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	<title>Holmpassage Archive - Flensburgjournal</title>
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		<title>Die Holmpassage: Vom Einkaufs-Hotspot zum Totentanz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jun 2026 22:20:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Besuch bringt schnell Tristesse. In der Holmpassage regiert der Leerstand. Von den Rolltreppen funktioniert nur noch eine Spur, im Ausgang zu den Süderhofenden ist die Drehtür defekt, und im angrenzenden Parkhaus sind etliche Stellplätze stillgelegt. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass dieses Einkaufszentrum einst Flensburgs letzter Schrei war. Am 11. September 1986, [&#8230;]</p>
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<p>Dieser Besuch bringt schnell Tristesse. In der Holmpassage regiert der Leerstand. Von den Rolltreppen funktioniert nur noch eine Spur, im Ausgang zu den Süderhofenden ist die Drehtür defekt, und im angrenzenden Parkhaus sind etliche Stellplätze stillgelegt. Heute kann man sich kaum noch vorstellen, dass dieses Einkaufszentrum einst Flensburgs letzter Schrei war. Am 11. September 1986, also vor fast 40 Jahren, erfolgte eine durchaus pompöse Einweihung. Das Investitionsvolumen betrug stolze 65 Millionen D-Mark.</p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="533" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2023.jpg" alt="Die Holmpassage: Vom Einkaufs-Hotspot zum Totentanz" class="wp-image-86808" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2023.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2023-300x200.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2023-768x512.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2023-630x420.jpg 630w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2023-696x464.jpg 696w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Eingang vom Holm</figcaption></figure></div>


<p>Die „neue Attraktion für die Flensburger City“ warb mit einem „glasklaren Einkaufserlebnis“: 34 neue Geschäfte lockten mit 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche – und die hatten fast alle täglich bis 18.30 Uhr geöffnet. In der damaligen Zeit war das länger als die Konkurrenz. Visuelle Effekte garnierten das Shopping. In der Vorweihnachtszeit 1986 erschien eine gut 100 Meter hohe Lichtpyramide über der Holmpassage. Auf ihrem gläsernen Dach wanderten die Sternzeichen. Die Kassen klingelten. Der Gesamtumsatz von September bis Dezember belief sich auf zehn Millionen D-Mark. Für 1987 wurde ein Umsatzziel von 32 bis 35 Millionen D-Mark ausgegeben. Rund ein Viertel ging auf die Kappe des Elektronik-Anbieters „Schaulandt“. Sonst liefen Textilien, Lederwaren und Accessoires am besten. Die Holmpassage war gefragt. 39 Bewerbungen für ein Mietverhältnis lagen vor. Im Herbst 1987 eröffnete endlich das Restaurant im historischen Gewölbekeller.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Einkaufserlebnis und Feierlichkeiten unter einem Dach</h2>



<p>Die Holmpassage entwickelte sich auch zur Party-Location. Der erste Geburtstag wurde mit geladenen Gästen gefeiert, der zweite mauserte sich zum öffentlichen Ereignis – mit gleich drei Bühnen. Ein Marilyn-Monroe-Double trat auf, Bands spielten Schlager, Rock ’n’ Roll und Jazz. Die Menschen bewunderten eine überdimensionale Geburtstagstorte. Ab Mitternacht verwandelte sich „Schaulandt“ zur Disco. In den 90er Jahren etablierte sich ein Oktoberfest. Ebenso der Holmpassagen-Treff, bei dem sich Wirtschaft, Politik und Sport vereinten. Zum Saisonstart der Handball-Bundesliga wurde stets die neue Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt präsentiert. Bis zu 700 Gäste vergnügten sich im Bereich der Schlemmerecke und der Rolltreppen.</p>



<p>In den 1990er Jahren sorgte der neue ZOB für bauliche Impulse in der Innenstadt. Im September 1997 ließ der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag, zugleich Gesellschafter der Holmpassage, seine alte Druckerei abreißen. Damit schuf er Platz für ein neues Projekt. Es schwirrten schnell Konzepte für Kino, Hotel und Casino. 2000 wurde der Komplex eingeweiht. Eine Verbindungsbrücke zur Holmpassage war angedacht, wurde aber nie realisiert. Stattdessen wurde die Nikolaistraße in eine Fußgängerzone verwandelt. Das Parkhaus des Einkaufszentrums wurde gen Süden und in die Höhe erweitert – für rund 14 Millionen D-Mark. Auf sechs Ebenen standen nun 700 Parkplätze zur Verfügung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="800" height="533" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2032.jpg" alt="Die Holmpassage: Vom Einkaufs-Hotspot zum Totentanz" class="wp-image-86809" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2032.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2032-300x200.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2032-768x512.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2032-630x420.jpg 630w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2032-696x464.jpg 696w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ansprechendes Ambiente, kaum Menschen</figcaption></figure></div>


