Ruhe finden über die letzte Ruhe

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Mühlenfriedhof Flensburg

„Liebst du das Leben?
Dann vergeude keine Zeit,
denn daraus besteht das Leben.“
Benjamin Franklin, 1706-1790

Für Benjamin Franklin wäre es wahrscheinlich eine große Zeitverschwendung gewesen, sich über die letzte Ruhe Sorgen zu machen, und damit wäre er ein Trendsetter gewesen, dem heute zunehmend Menschen folgen. Ab Mitte 50, aber auch schon in jüngeren Jahren, wollen viele Menschen klären, was mit ihnen passiert, wenn sie mal nicht mehr da sind. „Häufig hören wir, dass Kinder aus dem Haus und fern der Heimat sind und sie schon deshalb nicht mit der Auswahl einer passenden Grabstelle, dem Organisieren der Bestattung und der Grabpflege belastet werden sollen. Stirbt ein Angehöriger, ist man sowieso in einer emotionalen Krise, da ist es nur hilfreich, wenn alle notwendigen Schritte bereits zu Lebzeiten, ganz im Sinne der Verstorbenen geregelt wurden“, erzählt Jürgen Hansen, Abteilungsleiter des Kunden- und Beratungszentrums der Flensburger Friedhöfe.
Bei Herrn Hansen und seinen Kolleginnen kann sich jeder beraten lassen, eine Grabstelle auswählen und bezahlen. „Kauf zu Lebzeiten“ nennt sich dieses Geschäftsmodell. Auch die Grabpflege kann schon im Voraus mitgebucht werden, sodass die 20 bzw. 25 Jahre Ruhefrist abgedeckt sind, die auf einem Urnen- bzw. Sarggrab liegen. So ist garantiert, dass den Hinterbliebenen keine weiteren Kosten für das Grab „hinterlassen“ werden.

Reserviert

Zwischen Rosensträuchern steht Jürgen Hansen vor einer Grabreihe und zeigt auf einen Granitstein. Ein Name mit Lebensdaten ist bereits eingraviert, auf dem Stein ist Platz für fünf weitere. Sie sind reserviert und werden freigehalten, bis sie gebraucht werden. „Die Leute finden es gut, wenn sie wissen, wo sie bestattet werden. Das nehmen viele in Anspruch. Es tut unseren Kunden gut, dass das schon zu Lebzeiten geklärt ist“, beobachtet Herr Hansen regelmäßig bei den Beratungsgesprächen.
Wer vorsorglich eine Grabstelle kaufen möchte, muss zunächst entscheiden, ob er eine Einäscherung oder ein Erdbegräbnis bevorzugt. „Der Trend geht dabei eindeutig zur Einäscherung“, weiß Simon Albertsen, Betriebsleiter der Flensburger Friedhöfe, zu berichten. Zunächst wuchsen die Zahlen in den Städten, inzwischen auch auf dem Land. Die Prozentanteile nehmen in Deutschland Richtung Norden zu, in Flensburg verzeichnen sie 80 bis 85 Prozent.

Asche zu Asche

Simon Albertsen kann sich vorstellen, dass diese geografische Einteilung mit der Religionszugehörigkeit zusammenhängt. Gläubige hofften darauf, dass sie nach dem Tod wiederauferstehen, und wollten darum ihren Körper nicht verbrennen lassen. Da es in Norddeutschland weit weniger Katholiken als im Süden des Landes gibt, könnte dies ausschlaggebend für die unterschiedliche Wahl der Bestattungsart sein. Bevor das Christentum aufkam, übergaben Römer und Wikinger ihre Toten durch das Feuer. Es gilt bis heute als reinigendes Element. Im 18. Jahrhundert erinnerten sich die Menschen an diese historische Vorgehensweise und etablierten sie erneut. Heutzutage verselbständigt sich der Trend zur Einäscherung. Wenn mehr Freunde und Bekannte erzählen, dass sie sich einäschern lassen möchten, folgen inzwischen viele deren Beispiel. Für alle, die ein Urnenbegräbnis wünschen, bieten die Flensburger Friedhöfe besondere, individuellere Möglichkeiten: In einer bepflanzten Spirale, unter wehenden Gräsern oder Bäumen, ähnlich einem Ruheforst.

