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	<title>Familie Danielsen Archive - Flensburgjournal</title>
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	<description>Dein Magazin für Flensburg und Umgebung</description>
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		<title>Die Geschichte der Familie Danielsen in Flensburg &#8211; Kapitel 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Jul 2026 08:24:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Die Geschichte der Familie Danielsen in Flensburg]]></category>
		<category><![CDATA[Familie Danielsen]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor einigen Jahren wurde uns, dem „Flensburg Journal“, aus einem Antiquariat eine über 300 Seiten umfassende Chronik zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um „Die Geschichte der Familie Danielsen in Flensburg“, zusammengestellt von „Peter Tramsen, Flensburg 1951“. Die Geschichte beinhaltet insgesamt 15 Kapitel unterschiedlicher Länge, beginnend mit dem ersten Peter Danielsen um das Jahr [&#8230;]</p>
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<p>Vor einigen Jahren wurde uns, dem „Flensburg Journal“, aus einem Antiquariat eine über 300 Seiten umfassende Chronik zur Verfügung gestellt. Es handelt sich dabei um „Die Geschichte der Familie Danielsen in Flensburg“, zusammengestellt von „Peter Tramsen, Flensburg 1951“. Die Geschichte beinhaltet insgesamt 15 Kapitel unterschiedlicher Länge, beginnend mit dem ersten Peter Danielsen um das Jahr 1655, und endet mit Kapitel 15 über das Leben des Joachim Wilhelm Danielsen, von 1842 – 1916.</p>



<p>Die Chronik besteht aus über 300 Seiten Pergamentpapier, die ursprünglichen Texte sind allesamt mit der Schreibmaschine erstellt worden – Bilder bzw. Zeichnungen oder gar Fotos enthält das originale Werk nicht. Mehrere Redakteure des „Flensburg Journals“ haben die einzelnen Kapitel bearbeitet und teilweise wegen der besseren Verständlichkeit gekürzt. </p>



<p>In der Ihnen vorliegenden Ausgabe des „Flensburg Journals“ beginnen wir mit dem Abdruck der genannten Familiengeschichte, die aus unserer Sicht bestens dafür geeignet ist, die Geschichte und das Leben in Flensburg seit etwa der Mitte des 17. Jahrhunderts bis schließlich ins Jahr 1920 authentisch anhand der persönlichen Schicksale der jeweiligen Generationen einer alteingesessenen Flensburger Familie zu erzählen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Peter Danielsen, ca. 1655 – 1732</h2>



<p>Im Frühling des Jahres 1677 erschien in der alten Fischereisiedlung St.&nbsp;Jürgen, die vor den Mauern der Stadt Flensburg lag, ein Bauernbursche aus der nachbarlichen Landschaft Angeln. Er hatte dort Arbeit gefunden und sich bei einem Bewohner St.&nbsp;Jürgens eingemietet, um in unmittelbarer Nähe der Stadt Fuß fassen zu können. Die Fischersiedlung lag am Ostufer des Flensburger Hafens und bildete die natürliche Fortsetzung des im Süden der Stadt liegenden Kirchspiels St.&nbsp;Johannis, ohne jedoch zum Stadtgebiet zu gehören. Die Seefahrer und Fischer wohnten dort in ihren kleinen Häusern, die im Schutze der östlichen Anhöhe in einer langen Reihe am Hafen entlangliefen, ein jedes mit einem Stückchen Garten versehen und mit dem üblichen Trockenplatz für das Aufhängen und Flicken von Netzen. Eine Hafeneinfassung gab es noch nicht, sondern die Wellen spülten ungehindert an den Strand, und vor jedem Grundstück führte eine Brücke oder ein Laufsteg, an denen die Boote lagen, in das Wasser. Die Siedlung war nach Adelby eingepfarrt, einem Kirchdorf, das 2 Kilometer südöstlich der Stadt lag, dorthin gingen die Bewohner auch allsonntäglich zur Kirche. In der Adelbyer Kirche wurde um diese Zeit in deutscher Sprache gepredigt, obgleich das Herzogtum Schleswig, dessen größte Stadt das benachbarte Flensburg war, von jeher zum dänischen Reich gehört hatte. Aber seit dem ausgehenden Mittelalter war das Deutschtum von Süden her vorgedrungen und hatte sich in Schleswig schon so verankert, dass die Amts- und Kirchensprache und die Umgangssprache der gebildeten Stände jetzt Deutsch war. König Christian&nbsp;V., der seit 1670 im Lande regierte, sah hierin wohl seiner Macht und seinem Reich eine Gefahr erwachsen, aber seine dauernden Kämpfe gegen Holstein brachten den Schleswigern nur Unruhe und Not und beseitigten doch nicht das eingedrungene Deutschtum.</p>