<p>Bereits 1998 hatte es in der Holmpassage einige Änderungen gegeben. Für eine damals hochmoderne Toilettenanlage wurden sieben Parkplätze geopfert. Bei den Food-Geschäften vollzogen sich einige Wechsel. Eine Stahlbeton-Treppe wurde entfernt und weitere Sitzplätze geschaffen. „Der ganze Bereich soll noch offener werden“, betonten die beiden Holmpassagen-Geschäftsführer Hans-Hermann Laturnus und Günther Knies. Neu waren ein Kundencenter des Zeitungsverlages sowie ein gemeinsamer Shop der SG-Handballer und der Flensburger Brauerei.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Konkurrenz am Stadtrand, im Internet und in der Innenstadt</h2>



<p>Allmählich nagte eine breite Konkurrenz am Erfolgsmodell der Holmpassage. Bereits in ihren Anfangsjahren wurde über ein mögliches „Einkaufsgebiet Flensburg-Süd“ diskutiert. Das waren die ersten Signale für den Förde-Park, der 1996 seine Türen öffnete. Der Citti-Park wurde erweitert. Diese autogerechten Hotspots am Stadtrand&nbsp; schmälerten die Wertschöpfung in der Innenstadt. Das immer leistungsstärkere Internet ließ mit der Jahrtausendwende den Online-Handel aufblühen. Das Einkaufsverhalten der Kundschaft veränderte sich. Ein erstes Warnsignal: Zum März 2003 schloss „Schaulandt“, der größte Ankermieter. „Die Räume sind zu klein, zu teuer und unpraktisch wegen der zwei Ebenen“, hieß es aus der Unternehmenszentrale in Essen.</p>



<p>Nach einigen Monaten fand sich mit einem Textilhaus zwar ein neuer Mieter für große Teile des verwaisten Elektronikbereichs, es wurde allerdings immer deutlicher, dass an der Attraktivität der Holmpassage  gefeilt werden musste. Denn seit Herbst 2001 kursierten Pläne und Bauzeichnungen für ein neues großes City-Projekt. Der Arbeitstitel: „Südermarkt-Passage“. Nur wenige hundert Meter weiter drohte ein Mitbewerber dem bisherigen Innenstadt-Platzhirschen den Rang abzulaufen. Kurios: Der Investor der zukünftigen „Galerie“ dachte zunächst daran, das Parkhaus der Holmpassage mitzunutzen. 2004 scheiterten allerdings die Verhandlungen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="800" height="533" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2000.jpg" alt="Die Holmpassage: Vom Einkaufs-Hotspot zum Totentanz" class="wp-image-86807" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2000.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2000-300x200.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2000-768x512.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2000-630x420.jpg 630w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_2000-696x464.jpg 696w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Was passiert mit der Holmpassage?</figcaption></figure></div>


<h2 class="wp-block-heading">Verkauf und Wechsel</h2>



<p>Die Geschäftsführer der Holmpassage wechselten nun häufiger. 2004 war Jörg Barth im Amt. Er registrierte mit Wohlwollen, dass der damals 30 Elemente umfassende Mieter-Mix die dänische Kundschaft ansprach. Er stellte aber auch fest: „Es fehlt ein Besuchermagnet.“ Die Dichte an kulturellen Veranstaltungen nahm gefühlt zu. Ein Kinder-Fotowettbewerb suchte den „frechsten Fratz“ und ein Casting mehrere Models aus der Region. In der „Schlemmeroase“ tauchten neue Tische, Stühle, Glaszäune und Holzböden auf. Im September 2006 feierte die Holmpassage ihren 20. Geburtstag mit einem Aktionsmonat: Märchenhexe, Glücksrad, Clown, Feuerschlucker und Gratis-Eiskugeln sollten die Familien anlocken. Wenige Wochen später startete die „Galerie“.</p>



