Der Weg zu dem verabredeten Pressegespräch mit Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein, 63, führt mich nach Thumby, einem Flecken im  nordöstlichen Schleswig-Holstein. Hier lebt der Prinz mit seiner Ehefrau Prinzessin Elisabeth aus dem Hause Lippe-Wei­senfeld, 55, in seinem barocken  Herrenhaus auf dem Adligen Gut Grünholz.

Roter Saal: Heiligabend auf Schloss Glücksburg
Roter Saal: Heiligabend auf Schloss Glücksburg

Hier sind auch ihre vier Kinder Prinzessin Sophie, 29, die Prinzen Friedrich Ferdinand, 27, Constantin, 26 und Leopold, 22, aufgewachsen. Prinz Christophs Elternhaus, Gut Bienebek an der Schlei, ist nicht weit von Grünholz entfernt.
In einer von Hightech getriebenen Welt frage ich den Gutsherrn  von Grünholz und Chef der Stiftung Schloss Glücksburg, womit sich heutzutage ein Prinz beschäftigt. Die Antwort kommt klar rüber. Sein Arbeitstag als Unternehmer mit dem Schwerpunkt Land- und Forstwirtschaft sowie Immobilien- und Vermögensverwaltung ist straff durchstru­kturiert.
Prinz Christoph gehört auch zu den Gründern der GLC Glücksburg Consulting AG, deren Hauptsitz heute in Hamburg ist, in den Gründungsjahren aber von Schloss Glücksburg aus geführt wurde. Prinz Christoph ist Aufsichtsratsvorsitzender der GLC, die bis heute auch kulturelle Aktivitäten im Schloss unterstützt. Sie beschäftigt 120 Leute und unterhält heute noch ein Büro im Kavalierhaus des Schlosses.
Als Vorstand der Stiftung Schloss Glücksburg trägt Prinz Christoph seit 1980 gegenüber seiner  Familie die Verantwortung für die Stiftung und damit für das Schloss Glücksburg.  Damit bekleidet er ein Ehrenamt, das  große Herausforderungen an ihn stellt!
Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein bittet zum Gespräch in sein Herrenhaus Gut Grünholz. Das Anwesen mit dem  barocken Gebäude (1749/1752 von Familie Brockdorff erbaut), blieb bis heute nahezu unverändert. Es ging 1855 in den Besitz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg über. Die weitgehend im Ursprungszustand erhaltenen wandfesten Dekorationen der Innenräume  sind dem Rokoko zuzurechnen.







Schloss Orangerie
Schloss Orangerie

Das knisternde Feuer aus dem Kamin hellt diesen trüben Novembernachmittag auf. Charly, der dreijährige Rüde des Hausherrn hat sich nach dem Begrüßungsstress dekorativ vor der Feuerstelle lang ausgestreckt. Auf meine Frage womit sich Prinz Christoph hauptberuflich und ehrenamtlich beschäftigt, lenkt er das Gespräch nur kurz auf Gut Grünholz – dann ausführlich auf Schloss Glücksburg.
Gutsbesitzer und Schlossherr. Beides klingt bodenständig und geschichts­trächtig. Wenn es sich um  Kulturdenkmäler in der Größenordnung von Schloss Glücksburg, einem Wasserschloss  handelt, wie ist das wirtschaftlich zu stemmen? Den Beruf für Land- und Forstwirtschaft kann man erlernen oder studieren. Den Beruf eines Schlossherrn wohl kaum.
Prinz Christoph hat an der TU in München sein betriebswirtschaftlich ausgerichtetes Land- und Forstwirtschaftsstudium als Dipl.-Ing. agr. abgeschlossen. Er hat  mehrere Praktika absolviert  und über zwei Jahre für Mannesmann (heute Vodafone) in Düsseldorf und Solingen im Bereich Planung/Organisation gearbeitet. Diese Tätigkeiten habe er mit großem Interesse und mit viel Freude durchgeführt.
Mit gutem Rüstzeug für die unternehmerische Seite als späterer Gutsherr und Nachfolger seines Vaters Herzog Peter ausgestattet, waren Prinz Christophs Lebensplanungen auf mindestens 10 Jahre in der freien Wirtschaft ausgerichtet. Er wollte lernen und kennenlernen.
Ob er zu der Zeit auch mal Heimweh verspürt habe – nein, das nicht, so weit sei Düsseldorf ja auch nicht gewesen, eher später etwas Fernweh, als er nach dem viel zu frühen Tod seines Vaters (Peter Herzog zu Schleswig-Holstein, 1922-1980)  seine Aufgaben auf Gut Grünholz und als Vorstand der Gemeinnützigen Stiftung Schloss Glücksburg übernehmen musste.
Und welche Ausbildung braucht Ihrer Erfahrung nach ein Schlosserbe? Fühlten Sie sich damals gut vorbereitet?
Dafür gäbe es kein Schema, sagt Prinz Christoph. Grundlage für eine solche Herausforderung sei wirtschaftliches Wissen, ein gutes Auge für Ästhetik, his­torische Bildung, Teamfähigkeit, Disziplin – vor allem Kostendisziplin – und ein Gespür dafür, Netzwerke zu knüpfen.

