Die Liste mit den Kapitänen der SG Flensburg-Handewitt ist lang. Auf ihr finden sich illustre Namen wie Tobias Karlsson, Lasse Svan, Jan Holpert, Ljubomir Vranjes, Lars Christiansen, Jan Fegter oder zuletzt Johannes Golla. Anfang August gab es eine aktuelle Ergänzung: Emil Bergholt fungiert seitdem in diesem Amt. Für viele war diese Berufung eine Überraschung, da der 29-jährige Däne zu den Neuzugängen zählt. Aber gleichzeitig war er der einzige Handballer im Kader, der bei früheren Stationen bereits Erfahrungen in dieser Führungsposition gesammelt hatte. „Bei der SG der Kapitän zu sein, bringt im Grunde keine neuen Aufgaben, nur die Intensität ist höher“, erklärt der Kreisläufer. „Die SG ist ein größerer Verein, und auch das Medieninteresse ist größer.“

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt

Seine Heimat ist Skjern, eine Kleinstadt, die sich unweit des Ringköbing Fjords befindet. Der sportliche Stolz sind seit Dekaden die Ballwerfer, die sogar zwei Mal die dänische Meisterschaft nach Westjütland holten. Die Aura einer Handball-Hochburg sog Emil Bergholt schon mit der Muttermilch auf. Seine Eltern waren beide Handballer, er selbst war von kleinauf ein Fan des erfolgreichen Männer-Teams. „Ich war schon als Kleinkind in der Halle, und es war nur natürlich, dass ich auch mit dem Handball anfing“, erinnert sich der heutige Profi. „Lange Zeit war ich auch beim Fußball. Erst mit 16 oder 17 Jahren musste ich mich entscheiden und habe meine Entscheidung für den Handball nie bereut.“

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt

Über Umwege an die Spitze

Der Weg an die Spitze war keine Einbahnstraße. Zwar absolvierte Emil Berg­holt noch als A-Jugendlicher und in seiner ersten Männer-Saison die ersten Einsätze in der Champions League, insgesamt blieb seine Spielzeit aber überschaubar. Es reifte der Entschluss auf Wanderschaft zu gehen. Er verbrachte insgesamt vier Jahre etwa zwei Stunden vom Zuhause entfernt: zunächst in Tondern, dann am Limfjord in Mors-Thy. „Mir ging es darum, mich als Handballer zu verbessern“, erklärt Emil Bergholt. „Mein Traum war es, irgendwann als wirklich wichtiger Spieler nach Skjern zurückzukehren.“ Das war 2021 der Fall. Zuvor hatte er mit Mors-Thy den dänischen Pokal gewonnen – bislang sein einziger Vereinstitel.

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt
Seit 2023 gehört Emil Bergholt zum dänischen Nationalteam

In Skjern war Emil Bergholt bald ein absoluter Führungsspieler: Abwehrstütze, Kapitän und die Nummer eins am Kreis. Es spricht für die enorme Qualität des dänischen Handballs, dass es eine Weile dauerte, ehe dieser interessante Spieler seine erste Einladung zur dänischen Nationalmannschaft erhielt. Im März 2023 feierte Emil Bergholt sein Länderspiel-Debüt – ausgerechnet gegen Deutschland. Dann stoppte ihn allerdings eine Knieverletzung, sodass die Olympischen Spiele kein Thema für ihn waren.

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt
Emotionen in der „Hölle Nord“

Erfolge in der dänischen Nationalmannschaft

Bei der Weltmeisterschaft 2025 und bei der Europameisterschaft 2026 stand der Kreisläufer dann aber im dänischen Aufgebot. „Wer kann schon binnen einem Jahr zwei große Turniere nur 30 Minuten von seiner Heimatstadt entfernt spielen“, schwärmt Emil Berg­holt. „Bei der EM durften wir sogar das Finale in Herning spielen, gewinnen und feiern.“ Überhaupt ist seine Bilanz im Danebrog-Trikot eine ausgesprochene Erfolgsstory: Von 34 Partien ging nur ein Testspiel gegen Frankreich und eine Vorrunden-Begegnung gegen Portugal verloren. Bereits im März 2025 war der Wechsel nach Flensburg wasserdicht eingetütet. Der Däne wurde als Nachfolger von Johannes Golla präsentiert. „Das sind große Fußspuren, aber ich bin Emil und habe meine eigenen Stärken“, stellte Emil Bergholt klar. „Es ist eine Ehre für mich, dass ich die Chance bekomme für einen Verein wie Flensburg zu spielen.“

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt
Ein Moment für den Genuss

Familie, Flensburg und Fußball im TV

Im Sommer begann die Zeit in der Fördestadt. Mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern zog der Handballer an den Stadtrand. Genau in das Haus, in dem viele Jahre Johannes Golla gewohnt hatte. Zum Magneten hat sich ein kleiner Spielplatz entwickelt. Auch die Familie schaut vorbei. Zum Beispiel der jüngere Bruder Viktor, der die zweite Saison in Sonderborg spielt. „Mal schauen, vielleicht trainieren wir im Rahmen der Kooperation auch mal gemeinsam“, schmunzelt Emil Bergholt.

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt
Absprachen eines Kapitäns

Der 29-Jährige, der sich gerne auf den Golfplatz begibt oder Fußball im Fernsehen schaut, hat sich schnell eingelebt. Dazu trug auch bei, dass er Simon Pytlick, Niclas Kirkelökke, Emil Jakobsen und Lasse Möller bereits aus der Nationalmannschaft kannte. „Flensburg ist wirklich eine schöne Stadt“, sagt Emil Bergholt. „Die Menschen sind angenehm und die Stimmung wirklich gut.“

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt
Großes Ballgefühl

Die letzte Aussage gilt ausdrücklich auch für die „Hölle Nord“, in die der Neuzugang inzwischen einige Male eingelaufen ist – und alles von der Spitze aus aufsaugen konnte. „Besonders überwältigend war es vor dem Heimspiel gegen Eisenach, als ich zum ersten Mal die volle GGW-Arena erlebt habe“, sagt er. „Ich bin zwar immer voll fokussiert, konnte diesen Moment aber doch genießen. Hoffentlich erlebe ich ihn noch sehr oft.“

Das SG-Spieler-Portrait: Emil Bergholt
Auf zum nächsten Spiel

Text und Fotos: Jan Kirschner   

- WERBUNG -