<p>Im Dezember 2007 übernahm die englische Investorengruppe „Real Capital LLP“ die Holmpassage. Ein Sprecher schwärmte: „Sowohl die Lage als auch die Immobilie selbst sind sehr attraktiv.“ Der Leerstand in der vierten Etage (ehemals „Schaulandt“) konnte allerdings nicht beseitigt werden. Der Niedergang der einst so beliebten Einkaufsmall verlief zunächst eher schleichend. Im September 2011 wurde das 25-jährige Jubiläum gefeiert, aber längst nicht so groß wie einige andere Geburtstage. Auch die Torte, die vom Stadtpräsidenten offiziell angeschnitten wurde, war merklich geschrumpft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Spielball, Stillstand und Leerstand</h2>



<p>Die einst so prestigeträchtige Flensburger Immobilie wurde zum Spielball der Finanzgesellschaften. 2012 hieß der Inhaber „Alpha German Property Income Trust“. Die Holmpassage hatte noch 28 Mietverhältnisse, die Balkonbrücke mit dem früheren „Café Tiffany“ war aber inzwischen verwaist. Die eingesetzten Center-Managerinnen wechselten wie die Blätter an den Bäumen. Ihre immer weniger unterfütterte Phrase vom „ausgezeichneten Einzelhandelsstandort“ hielt sich hartnäckig. Die Realität sah anders aus. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag zog aus, die Leerstände im Frische- und Restaurantbereich wurden immer auffälliger. „Gelaufen wird in der Holmpassage viel, aber nicht gekauft“, klagten die Gewerbetreibenden.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="533" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_1995.jpg" alt="Die Holmpassage: Vom Einkaufs-Hotspot zum Totentanz" class="wp-image-86806" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_1995.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_1995-300x200.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_1995-768x512.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_1995-630x420.jpg 630w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/05/DSC_1995-696x464.jpg 696w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die meisten Rolltreppen funktionieren nicht mehr</figcaption></figure></div>


<p>Ende 2016 trat mit der „Corestate Capital Group“ der nächste Finanzhai auf den Plan. In Flensburg wurde erstmals über eine Abwicklung spekuliert. „Es ist doch nicht mein Interesse, die Passage leerzuräumen – sie ist ein ungeschliffener Rohdiamant“, widersprach ein Manager des Firmenkonstrukts aus Frankfurt und Luxemburg. Vollmundig wurde eine „behutsame Sanierung“ versprochen. Ein gutes Jahr später hatte sich der Gastro-Bereich komplett geleert. „Das Grab des Flensburger Einzelhandels“, lauteten nun die Schlagzeilen. Vom kaum greifbaren Eigentümer gab es bestenfalls knappe Aussagen: „Wir stehen in konkreten Mietverhandlungen“. Ein Center-Management gab es nicht mehr.</p>



<p>Der Leerstand wurde für die Holmpassage prägend. Die wenigen gefüllten Schaufenster hinkten oftmals der Zeit hinterher und überraschten die wenigen Kunden im Sommer mit Frühlingsdeko und Pinguinen. Durch das Passagen-Dach schien bei gutem Wetter weiterhin die Sonne, die Immobilie selbst landete im Portfolio der luxemburgischen Firma „Highstreet Premium II PropCo I Sarl“, die im Februar 2025 Insolvenz anmeldete. Offen ist, ob sich ein Käufer finden wird, der an einer konzeptionellen Entwicklung der Holmpassage ernsthaft interessiert ist.</p>



<p><em>Text und Fotos: Jan Kirschner </em></p>
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		<title>Die Holmpassage: Eine der größten Investitionen in der Stadtgeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 May 2026 22:48:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es befindet sich alles unter Dach, doch die Kombination einer fensterreichen Architektur mit der kräftigen Frühlingssonne verwandelt die Flensburger Holmpassage in einen hellen Ort. Dieser wirkt einladend, wenn man vom Holm kommend den gefliesten Gang entlangschlendert, dabei zierliche alte Gemäuer und üppigen Pflanzenbewuchs erblickt. Die Tristesse des Einkaufszentrums kommt erst auf dem zweiten Blick zum [&#8230;]</p>
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<p>Es befindet sich alles unter Dach, doch die Kombination einer fensterreichen Architektur mit der kräftigen Frühlingssonne verwandelt die Flensburger Holmpassage in einen hellen Ort. Dieser wirkt einladend, wenn man vom Holm kommend den gefliesten Gang entlangschlendert, dabei zierliche alte Gemäuer und üppigen Pflanzenbewuchs erblickt. Die Tristesse des Einkaufszentrums kommt erst auf dem zweiten Blick zum Vorschein. Bis auf ein größeres Modegeschäft, ein Fitnessstudio, einen kleineren Laden und ein Restaurant im Nebenhof regiert der Leerstand. Von den Rolltreppen funktioniert nur noch eine Spur, im Ausgang zu den Süderhofenden ist die Drehtür „eingefroren“, und im Parkhaus sind nicht nur etliche Stellplätze stillgelegt, sondern auch die meisten Kassenautomaten. „Alles kaputt“, flucht ein Passant. Es nagt der Zahn der Zeit.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="564" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134.jpg" alt="Die Holmpassage: Eine der größten Investitionen in der Stadtgeschichte" class="wp-image-86410" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134-300x212.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134-768x541.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134-596x420.jpg 596w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134-696x491.jpg 696w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-C-06134-100x70.jpg 100w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Holmpassage kurz vor der Eröffnung Sommer 1986; Foto: Stadtarchiv Flensburg</figcaption></figure></div>


