Im sich jetzt dem Ende zuneigenden Monat Januar 2026 ist es genau 20 Jahre her, dass der seinerzeit frisch promovierte und studierte Pharmazeut/Apotheker Dr. Sebastian Thude den Schritt in die Selbstständigkeit wagte: Er erwarb die in Flensburg zum Verkauf angebotene Rats-Apotheke. „20 Jahre Apotheker-Dasein – das ist eine lange Zeitspanne, die jedoch rückblickend gesehen nie langweilig wurde, sondern von vielen unterschiedlichen Ereignissen geprägt war“, erzählt Dr. Thude im Gespräch mit dem Flensburg Journal.

In der Rats-Apotheke Flensburg – der ältesten Apotheke Flensburgs – treffen sich heute wie selbstverständlich Tradition und Moderne. Das war nicht immer so. Ein großer Umbau vor fast genau 20 Jahren im März 2006 – und eine nicht ganz so umfangreiche Renovierung 2018 – haben dafür gesorgt, dass die Rats-Apotheke sich heute zurecht als ein modernes Gesundheitszentrum verstehen darf!
Die Gründungsgeschichte der ältesten Apotheke Flensburgs
Die Rats-Apotheke ist tatsächlich die älteste Apotheke und auch älteste Firma in unserer Stadt! Wie sie gegründet wurde? Nun, bereits im 15. Jahrhundert gab es in Flensburg erste Versuche, Apotheken zu etablieren, diese konnten sich aber nicht über einen längeren Zeitraum halten. Im gerade angefangenen 17. Jahrhundert war die Ausgangslage jedoch eine andere: Flensburg war seinerzeit Teil des dänischen Königsreiches, und der zu jener Zeit regierende, sehr beliebte und langjährige König Christian IV. war häufig zu Besuch in Flensburg. Im Jahre 1602 erkrankte er hier, und stellte mit Entsetzen fest, dass eine medizinische Versorgung in Flensburg nicht existierte. So basierte die Gründung der Rats-Apotheke im Jahr 1604 auf dem königlichen Privileg von König Christian IV., der eine entsprechende Anordnung aussprach. Diese Urkunde befindet sich heute im Flensburger Stadtarchiv.

Als Standort wurde ein Haus am Holm – Hausnummer 13 – auserkoren, das in unmittelbarer Nähe des damaligen Rathauses am einstigen Thingplatz lag (der Platz soll sich seinerzeit im heutigen Bereich der Großen Straße (Höhe Mc Donald’s) befunden haben). Aus dieser zentralen Lage ergab sich auch der Name der Apotheke: Hof-, Stadt- und Rats-Apotheke. In Flensburg lebten um das Jahr 1600 rund 6.000 Menschen, die nun endlich in den Genuss verbesserter medizinischer Versorgung kamen.

Das Haus Holm 13 wandelt sich im Lauf der Jahrhunderte
Das aktuell äußere Erscheinungsbild des Hauses Holm 13 mit der Rats-Apotheke spiegelt die barocke Umgestaltung von 1750 wider. Die am Gebäude befindliche Einhorn-Skulptur stammt aus dem 18. Jahrhundert, wohl aus der Zeit zwischen 1745 und 1766. Trotz ihrer markanten Einhorn-Figur hieß das Geschäft auch weiterhin Rats-Apotheke. Um das Jahr 1750 herum wurde das Gebäude um drei Stockwerke erhöht. In dieser Zeit entstand vermutlich auch die neue Fassade mit dem abgewalmten Dach des Gebäudes. Der Kern des Gebäudes aus dem 15. Jahrhundert blieb aber offenbar erhalten. Im Jahr 1966 wurde schließlich der Eingang auf die rechte Seite des Gebäudes verlegt, somit das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nochmals erheblich verändert. Erhalten blieben der Keller aus dem 16. Jahrhundert sowie Reste eines Saales mit Stuckarbeiten, die wohl aus dem 18. Jahrhundert stammen. Das Haus ist längst denkmalgeschützt und heute eines der Kulturdenkmale unserer sehenswerten und geschichtsträchtigen Heimatstadt Flensburg.

Die Rats-Apotheke heute
Vor genau 20 Jahren übernahm Dr. Sebastian Thude die Leitung der Rats-Apotheke. Ihm ist es zu verdanken, dass sich so gut wie alles in und um die Rats-Apotheke herum stark gewandelt hat, die Neuzeit längst hier am Holm 13 Einzug gehalten hat.
Längst hat im gesamten Geschäftsbereich – sowohl im nicht sichtbaren Hintergrund als auch im für die Kunden zugänglichen Ladenlokal – die IT Einzug gehalten. „Wir haben umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt, um letztlich auf dem heutigen und aktuellen Stand der Technik für unsere Kundschaft da sein zu können“, erläutert Dr. Thude. Und er ergänzt: „Nicht zuletzt deshalb waren die vergangenen 20 Jahre eigentlich durchgängig eine aufregende Zeit für unsere Mitarbeiter und auch für mich.“
Die Vita des Sebastian Thude
Von seiner Herkunft her ist Sebastian Thude ein waschechter Niedersachse. Geboren 1975 in Hannover, verbrachte er auch seine Kindheit und Jugend in der niedersächsischen Metropole, schloss dort seine Schulzeit erfolgreich mit dem Abitur ab. Statt Wehrdienst leistete er Zivildienst in einer sozialen Einrichtung für blinde Menschen, ebenfalls im heimischen Umfeld. Anschließend war der Weg frei für eine umfassende Berufsausbildung. Er entschied sich für ein Pharmaziestudium, studierte in den Jahren von 1995 bis 2000 an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

Die Berufswahl
„Im Laufe meines Praktikums stellte ich für mich fest, dass mir ein künftiger Job in der Industrie nicht zusagen würde, dagegen sehr wohl die Tätigkeit eines hauptverantwortlichen Apothekers. Mein bisheriges Leben spielte sich hauptsächlich in Norddeutschland ab, in Hannover, Kiel und Hamburg. Hier oben wollte ich auch künftig meinen Lebensmittelpunkt haben. So kam das Angebot aus Flensburg für mich zur rechten Zeit“, beschreibt Dr. Thude den Hintergrund seiner Entscheidung für die Übernahme der Rats-Apotheke in Flensburg.

