„Mit der Geburt wurde ich zum dänischen Staatsbürger, erhielt ich direkt die dänische Staatsangehörigkeit!“, verrät mir mein Gegenüber. Wie es dazu kam? „Der Grund dafür lag in der besonderen Familiengeschichte meiner Eltern und Großeltern, die in der Zeit der politischen Veränderungen im deutsch-dänischen Grenzland nach 1920 grundlegende Veränderungen erfuhr“, klärt mich Hans-Ludwig Lorenzen, mein heutiger Gesprächspartner, über diesen Umstand auf.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe

Seine Herkunft

„Ich wurde am 30. Dezember 1955 geboren: in der unteren Schlossstraße als drittes Kind meiner Eltern Hertha und Ludwig Lorenzen – als sogenannter Nachkömmling.“ Sein Vater war da bereits 40 Jahre alt. Er erblickte im Ersten Weltkrieg im Jahre 1915 das Licht der Welt.

Seine Großeltern lebten in jenem Jahr 1915 in Hoyer (dänisch Højer), einer kleinen Stadt in Jütland nahe der Nordseeküste – im Raum Tondern. Hoyer gehörte vor 1920 noch zu Deutschland (Preußen bzw. dem Deutschen Kaiserreich), war aber historisch gesehen Teil des Herzogtums Schleswig, das lange Zeit unter dänischer Krone stand. Als Ergebnis der Volksabstimmung im Landesteil Schleswig im Jahr 1920 kam das mehrheitlich deutsch stimmende Hoyer zu Dänemark.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
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Ein Grenzlandschicksal

„Mein Vater, der in Hoyer geboren war, wurde somit in 1920 nach erfolgter Volksabstimmung automatisch zum dänischen Staatsbürger. Meine Mutter hingegen war eine Deutsche: Sie stammte aus dem fernen Hirschberg im Riesengebirge, einst Schlesien – heute heißt diese Stadt Jelenia Góra und gehört längst zu Polen“, schildert mein Gesprächspartner die Wurzeln seiner Eltern.

„Als junge Erwachsene war meine Mutter Angehörige der deutschen Marine, kam dadurch auch nach Flensburg. Sie diente in der Truppe als „Marineoberhelferin“.“ Das war ein offizieller militärischer Dienstgrad der weiblichen Hilfskräfte (Marinehelferinnen) in der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs. Dieser Rang entsprach hierarchisch etwa dem eines Unteroffiziers ohne Portepee. „Meine Eltern lernten sich in den Jahren des Zweiten Weltkriegs kennen, verliebten sich ineinander, und alsbald beschlossen sie zu heiraten.“

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Konfirmation mit Eltern

Da Liebe bekanntlich meistens stärker ist als patriotische Gefühle, verzichtete Hans-Ludwigs Mutter vor der Hochzeit auf ihre deutsche Staatsangehörigkeit. Die Marine jedoch hätte eine Ehe mit einem dänischen Staatsbürger nicht akzeptiert. Der Verzicht hatte für sie allerdings weitere Konsequenzen: Sie wurde umgehend aus der deutschen Marine entlassen, Kraft eines Dekrets, das der damalige Marinechef Admiral Dönitz höchstpersönlich unterzeichnet hatte. „Nach Erledigung dieses Verwaltungsvorgangs erhielt meine Mutter umgehend die dänische Staatsangehörigkeit“, erzählt mein Gesprächspartner, und der Hochzeit der Eltern von Hans-Ludwig stand nun nichts mehr im Wege.

Als Däne geboren

„Meine Eltern blieben auch nach dem Kriegsende 1945 dänische Staatsbürger, so kam ich also als „kleiner Däne“ auf die Welt“, schmunzelt Hans-Ludwig Lorenzen. „Das war mir viele Jahre lang überhaupt nicht bewusst, es hatte für mich persönlich ja auch vorerst keinerlei Konsequenzen. Kurz nach meiner Geburt zogen wir aus der Schlossstraße weg, meine Eltern fanden eine größere Wohnung im nahe gelegenen Marienhölzungsweg, wir blieben also meinem geliebten Stadtteil Westliche Höhe treu. Dennoch hat die deutsch-dänische Verbindung meine persönliche Familiengeschichte durchaus geprägt.“ Im Umfeld der neuen Wohnung sollte der Heranwachsende seine gesamte weitere Kindheit und Jugend verbringen.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Referendargruppe beim Landgericht Flensburg