<p>Vor 40 Jahren war alles anders gewesen. Am 11. September 1986 erfolgte eine durchaus pompöse Einweihung. „Mit einem herzlichen Glückauf gebe ich die Holmpassage frei“, sagte Landtagspräsident Rudolf Titzck um Punkt 10.45 Uhr und schnitt das symbolische Band durch. Stadtpräsident Lothar Hay sprach vom „umfangreichsten Stadtumbau in der Flensburger Innenstadt in den letzten Jahrzehnten“ und schwärmte von der „neuen Attraktion für die Flensburger City“. Die Holmpassage warb mit einem „glasklaren Einkaufserlebnis“: 34 neue Geschäfte lockten mit 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erste Ideen und die Geburt der Fußgängerzone</h2>



<p>Dieses Vorzeige-Projekt war keine leichte Geburt gewesen, sondern hatte eine lange Vorgeschichte. Bereits 1957 hatten einige private Investoren die Idee, vom Südermarkt zu den Süderhofenden eine Ladenzeile mit Kino, Hochgarage und Café zu schaffen. In einem Schaufenster am Holm war ein futuristisch anmutendes Modell ausgestellt. „Es liegen schon über 200 Bewerbungen vor“, frohlockte eine „Grundstücksgesellschaft Zentrum“. Im Rathaus stieß sie aber nicht auf Wohlwollen. Es gab eine ablehnende Haltung – „mit Rücksicht auf die Gesamtstadtplanung“. So sollte auf einer Teilfläche eine neue Stadtbücherei errichtet werden.</p>



<p>Damals war eine Fußgängerzone noch etwas Revolutionäres und in Flensburg kaum vorstellbar. Zum Mai 1968 – mit der Eröffnung des Warenhauses „Hertie“ – wurde aus dem Holm eine „Lieferantenstraße“ und aus der Nikolaistraße eine Sackgasse. Eine Änderung, die mit lebhaften Debatten über die richtige Lenkung der Verkehrsströme und einer ausreichenden Zahl von Parkplätzen einherging. Die Innenstadt und ihre Kaufkraft – das war ein unumstößliches Leitbild. Die Industrie- und Handelskammer forderte im Juni 1971: „Der Ausbau des Flensburger innerstädtischen Hauptstraßenzuges zu einem dem Fußgänger vorbehaltenen attraktiven Einkaufszentrum muss als eine Existenzfrage für den Flensburger Einzelhandel bezeichnet werden.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Spirituosen-Produktion am Holm</h2>



<p>Der Strang von Südermarkt bis Nordertor befand sich im besonderen Fokus von Generalverkehrsplan und Innenstadtsanierung. Aber gerade in zweiter Reihe versprachen die alten Kaufmannshöfe und einige Baulücken viel Entwicklungspotenzial. Bis zur Mitte der 1960er Jahre stellte die Firma „Herm. G. Dethleffsen“ in zentraler Lage Spirituosen her, dann regierte die wirtschaftliche Brache. Das Unternehmen besaß aber vom Holm bis Süderhofenden, wo sich Tankstelle und ein „Auto-Markt“ angesiedelt hatten, einen interessanten Schlauch an Grundstücken. Die Idee eines großen „Geschäfts- und Bürogebäudes“ gedieh.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="554" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265.jpg" alt="Die Holmpassage: Eine der größten Investitionen in der Stadtgeschichte" class="wp-image-86409" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265-300x208.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265-768x532.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265-606x420.jpg 606w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265-218x150.jpg 218w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265-696x482.jpg 696w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/XIV-Foto-B-04265-100x70.jpg 100w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Spirituosen-Herstellung: bis in die 1960er Jahre zwischen Holm und Süderhofenden; Foto: Stadtarchiv Flensburg</figcaption></figure></div>


