Der Name „Handelslehranstalt“ wie auch das Gebäude am Schlosswall atmen den Geist der Kaiserzeit, als Auszubildende noch Lehrlinge und Ausbildungszeiten noch Lehrjahre (und keine Herrenjahre) waren. Das Gebäude am Schlosswall wurde 1929 an der Stelle, auf der einst die Duburg stand, erbaut und erhielt den Namen Schloss-Duburg-Schule. Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert an die Duburg. Neben diesem Gebäude am Schlosswall 3 besteht noch das Hauptgebäude in der Marienallee 5, in dem ein großer Teil des Schulbetriebs stattfindet. Gegründet wurde die Schule 1873 als Städtische Handelslehranstalt Berufliche Schulen der Stadt Flensburg – Wirtschaft und Verwaltung.

Es mag mutig erscheinen, dass man den Namen beibehält und mit einem Konzept betreibt, das mehr der Zukunft denn traditionellen „Lehraufträgen“ verpflichtet ist.











Geblieben ist die berufliche Orientierung des Bildungszentrums. Die HLA teilt sich mit den beiden übrigen Berufsbildungszentren der Stadt, der Hannah-Arendt- und der Eckener-Schule den beruflichen „Bildungsmarkt“. Ein Markt ist es tatsächlich. Die drei Bildungszentren stehen zunehmend in Konkurrenz zu anderen öffentlichen Schulen, ganz aktuell den in den letzten Jahren geschaffenen Gemeinschaftsschulen.

Im Gespräch mit dem Flensburg Journal sagen der 2. stellvertretende Direktor Zettl und einer der Leiter der Berufsschulabteilungen, Jörg Rüterhenke, ganz offen, dass ihnen durch die Einrichtung von Gymnasialen Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen, Schüler wegbleiben und Lehrerstellen verlorengehen, denn auch die HLA bietet den Abiturabschluss ohne fachliche Einschränkung an.

„Die Einrichtung der Gemeinschaftsschulen hat dazu geführt, dass sie natürlich bestrebt sind, ihre Schülerinnen und Schüler in ihrem System… möglichst lange zu behalten.“

Auch die Verfechter des traditionellen Gymnasiums fürchten, seit die neue Landesregierung gewählt wurde, verstärkt um ihre Pfründe.

Letztlich jedoch entscheiden Eltern und Kinder, welcher Ausbildungsweg als der erfolgversprechendste erscheint. Wettbewerb nicht nur auf dem Arbeits-, auch auf dem Bildungsmarkt.

 

Schulklasse der HLA
Schulklasse der HLA

Klagen oder wagen

Bedauern Ja, resignieren Nein. So kann man das Vorgehen der HLA-Führung umschreiben. Trotz sinkender Schülerzahlen in einigen Bereichen und weniger Lehrer, nicht zuletzt aufgrund demografisch bedingt sinkender Schülerzahlen, startet das Berufsbildungszentrum durch.

Schon jetzt ist das Bildungsangebot umfassend, zuweilen verwirrend, bietet aber jungen Menschen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen und beruflichen Zielen ein breites und gut vernetztes Angebot bis hin zum Abitur, der allgemeinen Hochschulreife (Abitur) ohne Wenn und Aber.

Die Handelslehranstalt hat eine klare Ausrichtung, sie bildet für Wirtschaft und Verwaltung aus. Wer sich hier einschult, will Automobil- oder Bankkaufmann/-frau, Einzelhandels- oder Großhandelskaufmann/-frau, Notarfachangestellte/-r, Versicherungskaufmann/-frau werden oder in einem der rund ein Dutzend artverwandten Berufe arbeiten. Rund 2200 Schüler füllen in Vollzeit, berufsbegleitend oder im Rahmen der dualen Ausbildung die Räume an der Marienallee, dem Schlosswall und in der Petrischule.

 

Von der Berufsschule zum Berufsbildungszentrum

Noch vor wenigen Jahren gab es in Handel und Industrie mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Jetzt hat sich das Verhältnis umgekehrt. Die Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften. Fachkräfte kann man nicht kaufen, man muss sie ausbilden, wenn möglich auf höchstem Niveau.

Quantität und Qualität, beides zu vereinen, scheint zurzeit das Hauptproblem für die Personalverantwortlichen zu sein. Die Bewerber passen häufig nicht ins Anforderungsprofil. Viele lassen grundlegende Fähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen) vermissen. Auch an den „Softskills“ (Pünktlichkeit, Motivation, Durchhaltevermögen, Sozialkompetenz) mangelt es nach Aussage der Betriebe.

Berufsbildungszentren dürfen demnach keine Eliteschulen sein, sondern sollen den Nachwuchs in seiner ganzen Breite fördern und qualifizieren, eine nicht zuletzt sozialpolitische Aufgabe. Was nützen der Gesellschaft tausende „Kräfte“, die als „Arbeitskräfte“ nicht einsetzbar sind?

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