Die Schulzeit

„Meine schulische Laufbahn begann Ostern 1963 mit der Einschulung in die damalige Volksschule „Waldschule 2“ in Flensburg, in der Waldstraße nahe der Eckenerstraße gelegen. Unser damaliger Rektor war Hans Deutsch – ein Lehrer der „alten Schule“. Überhaupt ging es seinerzeit im Unterricht und durchgängig während der gesamten Schulzeit wesentlich strenger zu als heutzutage. Im vierten Schuljahr – wie damals üblich – wurde die Entscheidung über den künftigen Schulzweig getroffen. Nach Absolvierung des Eignungstests wurde ich für die Mittelschule eingestuft – heute Realschule. Ich wechselte folgerichtig zum Beginn der fünften Klasse an die Hebbelschule, eine Realschule für Knaben am Kanonenberg 5 in Flensburg, vom Südergraben aus gesehen direkt hinter der Auguste-Viktoria-Schule gelegen. Seinerzeit wurden Mädchen und Jungen im Schulwesen oft noch getrennt unterrichtet. Dort wirkte als Realschuldirektor damals Adolf Knottnerus-Meyer, der ein sehr verständnisvoller und den Schülern zugewandter Pädagoge war – in jenen Jahren durchaus ungewöhnlich. Er wurde nach und nach gewissermaßen zu meinem Mentor und war mir eine echte Stütze in jener Zeit und vermittelte mir Spaß und Freude am Lernen. Nach meinen ersten drei Schuljahren am Kanonenberg zog die Schule um: Wir bezogen das Gebäude in der Bauer Landstraße, in dem heute die Comenius-Schule zu Hause ist. Dort legte ich dann mit Erfolg meine Mittlere Reife ab“, so Hans-Ludwig zu seinen ersten beiden Schuletappen.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Dozent bei der WAK

Er setzte seine schulische Ausbildung im Anschluss fort an der Flensburger Wirtschaftsschule „Handelslehranstalt“, kurz HLA, im sogenannten „Wirtschaftlichen Zweig“. „Dort erwarb ich nach drei erfolgreichen Schuljahren meine „Allgemeine Hochschulreife“ – baute also dort mein Abitur“, erzählt Hans-Ludwig.

Gewachsene Liebe zum Handball

Im Quartier „Westliche Höhe“ verbrachte Hans-Ludwig seine gesamte Kindheit und Jugendzeit, und er begeisterte sich schon in jungen Jahren für das Handballspielen. „Anfangs spielte ich noch für den Flensburger Turnerbund, der ja 1973 in den TSB Flensburg überging nach der Fusion mit dem ATSV Vorwärts. Einer meiner damaligen Trainer war übrigens Lewe Volquardsen, in der Flensburger Handballszene durchaus kein Unbekannter. Ich war schon immer ein begeisterter Handball-Fan, insbesondere seit Anfang der 1990er Jahre der frisch gegründeten SG Flensburg-Handewitt, die anfangs noch ihre Heimspiele in der hiesigen Fördehalle austrug.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Als Handballtrainer der Damenmannschaft SG Flensburg Handewitt II, 1997/98

Seit jener Zeit habe ich permanent eine Dauerkarte für die Heimspiele der SG“, outet sich mein Gesprächspartner als großer Handballanhänger. „Ich war zuvor sogar einige Jahre lang in meinem eigenen Team als Spielertrainer aktiv, habe später noch – Ende der 90er Jahre – als Erwachsener für einige Spielzeiten die damalige Frauenmannschaft der SG gecoacht“, verrät mir der passionierte Handballfreund. 

Zum Studium nach Kiel

Hans-Ludwigs eigentlicher Berufswunsch stand schon recht früh fest: „Ich wollte unbedingt Lehrer werden, interessierte mich dabei besonders für die Fächer Englisch, Geschichte und Sport.“ Doch in den 1970er Jahren gab es in Deutschland – heute kaum vorstellbar – eine regelrechte Lehrerschwemme, die neuen Lehrkräfte wurden damals überwiegend nicht ins Beamtenverhältnis übernommen. Auf eine solche unsichere Zukunft wollte er sich nicht gern einlassen. „Mein damaliger Rechtskunde-Lehrer nahm mich kurz vorm Abi beiseite und gab mir den Tipp, mich doch für ein Jurastudium einzuschreiben. „Das müsste Dir doch liegen, mein Jung“, gab er mir mit auf den künftigen Berufsweg.“