<p>Der junge Bauernbursche, der sich in St.&nbsp;Jürgen niedergelassen hatte, war etwa 22 Jahre alt. Er hieß Peter Daniels und stammte aus dem großen Kirchdorf Sterup in Nordangeln. Ob sein Vater Hufner oder Inste, Bauer oder Tagelöhner gewesen ist, ist unbekannt. Wahrscheinlich hat er Daniel geheißen, und nach den im Herzogtum Schleswig üblichen Regeln der patronymischen Namensgebung hatte der Sohn als Zunamen den Vornamen des Vaters bekommen und war Peter Daniels oder Danielsen (Daniels Sohn) genannt worden. Man sollte ihn sich als großen, kräftig gebauten Menschen vorstellen, mit groben Gesichtszügen und schweren Gliedern, da diese in den nach ihm kommenden Generationen die Merkmale der Familie sein sollten. Peter Danielsen, der seine Kindheit auf dem Lande verbracht hatte, wird nur Angeliter Dänisch oder Plattdeutsch gesprochen haben und, als er nach St.&nbsp;Jürgen kam, des Hochdeutschen kaum mächtig gewesen sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gemeindemitglied in Adelby</h3>



<p>Zum ersten Male finden wir ihn im Jahre 1677 am Sonntage Quasimodogeniti, dem 22.&nbsp;April, unter den Abendmahlsgästen der Kirche zu Adelby verzeichnet. Es gehörte sich für jeden Christen, der etwas auf sich hielt und der in gutem Ruf bei seinen Mitchristen zu stehen wünschte, regelmäßig zum Sonntagsgottesdienst in die Kirche zu gehen und ein- bis zweimal jährlich an der Beichte und am Heiligen Abendmahl teilzunehmen. Und die Pastoren führten genauestens Buch darüber, wer von ihren Gemeindemitgliedern kommunizierte und wann ihnen das Abendmahl gereicht worden war. Im Herbst 1677 ist Peter Danielsen wieder unter den Abendmahlsgästen zu finden. Da er beide Male allein kommunizierte, wird er noch unverheiratet gewesen sein. Erst zwei Jahre später, am 23.&nbsp;Sonntage nach Trinitatis, dem 23.&nbsp;November 1679 werden unter den Abendmahlsgästen genannt: Peter Danielsen cum uxore (Lateinisch: „mit seiner Frau“)</p>



<p>Und in den kommenden Jahren nimmt er das Abendmahl regelmäßig zusammen mit seiner Frau. Er wird sich demnach im Sommer 1679 verheiratet haben. Seine Frau hieß Judith. Woher sie stammte und wie ihr Mädchenname war, ist nicht bekannt. Jedenfalls ist sie nicht in St.&nbsp;Jürgen geboren, und es ist anzunehmen, dass sie wie ihr Mann aus bäuerlichen Verhältnissen kam. Von beiden sind die Eltern nicht bekannt, sie sind somit die Stammeltern der hier beschriebenen Familie Danielsen, die aus der „Ungeschichtlichkeit“ des bäuerlichen Lebens heraustraten, sich im Bereich der Stadt niederließen, wo die Bürger schon historisch dachten und wo die Geschichte jeder Generation genauestens festgehalten wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bürger in Flensburg</h3>



