Die letzten Wintertage, der letzte Schneeeinbruch, die letzten eisigen Nächte und Frühstunden lassen die Stadt orange aufleuchten. Alles, was einen TBZ-Anzug trägt und eine Schaufel halten kann, besser noch eines der Räum- und Reinigungsfahrzeuge steuern kann, füllt die Stadt mit Orange, dem Erkennungsmerkmal der Außendienstmitarbeiter des Technischen Betriebszentrums Flensburg (TBZ).

Aus allen operativen Abteilungen werden sie abgezogen und eingesetzt zum Schneeräumen, Auftauen und zur Sicherung der Straßen, Geh- und Fahrradwege. Nach einem genauen Plan geht das, die Großen zuerst, die Kleinen zuletzt. Gemeint sind die städtischen Straßen. Vor allem der Berufsverkehr soll rollen, vorrangig die Linienbusse. Denn wer sein Auto jetzt stehen lässt, und das sollte man bei solchen Witterungsbedingungen, erwartet eine sichere und pünktliche Fahrt zum Arbeitsplatz. Wer trotzdem aus einem Randbezirk mit dem Pkw in die Stadt muss oder zu müssen glaubt, vermisst das „Team Orange“ genau da, wo er es am meisten braucht, vor der eigenen Haustür. Und so wird schon mal genörgelt, gar geflucht, auf die städtischen Helfer, die dann „nie da sind, wo man sie braucht“. Ausnahmen sind eben Ausnahmen. Viele wollen das nicht wahrhaben. Doch auch das schnellste und ansonsten zuverlässigste Transportmittel kommt an seine Grenzen, wenn die Natur über die Stränge schlägt. Tage später ist alles vergessen und die Klagen richten sich gegen löchrige Straßen, versperrte Gehwege oder nicht jahreszeitlich angepasst gestaltete Grünanlagen. Die Stadt hat schon vor langer Zeit diese „hoheitlichen Aufgaben“ ausgelagert und in professionelle Hände gegeben, wenn auch unter städtischer Kontrolle.Das TBZ hat sich mit modernem Management dem Markt angepasst ohne sich dem Zwang eines Privatunternehmens zur Gewinnmaximierung zu unterwerfen. Dass der TBZ-Geschäftsführer Heiko Ewen im scheinbaren Gegensatz dazu stolz auf einen Gewinn von 2,19 Millionen Euro im Jahr 2016 verweist, einem seit drei Jahren nahezu unveränderten Ergebnis, ist erklärungsbedürftig. Die Gewinne wandern nicht in die Taschen privater Spekulanten, sondern fließen an die Stadt, die damit ihren Schuldenstand reduzieren und in andere gemeinschaftliche Aufgaben investieren kann.







Vor Ort

Mit dem Pressesprecher Geoffrey Warlies besuchen wir Anfang März mehrere Abteilungen der TBZ-Zentrale in der Schleswiger Straße. Wie steuern die dortigen Mitarbeiter ihr „Team Orange“, wollten wir wissen und wurden mit einigen der 21 Abteilungen bekanntgemacht, die von A wie Abwasserreinigung bis Z wie Kunden-Zentrum die Stadt am Laufen halten. Im Gegensatz zum „weißen Wetter“ draußen waren es die Vertreter der Grünflächenverwaltung und -pflege, die uns einen Blick in ihr Arbeitsfeld gewährten. 139 „Grünobjekte“, wie es im Beamtendeutsch heißt, verteilen sich über die Stadt, von Blumenkübeln in der Fußgängerzone bis zur Marienhölzung, dem Flensburger Stadtwald. Förster Michael Gräf ist der Herr des Waldes, einer kleinen Forstfläche, verglichen mit denen seiner früheren Arbeitsgebiete. Gräf ist beruflich weit herumgekommen, hat in Afrika gearbeitet und in Afghanistan. Der Wunsch sesshaft zu werden, hat den Mainzer nach Flensburg und in das 350 ha große Forstgebiet der Stadt geführt. Im Gegensatz zu Forstamtsleitern der Privat- und Staatsforste steht hier nicht die wirtschaftliche Nutzung des Waldes im Vordergrund, sondern die Erhaltung als Freizeit- und Erholungsraum. Ein Teil des städtischen Forstes ist verpachtet, der Rest muss erhalten und gepflegt werden. Dazu gehören auch 35 Kilometer Wanderwege, 30 Kilometer Knicks, Biotope und Teiche. Die Tiere im Wald gehören ebenfalls zu seinem Aufgabengebiet, sprich die Jagdaufsicht und das Tiergehege in der Marienhölzung, das sich ein Hirsch, fünf Damtiere und drei Wildschweine teilen. Die allerdings sind vor den Kugeln der Jäger sicher und dienen den Flensburgern als naturnahes Anschauungsmaterial.
Zur Grünflächenverwaltung gehören nicht nur Waldflächen, sondern 79 städtische Spielplätze, die gepflegt, saniert und gereinigt werden.