Vor dem Antritt des Studiums musste aber noch eine spezielle Verwaltungsangelegenheit geregelt werden: „Meine dänische Staatsbürgerschaft musste ich in einem Verwaltungsakt in Kiel offiziell ablegen, und so war ich nach erfolgtem Vorgang dann ein sogenannter Staatenloser“, verrät mir der heutige Jurist von den bürokratischen Hürden vor seinem eigentlichen Studienbeginn.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Wiedereröffnung Eckener-Haus

Hans-Ludwig folgte also tatsächlich dem Ratschlag des Lehrers. „Ich schrieb mich für das Wintersemester 1976/1977 an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel für das Studium der Rechtswissenschaften ein. Nun verließ ich meine Heimat Flensburg und wechselte in die Landeshauptstadt nach Kiel, wurde dort zum Jura-Studenten.“

Hans-Ludwigs Bleibe in Kiel war eine seinerzeit typische Studentenbude. „Ich lebte damals in der Olshausenstraße im Kieler Stadtteil Ravensberg – praktisch direkt gegenüber dem Unicampus der CAU – in einer Zweier-WG mit einem anderen Kommilitonen zusammen. Es war eine Altbauwohnung mit Toilette auf halber Treppe. Später durften wir sogar, mit Einverständnis des Vermieters, in Eigenleistung eine Dusche in der Wohnung einbauen. Komfortabel war die Unterkunft zwar nicht besonders – das störte uns jedoch nicht. In den ersten Semestern genoss ich anfangs noch vermehrt die Freuden und Annehmlichkeiten des Studentenlebens, insbesondere auch die zahlreichen Partys und das Nachtleben im Dunstkreis der Universität.“ Doch mit zunehmender Fortdauer des Studiums besann sich unser Protagonist auf die ernstere Seite des Studiums und stürzte sich mit Erfolg in die anstehenden Seminare und Klausuren, bog also schließlich doch noch gut gerüstet auf die Zielgerade seines Studiums der Rechtswissenschaften ein.

Der Berufseinstieg

Nach erfolgtem Jurastudium legte Hans-Ludwig im Jahre 1982 das Erste Juristische Staatsexamen ab. „Unmittelbar im Anschluss an das erfolgreiche Examen begann ich meinen juristischen Vorbereitungsdienst, das sogenannte Referendariat, im Bezirk des Landgerichts Flensburg.“ Nun war er wieder zurück in seiner Heimatstadt Flensburg. „Mit dem Bestehen des zweiten Juristischen Staatsexamens in den Jahren 1985 und 1986 war meine juristische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen“, erläutert mir mein Gegenüber.  

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Mit Sven Olsen im Grand Canyon

Der Schritt in die Selbständigkeit

„Schon im Laufe meines Studiums verdichtete sich immer mehr der Wunsch in mir, später einmal als selbständiger Rechtanwalt arbeiten zu wollen.“ Diesen Wunsch setzte Hans-Ludwig Lorenzen ziemlich zeitnah nach dem abgeschlossenen Studium in Flensburg um. „Gemeinsam mit meiner damaligen Studienkollegin Silke Hinrichsen, auch in Flensburg geboren, gründete ich im Jahr 1985 eine eigene Rechtanwaltskanzlei in Flensburg. Für unsere gemeinsame Kanzlei fanden wir ein passendes Ambiente in Flensburgs Altstadt – Büro- und Praxisräume – in der Norderstraße 34, damals mittig zwischen Möbel Carstens und dem Gesundheitsamt gelegen.“

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Dieser durchaus mutige Schritt in die Selbständigkeit war eine echte Existenzgründung. „Wir übernahmen weder eine bereits bestehende Kanzlei noch konnten wir auf einen schon vorhandenen Kundenstamm zurückgreifen. Wir fingen tatsächlich und buchstäblich bei null an und bauten die Kanzlei mit viel persönlichem Einsatz, Engagement, Ausdauer und Hartnäckigkeit auf“, denkt er noch gerne an seine beruflichen Anfänge zurück.

