Am Startpunkt dieses Spaziergangs regieren Verkaufsanhänger, Stände und wirtschaftliches Treiben: Zwei Mal die Woche ist reges Leben auf dem Südermarkt. Nämlich am Mittwoch und Samstag, wenn auf dem Wochenmarkt regionale Produkte angeboten werden. Die anderen Tage allerdings wirkt der große Platz mit Ausnahme der Gastronomie an der Westflanke wenig einladend. Weiträumige gepflasterte Leere, eine Ecke mit Schmuddel-Charakter und ein gewisses Milieu bilden ein Ambiente, das nicht unbedingt zu einer Stadt passt, die vom Tourismus, speziell von den Tagesausflüglern aus Dänemark, lebt.

Im Rathaus und in der Kommunalpolitik ist diese Problematik keineswegs unbekannt. Markus Pahl, der Geschäftsführer der Flensburger Gesellschaft für Stadterneuerung, referierte unlängst bei einem Stammtisch der FDP über die Situation der Innenstadt, passende Strategien und mögliche Förderkulissen. Damit Gelder fließen, so der Experte, müssten sogenannte Sanierungsgebiete festgelegt werden. Flensburg hat davon vier, eines ist die westliche Altstadt, die sich vom Deutschen Haus bis zum Eckener Haus erstreckt. Einzelprojekte speisen sich dann zu je einem Drittel aus Zuschüssen des Bundes und des Landes sowie aus Eigenmitteln. Durchaus bis zu zehn Millionen Euro an Fördergeldern im Jahr gelangen so in die Fördestadt. Und aktuell könnte noch etwas aus dem vielzitierten Sondervermögen für Investitionen in Flensburg abgezapft werden.

Maßnahmen am Südermarkt
Im Sanierungsgebiet „Westliche Altstadt“ bildet der Südermarkt einen Schwerpunkt. Erste Maßnahmen sind bereits umgesetzt. Dazu gehören ein kommunaler Ordnungsdienst und eine neue Trinkhalle in der Friesischen Straße. Beides dient dazu, einen sozialen Brennpunkt abzufedern. Geprüft wird eine Alkohol-Verbotszone für diesen Bereich, ebenso für die Fußgängerzone. Auf der Agenda steht auch eine bauliche Umgestaltung. Angesichts von unterschiedlichen Pflasterungen geht es um eine Barrierefreiheit, aber auch darum, den Südermarkt in einen „angstfreien Raum“ zu verwandeln. In den letzten anderthalb Jahren fanden ein Architekten-Wettbewerb, Workshops und Öffentlichkeitsbeteiligung statt. Für Juli wird eine Ausstellung in der Bürgerhalle vorbereitet.

„Kleinteilige Herausforderungen“
Der Spaziergang verlässt nach einem längeren Stopp den Südermarkt und nimmt die komplette Fußgängerzone in Angriff. Das Wetter ist trüb, dennoch sind zahlreiche Passanten unterwegs. Die potenzielle Kundschaft wird von belebten Schaufenstern flankiert. Das Gerede einer sterbenden Innenstadt scheint heftig übertrieben zu sein. Die Atmosphäre bestätigt die Worte von Markus Pahl: „Wir Flensburger sind Weltmeister darin, die eigene Stadt in Grund und Boden zu reden.“ Der Sanierungsexperte sieht entlang der Fußgängerzone eher „kleinteilige Herausforderungen“. Hier und da sind Modernisierungsmaßnahmen nötig. Was diesen Prozess allerdings schwer macht: Die Eigentümer der zahlreichen Immobilien kommen längst nicht nur aus Flensburg oder der Umgebung, sondern bisweilen stehen dahinter auch internationale Gesellschaften, die nur schwer zu erreichen sind.