<p>Über Peter Danielsens Beruf ist nichts bekannt. Er war wohl ein kleiner Mann, der gegen Tagelohn arbeitete und der nach der damaligen Einstufung der bürgerlichen Rangklassen zur vierten und zweitniedrigsten Bevölkerungsschicht gehörte, die gleich nach den Bettlern und Obdachlosen kam. Er besaß nichts als seiner Hände Arbeit, und die wurde von den Menschen jener Zeit nicht hoch bewertet. Die Danielsens wollten unbedingt Bürger der Stadt Flensburg werden, und ebendort ein eigenes Haus besitzen. Hierfür wurde das verdiente Geld gespart, und 14 Jahre später sollte sich dieser Wunsch erfüllen. Peter und Judith bemühten sich, die Achtung der Bürger St.&nbsp;Jürgens zu gewinnen, machten sich an jedem Sonntag auf den weiten Weg zur Adelbyer Kirche, um Pastor Nikolai Jebsen predigen zu hören, gingen regelmäßig zur Beichte und zum Abendmahl.</p>



<p>Am Ostersonnabend, dem 10.&nbsp;April 1680, wurde dem jungen Paar ein Sohn geboren, der ihr einziges Kind bleiben sollte. Am zweiten Ostertag, dem 12. April, wurde der Junge in der Kirche zu Adelby getauft und erhielt nach seinem Vater den Namen Peter Danielsen. Nach erfolgter Taufhandlung trug Pastor Jebsen ins Kirchenregister ein:</p>



<p><em>1680, Festus 2. Paschatos, Peter Danielsen und Judith Daniels in St. Jürgen ein Sohn Peter.</em><br><em>Gefattern: Johann Will, Erich Jensen, Fr. Agathe Lorentzen, Sünne Hanses.</em><br><em>In St. Jürgen ansässig</em></p>



<p>Um diese Zeit muss Peter Danielsen eines der kleinen Fischerhäuser erworben haben. Um dort billiger zu wohnen, schränkten er und seine Frau sich ein und vermieteten einige Stuben, denn eine Kirchenbucheintragung in Adelby besagt, dass am 11. Januar 1683 ein Kind des Mattiß Lundt, der „anito bey Peter Danielsen“ wohne, begraben sei. In diesem Hause verbrachte der Sohn seine Kindheitsjahre, und wuchs mit den Nachbarskindern in das Schifferdasein von St. Jürgen hinein. In St. Jürgen war das Leben, anders als in der Stadt oder auf dem Lande, von der Seefahrt geprägt, die Männer zog es in die Ferne, oft waren sie monatelang von zu Hause fort, viele blieben gar früher oder später verschollen, und nur wenigen war es vergönnt, ihren Lebensabend in einem der niedrigen Häuser am Wasser zu verbringen. Die Frauen lebten in ständiger Angst um ihre Männer, mussten die Kinder gar allein erziehen, wenn der Mann auf See geblieben war, und waren abhängig von der Milde und Freundschaft ihrer Nachbarn. Die Kinder lernten früh die Sorgen der Mütter, aber sie erbten von den Vätern die Sehnsucht nach der Ferne, und so zog es die meisten Jungen auf die See, sie wurden Seemann oder Fischer. 1690 zogen die Danielsens nach Flensburg, verkauften ihr Haus in St.&nbsp;Jürgen, erwarben im Kirchspiel St. Johannis ein Haus mit Stall und Wagenschuppen, das in der Angelbo-Straße außerhalb der sogenannten St.&nbsp;Johannispforte lag: etwa auf der Strecke zwischen der heutigen Heinrichstraße und dem Hafermarkt. Dieses alte Stadttor stand in der heutigen Angelburger Straße an der Stelle, wo die Süderhofenden einmünden und die Eisenbahnbrücke über die Straße führt.</p>