Mit Silke Hinrichsen als Partnerin

Beide gebürtigen Flensburger Rechtsanwälte Silke Hinrichsen und Hans-Ludwig Lorenzen kannten sich in ihrer Heimatstadt gut aus. Die zwei Jahre jüngere Silke verbrachte ihre Kindheit und Jugend im nordfriesischen Leck. Sie engagierte sich bereits als junge Frau politisch, war seit 1975 Mitglied im SSW. Bis 2009 war sie sogar Mitglied im Landesvorstand der Partei. Ab 1988 wurde sie aktiv in der Kommunalpolitik. Von 1990 bis 2000 war sie Ratsmitglied in Flensburg und hatte von 1996 bis 1998 den Fraktionsvorsitz inne. Von 2000 bis 2005 hatte sie sogar als Abgeordnete einen Sitz im SH-Landtag, und von 2009 an bis zu ihrem plötzlichen Tod war sie dann erneut in verschiedenen Funktionen im Schleswig-Holsteinischen Landtag aktiv.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Segeltour mit Anwaltskollegen Advocat Preben Elmsted

Ein erfüllender Beruf, nicht nur als Rechtsanwalt

Nun waren also Hans-Ludwig Lorenzen und Silke Hinrichsen als Rechtsanwälte mit eigener Kanzlei tätig. Die beiden Neulinge fassten trotz anfänglicher Bedenken ihrer Eltern recht schnell Fuß in ihrem Metier, waren mit dem dafür nötigen Einsatz und Beharrlichkeit aktiv und investierten viel Zeit in die Kanzlei. Bereits im Jahr 1987 trat die Rechtsanwältin Irene Zeppenfeld, die zuvor als Einzelanwältin tätig war, zusätzlich in die Kanzlei ein.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Mit dem Stammtisch „Solitüde“ in Dublin

Im Jahr 1991 wurde Rechtsanwalt Hans-Ludwig Lorenzen zum Notar ernannt. Um Notar zu werden, muss man in Deutschland ein abgeschlossenes Jurastudium, das Referendariat sowie das Zweite Staatsexamen mit überdurchschnittlichen Noten vorweisen sowie mindestens als zugelassener Rechtsanwalt über fünf Jahre Berufserfahrung verfügen. Das war bei Hans-Ludwig punktgenau der Fall. Auch die zweite Partnerin, Rechtsanwältin Irene Zeppenfeld, wurde später zur Notarin ernannt, im Jahr 2004.

Eine Erfolgsgeschichte geht weiter

Die mittlerweile längst in Flensburg etablierte Kanzlei Lorenzen, Zeppenfeld, Hinrichsen wollte nach der Jahrtausendwende aufgrund des stetigen Wachstums ihre Kanzleiräume erweitern. So bezog man im Jahre 2006 die jetzigen Kanzleiräume im Bürohaus Rote Straße 1, direkt an der Ecke Rote Straße/Friesische Straße. Nachdem bereits viele Jahre eine enge Zusammenarbeit mit der dänischen Rechtsanwaltskanzlei „Elmsted Advokater“ in Kolding bestanden hatte, wurde Advokat Preben Elmsted im Jahre 2007 als freier Mitarbeiter in die Kanzlei mit aufgenommen und bildet seitdem den Grundstein der deutsch-dänischen Rechtsbeziehungen. Im Jahre 2012 verstarb leider völlig überraschend die Mitbegründerin der Kanzlei, Frau Silke Hinrichsen.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Tirana

Ein juristischer „Tausendsassa“

Hans-Ludwig Lorenzen benennt als seine juristischen Schwerpunkte das Arbeitsrecht, Allgemeines Zivilrecht sowie Handels- und Gesellschaftsrecht. Neben seinen Anwalts- und Notartätigkeiten hat Hans-Ludwig bereits in jungen Jahren diverse zusätzliche Tätigkeiten übernommen. Als weitere berufliche Qualifikationen seien insbesondere seine Tätigkeiten als Lehrbeauftragter der Hochschule Flensburg sowie als Dozent bei der Wirtschaftsakademie WAK erwähnt. Zudem sitzt er im Prüfungsausschuss der IHK Flensburg, ist Mitglied im Deutschen Anwaltsverein, Mitglied der Arbeitsgemeinschaften Anwaltsnotariat und Strafrecht, und ist außerdem gelegentlich auch noch als Mediator gefragt.

Im Zuge dieser vielfältigen Berufspalette ist er naturgemäß in Flensburg und im Umland viel herumgekommen. Zahlreiche berufliche Kontakte, Freundschaften und Bekanntschaften haben sich im Laufe der Jahre entwickelt, so auch die zu seinem langjährigen Mitstreiter als Dozent an der Uni und der WAK: Rüdiger Meyer.