Kostenfrage und grüner Daumen

Vor der Jahrtausendwende zahlten Krankenkassen Sterbegelder für Bestattung und Beerdigung, nun muss jeder selbst dafür aufkommen.
Bei Kosten um die 8.000 € für den gesamten Vorgang mit Abholung, Zurechtmachung und Trauerfeier, suchen viele eine bescheidene Lösung für ihren Abgang.
Die Kosten für eine Urnenbestattung fallen leicht günstiger aus als für ein Sargbegräbnis. Die Preise für ein Urnengrab inklusive dessen Pflege starten bei rund 1.800 €. Dabei überwiegen inzwischen die Kosten der Grabpflege die der Grabstelle. Daher haben es die Kunden in der Hand, ob die Angehörigen, ein angestellter Friedhofsgärtner oder ein Gärtner aus den umliegenden Friedhofsgärtnereien den Platz bestellen sollen.
Somit ist die Entscheidung für Urne oder Sarg auch „eine Frage des Arbeitsaufwandes für die Angehörigen“, sagt Albertsen. Schließlich sind Urnenbegräbnisse deutlich kleiner und weniger pflegeintensiv als traditionelle Sarggräber.
Etwa ein Drittel der Hinterbliebenen kümmerte sich noch selbst um deren Zustand. Nicht unbedingt wegen Geldknappheit, sondern um die Verbindung zum Verstorbenen zu wahren. Manche versprächen das Wässern und Gärtnern aus Pflichtgefühl heraus, andere motivierten sich damit, regelmäßig den Friedhof zu besuchen. Dennoch seien es weniger Menschen geworden, die sich selbst darum kümmern wollen. „Der Trend zur Isolation nimmt deutlich zu“, beobachtet Albertsen die allgemeine Auflösung des Familienzusammenhaltes.

Familie informieren

Nachdem Bestattungsart und Grabstelle ausgewählt sind, kann man mit einem Bestatter alle weiteren Bausteine besprechen. Wenn dann der Ernstfall eintritt, ist bereits alles abgesprochen und wird nach den eigenen Wünschen durchgeführt. Im Beratungszentrum
auf dem Friedenshügel empfehlen sie den Kunden, dass sie zu Hause vermerken und ihre Angehörigen darüber informieren sollten, wo die Grabstelle liegt. Der Bestatter weiß dann Bescheid, was zu tun ist.
Jeder hat das Recht, über seine Bestattung zu entscheiden. Daran können die Hinterbliebenen nichts ändern, müssen allerdings alles entscheiden, wenn es vorab nicht getan wurde. Wer sein Recht in Anspruch nehmen will, sollte seine Gedanken darüber frühzeitig schriftlich festhalten.
Jürgen Hansen vom Kunden- und Beratungszentrum weiß zu berichten, dass es für viele Kunden anfangs schwierig ist, über den eigenen Tod mit einem Unbekannten zu sprechen, aber „wenn man sich damit beschäftigt, ist man schnell drin und es wird selbstverständlich.
Dann redet man darüber wie über alles andere auch.“ Hansen wünscht sich, dass der Tod kein Tabuthema bleibt und die Menschen auf einem Friedhof wie in einem Park spazieren gehen. „Ich glaube, es wird leichter, wenn man den Tod akzeptiert.“

Das Beratungszentrum finden Sie auf dem Friedhof Friedenshügel, Am Friedenshügel 45, Flensburg.
Tel: 0 461 – 85 1910
Öffnungszeiten:
Mo-Do: 08:00 – 16:00 Uhr;
Fr: 08:00-12:30 Uhr
Bitte Termin vereinbaren.
albertsen.simon@stadt.flensburg.de

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