Maria Boysen, geb. Danielsen 1759 -1846 und Anna Brix, geb. Danielsen 1766 -1808
Maria Boysen
Seit 1771 wohnte in nächster Nachbarschaft der Danielsens der Kaufmann Andreas Boysen, dem das große Gewese an der nördlichen Ecke des Kuhgangs (heute Marienstraße) und Norderstraße gehörte. Boysens Vater stammte ursprünglich aus Dithmarschen, aus bäuerlichen Verhältnissen, und hieß bei der Geburt noch Boyens. Der Sohn Andreas ging nach Flensburg, um den Handel zu erlernen und hier sein Glück zu suchen. Er wandelte diesen in Flensburg ungebräuchlichen Nachnamen um in Boysen, einen in Flensburg sehr geläufigen Namen.
Neu in Flensburg
Andreas Boysen betrieb ein gutgehendes Handelsgeschäft hauptsächlich mit Produkten aus der Landwirtschaft; als seine Ehefrau im Jahr 1789 mit nur 42 Jahren plötzlich verstarb. Er hatte plötzlich drei unversorgte eigene Söhne und eine Pflegetochter im Hause, und es war ihm auch deshalb wichtig, alsbald eine neue Ehe einzugehen. Seine Wahl fiel auf die älteste Tochter des vor Jahresfrist verstorbenen Paul Danielsen, auf die 30jährige Demoiselle Maria Danielsen. Für Maria war es nicht leicht gewesen, ihre Einwilligung zur Eheschließung zu geben, war Andreas Boysen doch bereits ein Mann von 50 Jahren, und sie hatte sich nicht nur um den künftigen Gatten, sondern auch um vier halbwüchsige Kinder zu kümmern.
Boysen heiratet eine Danielsen-Tochter
Andererseits war sie auch schon 30 Jahre alt, immer noch unverheiratet, und so willigte sie schließlich ein. Einen großen Haushalt wusste sie durchaus zu führen, das kannte sie bereits von zu Hause aus. Am 16. April 1790 ließ Andreas Boysen sich in seinem Haus mit Maria Danielsen von Pastor Paysen trauen. Die Ehe blieb zwar kinderlos, doch Maria kam gut zurecht in ihrem neuen Zuhause, schenkte insbesondere ihrer Pflegetochter Hedwig Kröger tiefe Zuneigung, die ihrerseits auch sehr an der neuen „Stiefmutter“ hing. Die beiden älteren Söhne Andreas Boysens verließen bald das Haus, gingen Anfang der 1790er Jahre nach Kopenhagen, um dort ihre Handelskenntnisse zu erweitern. Bald nahm Boysen einen neuen Hausgenossen bei sich auf: Der 28jährige Diederich Tramsen trat in die Firma ein und wurde hier alsbald für Andreas Boysen unentbehrlich. Der junge Mann und die Pflegetochter Hedwig fanden Gefallen aneinander, und heirateten schließlich im Jahre 1794. Das Ehepaar Boysen schenkte dem Pärchen seine ganze Zuneigung, stattete ihnen eine schöne Hochzeit aus, und gab ihnen ein gutes Startkapital mit auf ihren neuen Lebensweg.
Madame Boysen wird zum Mittelpunkt der Familie
Madame Boysen war nur ein recht kurzes Eheglück beschieden, denn ihr Ehemann Andreas Boysen verstarb am 8. Juli 1800 im 61. Lebensjahr. Der älteste Sohn Georg übernahm das väterliche Gewese, und als er im gleichen Jahr im Dezember heiratete, zog seine Stiefmutter in das obere Stockwerk des Hauses, wo sie zwei Zimmer erhielt. Sie war beim Tode ihres Mannes erst 41 Jahre alt, eine große und stattliche Matrone mit einem markanten Gesicht, wie sie einige Zeit später der in Flensburg tätige Maler Peter Feddersen porträtierte, auf einem sogenannten Miniaturporträt.
Ihr Mann hatte ihr ausreichend finanzielle Mittel hinterlassen, und so gut für sie gesorgt. Ihre wirtschaftliche Lage verschlechterte sich auch nicht, als der Stiefsohn in den 1820er Jahren auf Grund der dänischen Wirtschaftskrise Konkurs machte und das Anwesen veräußert wurde. Auch als ein neuer Besitzer einzog, blieb Madame Boysen in ihren beiden Zimmern gegenüber der Marienkirche wohnen, und sie verstand es, trotz ihrer nicht gerade geräumigen Behausung sich zum Mittelpunkt der Familien Boysen und Danielsen zu machen. Alle Angehörigen dieser beiden großen Familien hingen mit großer Liebe an ihrer Tante Boysen.
Als ihre Schwester Anna, mit dem Kaufmann Johann Brix verheiratet, im Jahre 1808 verstarb, nahm sie deren 6jähriges Töchterchen Johanna Margaretha bei sich auf, um dieser die Mutter zu ersetzen und sie großzuziehen. Als ihr Bruder Joachim Danielsen 1881 seine junge Frau verlor, zog Tante Boysen für eine gewisse Zeit ins väterliche Haus zurück, um ihren Bruder in dieser schweren Zeit zu unterstützen und den Haushalt zu führen, bis sie die Leitung des Haushalts in die Hände ihrer ältesten Nichte legen konnte. Wenn in einer Familie der großen Sippe Hilfe gebraucht wurde, war sie immer bereit, und mit viel Humor und tatkräftiger Hilfsbereitschaft hat sie sich die Herzen aller Nichten und Neffen erworben. Es gibt keinen Brief von auswärtigen Angehörigen der vier Familien Boysen, Brix, Danielsen und Tramsen aus jener Zeit, der nicht einen Gruß an Tante Boysen enthält.
