Helga Schenke
Helga Schenke

Eine kleine Musikkapelle spielte zum Tanz auf, zu deren Klängen sich die Mitglieder der Flensburger Harmonie-Gesellschaft (1804–1954) auf ihren Schlittschuhen über den Glücksburger Schlossteich bewegten. Die meisten von ihnen waren paarweise gekommen, viele unter ihnen pelzverbrämt und sehr hübsch anzusehen. Ein alljährliches gesellschaftliches Ereignis, das seinen Auftakt bereits während der gemeinsamen Anreise mit der Straßenbahn oder mit dem Dampfer nahm! Beim Tanz auf dem Schloss­teich beginnt für unsere Chronistin Helga Schenke, 96, die Geschichte der Familien Schenke und Flebbe sowie später auch ihre eigene.

Die Romanze ihrer Schwiegereltern Heinrich und Helene Schenke, die sich dahinter verbirgt, jährt sich in diesem Winter zum 114. Mal! Der junge HNO-Arzt Dr. Heinrich Schenke hatte sich 1901 mit seiner Praxis im Marienhölzungsweg 3 in Flensburg niedergelassen. Als Junggeselle war er natürlich gern der Einladung der Flensburger Harmonie-Gesellschaft zum Tanz auf dem Eis gefolgt. Ein Bild zeigt ihn im Paletot mit Pelzkragen. Seine Schlittschuhe hält er am Lederriemen. Ein am Schloss­teich arbeitender Fotograf hatte ihn in dieser schmucken Aufmachung abgelichtet. Nach diesem Ritual muss Heinrich Fahrt auf dem Eis aufgenommen haben. Denn bald darauf hatte er die damals 17jährige Helene Flebbe, die er sich insgeheim schon ausgeguckt hatte, entdeckt. Helene war die Tochter von Dr. Carl Flebbe, der seit 1874 als Oberlehrer für neue Sprachen am „königlichen Gymnasium mit Realschule erster Ordnung“ in Flensburg unterrichtete. (Die Leistung, die dieser Wissenschaftler für Flensburg erbracht hat, bringt uns unsere Chronistin im Laufe dieses Berichtes noch einmal in Erinnerung.) Schließlich war es Schenke gelungen, Helene immer enger einzukreisen, bis er sie schließlich von der Mitte des Schlossteiches in die kleine Bucht an der Königseiche gedrängt hatte. Dann zögerte er nicht lange: Er gab ihr einen Kuss und bat sie, ihn zu heiraten!











Es war schon dunkel geworden, als Helene wegen dieser Begegnung etwas verspätet zum Abendessen nach Hause kam. Als sie berichtete was ihr gerade passiert war, meinte ihre Mutter, sie solle nicht so einen Quatsch reden und erst einmal ihre Bratkartoffeln essen! Aber tatsächlich stand Heinrich Schenke am nächsten Tag mit einem großen Blumenstrauß vor Helenes Eltern, um offiziell um die Hand ihrer Tochter anzuhalten. Damit diese anrührende Geschichte in der Familie nicht in Vergessenheit gerät, versammelt Schwieger-Großtochter Helga Schenke alljährlich ihre Kinder, Enkel und Urenkel zu einem fröhlichen Treffen unter der Königseiche am Glücksburger Schlosssee!

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