Friedrich Nielsen
Friedrich Nielsen

Unser Chronist Friedrich Nielsen konnte über einen dänischen Ahnenforscher herausfinden, dass sich unter seinen Vorfahren ein gewisser Soldat Nielsky von Wittekind im Jahre 1716 in der Fischersiedlung Holm in Schleswig niedergelassen und dort eine Familie gegründet hat. Ob dieser Vorfahre tatsächlich adeligen Geblüts war oder einfach nur von der kleinen Ortschaft Wittekind bei Hannover stammte, wird wohl für immer ein ungelöstes Rätsel bleiben. Schließlich wurde aus Nielsky der norddeutsche Name Nielsen, deren Nachkommen sich im 19. Jahrhundert als wirtschaftlich erfolgreiche Fischer in Apenrade niedergelassen haben. Einer der Nachkommen, Lude Nielsen, ist der Urgroßvater unseres Chronisten. Als Apenrade nach der Abstimmung im Jahre 1920 dänisch wurde,  verkauften die Großeltern ihr Haus und siedelten nach Flensburg über. Sie wollten Deutsche bleiben! Mit Unterstützung des deutschen Staates konnten  sie das über 200 Jahre alte Haus Pilkentafel 3 kaufen.

In Apenrade hatte der Großvater noch unter Segeln gefischt. In Flensburg bekamen die Boote bereits Glühkopfmotoren, die noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg in der Fischerei  unterwegs waren. Friedrich Nielsen kann sich heute noch an die Probleme erinnern, die es damit gab. Die Glühkopfmotoren mussten erst mit einem Benzinbrenner vorgeheizt und dann von Hand angeworfen werden. Gleich nach Kriegsende konnte der Großvater ein größeres Boot von der Kriegsmarine übernehmen. Er hat es so umgebaut, dass er mit einem seiner Söhne, der gemeinsam das Fischereigeschäft mit ihm betrieb, auch im Kattegat und rund um Bornholm fischen konnte. Während allgemein die Bevölkerung in der Nachkriegszeit hungerte, ging es den Fischern wirtschaftlich gut. Bei den Großeltern war der Tisch immer reichlich gedeckt. Der damals siebenjährige Enkelsohn Friedrich und dessen Mutter, die in der oberen Etage des Hauses lebten, haben gehungert. Wohl deshalb, weil Friedrichs Vater nach Kriegsende wegen einer anderen Frau seine Familie verlassen hatte!







Luftschutzbunker unter Jürgensby

Gleich nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde eine Luftschutzbunkeranlage unter Jürgensby gebaut. Einer der Eingänge befand sich neben dem Haus Pilkentafel 8. Diese unterirdische Anlage zog sich in einem großen Bogen unter der St.-Jürgen-Kirche zur Jürgenstraße. Dort befindet sich noch heute der zweite Eingang. Friedrich lief an der Hand seiner Mutter zum Bunker. Er riecht und fühlt noch heute das heftige Rascheln in den Bäumen, das von den Granatsplittern aus den Flakgeschossen kam.

Ohne Ausbildung an der Schiffsschraube ‚Maschine Bohrwerk‘ ging nichts
Ohne Ausbildung an der Schiffsschraube ‚Maschine Bohrwerk‘ ging nichts

Wo der Schulunterricht zur Zitterpartie wurde

Friedrich Nielsen wurde Ostern 1943 eingeschult. Der damals Sechsjährige erinnert sich mit Schrecken an Klassenlehrer M., der in brauner Uniform seine Macht an den Schülern demonstrierte. Er schlug bei jedem Fehler gnadenlos mit dem Reetstock zu. Die Jungs konnten vor lauter Angst gar nicht richtig lernen! Bei Kriegsende war dieser Lehrer plötzlich verschwunden. Er wurde im Schuldienst nie wieder gesehen! Nach dem Zusammenbruch 1945 herrschte überall großes Chaos. Die Schulen blieben geschlossen. Unterricht fand offiziell nicht statt. Aber eine vorausschauende, sehr freundliche Lehrerin, Fräulein Thomsen vom Marienhölzungsweg, bot den Schülern kostenlosen Privatunterricht in ihrem Haus an. Friedrich und zehn seiner Klassenkameraden nahmen freiwillig oder auch auf Druck ihrer Mütter teil. Fräulein Thomsen unterrichtete den ausgefallenen Stoff nach Lehrplan. Wer die Möglichkeit hatte, ihr ein Stück Holz oder Brikett zum Heizen des provisorischen Unterrichtsraums mitzubringen trug dazu bei, die klirrende Kälte etwas abzuwehren.

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