Am 3. Oktober 2026 feierte das Museum mit der Eröffnung der Ausstellung „WINTERWERFT“ seinen zehnten Geburtstag. Das Kuratorenteam um Esther Berking und Shpresa Binakai blickt mit dieser Ausstellung auf ein Jahrzehnt zurück, in dem aus einer ungewöhnlichen Idee ein kultureller Treffpunkt mit weit über Flensburg hinausreichender Strahlkraft geworden ist.
Am 1. Oktober 2016 hatte Werftgründer Oliver Berking die erste Ausstellung seines Werftmuseums eröffnet und damit den Grundstein für einen neuen kulturellen Anziehungspunkt in seiner Heimatstadt gelegt. Am Ostufer des Stadthafens, dessen empathielose und stiefmütterliche Beachtung bei den Führungsgremien der Stadt er schon so oft bedauert und die schließlich zur Gründung seiner Werft geführt hatte.
Was zunächst als Museum rund um klassische Yachten, maritime Geschichte und die besondere Welt des Yachtbaus begann, entwickelte sich schnell zu einem Haus mit einem weit darüber hinausgehenden kulturellen Anspruch. Ein paar 100.000 Besucherinnen und Besucher haben in diesen ersten 10 Jahren das Haus besucht. Schon mit der ersten Ausstellung „Royal Yachting“ brachte Berking Leihgaben europäischer Königshäuser, königlicher Yachtclubs, Museen und privater Sammler und unzählige Besucher nach Flensburg. Viele der Stücke waren zuvor noch nie öffentlich gezeigt worden. Das wohl außergewöhnlichste Exponat kam aus Großbritannien: ein silbernes Modell der königlichen Yacht BRITANNIA. Es ist das einzige Exemplar seiner Art außerhalb des Buckingham Palace und konnte für die Ausstellung erstmals überhaupt außerhalb Englands gezeigt werden.
Damit war ein Anspruch gesetzt, der das Museum in den folgenden Jahren prägen sollte: außergewöhnliche Exponate und Geschichten nach Flensburg zu holen, die anderswo kaum oder gar nicht zu sehen waren.
Ein Jahr später folgte zum 100. Geburtstag John F. Kennedys die Ausstellung „Kennedy – The Sailing President“. Sie entstand in Zusammenarbeit mit des „John F. Kennedy Presidential Library and Museum“ in Boston und zeigte Kennedy als Präsidenten, für den das Segeln von seiner Jugend bis in seine Zeit im Weißen Haus eine besondere Bedeutung hatte. Zu den eindringlichsten Dokumenten gehörten kleine Zeichnungen von Segelbooten, die Kennedy am Morgen seines Todes auf den Rand einer Tageszeitung gezeichnet hatte.
Immer wieder widmete sich das Museum auch legendären Werften und ihren Schöpfern, darunter Abeking & Rasmussen und Carlo Riva. Besonders spektakulär war die Riva-Ausstellung, für die es gelang, von jedem Bootsmodell aus der Ära Carlo Rivas ein Exemplar nach Flensburg zu holen. Die berühmten Mahagoniboote machten das Museum für einige Monate zu einer Hommage an eine Epoche, in der Bootsbau, italienisches Design und die Welt des internationalen Jetsets eine einzigartige Verbindung eingingen.
Zweifellos einen Höhepunkt der ersten zehn Jahre bildete 2019 die große Ausstellung über die Geschichte des America’s Cup, die nach den olympischen Spielen älteste internationale Sporttrophäe der Welt. Zu sehen waren außergewöhnliche Zeugnisse aus mehr als anderthalb Jahrhunderten Segel- und Technikgeschichte. Von historischen Modellen und Dokumenten bis zu einer der weltweit nur wenigen Repliken des berühmten Pokals selber, den Neuseeland zur Verfügung stellte.
Während dieser Ausstellung wurde Flensburg für einen Abend selbst zu einem Zentrum der America’s-Cup-Welt: Im Robbe & Berking Museum fand am 16. November 2019 die America’s Cup Hall of Fame Induction Ceremony statt, seit 1851 erst zum zweiten Mal überhaupt in Europa.
Zahlreiche Segler, Konstrukteure und Weggefährten des berühmtesten Segelwettbewerbs der Welt kamen dafür nach Flensburg. Noch nie zuvor waren in Deutschland so viele Persönlichkeiten aus der Geschichte des America’s Cup an einem Ort zusammengekommen.
Die folgenden Jahre zeigten, dass der Horizont des Museums längst über Yachten und Segelsport hinausreichte. Mit Ausstellungen und Projekten zu Kunst, Fotografie, Design, Stadtentwicklung, Industriegeschichte und zeitgenössischem Kunsthandwerk wurde das Haus zunehmend zu einem offenen Kulturort. Die Geschichte der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft fand hier ebenso ihren Platz wie die Norddeutschen Realisten und die internationale Silberschmiedekunst.
Doch vielleicht zeigte keine Ausstellung deutlicher als ein großes Projekt zur urbanen Mobilität der Zukunft, dass der Horizont des Museums längst weit über den Yachtsport hinausreichte. Anhand konkreter Beispiele aus verschiedenen Städten der Welt ging es um eine Frage, die fast jede Stadt beschäftigt: Wie lässt sich der begrenzte öffentliche Raum so zwischen Autofahrern, Fußgängern, Radfahrern und öffentlichem Nahverkehr aufteilen, dass eine Stadt lebenswerter und attraktiver wird, ohne einen Verkehrsteilnehmer gegen den anderen auszuspielen?
Dass diese Frage keine parteipolitische sein sollte, unterstrich Oliver Berking mit einer ungewöhnlichen Konstellation der Schirmherren: Robert Habeck, Daniel Günther und Simone Lange übernahmen gemeinsam die Schirmherrschaft. Damit stand die Ausstellung zugleich für etwas, das dem Museum bis heute wichtig ist: gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Räume für einen offenen Austausch zu schaffen. Berkings Team und etliche geladene Experten aus aller Welt wollten dem Flensburger Rathaus Anregungen für Stadtentwicklung und Verkehrsplanung liefern. Einer dieser Experten war der weltberühmte dänische Architekt und Stadtplaner Jan Gehl. Kaum jemand hat die internationale Diskussion über menschengerechte Städte so geprägt wie er. Seine Arbeit hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung Kopenhagens zu einer Stadt, in der Fahrradverkehr und öffentlicher Raum heute international als Vorbilder gelten.
Mit der World Press Photo Exhibition kam schließlich 2020 die Welt im ganz wörtlichen Sinne nach Flensburg und wird seitdem Jahr für Jahr in Schleswig Holstein ausschließlich im Berking Museum gezeigt. Die international ausgezeichneten Arbeiten des renommierten Wettbewerbs für Fotojournalismus zeigen alljährlich Bilder von den gesellschaftlichen Umbrüchen und den großen Fragen unserer Zeit.
Und mit KUNST SCHAFFEN schließlich entstand ebenfalls 2020 unter der Schirmherrschaft der damaligen Schleswig Holsteinischen Kultusministerin Karin Prien ein eigenes Format für zeitgenössische Kunst, das Künstlerinnen und Künstler nach der Corona Zeit unmittelbar mit Kunstinteressierten zusammenbringen sollte und sich in der Zeit seither zu einer der größten Ausstellungen ihrer Art in ganz Deutschland entwickelt hat .
Aktuell laufend bis 01.11.2026, Di – So von 11.00 – 17.00 Uhr
Robbe & Berking Museum, Harniskai 13, Flensburg