<p>Im Frühjahr 1976 stieg der Architekt Karl Heinz Sönnichsen ein und brachte sehr bald die ersten Skizzen aufs Papier. Zunächst gab es zwei getrennte Bauteile am Holm und an den Süderhofenden. Dann sollte eine Brücke eine Verbindung herstellen. Die Bauherren-Gruppe dachte an einen größeren Wurf und kaufte benachbarte Grundstücke dazu. Mit einem glasüberdachten Bereich und einem großen Parkhaus mit 250 Plätzen entstand das Konzept der Holmpassage, einer „Shop-in-Shop-Einrichtung“. Das geschätzte Investitionsvolumen: 40 bis 50 Millionen D-Mark.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Denkmalschutz und Bauleitverfahren</h2>



<p>Einige Abrisse waren vorgesehen. Das rief den Denkmalschutz auf den Plan. Der Holm 39 war als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ eingetragen. Die spätklassizistische Fassade des dreigeschossigen Vorderhauses und ein Wendeltreppenturm mussten erhalten bleiben. Auch für die Fassade der Nikolai­straße 10 musste eine Lösung gefunden werden, die die historische Bausubstanz mit der modernen Architektur zu verknüpfen wusste.</p>



<p>Im Sommer 1979 gründete sich die „Holmpassagen-Grundstücksgesellschaft mbH &amp; Co KG“. Als Geschäftsführer traten Hans Dethleffsen von der Stammfirma und Fritz Iversen vom „Flensburger Tageblatt“ in Erscheinung. Der Zeitungsverlag zog später in den Bürotrakt der Holmpassage ein. Man stand in den Startlöchern. Die Kaufleute betraten mit einem Modell das Rathaus. Oberbürgermeister Bodo Richter war angetan vom Projekt. Die Baugenehmigung schien nur Formsache zu sein. Doch plötzlich bekam der Stadtbaurat kalte Füße. „Bis zur Vorlage des Modells war mir die massierte Bebauung nicht bekannt“, sagte er. Eine Geschossfläche von 17.000 Quadratmetern konnte man nicht so einfach durchwinken.</p>



<p>Ein Bauleitverfahren war erforderlich, das im Februar 1982 mit dem Satzungsbeschluss abgeschlossen war. Damit war auch eine Erschließungsstraße auf der Südseite des Holms abgesegnet. Sie war hauptsächlich für den Lieferverkehr gedacht. Nennenswerte Diskussionen in der Ratsversammlung oder in den anderen Gremien gab es nicht. Die Holmpassage war kein Streitobjekt. „Für die Attraktivität der Innenstadt und für die Urbanität der Stadt Flensburg könnten von diesem Plan enorme Impulse ausgehen“, meinte etwa CDU-Stadtrat Leonhard-Friedrich Peters im November 1979. Ein Zuhörer staunte: „Gigantisch, alles hört sich wie Zukunftsmusik an.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erst Abrissarbeiten, dann Großbaustelle</h2>



<p>Die vermeintliche Zukunft wurde allmählich real. Als das Zepter wieder an die Investoren überging, äußerte sich Fritz Iversen noch vorsichtig: „Wir wollen erst starten, wenn 60 Prozent der angebotenen Läden und Büros vergeben sind.“ Bei einem Treffen der Holmpassagen-Gesellschaft am 8. August 1983 mit Oberbürgermeister Cord Olaf Dielewicz und Stadtpräsidentin Ingrid Groß waren die kaufmännischen Vorbereitungen weit gediehen. Das Portfolio umfasste 32 Läden, 21 Büros, einen Feinkostmarkt, ein Café und ein Restaurant der „gehobenen Klasse“. Das Investitionsvolumen war auf 65 Millionen D-Mark geklettert.</p>


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<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="532" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_2031.jpg" alt="Die Holmpassage: Eine der größten Investitionen in der Stadtgeschichte" class="wp-image-86407" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_2031.jpg 800w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_2031-300x200.jpg 300w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_2031-768x511.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_2031-632x420.jpg 632w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_2031-696x463.jpg 696w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein altes Geschenk glänzt noch immer: Bronzeplatte von 1986</figcaption></figure></div>