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Mit Rüdiger Meyer

Die Dozenten als „Dream-Team“ im Einsatz

Hans-Ludwig Lorenzen war längst nicht der einzige Gast-Dozent an den oben genannten Institutionen, er war allerdings dort hauptsächlich auf seinem Fachgebiet des Rechtswesens als „der“ Fachmann gefragt. Dieser oftmals als „dröge und langweilig“ empfundenen Materie verlieh unser Protagonist im Unterricht bald immer häufiger zahlreiche Farbtupfer und aufhellende Momente – insbesondere im Zusammenspiel mit dem genannten Kollegen Rüdiger Meyer.

Nach einem anfangs eher zufällig stattgefundenen Kursus mit den beiden Dozenten kam dieses Zusammenwirken bei den Schülern und Studenten dermaßen gut an, dass sie es schließlich zu einem wahren Erfolgsmodell ausbauen durften. Hans-Ludwig erinnert sich gern an jene Unterrichtsstunden und Seminare. „Anfangs war es ungewohnt mit gleich zwei Dozenten, doch als wir uns dann gegenseitig Stichworte gaben und wir – um als Handballer zu sprechen – uns die Bälle gegenseitig zugespielt haben, wurde es ein sehr lockerer Unterricht, teils mit Frotzeleien und gespielten Anmachen garniert, bei denen die Teilnehmer nicht nur gelacht und geschmunzelt haben, sondern auch viel von der behandelten Materie aufsogen und so das Unterrichtsziel erreicht haben. Zum Schluss lauerten die Hörer schon förmlich darauf, dass wir beide uns kabbelten – so wie einst zwischen 1996 und 2010 die legendären „Netzer und Delling“ bei Fußball-Übertragungen in der ARD.“

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Albanien

Auch zu weiteren Dozenten hatte er stets ein gutes Verhältnis, das über die berufliche Zusammenarbeit hinausging. Hier seien insbesondere die Kollegen Frank Steinau und Hans-Walter Lorenzen erwähnt. „Letztgenannter hatte mit mir den gleichen Nachnamen gemeinsam – was oft zu Verwechslungen führte, wobei jener Lorenzen sich gerne einen Spaß daraus machte und den Zuhörern vorflunkerte, dass wir beiden Lorenzens ja Brüder seien! Dabei waren wir weder verwandt noch verschwägert, wie es allgemein so heißt. Auch rein optisch konnte das gar nicht sein, weil wir völlig unterschiedlich aussahen“, denkt Hans-Ludwig Lorenzen gern an jene Zeiten zurück, die neben viel Arbeit auch viel Spaß und Freude boten.  

Der Privatmann

Mittlerweile könnte Hans-Ludwig Lorenzen rein vom Lebensalter her gesehen ohne schlechtes Gewissen in den Ruhestand wechseln. Doch will er das überhaupt? „Ich bin in den letzten gut 40 Jahren mit Freude und großem Interesse Anwalt gewesen, habe die Berufswahl und die gewählte Selbständigkeit nie bereut. Den Beruf und die damit verbundene Arbeit habe ich nie als Belastung oder gar als „Qual“ empfunden, eher war das Gegenteil der Fall. So blieb für ein intensives Privatleben rückblickend manchmal zu wenig Zeit“, bilanziert der Jurist. „Doch habe ich im Laufe der vielen Jahre zahlreiche gute und andauernde Freundschaften aufbauen können, die großenteils bis heute Bestand haben.“ Die Lebensfreude kommt somit nicht zu kurz, zwei langjährigen Stammtischen hält er bis heute die Treue.

Erfüllendes Stammtischleben

„Zu einem meiner Hobbys gehören meine beiden langjährigen „Stammtische“, verrät mir der Privatmann Lorenzen. „Sie heißen – etwas ungewöhnlich „Bad Lieutenant“ und (schon leichter nachvollziehbar) „Stammtisch Solitüde“. Erstgenannter Stammtisch ist nach einem düsteren Kriminalfilm mit Harvey Keitel benannt, der andere einfach nach der Gegend, wo die Zusammenkunft regelmäßig stattfindet, nämlich dem Restaurant „Acquarello“ in Solitüde. Der zweite Stammtisch besteht schon seit fast 30 Jahren, seit 1987. Besonderes Kennzeichen dieses Stammtischs ist, dass dieser sich alle zwei Wochen am Montagabend trifft. Hinzukommt, dass dieser Stammtisch stets jährlich eine mehrtägige Stammtisch-Reise unternimmt, dabei immer mit einem anderen Reiseziel. So haben wir es in den langen Jahren des Bestehens fast geschafft, sämtliche europäische Hauptstädte zu bereisen. Sogar Tirana, der Hauptstadt Albaniens, haben wir einmal einen Besuch abgestattet.“