Schloss Kapelle
Schloss Kapelle

„Traditionsgemäß übernimmt mein ältester Sohn Friedrich Ferdinand meine Nachfolge. Er hat mit BWL und MBA zwei Studienabschlüsse gemacht, wobei er bei letzterem den Schwerpunkt auf Landwirtschaft gelegt hat!“
Als Vater von drei erwachsenen Söhnen und einer Tochter ist er zufrieden und glücklich, dass jedes seiner Kinder seinen Weg gefunden hat. Prinzessin Sophie, die älteste der vier Geschwister, lebt als Malerin in Berlin.  Eine sehr schöne Arbeit von Sophie ist im Herrenhaus zu sehen! Auch er habe als Schüler gern gemalt, aber bald wieder damit aufgehört, sagt Prinz Christoph. Das musische Element war immer in der Familie vertreten (beide Großmütter und eine Schwester des Großvaters malten) und zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch die Generationen.
Ich stelle Prinz Christoph die Frage wie viel Energie man aufbringen muss, um eines der ältesten Wasserschlösser Deutschland zu erhalten.
Prinz Christoph betont nochmals, dass man zur Lösung dieser Probleme ein gutes Netzwerk brauche und treue Freunde und die nötigen Unterstützer. Im Grunde sei es kaum möglich ein Museum zu unterhalten, das sich selbst ohne Zuschüsse trägt. Kein Museum könne allein mit Eintrittsgeldern überleben. Wobei staatliche Museen aus Steuermitteln gefördert werden.
Es gäbe sicher nur wenige vergleichbare Museen in Deut­schland, die sich mit Erfolg so schlank organisieren wie Schloss Glücksburg.
Seit zwei Jahren bekommt Glücksburg wieder einen vergleichsweise bescheidenen institutionellen Zuschuss vom Land. Prinz Christoph strebt eine „Public Private Partnership“ (PPP) entsprechender Satzung an. Das Land Schleswig-Holstein ist im Stiftungsrat vertreten. Insofern ist die Satzung  auf eine PPP vorbereitet worden. „Natürlich erwirtschaften wir auch Mittel für die Unterhaltung des Ensembles, die in die verschiedenen Projekte einfließen“, betont Prinz Christoph nicht ohne Stolz. Viel Energie gehe mit dieser Problematik einher.
In dieses Management fließen die privatwirtschaftlichen  Erfahrungen von Prinz Christoph ein. Er trägt als Vorstand der gemeinnützigen Stiftung  die Verantwortung für die Pflege und den Schutz des Schlosses. Sanierungen werden aus verschiedenen Quellen wirtschaftlich unterstützt z. B. von der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,  dem Land Schleswig-Holstein sowie von verschiedenen privaten Unterstützern. Nicht zu vergessen ist dabei der „Freundeskreis Schloss Glücksburg e. V.“, der in besonders enger Verbindung zum Schloss steht.
Wo die Stiftung mit ihrem gesamten Ensemble wie Museum, Kapelle, Standesamt und Orangerie mit Konzertabenden, Empfängen, Symposien und Tagungen im Weißen und im Roten Saal, im Schlosshof und im Schosspark mit seinem historischen Ambiente   Erträge erwirtschaften kann, geschieht dies auf hohem Niveau zu angemessenen Preisen.
Prinz Christoph sagt: „Jeder der Veranstaltungen auf Schloss Glücksburg durchführt liefert einen kulturellen und wirtschaftlichen Beitrag im Sinne der Gemeinnützigen Stiftung!“
Für die jungen Besucher des musealen Bereichs wurden spezielle Programme mit einem interaktiven Quiz entwickelt, um schon Kinder und Jugendliche an ihre Geschichte, die auch die Geschichte Europas ist, heranzuführen.
Die Stifterfamilie legt traditionell großen Wert darauf, dass der familiäre Charakter des Hauses erhalten bleibt und der Bezug zur Region freundschaftlich ist. Das Schloss soll für die Region Anziehungspunkt und  ein Zuhause ohne hohe Schwellen sein.