<p>Es konnte losgehen. Im Oktober 1983 wurde das alte Gebäude der Handwerkskammer (Nikolaistraße 12) abgerissen. Die Rückfront der Nikolaistraße 10 wurde beseitigt, und auch an den Süderhofenden wurden einige Grundstücke „bereinigt“.&nbsp; Eine Fläche von 7000 Quadratmetern war schnell freigeräumt und dann planiert. Dem Architekten und den Baufirmen war schon im Vorfeld klar, dass sie es mit einer kniffligen Baustelle zu tun hatten: ein nicht überall tragbarer Baugrund, ein hoher Grundwasserspiegel und ein Höhenunterschied von sechs Metern auf einer Gesamtlänge von 140 Metern. Etwa 600 Pfähle von insgesamt 12 Kilometer Länge mussten ins Erdreich gerammt werden. Bei jedem Stoß schwang das Risiko mit, dass ein anderes Gebäude beschädigt werden könnte. Einige Unterfangungen für benachbarte Bauwerke waren erforderlich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Richtfest und Eröffnung</h2>



<p>Täglich waren rund 75 Handwerker tätig. Im März 1984 konnten die ersten Fundamente gegossen werden. Der harte Winter 1985 zwang zu einem Bau­stopp von zwei Monaten. Am 27. Juni 1985 wurde im neuen Innenhof das Richtfest gefeiert. Aus luftiger Höhe sprach Maurermeister Helmut Prawdzik, der am gleichen Tage in den verdienten Ruhestand ging, den Richtspruch, während zwei große Baukräne riesige Richtkränze in die Höhe hievten. 350 Bauarbeiter und Gäste waren erschienen, die Adelbyer Tanz- und Trachtengruppe, die Flensburger Stadtbläser und der Flensburger Handwerker-Chor belebten eine provisorische Bühne.</p>


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<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="682" height="1024" src="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984-682x1024.jpg" alt="Die Holmpassage: Eine der größten Investitionen in der Stadtgeschichte" class="wp-image-86406" srcset="https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984-682x1024.jpg 682w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984-200x300.jpg 200w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984-768x1154.jpg 768w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984-280x420.jpg 280w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984-696x1046.jpg 696w, https://flensburgjournal.de/wp-content/uploads/2026/04/DSC_1984.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px" /><figcaption class="wp-element-caption">Heute regiert der Leerstand</figcaption></figure></div>


<p>Noch einige Monate waren von der Holmpassage nur Betonmauern zu sehen, dann prägten die Backsteinfassaden und die roten Ziegeldächer das Bild an den Süderhofenden und in der Nikolaistraße. Im August 1986 beherrschten die Einrichtungsfirmen die Szenerie. Am 11. September dann die Eröffnung. Die Massen pilgerten in das neue Einkaufszentrum. Ein beliebter Punkt war das Café auf der Brücke, das nach beiden Seiten Aussicht auf den Hauptgang unter dem Glasdach bot. Der Tenor: „Hier ist eine kleine Stadt in der Stadt entstanden, die zum Bummeln, Gucken, Essen, Kaufen und Verweilen einlädt.“ Die Holmpassage war täglich von 7 bis 23 Uhr geöffnet.</p>



<p>Der größte Mieter war die Schaulandt GmbH mit einem umfassenden Angebot der Unterhaltungselektronik. In direkter Nachbarschaft befanden sich eine Videothek und ein Schallplattengeschäft. Nun waren Modegeschäfte in Flensburg, die auch Filialen in Hamburg, Stuttgart oder Italien hatten. Bei den Rolltreppen war eine üppige Schlemmerecke entstanden – mit „Schlachter Jepsen“, „Fisch Frank“ und „Bäcker Hansen“. Ein Blickfang waren drei schneeweiße Autos von „Ford Nehrkorn“. „Friseur Coco“ warb mit Eröffnungsangeboten: fünf D-Mark für den Herrenhaarschnitt, die Dauerwelle mit Schnitt für 19,50 D-Mark. Während der Einweihung hatte Architekt Karl Heinz Sönnichsen das Geschenk der Handwerksfirmen enthüllt: eine Bronzeplatte mit einigen Wappen. Dieses Kunstwerk fällt auch nach 40 Jahren noch auf, während der Glanz der Holmpassage längst verblasst ist.</p>



<p><em>Text und Fotos: Jan Kirschner </em></p>
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