Visionen und Utopien: Auf Zeitreise mit der Jubiläumsausstellung

Mit einer der umfangreichsten Möbelsammlungen des Landes, aber zunächst ohne Gebäude beginnt 1876 die Geschichte des heutigen Museumsbergs. Rund 900 historische Möbelstücke des Flensburger Möbelfabrikanten und Museumsdirektoren Heinrich Sauermann (1842-1904) gingen seinerzeit in den Besitz der Stadt über und bildeten die Keimzelle der – zunächst – als Kunstgewerbemuseum gegründeten Einrichtung. Nach London, Wien, Paris, Berlin und Leipzig gehörte das Flensburger Kunstgewerbemuseum sogar mit zu den ersten in Europa.

150 Jahre Museumsberg Visionen und Utopien: Auf Zeitreise mit der Jubiläumsausstellung
OB Dr. Fabian Geyer bei seinem Grußwort zur Eröffnung

Sauermann verfolgte zugleich ein pä­dagogisches Ziel, nämlich buchstäblich Vorbilder für seine Lehrlinge zu zeigen. Auch diese Verknüpfung zu den heutigen Holzbildhauern in Flensburg, unter anderem in Gestalt des Sauermann-Wettbewerbs, lebt bis heute. Die wechselhafte 150-jährige Geschichte eines offenkundig krisenfesten Flensburger Museums ist Anlass für die aktuelle Jubiläumsausstellung „Visionen und Utopien“ und für einen Festakt Mitte März. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln haben Kuratorin Madeleine Städtler, Museumsdirektor Dr. Michael Fuhr und Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer bei der Ausstellungseröffnung am 15. Februar in der Aula die Vergangenheit und Gegenwart des Hauses betrachtet.

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Dr. Michael Fuhr leitet den Museumsberg seit 2009.

Die stellvertretende Museumsdirektorin Städtler etwa wies auf das in einer Studie belegte hohe Vertrauen hin, das Museen bei der Bevölkerung genießen und auch als Auftrag und Motivation zu verstehen ist. Und sie beschrieb anschaulich, wie Museumsgäste als Multiplikatoren fungieren können. Der aktuelle Museumsdirektor Dr. Michael Fuhr begann seine Amtszeit 2009 in Flensburg gewissermaßen auf einer Baustelle. Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen waren bitter nötig. Heute leitet er das größte kommunale Museum des Landes, das die Kulturgeschichte einer gesamten Region, eines gemeinsamen Kulturraums erzählt und damit ein zentraler Anlaufpunkt für die Kultur in der Grenzregion ist. Fuhr ist mit einem bemerkenswerten Kunstwerk natürlich ebenfalls in der ungewöhnlichen Ahnengalerie gleich im Flur der Jubiläumsausstellung vertreten. Sieben Direktoren und eine Direktorin gab es in den letzten 150 Jahren.

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Zukunftslabor: In einem Zukunftslabor als Teil der Ausstellung können die Gäste selbst ihr Museum der nächsten 150 Jahre entwerfen.

OB Dr. Fabian Geyer erinnerte in seinem Grußwort an Zeiten, die bis in die 1950er Jahre reichten, als Museumsdirektoren nicht frei waren darin, was für die Sammlung gekauft werden durfte. Die Lokalpolitik und die Verwaltungsspitze redeten ein Wörtchen mit und entschieden nicht fachlich, sondern nach ihrem persönlichen Geschmack. Kein Wunder, dass sich eher konservative Objekte häuften und Gelegenheiten versäumt wurden. So hat man, als die modernen Werke Noldes noch günstig waren, keine erworben.

Glücklicherweise schufen wertvolle Schenkungen wie die von Else und Dr. Thomas Fries Abhilfe, denn sie vermachten dem Museum unter anderem ihre Nolde-Sammlung.

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Rechts hinter der Bronze der Schwerttänzerin des Künstlers Adolf Brütt hängt das Werk „Nordisches Volk“ von 1935 der nicht unumstrittenen Käte Lassen.

Die aktuelle Jubiläumsausstellung zeigt natürlich unter anderem die Kunst des Expressionismus mit Werken von Emil Nolde, dessen Weg in Flensburg seinen Anfang nahm. Ebenso ist Käte Lassen vertreten, die wie Nolde nicht unumstritten war, sowie unter anderem Bildteppiche des Jugendstil-Vorreiters Hans Christiansen (1866-1945). Der Museumsberg besitzt den Nachlass des Flensburger Malers, Grafikers, Kunstgewerblers und Schriftstellers.

Gemälde der Region und regionaler Künstler sind genauso zu bestaunen wie kunstvolle Armbänder aus Menschenhaar der Biedermeier-Zeit. Mit einer simplen Suppenschüssel und einem Teller aus Ton sind auch die teuersten Objekte des Hauses zu sehen – ihr „Wert“ von 300 Millionen Mark beziehungsweise 1,5 Billionen Mark, die sie 1923 und 1925 kosteten, ist der Hyperinflation der 1920er Jahre geschuldet.

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Hyperinflation: Mit einer simplen Suppenschüssel und einem Teller aus Ton sind auch die „teuersten“ Objekte des Hauses zu sehen – die Preise waren der Hyperinflation der 1920er Jahre geschuldet.

Schließlich haben es sogar der zeitgenössische Karikaturist Kim Schmidt und das Grönland-Thema in die Ausstellung geschafft. Ihre Gäste können die 150-jährige Entwicklung vom Kunstgewerbe- über das Grenzland- und das Städtische Museum bis hin zum heutigen Museumsberg bestehend aus dem Heinrich-Sauermann-Haus und dem Hans-Christiansen-Haus wunderbar nachvollziehen. Und in einem Zukunftslabor kann das Publikum selbst sein Museum der nächsten 150 Jahre entwerfen.

Von Anfang an fußt es auf bürgerschaftlichem Engagement, das damit identitätsstiftend für eine gesamte Region sei, sagte auch der OB Fabian Geyer bei der Eröffnung. Und: „Das Museum wird von der Stadt und ihren Menschen getragen – das war so, das ist so, und das bleibt auch so.“

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