Esszimmer der Familie
Esszimmer der Familie

Dazu trägt die Historische Gesellschaft, die von Glücksburger Bürgern in Verbindung mit der Stifterfamilie gegründet worden ist, bei. Die Gesellschaft beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit historischen Themen und der Geschichte der Stifterfamilie. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch Friedrich Ferdinand Prinz zu Schleswig-Holstein. Fiete Hoheit, wie die Glücksburger Bevölkerung ihren Prinzen, der  auch über viele Jahre ihr Bürgervorsteher war, genannt haben, verstarb 1989 auf Schloss Glücksburg.
Auf die Frage welche Bedeutung und Verbundenheit das Schloss für Prinz Christoph  als Kind hatte – und welche heute, sagt er, dass das Schloss immer ein wesentlicher Teil seiner Familiengeschichte gewesen sei. Natürlich habe er sich als Kind  Lieblingsvorfahren unter den Gemälden ausgeguckt. Carl von Hessen-Kassel sei einer von denen gewesen. Der Landgraf soll sich als Alchemist hervorgetan und als solcher versucht  haben, Gold herzustellen. Außerdem sei Carl ein erfolgreicher Soldat gewesen und zeitweise auch Vizekönig von Norwegen.
Heute sieht Prinz Christoph das Schloss aus anderem Blickwinkel. Wenn z. B. Kinder und Jugendliche die Folterkammer besichtigen, sollte das Anstöße zu Diskussionen über Gewalt geben.
Worüber er sich immer wieder sehr freuen kann, sind die kostbaren Tapisserien im Weißen Saal.
Zum Schluss unseres Gesprächs wollte ich noch wissen, welche Vorstellungen und Wünsche Prinz Christoph bewegen, was die Zukunft von Schloss Glücksburg betrifft.
Ja, er hoffe, dass sich die Stiftung jederzeit der Herausforderung stellt, Schloss Glücksburg als Teil der Geschichte Schleswig-Holsteins interessant zu präsentieren. Er weiß um die Gratwanderung der es bedarf, Wirtschaftlichkeit und Tradition miteinander zu vereinbaren. „Für die Stadt Glücksburg und den Tourismus geht es um ein Geben und ein Nehmen“, sagt Prinz Christoph und zitiert den Begriff der  sogenannten „Umwegrentabilität“. Der Begriff bedeutet im Falle Glücksburg, dass das Umland von der Attraktivität des Ensembles wirtschaftlich profitiert, denn die Besucher, die das Schloss anzieht, bringen auch Geld in die Kassen der Touristikbetriebe.
Zuspruch aus der Bevölkerung, ja einen besonderen Liebesbeweis an das Schloss erklärt sich der Hausherr nicht allein aus den Besucherströmen anlässlich der kürzlich eingeweihten LED-Beleuchtungsanlage. Auch die rund 40.000 Euro, die Material und  Installation der LED-Technik gekostet haben, sind fast ausschließlich aus Spendengeldern finanziert.
Das Schloss kann jetzt in hellem Licht erstrahlen, zu besonderen Anlässen auch  in „blau-weiß-rot“  – den Schleswig-Holstein Farben. Und wenn es mal ganz bunt kommt, scheint es, als steige ein Märchenschloss aus dem Wasser empor, das uns spannende Geschichten zu erzählen hat.

Das Gespräch mit Prinz Holstein führte Renate Kleffel

Fotos: Renate Kleffel, Udo Fischer

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