Im Sommer 2005 gründete eine engagierte Elterngruppe einen eingetragenen Verein und übernahm die Trägerschaft des heutigen „Wald- und Naturkindergarten Hürup e.  V.“. Die Wald- und Naturpädagogik verbreitete sich in den letzten Jahren so enorm, dass heute mehr als 300 Institutionen dieser Art existieren. Die Besonderheit des Wald- und Naturkindergartens liegt im Eingebundensein in die Natur. Durch den täglichen Besuch „ihres“ Waldes entwickeln die Kinder ein sehr persönliches Verhältnis zu ihrem täglichen „Spielraum“, lernen mit allen Sinnen die vielen kleinen und großen Veränderungen im Wandel der Jahreszeiten kennen und begreifen viele Zusammenhänge in der Natur. Hautnah erleben die Kinder den Wechsel der Jahreszeiten – es gibt kein „schlechtes“ Wetter, nur unpassende Kleidung – der Körper stellt sich auf wechselnde Temperaturen ein. Dabei hilft der natürliche Bewegungsdrang, auch niedrige Temperaturen gut zu verkraften. Die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft ist geringer und stärkt auf längere Sicht gleichzeitig das Immunsystem. Mit offenen Sinnen gehen die Kinder ihrer Wege und entdecken Neues, untersuchen, forschen, stellen Fragen und erweitern ihr Wissen, nehmen manchmal auch Nachschlagewerke zur Hilfe – also auch ein Lernen von und mit Kindern.
Jedes Kind sucht und findet seinem Alter und Fähigkeiten entsprechende Anregungen in der Gruppe und in der Natur. Es kann seinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen entsprechend spielen, ausprobieren und lernen.
Die Weite und ein scheinbar unbegrenzter Raum ermöglicht es den Kindern, ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben und sich der wichtigsten Beschäftigung im Leben eines Kindes zu widmen: Dem Lernen durch das Spiel. Spielerisch erkundet es sich selbst und seine Umwelt, ohne vorgefertigtes Spielzeug, welches ein­engt oder mit Reizen überflutet. Die Kinder sind gefordert, die Schätze, die die Natur bietet, zu nutzen, der Phantasie freien Lauf zu lassen, eigene Ideen zu entwickeln und bei Problemen zu experimentieren und kreative Lösungen zu finden.
Ein sehr wichtiger Bestandteil ist das soziale Lernen in der Gruppe. Einerseits vermindert die Ruhe und Weite der Natur aggressives Verhalten und lässt Kindern die Wahl, sich zurückzuziehen und ungestört zu spielen. Andererseits können sie in der Gruppe aktiv werden, ausprobieren und häufig in Rollenspiele schlüpfen, um Erfahrungen und Erlebnisse nachzuspielen und zu verarbeiten. In der altersgemischten Gruppe lernen sie, auf einander Rücksicht zu nehmen, sich gegenseitig zu helfen, geduldig zu sein und entwickeln dabei ein starkes Gemeinschaftsgefühl.

Ein Tag im Wald- und
Naturkindergarten







Wir treffen uns jeden Morgen entweder ab 7.30 Uhr im Jugendraum. Dort spielen wir, malen, basteln, lesen und vieles mehr. Ab 8.30 Uhr ziehen wir uns an und fahren mit dem Bus zum Feldweg vom Hüruper Wald. Wer Spätaufsteher ist, kann auch gerne erst um 9 Uhr zum Feldweg gebracht werden und so starten wir gemeinsam um 9 Uhr mit einem Morgenkreis. Wir zählen, ob und welche Kinder fehlen, singen Lieder und besprechen wichtige Dinge für den bevorstehenden Tag. Jeder nimmt seinen Rucksack und dann geht die Entdeckertour los – jedes Kind auf seine eigene Weise.
Manche Kinder stürmen los – andere gehen ganz gemächlich, es wird erzählt, Steine, Stöcke, Pflanzen, Tiere gesammelt, betrachtet, gespielt und ausprobiert. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken … sei es Reifenspuren im Sand zu untersuchen, Pferdeäpfel betrachten, auf dem abgeernteten Stoppelfeld zu wandern, Kondensstreifen am Himmel zu zählen.