Saubere Stadt

Sauberkeit in der Stadt ist ein Thema für gleich mehrere Abteilungen des TBZ, etwa die „Stadtbildpflege“. Hier scheinen sich deren Aufgaben mit denen der Grünflächenverwaltung zu überschneiden. Die Stadtbildpfleger sorgen sich um das „Straßenbegleitgrün“, also die kleinen Grünflächen neben Straßen und Gehwegen. Dieses „Team Orange“ hat die wohl vielfältigsten Aufgaben. Vom Kehren der Straßen, Geh- und Radwege bis zum Pflanzen von Blumenzwiebeln ist ihnen keine pflegerische Tätigkeit fremd. Dabei geht es wie in manchem Haushalt streng nach Plan, sprich Pflegeklassen. Tisch wischen täglich, Fußboden wöchentlich, Fenster monatlich. In dem streng durchorganisierten Pflegeplan des TBZ geht es ähnlich zu. Das Straßenbegleitgrün ist in drei Pflegeklassen, die TBZ-eigenen Grünflächen sogar in fünf Stufen unterteilt. Was man am meisten sieht, wird am intensivsten gepflegt, aber nicht etwa nach Gutdünken der TBZ-Mitarbeiter, sondern in enger Abstimmung mit Verwaltung und den politischen Gremien der Stadt.

Säubern

Sauberkeit, mehr noch Abfallbeseitigung ist der wohl aufwändigste und kostenintensivste Teil der Aufgaben des TBZ und deshalb einem eigenen Bereich unterstellt. Wer Bilder aus der sogenannten Dritten Welt kennt, weiß, wie entscheidend nicht nur für das Stadtbild, sondern auch für die Gesundheit der Menschen die Abfallentsorgung ist. Wohlstand und Müllmenge stehen in direktem Zusammenhang. Jeder Flensburger wirft jährlich rund 200 kg Restmüll in die schwarze Tonne. Dagegen fallen die Mengen an Biomüll, Papier/Pappe und Verpackungen deutlich zurück, zusammengenommen aber immerhin noch rund 150 kg. Die Zahlen haben sich in den zurückliegenden Jahren kaum verändert. Eine ähnliche Menge sammelt die Sperrmüllabfuhr ein, knapp 300 kg pro Einwohner und Jahr. Eine saubere Stadt ist nur dadurch möglich, dass unsere Konsumreste in rund 18.000 Restmüll-, 15.000 Papiermüll- und 12.000 Bioabfallbehältern gesammelt werden. Ein „Full Service Angebot“ sichert die bequeme Entleerung der Behältnisse. Anders als auf dem Lande müssen die Hausbesitzer ihre Tonnen nicht an den Straßenrand rollen. Sie werden von den TBZ-Mitarbeitern vom Grundstück geholt, dann entleert und anschließend wieder zurückgebracht. Eine Ausnahme ist nur die Gelbe Tonne. Da hier die Abrechnung eine andere ist, kann der TBZ diese Aufgabe nur gegen ein Entgelt anbieten.