<p>Flensburg war die zweitgrößte Stadt der dänischen Monarchie und hatte um 1690 eine Einwohnerzahl von etwa 750 Bürgern mit ihren Hausständen. Die mauerumgebene Stadt erstreckte sich an der Westseite eines natürlichen Hafens und bestand eigentlich nur aus einer langen Straße, von der hin und wieder eine Gasse zum Hafen hinunter- oder zur westlichen Anhöhe hinaufführte. Zwei Marktplätze bildeten die natürlichen Zentren, Norder- und Südermarkt, und um diese gruppierten sich die beiden großen Kirchspiele St. Marien und St. Nikolai&nbsp; mit ihren aus dem späten Mittelalter stammenden schönen gotischen Kirchen. Das kleine St. Johannis schloss sich ostwärts an, und bildete das Ausfalltor in das fruchtbare Angeliter Land. Stadt und Hafen wurden beherrscht vom Schloss Duburg, das oberhalb des Marienkirchspiels auf einer Anhöhe lag. Hier war vor reichlich 40 Jahren König Christian&nbsp;V. geboren, als seine Eltern, das damalige dänische Kronprinzenpaar, in Flensburg Hof hielten; die Flensburger Bürger brachten deshalb diesem König als einem Kind ihrer Stadt besondere Sympathien entgegen.&nbsp;</p>



<p>Flensburg war zwar größte Provinzstadt des dänischen Reiches, aber die Wirtschaft der Stadt stagnierte nach einem blühenden Aufschwung im 16. Jahrhundert jetzt im Jahrhundert der Kriege. Immerhin lag den Bürgern, die vorwiegend von Handel und Seefahrt lebten, der Unternehmergeist seit Generationen im Blut, und sie verstanden es den Handel langsam wieder zu beleben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Rechte und Pflichten</h3>



<p>In dieser Stadt sollte Peter Danielsen nun Bürger werden. Nachdem er Haus und Hof erworben hatte, meldete er sich beim Dinggericht zur Erlangung der Bürgerwürde an. Im selben Jahre 1690 schwor er als Neubürger der Stadt Flensburg seinen Bürgereid, indem er auf dem Thingplatz hinter dem Rathaus im Beisein des Bürgermeisters und der versammelten Ratsherren die Hand auf den Degenkopf des Stadtvogtes legte und die Eidesformel sprach.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Bürger konnte nur der werden, der imstande war, die Steuern und Abgaben zu entrichten, sich und seine Familie zu ernähren, und der ein eigenes Haus und Grundstück besaß. Er musste „hausgesessen sein und sein eigen Feuer und Rauch halten“. Vor Erteilung des Bürgerrechts hatte er neben einer Gebühr an Stadtvogt und Kämmerer eine „Eintrede“ in Höhe von 3 Mark Lübsch zu entrichten. Als Bürger genoss er den Schutz der Stadt, sein Grundbesitz konnte ihm nicht genommen werden, und es durfte ihm und den Seinen künftig von keiner Seite Gewalt geschehen.</p>



<p>Mit den Rechten eines Bürgers hatte er allerdings auch dessen Pflichten übernommen, und schon bald meldete sich die Kirche St. Johannis, um dem neuen Gemeindemitglied ihre Forderungen vorzuhalten. Jeder junge Bürger war verpflichtet, ein Jahr lang als Kirchengeschworener die Rechnungsgeschäfte seines Kirchspiels zu verwalten und über Einnahmen und Ausgaben genauestens Buch zu führen. Dieses Ehrenamt war Voraussetzung dafür, später als Deputierter der Bürgerschaft in das Stadtkollegium gewählt zu werden. Wer das nicht wollte oder konnte, musste sich freikaufen. Zweifellos war Peter Danielsen für dieses Amt nicht geeignet, und kaufte sich also frei. Bei der Begleichung dieser Schuld ließ er sich jedoch viel Zeit, wie vier Jahre später im Rechnungsbuch von St. Johannis nachzulesen war:</p>



