimvorteil“, schwärmt Lasse Svan. „Die dänischen Fans geben im Ausland noch mehr Gas als zu Hause.“ Er und seine Landsleute treffen auf Island, Russland und Ungarn. „Als Weltmeister kann man nicht vor der Favoritenrolle wegrennen“, sagt der SG-Kapitän. Der Traum: Nach Olympia-Gold und Weltmeisterschaft nun auch den EM-Titel.
Die norwegische Nationalmannschaft setzt bei der kommenden Europameisterschaft auf vier Spieler der SG: Mag-
nus Rød, Gøran Johannessen, Magnus Jøndal und Torbjørn Bergerud. „Als kleiner Junge träumte ich davon, einmal an einem solchen Turnier im eigenen Land teilzunehmen, das Nationaltrikot zu tragen und die Nationalhymne zu hören“, erzählt Magnus Rød. Er wie auch Gøran Johannessen ließen sich bei der EM 2008 vom Handball-Fieber infizieren: „Damals, mit 14 Jahren, sah ich in meiner Heimatstadt Stavanger Deutschland gegen Kroatien“, erzählt der Mittelmann. „Nun darf ich zwar nicht in meiner Heimatstadt, aber doch in meinem Heimatland spielen.“
Das norwegische Vorrunden-Quartier befindet sich in Trondheim. Die Ticket-Nachfrage wächst. Die Kapazität des Trondheim-Spektrums wurde kurzfristig auf 9000 Sitzplätze erweitert. „Mit den Zuschauern im Rücken wollen wir den ersten Platz erreichen“, kündigt Magnus Jøndal an. Es wird aber nicht einfach mit Gegnern wie Frankreich, Portugal und Bosnien-Herzegowina. Gerade das Meeting mit SG-Torwart Benjamin Buric verspricht spannend zu werden. „Das ist schon eine besondere Situation, denn bislang habe ich nur im SG Training gegen ihn geworfen“, verrät Magnus Jøndal.
Bosnien-Herzegowina ist EM-Debütant. „Wir befinden uns wohl in der besten Gruppe des ganzen Turniers“, meint Benjamin Buric. „Norwegen und Frankreich sind Kandidaten für das Halbfinale, wenn nicht gar für den Titel. Wenn wir gegen Portugal gewinnen, dann wäre das schon ein gutes Ergebnis.“ Der SG-Torwart hat einen besonderen Zimmerkollegen: seinen Zwillingsbruder Senjamin, der als Kreisläufer und Abwehr-Stratege zu den Stützen der Mannschaft zählt.
Für Marvin Lier rückt nach seinem Abschied von der SG das erste eidgenössische EM-Turnier seit 2006 in den Fokus. „Dann kehre ich gleich mit der Nationalmannschaft in meine Heimathalle in Winterthur zurück“, schmunzelt der Linksaußen. Beim heimischen Vorbereitungsturnier spielt die Schweiz gegen die Niederlande, die Ukraine und Tunesien. Bei der EHF Euro messen sich die Eidgenossen mit Gastgeber Schweden, Slowenien und Polen. „Wir treten an, um die Favoriten zu ärgern und werden die Chance ergreifen, wenn wir sie erhalten“, meint Marvin Lier.
Bei der deutschen Nationalmannschaft war die Nominierung zuletzt noch offen. Bundestrainer Christian Prokop hatte zunächst nur den 28er Kader bekanntgegeben, wollte erst kurz vor Weihnachten seinen Kandidatenkreis auf 18 Akteure reduzieren. Am Kreis gab er Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler (beide THW Kiel) und Jannik Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) eine Platzgarantie. Ob angesichts dieser Konkurrenz für Johannes Golla, der als vierter Kreisläufer aufgelistet ist, eine reelle Chance besteht? „Was meinen Zeitplan im Januar betrifft: Ich denke in alle Richtungen“, sagte der SG-Profi Mitte Dezember. Auch Niels Versteijnen hofft noch. Er gehört in der Vorbereitung zum 20-köpfigen Kader der Niederlande. „Danach fahren 16 Spieler weiter nach Trondheim und vier nach Hause“, berichtet der Linkshänder. Falls es klappen sollte: Die EM-Gruppengegner wären Deutschland, Spanien und Lettland.

Bericht und Fotos: Jan Kirschner

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