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Rom

Auch der erstgenannte Stammtisch ist entstanden aus dem allgemeinen Interesse der Teilnehmer heraus, gemeinsam Konzerte zu besuchen. „So sind wir mit diesem Stammtisch auch schon viel herumgekommen in zahlreichen Ländern Europas“, erläutert er die vielfältigen Interessen der Stammtischbrüder. „Insofern gibt es viele Anekdoten von den zahlreichen Reisen und den vielen, vielen Zusammenkünften zu berichten“, schmunzelt mein Gegenüber. „Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal entwickelte sich nach der Idee eines Stammtischbruders, der seinen in den Sommer fallenden Geburtstag unbedingt mit einem besonderen Event zelebrieren wollte: einem „Sommer-Grünkohlessen“! Dieses spezielle Geburtstagsessen steigt seitdem regelmäßig in einer Flensburger Traditions-Gaststätte in den Monaten August oder September – also im Hochsommer! Unsere ganz spezielle Erkenntnis: Ein Grünkohlessen bei Außentemperaturen von bis zu 30° ist immer ein ganz besonderes Erlebnis“, lacht der eingefleischte Stammtischbruder über dieses antizyklische Traditionsessen.

Sein großes Hobby: Reisen mit Freunden

Natürlich hat er im Laufe seines Lebens auch die eine oder andere Auszeit genommen, im jährlichen Urlaub mit unterschiedlichen Freunden viele Regionen dieser Welt bereist. „In Europa waren wir schon immer viel unterwegs – siehe oben mit den Stammtischbrüdern. Doch einige Urlaubstrips führten uns auch in die USA, sogar nach Russland ging eine dieser Urlaubsreisen.“

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe
Sofia

Mit seinem langjährigen und engen Freund Sven Olsen begab er sich vor gut zwanzig Jahren auf eine ganz besondere Reise nach Russland: „Unvergesslich bleibt mir von diesem einmaligen Trip die Eisenbahnfahrt von Moskau nach St. Petersburg. Heutzutage kann man mit einem Hochgeschwindigkeitszug die dortige Schnellfahrstrecke (650 km) in gut dreieinhalb Stunden bewältigen, wir fuhren allerdings mit einem deutlich langsameren Zug mit Schlafwagen eine ganze Nacht lang durch unendliche Wälder und tolle Landschaften. Ab 4 Uhr morgens saß ich am Fenster und staunte nur noch ungläubig über die vielfältigen Eindrücke neben der Bahnstrecke. Auf so einer Tour merkt man erst so richtig, wie unermesslich groß und weitläufig dieses besondere Land Russland eigentlich ist“, erinnert er sich noch gut an die dort gesammelten Eindrücke.

Die nähere Zukunft

Was er noch vorhat in den kommenden Jahren? „Ich hatte vor vielen Jahren schon das große Glück, mein Privathaus direkt gegenüber meiner einstigen Wirkungsstätte am Schützenhof erwerben zu können, in dem ich seitdem zuhause bin – immer noch glücklich und zufrieden, inmitten meines geliebten und geschätzten Quartiers „Westliche Höhe“, umgeben von hilfsbereiten, lieben Nachbarn – insbesondere der Familie Massow.“

Hans-Ludwig Lorenzen – Kind der Westlichen Höhe

Von der „Juristerei“ wird er wohl auf absehbare Zeit noch nicht lassen können. „Und sobald ich meine mir erst kürzlich zugezogene Verletzung überwunden habe und mich nahezu uneingeschränkt wieder bewegen kann, werde ich sicherlich noch die eine oder andere Reise antreten, sowohl mit den Stammtischbrüdern als auch ohne“, hat er klare Vorstellungen von den nächsten Jahren. „Ich habe mich im letzten Jahr mit dem noch jungen, von der Insel Sylt stammenden Notarkollegen Dr. Ole Cords zur Berufsausübung zusammengetan“, ergänzt der noch immer beruflich aktive Gesprächspartner.

Das Flensburg Journal bedankt sich bei Hans-Ludwig Lorenzen für ein erhellendes und sehr interessantes Gespräch, und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute – mögen seine Pläne allesamt in Erfüllung gehen!

Mit Hans-Ludwig Lorenzen sprach Peter Feuerschütz
Fotos: privat, Thomas Becker   
 

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