20 abwechslungsreiche Jahre Rats-Apotheke
„Wie schon erwähnt, waren diese zwei Jahrzehnte in Flensburg nie langweilig – im Gegenteil: Eigentlich war immer etwas los, das mich und meine Mitarbeiter umtrieb“, blickt der Apotheker auf eine dennoch schöne Zeitspanne zurück. „Kurz nach meinem Einstand in der Rats-Apotheke erhielten alle hiesigen Apotheken unverhoffte Konkurrenz: Die überhaupt erst zweite Online-Apotheke eröffnete in Flensburg, begleitet damals von einem riesigen medialen Hype“, denkt er mit leichtem Schrecken an die Anfangszeit zurück. „Doc Morris eröffnete am Südermarkt seine Pforten, expandierte in ganz Europa und belieferte im ersten Halbjahr 2006 bereits mehrere 100.000 deutsche Kunden. Doch trotz mancher nun wechselnden Kunden konnten wir unseren Marktanteil behaupten.

Heute ist Doc Morris längst Geschichte – uns gibt es immer noch“, schmunzelt Dr. Thude. Im letzten Jahrzehnt – den 2010er Jahren – hat sich gerade in der Flensburger Innenstadt viel getan, der Straßenbelag wurde runderneuert, große Kaufhäuser wie Karstadt und Hertie zogen sich aus der City zurück, die Rathausstraße wurde für den öffentlichen Verkehr gesperrt, Flensburgs Geschäfte mussten wie die in anderen größeren Städten alsbald mit konkurrierenden Einkaufszentren außerhalb der Innenstädte zurechtkommen. In manchen Städten ist es sogar zu einem gewissen Niedergang der Fußgängerzonen gekommen. „Das kann ich in unserer Innenstadt nur bedingt erkennen“, sagt Dr. Thude zu diesem Phänomen. „Natürlich könnte die Stadt noch attraktiver aussehen, ihr äußeres Erscheinungsbild optimieren, doch hier in Flensburg wird einiges dafür getan, dass unser Stadtbild erhalten bleibt. Unsere Innenstadt ist immer noch beliebt nicht nur bei den zahlreichen Touristen oder Tagesgästen aus dem benachbarten Dänemark, sondern durchaus auch bei vielen Flensburgern“, weiß er aus vielen Gesprächen mit Kunden in der Apotheke.

Neben diesen Problemen war auch die Corona-Pandemie eine große Herausforderung für die Rats-Apotheke – wie auch die sich regelmäßig wiederholenden Gesundheitsreformen, die nicht alle zur erhofften Verbesserung des Gesundheitswesens geführt haben. Manche waren sogar unsinnig, kontraproduktiv, und haben eher zur Bürokratieschwemme geführt.
Dennoch war und ist es dem „Jubilar“ wichtig zu betonen, dass er stets darauf Wert gelegt hat und es immer noch so hält, dass das technische Equipment in seiner Apotheke regelmäßig kontrolliert, auf seine Nützlichkeit getestet und stets weiter auf dem allerneuesten Stand ist. „Das ist absolut wichtig für unser erfolgreiches Geschäftsmodell“, weiß Dr. Thude.

Ein gutes Umfeld ist unerlässlich für eine erfolgreiche Apotheke
Neben der gerade erwähnten optimalen Ausstattung der Apotheke und ihres gesamten Umfeldes ist aber noch ein weiterer Faktor eminent wichtig: der Mensch. „Wir legen sehr großen Wert darauf, dass in unserem Betrieb jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin wertgeschätzt wird: Der Umgang untereinander und miteinander ist unerlässlich für den Erfolg unserer Arbeit – daneben ist es längst anerkannt, dass eine gute Arbeitsatmosphäre alle Beschäftigten entsprechend motiviert, ihrer Arbeit mit Freude und Engagement nachzukommen“, bestätigt Dr. Thude genau den Eindruck, den man als Besucher und Gesprächspartner in den Räumlichkeiten dieser Apotheke wahrnimmt. Und er ergänzt: „Das nehmen natürlich auch unsere Kunden wahr, die sich gut bei uns aufgehoben und bedient fühlen. Das persönliche Gespräch mit den Kunden macht einen großen Teil unseres Erfolgs aus, es geht eben nicht nur darum, Medikamente gegen Rezepte auszutauschen. Vielmehr ist die Beratung ein wichtiger Teil unserer Tätigkeit, wer es möchte, darf gern in unserer Beratungskabine mit einem der kompetenten Mitarbeiterinnen seine Sorgen und Nöte teilen und besprechen. In unserem Wohlfühlambiente beraten wir kompetent in allen Gesundheitsfragen, ganz nach dem bekannten Satz in beinahe jeder Werbung: Fragen Sie Ihren Arzt, Ihre Ärztin oder in Ihrer Apotheke!“
Mit Dr. Thude sprach Peter Feuerschütz
Fotos: Benjamin Nolte, Rats-Apotheke















