In den Nachkriegsjahren 1945-1950 spielten wir Kinder Spiele, die heutzutage oft schon vergessen oder unbekannt sind, so auch „Trullerbandlaufen“. Man benötigte dafür eine Fahrradfelge und einen Stock. Ein Stock war kein Problem, eine Fahrradfelge schon. In der Zeit gab es kaum Fahrräder, geschweige denn Fahrradfelgen. Diese waren heiß begehrt, um Fahrräder wieder fahrbar zu machen. Ich hatte eine, doch unsere Felgen hatten damals keine Speichen.

Für das Spiel war ein fester Untergrund erforderlich. Den gab es in der Apenrader Straße Ecke Alsenstraße. Dort befanden sich damals ein Jugendheim der Stadt Flensburg und Baracken des Flüchtlingslagers Schützenheim, in dem ich wohnte. Heute befindet sich dort ein Aldi-Markt. Die Fläche zwischen den Gebäuden hatte eine Teerdecke und war zum Trullerbandlaufen bestens geeignet.  Das Spiel lief folgendermaßen ab: Mit einer Hand hielt man die Felge, mit der anderen Hand wurde der Stock in der Felgenrille (dort, wo sonst der Fahrradschlauch sitzt) angesetzt (siehe Foto). Wir hatten allerdings Radfelgen ohne Speichen. Dann wurde die Felge mit dem Stock geschoben. Wir Kinder hatten schnell den Bogen raus und konnten mit ziemlichem Tempo laufen und trullern. Die Laufstrecken waren 25 bis 40 Meter lang. Für das Spiel gab es keine festen Regeln, die gaben wir Kinder uns selbst.











Eine Regel lautete: Zwei Kinder liefen von einer Startlinie zu einer Wendemarke und zurück, waren beide gleich schnell, wurde der Lauf wiederholt.

Oder: Es gab zwei Mannschaften, die zur Wendemarke und zurück liefen.

Oder: Eine Hälfte der Mannschaft stand an der Startlinie, die andere Hälfte stand an der Wendemarke und übernahm vom Ankommenden das Trullerband. Das war immer mit großem Hallo verbunden. Oder: Auf der Strecke wurden Hindernisse aus Steinen oder Steinhaufen aufgestellt, zwischen denen man durchkurven musste (siehe Zeichnung).

Oder: Es gab eine Laufstrecke aus einer Kombination der vorgenannten Möglichkeiten. Wir waren nach Spielende oft ganz schön geschafft, aber wir hatten immer einen Mordsspaß und viel Bewegung!

Ich habe lange nach genaueren Informationen zum Trullerbandlaufen gesucht, aber keine gefunden. Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder auf das Lied „An de Eck steit’n Jung mit’n Tüdelband“,  gestoßen. Dieses Lied ist auch bekannt unter dem Titel „An de Eck steit’n Jung mit’n Trudelband“. Das Trudelband bezeichnete hierbei einen als Spielzeug genutzten Reifen. Das Lied soll um 1911 entstanden sein. Es ist also gut möglich, dass der Begriff Trullerbandlaufen in diesem Lied seinen Ursprung hat – wer weiß?

Kurt Tomaschewski   

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