Fast überraschend, dass diese Mammutaufgabe von „nur“ rund 60 Mitarbeitern bewältigt wird. Gleich gegenüber der TBZ-Zentrale besuchen wir den Recyclinghof in der Schleswiger Straße. Sauber aufgereiht warten dort Dutzende von Containern auf Befüllung durch die Flensburger Bürger. Längst haben wir uns an die penible Trennung von Wertstoffen gewöhnt. „Wertstoffe“ deshalb, weil vieles, was wir als Abfall ansehen, durchaus wieder in die Produktion zurückgeführt werden kann, am ehesten noch bekannt durch die Wiederverwendung von Metallen. Aber Pappe und Papier, sogar Kunststoffe landen nicht auf der Restmülldeponie, sondern finden eine erneute Verwendung in der Industrie. Auf dem Recyclinghof wird die Entwicklung bei der Wertstoffsortierung deutlich. Im Laufe der Jahre werden die Sortierungskriterien immer feinmaschiger. Bürger stehen zuweilen hilflos vor der Batterie von Wertstoffcontainern und fragen sich: Ist die beschichtete Folie nun Plastik oder Karton? Die Mitarbeiter wie Jan-Peter Süberkrop wissen Rat und helfen bei der Sortierung.



Klären

Letztendlich Abfall ist auch das, was aus unseren Haushalten in die Abwasserkanäle der Stadt fließt. Das rauscht in Flensburg durch ein Abwassersystem mit in vielen Teilen unbekanntem Entstehungsdatum. Seit 1993 weiß man, dass die Kanäle unter unseren Straßen und Häusern der Erneuerung bedürfen. Ein Projekt, das die Finanzen der Stadt hoffnungslos überfordert hätte. Die Europäische Union half. Und so fließen seit 1994 jährlich rund 5 Millionen Euro in den Flensburger Untergrund und helfen, das teils marode Kanalsystem auf den neuesten Stand zu bringen. Früher flossen die Abwässer aus Küche und Toilette vielfach zusammen mit dem Regenwasser zum Klärwerk. Heute versucht man Schritt für Schritt Regen- und Schmutzwasser zu trennen. Das verhindert auch die Überlastung des Kanalsystems und des Klärwerks bei starken Regenfällen. Die Flensburger im Hafengebiet wussten in der Vergangenheit ein Lied davon zu singen.

Vermessen

Nicht nur die Kanalbauer wissen den Vermessungsdienst des TBZ zu schätzen. Lütke Siemer ist die Herrin über die „Vermessung der Stadt“. An ihrem Computer entstehen aus den angelieferten Daten der Vermessungsgeräte Stadtpläne, die zentimetergenau Lage, Richtung, Fläche, ja sogar Höhe wiedergeben. Einen Monat allein dauerte die Vermessung des Geländes des neu geplanten Zentralkrankenhauses. Die Entwicklung der Vermessungstechnik kann man in ihrem Büro von den Anfängen (Kompass) über die Jahrhunderte hinweg (Theodolit) bis zu heutigen, GPS gesteuerten Vermessungsgeräten verfolgen. Gerade beim Abwassersystem ist die genaue Verortung für die Planung überirdischer Bebauung von grundlegender Bedeutung, denn es bleibt dem Auge in der Regel verborgen. Einzigartig in Flensburg, werden die Abwässer unter dem Hafen vom West- zum Ostufer gepumpt. Auf der Ostseite hilft das natürliche Gefälle beim Transport. Im Flensburger Klärwerk landet schließlich alles, was die Bewohner der Stadt an Flüssigem entsorgen, Flüssiges, das allerdings mit zahlreichen Feststoffen versetzt ist. In mehreren Stufen entsteht durch mechanische und schließlich biologische Reinigung mit Hilfe von Mikroorganismen ein Wasser, das ohne Bedenken in die Förde gepumpt werden kann. Aus 10 Mio. Kubikmetern Abwässer werden über 10.000 Tonnen Klärschlamm herausgefiltert und entsorgt. Eine saubere, ja reine Stadt erfordert ein hohes Maß an Aufwand, das im Wesentlichen durch das TBZ geleistet wird. Vielleicht hilft das Wissen um die Zusammenhänge, über kleinere Mängel und Unannehmlichkeiten einmal entspannt hinwegzusehen.

Bericht: Dieter Wilhelmy, Fotos: Benjamin Nolte, Archiv TBZ

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