Ein grüner Vorhang und ein Bretterzaun verhüllen ein stolzes Element Flensburger Geschichte, das zum Sanierungsfall geworden ist: das Eckener Haus in der Norderstraße. Die Namensgeber residierten von 1882 bis 1913 in diesem denkmalgeschützten Gebäude. Für die beiden bekanntesten Mitglieder dieser Familie wurden einst Ehrentafeln an die Fassade gehängt. Alexander Eckener hatte sich als Künstler und Maler einen Namen gemacht. Gar Weltruhm erlangte Hugo Eckener, der als Luftschiffpionier vor rund 100 Jahren mit einem Zeppelin etliche Male den Atlantik überquerte und den Globus umrundete. Die beiden Brüder verbrachten nicht ihre Kindheit, aber ihre Jugend in der Norderstraße 8.
Die Geschichte eines besonderen Hauses
Es wäre zu kurz gegriffen, die Historie dieses Hauses auf zwei Persönlichkeiten zu verkürzen. Seine Vita geht bis ins 16. Jahrhundert zurück und kennt zahlreiche Kapitel eines charakteristischen Kaufmannshofes der Flensburger Altstadt. Der besonders edle Barockgiebel stammt aus dem Jahr 1775, beging also gerade sein 250-jähriges Jubiläum. Antonia Eckener, die Schwester der beiden Berühmtheiten, war die letzte ihrer Familie, die in den Gemäuern wohnte. Nach ihrem Tod übernahm 1913 ein Verein das „Alt-Flensburger Haus“. Es war nun eine Mischung aus Museum und Restaurant, das „bis in die fernste Zukunft“ zur Freude der Bevölkerung erhalten bleiben sollte.

Doch nach 60 Jahren hatte die Vereinsform keine Grundlage mehr, das beliebte Bauwerk ging 1973 in das Eigentum der Stadt über. 2004 erfolgte nochmals eine Privatisierung, die allerdings mit Leerstand, Sanierungsstau und Wasserschaden endete. 2016 erwarb die Stadt Flensburg das Gebäude ein zweites Mal, um es als Teil des Sanierungsgebietes „Westliche Altstadt“ aufzuwerten und dauerhaft zu erhalten.
Untersuchungen und Sanierungsabsicht
Am Bauzaun hängen viele Eindrücke vom Innenleben. „Ein Stück Flensburger Geschichte wird saniert“, verspricht ein Begleittext. Das ist aber einfacher geschrieben als umgesetzt. Bislang erfolgten nur einige Sicherungsmaßnahmen und umfangreiche Untersuchungen. Sehr aufwendig soll ein denkmalpflegerisches Gutachten gewesen sein. Dazu wurde das Eckener Haus bereits 2021 „eingetütet“. Je genauer man hinschaute, desto größer wurde der Schaden. Risse im Mauerwerk, schadhafte Fugen, Schädlinge im Holz – immer länger wurde die Mängelliste. Im Keller ist Wassereinfall keine Seltenheit – wohl wegen einer Umfunktionierung zum Luftschutzbunker im Zweiten Weltkrieg. Die positive Überraschung: Im Seitenflügel wurde eine verborgene Wandmalerei entdeckt.
Die geschätzten Kosten für die Gesamtmaßnahme kletterten auf 13,9 Millionen Euro. Der Denkmalschutz hat seinen Preis, aber auch die Anforderungen einer Barrierefreiheit. So soll zwischen Erdgeschoss und erstem Stockwerk ein Fahrstuhl eingebaut werden. Zu allem Überfluss ging das beauftragte Planungsbüro im Mai 2024 in die Insolvenz. Nach einer neuen Ausschreibung stieg das Kappelner Büro Sunder-Plassmann ein – mit der Vorgabe, die Kosten zu drosseln. Es sieht so aus, dass die technische Ausstattung etwas heruntergefahren wird. Ein zusätzliches Treppenhaus, eine Künstlerwohnung im Dachgeschoss und eine Wiederbelebung des Gewölbekellers sollen eingespart werden. Derzeit steht unter dem Strich eine Summe von rund zehn Millionen Euro.

Beantragung von Fördermitteln
Mit Herbstbeginn meldete sich Markus Pahl, der Geschäftsführer der Flensburger Gesellschaft für Stadterneuerung: „Die Planungsunterlagen sind so weit, dass wir einen Förderantrag stellen können.“ Im Rathaus hofft man, über Städtebauförderungsmittel beträchtliche Finanzspritzen von Bund und Land abzuzweigen und das Vorhaben in zwei Bauabschnitten zu realisieren. Da sich die Förderrichtlinien schon in Kürze zum Nachteil von Kommunen verändern sollten, trat die Stadt Flensburg auf die Tube. Mitte November hatte die Ratsversammlung beschlossen, für die Sanierung des Eckener Hauses einen Antrag auf Fördermittel zu stellen – mit großer Mehrheit. Es gibt vor allem in der SPD-Fraktion Stimmen, die befürchten, dass sich die Stadt übernehmen könnte, da mit dem Deutschen Haus ein weiteres großes Sanierungsobjekt existiert. Andererseits wäre ein weiterer Verfall der historischen Bausubstanz wohl kaum ein Signal im Sinne des Denkmalschutzes.
Die Stadtverwaltung rechnet für kommenden Sommer mit dem Bewilligungsbescheid. Erste Handwerker könnten Ende 2026 anrücken. Bis dahin soll das Nutzungskonzept geschärft werden. Vor allem soll geprüft werden, ob der Betrieb des Hauses einer Stiftung mit Bürgerverein übertragen werden kann. Soziale und kulturelle Projekte stehen zukünftig wohl im Mittelpunkt. Öffentliche Einrichtungen, Schulen, Universitäten und Vereine gelten als potenzielle Nutzer dieses Treffpunktes. Im Eingangsbereich soll eine Ausstellung über die Geschichte des Eckener Hauses und der Flensburger Kaufmannshöfe informieren. Im baulich verbundenen Nachbargebäude befindet sich ein Saal für Veranstaltungen.
Text und Fotos: Jan Kirschner














