Für einige Zeitgenossen mag der Mückenwald nicht mehr als eine Ansammlung von Bäumen sein, die sich zwischen Alter Ochsenweg und Alter Husumer Weg auf immerhin 25 Hektar erstreckt. Wer aber dort spazieren geht und vielleicht auf einem Weg stehen bleibt, um entspannt durchzuatmen, wird den Aufenthalt in der grünen Lunge von Flensburg-Weiche sicherlich genießen. Keine Frage: Der Mückenwald hat eine wichtige Naherholungsfunktion für den Stadtteil, er birgt aber auch manche Geheimnisse und vergessene Geschichten, die es wert sind, ans Tageslicht geholt zu werden.

Landschaftsschutzgebiet
Oberbürgermeister Heinz Adler nahm im Frühling 1973 das noch gültige Reichsnaturschutzgesetz von 1935 zur Hand und stellte auf Anordnung elf Flensburger Gebiete unter Schutz. Darunter befand sich der „Landschaftsteil am Mückenteich“. Dieser dehnte sich auf 25 Hektar aus und erfasste an der nordöstlichen Flanke auch das Truppenübungsgelände. Per Stadtverordnung hatte das Kind ab dem 1. Juni 1976 einen neuen Namen: Landschaftsschutzgebiet. Vor diesem Schritt war reichlich diskutiert worden. Kritiker befürchteten Engpässe für die Ansiedlung von Wohnhäusern oder Gewerbegebieten. Für Land- und Forstwirtschaft sowie die Jagd gab es hingegen keine Einschränkungen. Zeltlager oder Verkaufsstände wurden untersagt, Spaziergänge und andere Formen der Naherholung waren aber ausdrücklich erwünscht.
Ein Spielplatz im Walde
Mitte der 1970er Jahre ließ die Forstverwaltung in der Nähe des Mückenteiches einen Spielplatz errichten. Er umfasste Kletterturm, Wippe, Schaukel und Sandkasten. Es gab auch Bänke und Sitzklötze aus Eiche. Bei einer Bestandsaufnahme im Juli 1982 fiel auf, dass dieser städtische Spielplatz mit einer Größe von 420 Quadratmetern knapp „unter der Norm“ lag. Eine sinnvolle Erweiterung kam nicht in Betracht. Mitte der 1990er Jahre verschwand der Spielplatz.

Grüne Perle
Der Mückenwald begeisterte die Naturliebhaber als Lebensstätte zahlreicher Vogelarten und vor allem wegen des Mückenteiches. Der Flensburger Grünordnungsplan von 1979 schwärmte regelrecht: „Hier ist es der noch weitgehend naturbelassene ausgesprochene Moorteich mit dem schwankenden moorigen Ufer sowie der Schilf- und Binsenvegetation, der als besonders schützenswert dem sonstigen Waldgebiet die eigene Note gibt.“ Hauptsächlich Nadelgehölze prägten damals den Mückenwald.
Ein Schulwald
Die Umwelt war immer häufiger ein gesellschaftliches Thema. Im Trend befanden sich Schulwälder als Außengelände für den Biologieunterricht. Im Oktober 1981 lag dem Flensburger Amt für Grünanlagen ein Antrag vor: Peter Jensen, der Leiter der Unesco-Schule Weiche, stellte das Projekt „Wie wir morgen leben wollen“ vor und setzte sich für einen Schulwald ein, um den Kindern Bäume, Vögel und Insekten näherzubringen. Einige Enthusiasten schwärmten gar von einem „Bürgerpark“ – mit Trampelpfaden, Spielplatz und Freilichtbühne. Allerdings fiel die anvisierte Fläche auf einer renaturierten Bauschutt-Deponie an der Lilienthal-Brücke durch. Die Alternative befand sich nördlich einer Gerüstbaufirma: 5450 Quadratmeter zwischen Ochsenweg und Alter Ochsenweg, also direkt am Mückenwald. Im Herbst 1985 wurden zusammen mit der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ 190 größere Bäume gepflanzt.

Naturnaher Wald
Die Forstwirtschaft erfuhr einen Wandel. Das Konzept „Naturnaher Wald“ wurde zunächst in der Marienhölzung praktiziert und sollte dann auf die übrigen städtischen Forste ausgedehnt werden. Eine Biotop-Pflege war im September 1985 die erste Maßnahme am Mückenteich. Kartierungen registrierten geologische, klimatische, geografische und bodenkundliche Gesichtspunkte. Zum April 1989 wurde für Flensburg-Weiche ein Landschaftswart bestellt. Er sollte Verstöße gegen Naturschutz und Landschaftspflege feststellen und über Schutzbestimmungen aufklären.
Text + Titelfoto: Jan Kirschner