Schwierige Situation für größere Handelsobjekte
Auf einem großen, leeren Schaufenster steht noch „Depot“. Die Deko-Kette ist insolvent. Gleich nebenan ist eine Gastro-Fläche zu vermieten, und auch gegenüber hat ein Geschäft aufgegeben. Sonst sind die Leerstände direkt am Holm selten, gefühlt etwas häufiger in der Großen Straße und noch mehr in den Hinterhöfen. Für diese „besondere Flensburger DNA“ könnte es auch darum gehen, sie mit Wohnungen zu beleben. So soll hinter der westlichen Holmflanke ein Projekt mit 80 Wohneinheiten entstehen – inklusive Durchgang zum Südermarkt. Im Gegenwind des Online-Handels steht ein Großobjekt wie die „Galerie“ vor einer schweren Zukunft. Die „Holmpassage“ hat schon längst abgewirtschaftet. Der ehemalige Karstadt-Komplex wird durch den gefühlt „größten Ein-Euro-Shop der Welt“ nur in Teilen belebt. Der Charakter der Kundenströme hat sich verändert.

Was wird aus der Rathausstraße?
Die Ampel über die Rathausstraße ist ausgeschaltet. In Richtung Theater dehnt sich eine Baustelle aus – wegen der Fernwärme. Die Fußgänger fluten ungestört in die Große Straße. Schon seit einigen Jahren wird der Durchgangsverkehr aus dieser Ost-West-Verbindung herausgehalten. Es gab zahlreiche Diskussionen, Anordnungen und juristische Verfahren, aber es sieht nicht so aus, dass zukünftig mehr als nur Linienbusse und Lieferanten fahren dürfen. Das Rathaus hat die Kommunalpolitik mit einer Beschlussvorlage gefüttert: Für eine Neugestaltung der Rathausstraße und des Nordergrabens soll ein Planungsbüro drei Varianten erstellen, die dann der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Außengastronomie bis Mitternacht
In der Großen Straße ist gefühlt etwas weniger los, dann häufen sich aber die Stühle und Tische, die die Betreiber der Cafés und Restaurants herausgestellt haben. Das Wetter ist nicht sonderlich gut, der Optimismus eines regen Besuchs aber ungebrochen. Der Nordermarkt ist der „Hotspot“ der Kulinarik und Entspannung. Ende April hatte die Ratsversammlung beschlossen, im „Kernbereich der Innenstadt“ der Gastronomie die Möglichkeit zu geben, bis Mitternacht ihre Außenflächen nutzen zu dürfen – also ein bis zwei Stunden länger als bislang. Der SSW, die Grünen und die FDP hatten den Antrag gestellt und die Maßnahmen als „Stärkungspaket für Gastronomie und Nachtkultur“ tituliert.

Zehn Millionen Euro für das Eckener Haus
Hinter dem „Porticus“ beginnt die Norderstraße. An der Kreuzung mit der Neuen Straße endet das Sanierungsgebiet „Westliche Alstadt“. Sein zweites Großprojekt befindet sich an dieser Stelle: das Eckener Haus. Dieses traditionsreiche Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, möchte die Stadt sanieren. Im April gab die Ratsversammlung nach langen Diskussionen grünes Licht. Das Projekt, das bis Ende 2028 realisiert werden soll, kostet zehn Millionen Euro. Größtenteils kann auf Fördermittel zurückgegriffen werden. Die enorme Summe resultiert daraus, dass ein historisches Gebäude an moderne Richtlinien angepasst werden muss. Es soll ein Treffpunkt für Menschen und Institutionen entstehen. Ein Förderverein ist gegründet.

Damit endet der Spaziergang durch die Innenstadt. Flensburgs Herzstück kann sich durchaus sehen lassen. Ernste bauliche Probleme sind die Ausnahme. Auch Leerstände prägen längst nicht so prägnant das Erscheinungsbild wie in anderen Städten. Es gibt aber Entwicklungen, die es zu beobachten gilt und auf die mit Ideen, Engagement und Aktionen reagiert werden sollte.
Text und Fotos: Jan Kirschner