<p>„1694: Peter Daniel erscheinet gegenwärtig und gelobet, der Kirchen auf Künftige zu bezahlen 15 Mark Lübsch.“ In D-Mark umgerechnet waren das etwa 90 Mark, in den heutigen Euro also etwa 45 Euro.</p>



<p>Unserem Protagonisten war es schon wichtig, seine Rechte in der Gemeinde zu wahren. Jeder Bürger hatte damals in der Kirche seinen bestimmten Platz, für den er folgerichtig eine bestimmte Miete an die Kirche zu entrichten hatte. Anfangs gab es für seine Gemahlin Judith dort keinen freien Platz, ein Missstand, der über fünf Jahre andauerte. Darüber beschwerte Peter sich, indem er daran erinnerte, dass er „zum Bau der Steule auch das Seinige gegeben, seine frau aber genöße daför keine Stelle. Es möge doch eingezeichnet werden, dass seine frau alsdann die nechste dazu sein mögte, die einen solchen erhielte.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Der Sohn Peter</h3>



<p>Der Sohn Peter war, wie vorauszusehen war, Seemann geworden, und nachdem er das Vaterhaus verlassen hatte, lebten die Eltern dort allein mit ihrem Gesinde. 1709 führte der Sohn ihnen eine Schwiegertochter zu, ein junges Mädchen aus dem Kirchspiel namens Maria Hack, und erwarb in der Nachbarschaft zwei Jahre später ein eigenes Haus, in dem die Schwiegertochter in den kommenden Jahren einer Reihe von Enkeln das Leben schenkte.&nbsp;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Flensburg leidet</h3>



<p>In diesen Jahren wurden die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse zunehmend belastender für Flensburgs Bürger. Die Stadt hatte sich, bedingt durch die zahlreichen Kriege, von der zunehmenden Verarmung nicht erholen können, die Einwohnerzahl war um die Hälfte gesunken, um 1700 lebten nur etwa 600 Bürger in der Stadt, viele davon völlig verarmt. Im Herbst 1712 zogen dänische Truppen über die Elbe, um die aus Mecklenburg vorrückenden Schweden zu bekämpfen, wurden aber zurückgedrängt und bei Gadebusch in Holstein vom Schweden-General Stenbock geschlagen. Stenbock ließ die Stadt Altona niederbrennen, weil man die auferlegte Brandschatzung nicht zahlte, und rückte nun auf Flensburg vor, deren Bürger mit Entsetzen den kommenden Ereignissen entgegensahen.</p>



<p>Am Silvestertag 1712 war König Friedrich IV. in Flensburg eingezogen und hatte Quartier auf Schloss Duburg genommen, um fünf Tage später nach Fredericia weiterzuziehen. Während dieser Tage verwandelte Flensburg sich in ein Heerlager, fast jedes Bürgerhaus in den drei Kirchspielen hatte Soldaten als Einquartierung aufzunehmen. Die Leibgarde war in Adelby untergebracht, und so herrschte ein starker Verkehr in der Angelbo-Straße an Danielsens Haus vorbei.</p>



<p>Die Flensburger Bürger waren geschockt, als in einem sogenannten Brandbrief des Generals Stenbock an sie stand, dass er ihnen eine sofort zu zahlende Kontribution von 26.680 Reichstalern auferlegte. Am 19. Januar erschienen die ersten Schweden vor dem Roten Tor, die sogar eine wesentliche höhere Forderung von 62.000 Talern als Sofortzahlung stellten. Dies bedeutete für jeden Bürger einen Aderlass von rund 100 Talern, eine für die damalige Zeit enorm hohe Summe, die nur aufgebracht werden konnte durch das beispiellose Opfer einiger wohlhabender Bürger. Danielsens Familie kam glimpflich davon, hatte sein Sohn doch kurz zuvor ein eigenes Schiff sowie ein Haus gekauft, somit nur wenig Geld zur Verfügung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Flensburg erholt sich langsam</h3>