Es geht nur langsam voran, ganz nach dem Motto:
Der Weg ist das Ziel

Jeden Tag suchen wir uns einen (anderen) Platz, wo wir den Vormittag verbringen, gemeinsam im Kreis sitzend frühstücken und danach spielen.
Es gibt eine Reihe verschiedener „Lagerplätze“, von denen die meisten einen Namen haben. Dieser häufige Wechsel bietet den Kindern Abwechslung, ermöglicht sehr unterschiedliche Erfahrungen, berücksichtigt die Interessen der Kinder, Wetterverhältnisse (z. B. Windschutz) und schützt die Natur, indem eine starke Abnutzung einzelner Orte vermieden wird.
Nicht nur der Wald ist unser „Zuhause“, wir besuchen auch gerne ein nahe gelegenes Biotop, wo wir diverse Kräuter, Kartoffeln, Rote Beete, Bohnen, Karotten etc. pflanzen und später auch ernten. Der Pferdeberg wird bei Schnee zum Schlittenfahren genutzt und im Früh- und Spätsommer fahren wir je eine Woche an den Strand in Bockholmwik. Dort können die Kinder dann auch ausgiebig buddeln (was im Wald verboten ist), Burgen bauen, Kanäle und Staudämme bauen und was das Herz noch begehrt. Mit nackten Füßen z. B. das Wasser erleben, Muscheln und Steine aus dem Wasser sammeln und noch vieles mehr. AUFREGEND!!
Einmal im Jahr besuchen wir unseren Edeka Markt in Hürup, wo Gabi Zander den Kindern ganz viele Lebensmittelprodukte zeigt, wie sie gelagert werden etc. Die Kinder dürfen in einem Karton versteckte Lebensmittel erriechen oder ertasten. Frau Zander ist ausgebildete Ernährungsberaterin bei der Edeka Stiftung und erklärt den Kindern die unterschiedlichen Inhalte der Lebensmittelprodukte, und warum es wichtig für den Körper ist genügend und ausreichend zu trinken und warum Gemüse und Obst für den Körper so wichtig sind?!
Es ist faszinierend, wie die Kinder (vom ersten Tag) so ganz „ohne Spielzeug“ auskommen und alle im Wald vorhandenen Materialien auf ihre Weise nutzen:
Es wird geklettert, balanciert, gekrabbelt, gerutscht … Ein großer Reisighaufen wird zum Flugzeug, um auf Weltreise zu gehen, ein Baum wird zum Trecker umfunktioniert, dicke Äste werden zum Zug, Baumstämme zum Bus und Stöcke in allen Größen als Angel, Mähmaschine, Säge, als Malstift oder zum Höhlenbauen verwendet. Zum Ende des Vormittags treffen wir uns zum gemeinsamen Spiel, Singen oder Vorlesen und/oder es gibt eine andere Aktivität im Laufe des Vormittags. Hierzu gehören Geburtstag feiern und geplante oder spontane Angebote, die sich aus der Situation und/oder der Jahreszeit bzw. eines Projektes ergeben, in welchem wir uns länger dem Thema vertiefen. Ehe wir uns versehen, ist es – ruckzuck – schon wieder Zeit für den Rückweg, der auch eine Weile dauert. Bei (plötzlich einsetzender) extremer Witterung suchen wir Schutz in unserer Holzhütte. Bei angekündigtem Sturm bleiben wir aus Sicherheitsgründen im Jugendraum bzw. nutzen dort die Außenanlagen. Hierfür dürfen die Kinder oft ein Fahrzeug von zu Hause mitbringen: Ein Dreirad, Laufrad, Roller, Fahrrad (nur mit Fahrradhelm) o. ä. Die nebenan gelegene Sporthalle wird auch gern zum Turnen genutzt. Parcours werden aufgebaut, Mattenrutschen gespielt und vieles mehr.

Riesenzeit

Aufgrund der großen Altersspanne und den damit einhergehenden sehr unterschiedlichen Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten der Kinder wird die Gruppe bei bestimmten Angeboten nach Alter getrennt. Die Riesenzeit für unsere Vorschulkinder ist ein gezieltes Angebot für die Fünf- bis Sechsjährigen in ihrem letzten Kindergartenjahr und findet durchschnittlich zweimal pro Woche statt. Hoch motiviert und neugierig stellen sich die Kinder den neuen Aufgaben, die sie altersentsprechend fordern und fördern. Und auch wir richten uns nach den Bildungsleitlinien des Landes Schleswig-Holstein. Unsere Grundlage hierfür ist das DESK 3-6, das „Dortmunder Entwicklungsscreening für den Kindergarten“. Und wer sich jetzt immer noch nicht unseren Tagesablauf so richtig vorstellen kann, der darf uns gerne im Wald besuchen kommen. Wir bieten zweimal im Monat jeweils an einem Dienstag der ungeraden Kalenderwochen eine offene Krabbelgruppe für Kinder von 0-3 Jahren in Begleitung der Eltern an. 2-3 Familien können dann unseren Wald kennenlernen und von 9-11 Uhr an unserem Waldkindergarten-Alltag teilhaben.
flj

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