Wenn die SG Flensburg-Handewitt in den englischen Wochen steckt, also zwei Spiele zu bestreiten hat und manchmal nach nur 48 Stunden wieder auf das Spielfeld muss, gibt es einen im Stab, der schon einen Schritt weiter ist als die anderen: Simon Hennig. Der 34-Jährige ist seit letztem Sommer der Co-Trainer der SG, die rechte Hand von Chefcoach Ales Pajovic. Er beschäftigt sich frühzeitig mit der Analyse des Gegners, sichtet etliche Videos, stellt prägnante Szenen zusammen und entwickelt taktische Ideen. „Ich sehe mich in einer beratenden Funktion“, sagt der Assistent. „Letztendlich ist es Pajo, der entscheidet, was wir machen und es so auch mit der Mannschaft kommuniziert.“

Das SG-Trainer-Portrait: Simon Hennig
Die rechte Hand von Ales Pajovic

Mit Simon Hennig setzt die Profi-Abteilung des Bundesligisten erstmals auf einen Trainer aus „dem eigenen Stall“. Er stammt aus der Region. Als Dreikäsehoch spielte er zunächst Fußball beim Handewitter SV. In der Grundschule war er in einer Klasse mit Maximilian Lipp. Sein Vater Peter war einst Torwart bei der SG und trainierte die Jungen in der Wi­kinghalle. „Meine Familie war ohnehin handballaffin“, verrät Simon Hennig. „Meine Großeltern hatten 40 Jahre lang eine Dauerkarte, meine Mutter hat lange gespielt, und mein Vater war mal Bundesliga-Trainer bei den Frauen des TSV Jarplund-Weding.“

Die ersten Idole: Jan Holpert und Lars Christiansen

Die „großen“ Handballer der SG verfolgte er schon zu den Zeiten der Fördehalle. „Ich war dort mit meinen Großeltern“, erzählt er. „Wir saßen dort im Sitzplatzbereich hinter dem Tor.“ Die Erinnerungen wurden mit der deutschen Meisterschaft 2004 konkreter. Die große Party an der Campushalle mit Legenden wie Jan Holpert oder Lars Christiansen. Wie jeder Junge, der aus Flensburg oder Handewitt kommt und für die SG spielt, träumte Simon Hennig davon, einmal Profi zu werden. „Bei mir war dieser Traum auch mit 17 oder 18 Jahren noch präsent“, sagt er. „Dann hatte ich allerdings eine Knieverletzung mit Knorpelschaden. Da war mir bewusst, dass ich eine andere Karte spielen muss.“ Die des Handball-Trainers.

Das SG-Trainer-Portrait: Simon Hennig
2004: Simon Hennig (rechts) mit Blaženko Lacković

Nach dem Abitur absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Jugendhandball-Förderverein „get in touch“. Dann studierte er auf Lehramt und verdiente sich als Handball-Trainer von Kinder-Mannschaften etwas dazu. Schließlich bot ihm Lewe Volquardsen an, in die damals von ihm geführte „Flensburg Akademie“ einzusteigen. Aus Teilzeit wurde bald Vollzeit. Nun trainierte Simon Hennig auch die A-Jugend oder die U23 und übernahm 2022 die sportliche Leitung der Nachwuchs­akademie. „Mir hat es immer sehr viel Spaß gemacht, mit Jugendlichen zu arbeiten und sie zu fördern“, betont er.

Das SG-Trainer-Portrait: Simon Hennig
2012: Als Spieler trug Simon Hennig die Nummer 22

Der Reiz der Bundesliga

Es reizte ihn aber ungemein, für „seinen“ Verein in der Bundesliga tätig zu sein. Es war im Frühling 2024, als feststand, dass der bisherige Co-Trainer Mark Bult in Nordhorn eine Chefrolle annehmen konnte. Simon Hennig bekundete zartes Interesse. Die SG entschied sich für Anders Eggert als Unterstützung von Nicolej Krickau, aber der Nachwuchsmann bekam erste Aufgaben bei den Profis. Im Training beobachtete er taktische Aspekte und führte bei den Spielen bestimmte Statistiken. Bei Heimspielen saß er direkt hinter der Bank, bei Auswärtsspielen vor dem Bildschirm – das Handy immer griffbereit.

Das SG-Trainer-Portrait: Simon Hennig
Gesprächsbedarf mit Trainern und Spielern

Vor zwölf Monaten wurde der Posten des Co-Trainers wieder frei – nun neben Ales Pajovic. Jetzt bewarb sich Simon Hennig offiziell. „Es gab Unterstützung aus dem Umfeld und gute Gespräche mit Pajo, Ljubomir Vranjes und auch Holger Glandorf“, berichtet er. „Ich hatte zwar keine Erfahrung als Trainer in der Bundesliga, konnte aber wohl so weit überzeugen, dass es kein allzu großes Risiko sein würde, mit mir zu arbeiten.“ Er schied aus der „Flensburg Akademie“ aus und unterstützte Ales Pajovic im Trainingsalltag und bei der Vorbereitung noch mehr als zuvor.

Das SG-Trainer-Portrait: Simon Hennig
2023 gab es ein kurzes Spieler-Comeback in der Oberliga

Der Alltag eines Co-Trainers

Am auffälligsten ist diese Unterstützung bei den Heimspielen in der „Hölle Nord“ – wobei die letzten zwei Stunden vor dem Anpfiff eher im Verborgenen stattfinden. In der Kabine und den Katakomben geht es um Taktik, um eine technische Besprechung und die Abläufe der Mannschaft. „Wenn dann das Licht ausgeht, gehe ich ganz entspannt zu meinem Platz“, lächelt Simon Hennig. Wenn die Hallenbeleuchtung wieder anspringt, beobachtet er die Angriffskonzeption, tauscht Details mit verschiedenen Akteuren aus und hat die Halbzeitbesprechung im Hinterkopf. Die zweiten 30 Minuten laufen nach einem ähnlichen Muster ab. Und danach gibt es eine Nachbetrachtung der abgelaufenen 60 Minuten – dann rückt sehr schnell das nächste Spiel in den Fokus.

Das SG-Trainer-Portrait: Simon Hennig
Als Jugendtrainer betreute Simon Hennig diverse Mannschaften

Bei Simon Hennig dreht sich an einem normalen Tag viel um Handball. In der Freizeit sind drei „F“s die wichtigsten Bezugspunkte: Frau, Familie und Freunde. Sonst dominiert weiterhin der Sport. Aktiv geht er ins Fitnessstudio oder schwingt sich aufs Fahrrad. Auf dem Bildschirm laufen viele Sportarten. Die Olympischen Winterspiele waren für ihn ein echtes Highlight. Er sieht aber auch sehr gerne NHL oder Tennis. „Fußball hat bei mir nicht die höchste Priorität“, sagt der 34-jährige Lokalmatador mit einem Lächeln. „Ich hoffe aber sehr, dass auch in der nächsten Saison der Norden in der Fußball-Bundesliga gut vertreten sein wird.“

Text und Fotos: Jan Kirschner   

- WERBUNG -