<p>Flensburg blieb dank der Einlösung der genannten Forderung das Schicksal Altonas erspart, wenn gleich die Bürger weiterhin harte Lasten zu tragen hatten. Die Schweden verlangten weiterhin Lieferung von Naturalien, und als sich einige Wochen später das Kriegsglück wendete, und die dänischen Truppen zurückkehrten, verlangten diese ebenso wie die Vorgänger Lieferung von Naturalien. Die Bürger verzweifelten allmählich, und der Rat der Stadt musste mit größter Schärfe vorgehen, um das letzte Vieh aus den Ställen und die letzten Getreidesäcke von den Böden holen zu lassen. Die Stadt hatte noch lange unter den Nachwirkungen dieses großen Aderlasses zu leiden, wenn die Bürger auch dankbar anerkannten, dass ihnen durch die Entschlossenheit ihrer Stadtvertretung noch größeres Unheil erspart geblieben war. Erst 1720 wurde zwischen Dänemark und Schweden Frieden geschlossen, die Vermittlungsmächte England und Frankreich garantierten Dänemark den fortdauernden Besitz des Herzogtums Schleswig. So bestand für Flensburg Aussicht auf ruhigere Zeiten, die Bürger wollten nichts mehr als unter dem Schutz des Königs friedlich ihrem Handel und Wandel nachgehen zu können.</p>



<p>In die Lebenszeit von Peter und Judith Danielsen fällt auch die vom König am 17.&nbsp;Dezember 1718 erlassene spezielle Rang-Verordnung für die Stadt Flensburg. Anlass war ein Streit zwischen der Ehefrau eines Doktors sowie der eines Kaufmanns, wer wem in der Kirche den Vortritt zu lassen hat. Der König verfügte, dass der Rang der Frauen in Flensburg sich nach dem Rang ihrer Männer zu richten habe, und diese wurden in vier Klassen eingeteilt. Peter Danielsen gehörte demnach zur dritten Klasse, in die die selbständigen Handwerker und Fuhrunternehmer, die Schiffer sowie andere Selbständige eingestuft wurden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Schicksalsschläge</h3>



<p>Im Mai 1721 verkaufte der Sohn sein Haus in St.&nbsp;Johannis und zog mitsamt Familie in das Marienkirchspiel, wo er sich im nördlichen Teil der Ramsharde ankaufte. Seine Eltern, mittlerweile alt geworden, blieben „buten der St.&nbsp;Johannis Porten“ wohnen, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbrachten. Die tägliche Arbeit in Haus und Hof machte Peter Danielsen immer mehr zu schaffen, und 1730, inzwischen 75 Jahre alt, wollte er sein Anwesen an einen Maler namens Nikolai Vette verkaufen. Um den Verkauf entwickelte sich ein zäher Streit zwischen den Parteien, der sich in die Länge zog, und bei den Danielsens für viel Verdruss sorgte.</p>



<p>Das wurde jedoch gänzlich in den Schatten gestellt durch das große Unglück, das den alten Peter Danielsen und seine Frau traf: Der einzige Sohn Peter war im Herbst 1731 mit seinem Schiff untergegangen, und fand im besten Mannesalter den Seemannstod. Der Schmerz über den Tod des Sohnes hatte den Eltern, nach einem bis hierhin durchaus erfolgreichen Lebensweg, die Lebenskraft genommen, denn nur wenige Monate später starben sie beide kurz nacheinander. Aus dem Rechnungsbuch der Kirche ist zu ersehen, dass sie beide im Jahr 1732 auf  dem St.&nbsp;Johannis-Kirchhof begraben wurden.</p>



<p>Erst nach dem Tod der Danielsens übernahm der Maler Vette das Haus, und der Erlös aus dem Verkauf ging an die vier Söhne des ertrunkenen Sohnes. So verschwand die Familie aus dem Kirchspiel St.&nbsp;Johannis, denn die Enkel wohnten jetzt in der großen Mariengemeinde, wo sie und ihre Nachkommen die folgenden 200 Jahre ansässig bleiben sollten.</p>



<p><em>Text: Redaktion Flensburg Journal    </em></p>
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