Der Herrgott schenkte ihr ein hohes Alter
Im hohen Alter saß sie oft beim Bruder Joachim in dessen behaglicher Alterswohnung im ersten Stock des Alt-Flensburger Hauses, und die beiden Achtzigjährigen unterhielten sich dabei über längst vergangene Jugendjahre. Sie überlebte ihre ganze Generation und auch manch einen ihrer zahlreichen Nichten und Neffen. Als sie im hohen Alter von 86 Jahren am 21. Februar 1846 in Frieden einschlief, hinterließ sie als Älteste ihrer Sippe eine fühlbare Lücke in den verwandten Familien, und noch lange wurde das Andenken an Tante Boysen hochgehalten.
Anna Brix
Paul Danielsens jüngste Tochter Anna lebte 19jährig beim Tode ihres Vaters noch zuhause. Sie verlobte sich zwei Jahre später mit dem 35jährigen Witwer Johann Brix aus dem Kirchspiel St. Nikolai. Es war damals durchaus üblich und nicht ungewöhnlich, dass ein junger Witwer seinen verwaisten Kindern bald wieder eine neue Mutter zu geben hatte. Die Demoiselle Anna Danielsen, und ihr Bruder Joachim, willigten ein, und so wurde die Hochzeit am 5. November 1790 im Hause Danielsen gefeiert. Anna zog zu ihrem Mann ins eingerichtete Haus, wo zwei kleine Jungen, 6 und 2 Jahre alt, sowie eine dreijährige Tochter vom ersten Tag an ihre Zeit und Liebe in Anspruch nahmen. Hart traf sie im dritten Ehejahr der Tod der kleinen Tochter im Alter von nur sechs Jahren.
Ein reicher Kindersegen
Im Laufe der folgenden Jahre bekam die junge Madame Brix acht eigene Kinder, die zusammen mit den beiden Stiefbrüdern aufwuchsen, den Eltern aber viele Sorgen bereiteten.
Nur vier der Kinder überstanden die schweren Seuchen, die im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Flensburg herrschten und die Kindersterblichkeit erschreckend steigerten.
Im Oktober 1802 starben die beiden Töchter Lucie (6 Jahre) und Maria (2 Jahre) an den Blattern. Diese Krankheit war so hartnäckig, dass auch die drei im Hause Brix wohnenden Gehilfen aus dem Geschäft der Familie daran verstarben.
Die Ausbildung der Kinder war zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr unproblematisch. Die Brix-Kinder wurden mit sechs Jahren in Peter Carstensens Kleinkinderschule geschickt, am Holm im Haus des Buchhändlers Dänike, mit 7 Jahren kamen sie in die Nikolai-Schreibschule, wo Schreibmeister Gertz sie im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtete. Die Jungen besuchten anschließend ab dem 14. Lebensjahr die Lateinische Schule, während die Ausbildung der Mädchen mit Beendigung der Schreibschule abgeschlossen hatte, und sie höchstens noch bei einer ältlichen Demoiselle einen Kurs in Handarbeit oder im Pianospielen absolvierten.
Der älteste Sohn Carl Georg Brix wurde nach erfolgter Konfirmation und siebenmonatiger Abordnung in Kopenhagen in der Handlung des Vaters beschäftigt, während der zweite Sohn Henning 1804 nach Trondheim ging, und dort eine Lehre antrat, im gleichen Geschäft, in dem auch sein Onkel Joachim Danielsen gelernt hatte.
Flensburg wird von zahlreichen Krankheiten heimgesucht
Im Herbst 1807 schleppten fremde Schiffe die Ruhr in Flensburg ein, und diese neue Seuche griff so stark um sich, dass manche Flensburger Familie all ihre Kinder daran verlor. Auch alle sechs lebenden Kinder der Familie Brix lagen krank darnieder, zwei starben gar an dieser fürchterlichen Krankheit. Während die anderen Kinder sich allmählich erholten, begann jetzt jedoch die Mutter, die sich bei der langen Pflege der kranken Kinder offensichtlich überanstrengt hatte, krank zu werden, um am 20. August 1808 erlag schließlich Madame Brix im Alter von nur 42 Jahren der tückischen Krankheit. Sie wurde auf dem Friedhof an der Nikolaikirche neben ihren früh verstorbenen Kindern beerdigt.
Johann Brix, nun zum zweiten Mal Witwer geworden, nahm eine Haushälterin in sein Anwesen auf, die für die Hausarbeit und die Pflege der Kinder sorgte. Er überlebte seine Frau um viele Jahre und starb erst im hohen Alter von 87 Jahren am 24. Januar 1843.
Die größte Freude erlebte der alternde Brix an seinem ältesten Sohn aus erster Ehe, Carl Georg, der einer der angesehensten Kaufleute in Flensburg wurde. Carl Georg hatte sich am 27. Oktober 1807 mit Anna Catharina Kröger, einer Tochter des Zuckerfabrikanten Claus Kröger, verheiratet, und war dann ins Geschäft seines Schwiegervaters eingetreten, welches er im Jahre 1811 eigenverantwortlich übernahm. Er erwarb 1816 ein großes Gewese am Südermarkt (heute Angelburger Straße 2), wohin er seine Zuckerraffinade verlegte. Das wundervolle Wohnhaus in klassizistischem Stil war 1804 vom Baumeister Axel Bundsen erbaut worden, der 1812 die Kapelle auf dem neuangelegten Begräbnisplatz an der Reitbahn erbaute. Die Brixsche Zuckerraffinade wurde bald die größte des Landes, er wurde so bald eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit in Flensburg.
Text: Flj überarbeitet















