Die Hälfte der Mannschaft gewann beim Beachhandball in Ahus
Die Hälfte der Mannschaft gewann beim Beachhandball in Ahus

Die bevorstehende Saison wird die längste der Geschichte. Bereits am 15. August startet sie mit den ersten Partien im DHB-Pokal. Diese kraftraubenden Aussichten verderben allerdings niemandem bei der SG Flensburg-Handewitt die Lust am Handball. „Ich vertrete den Standpunkt, in einer Karriere, die recht kurz ist, so viel wie möglich zu erleben“, erklärt Tobias Karlsson, der noch nicht an ein Ende seiner Laufbahn in der schwedischen Nationalmannschaft denkt. Der SG-Kapitän ist kein Kind von Traurigkeit, stellte sich sogar Anfang März weiterhin in den Dienst der Mannschaft, obwohl ein gegnerischer Ellenbogen seinen Oberkiefer gebrochen hatte.
Derweil registriert das Umfeld nach dem Triumph im DHB-Pokal eine gestiegene Resonanz und größere Erwartungen. „Auf unsere Mannschaft kann man sich freuen“, weiß SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Wir haben nun alle Möglichkeiten, auf alle sportlichen Situationen zu reagieren und gleichzeitig die Belastung zu dosieren.“ Der 18er Kader wird in der Handball-Szene als der ernsthafteste Herausforderer des Meisters THW Kiel angesehen. Ein wenig muss das Mammut-Aufgebot aber relativiert werden. So wird Jacob Heinl nicht zum Saisonstart fit sein. Der Kreisläufer registriert nach seiner schweren Virus-Infektion nur langsame Fortschritte. Und mit Michael Nicolaisen zählt ein Nachwuchsmann zum Profi-Team, der zumindest für die Spitzenspiele keine ernsthafte Alternative darstellen dürfte. Unter dem Strich bleibt aber immer noch ein Stamm von 16 international bewährten Kräften. Was die Konkurrenz zudem beeindruckte: Mit Kentin Mahé, Henrik Toft Hansen, Petar Djordjic (alle HSV Hamburg) und Rasmus Lauge (THW Kiel) lotste die SG gleich vier aktuelle Nationalspieler an die Flensburger Förde. Auf dem ersten Blick muten die Frühjahrs-Aktivitäten auf dem Transfermarkt wie eine bloße Trotzreaktion auf das Verletzungspech der letzten Saison an. Natürlich war eine Aufstockung vor dem Hintergrund des aufgeblähten Spielbetriebs nötig, Ljubomir Vranjes pocht zugleich aber auf seine langfristige Strategie. „Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten habe ich die Wunschspieler bekommen, die ich haben wollte“, betont der SG-Coach. „Wir haben nun ein Riesen-Potenzial im Team. Und wenn ein oder zwei Spieler ausfallen sollten, wird uns das nicht so treffen wie zuletzt.“

Neu am Kreis und in der Abwehr: Henrik Toft Hansen
Neu am Kreis und in der Abwehr: Henrik Toft Hansen

Die Kader-Erweiterung spiegelt sich in den Wirtschaftszahlen wider. Der Etat wurde auf rund 6,5 Millionen Euro erhöht, was möglich war, da die SG derzeit auf ein solides Sponsoren-Umfeld und erneut rund 4500 Dauerkarten-Besitzer bauen kann. Im Rausch der jüngsten Pokal-Feierlichkeiten befeuerte Ljubomir Vranjes gar den Traum von der zweiten deutschen Meisterschaft nach 2004. Jetzt hört es sich aus dem Trainer-Mund etwas zurückhaltender an. „Wir haben immer vor, jedes Spiel zu gewinnen, aber bislang hat es mit der Meisterschaft noch nicht geklappt“, erklärt der 42-Jährige. „Es ist doch Unsinn im August große Saisonziele aufzustellen, obwohl man noch gar nicht weiß, wie sich die Situation im Februar darstellen wird.“ Viel intensiver beschäftigt sich Ljubomir Vranjes derweil mit taktischen Winkelzügen, die unter anderem einen Abwehr-Mix aus verschiedenen Systemen beinhalten. Ein Detail in der Aufstellung setzt sogar die Experten in Erstaunen: Thomas Mogensen, Jim Gottfridsson, Rasmus Lauge und Kentin Mahé – gleich vier Akteure können die Spielmacher-Position glänzend ausfüllen. „Ich spreche nicht über Positionen wie Rückraum-Mitte oder Halblinks – das ist traditionelles Denken“, lächelt SG-Coach Ljubomir Vranjes. „Ich plane im Rückraum mit fünf Rechtshändern und zwei Linkshändern.“ In der Sommerpause hat der Handball-Stratege gewiss schon an einer Rückraum-Rotation konzipiert, die nun in die Praxis umgesetzt werden soll. Der Däne Rasmus Lauge ist zuversichtlich. „Ich bin mir sicher, dass wir gegen offensiv orientierte Deckungen sehr gut eingestellt sein werden. Und gegen defensivere Abwehrreihen verfügen wir über gute Wurfkraft von beiden Halbpositionen.“
Mit einer völlig veränderten Situation ist Thomas Mogensen konfrontiert. Da in der letzten Saison Jim Gottfridsson mit zwei Ermüdungsbrüchen am Fuß lange ausgefallen war, stand der routinierte Däne auf der Angriffs-Schaltzentrale sieben Monate allein auf weiter Flur. Zeitweise geriet er dabei über ein körperliches Limit und kann sich nun mit der neuen personellen Vielfalt gut anfreunden. „Als Spieler wird es einem nicht leichter gemacht“, meint Thomas Mogensen. „Man selbst wird älter, spürt die jahrelange Belastung, während es immer mehr Spiele werden.“ Allein bis Weihnachten warten auf die Flensburger voraussichtlich 35 Pflichtaufgaben, allein zehn davon in der reformierten Champions League.
Die Vorbereitung begann bereits Mitte Juli. Nach nur zwei Tagen in der heimischen Duburghalle brach der SG-Tross wieder zum Trainingslager in Südschweden auf. Die schweißtreibenden Kraft- und Konditions-Elemente wurden mit einigen teambildenden Maßnahmen gewürzt. Ljubomir Vranjes hatte seine Truppe wieder für das Beachhandball-Festival in Ahus gemeldet. Eine von zwei SG-Vertretungen ergatterte im urigen Strandstadion sogar den ersten Titel und einen Scheck in Höhe von 30.000 schwedischen Kronen. Ljubomir Vranjes verfolgte das hübsche Treiben ganz entspannt von der Tribüne. „Die Mannschaft musste diesmal ganz allein klarkommen“, erklärte der SG-Coach. „Die Spieler sollten viel miteinander sprechen, Zeit miteinander verbringen und Probleme eigenständig lösen.“
Bereits am 31. Juli um 19 Uhr wird der diesjährige Jacob Cement Cup ausgetragen. Der dänische Erstligist Mors-Thy Handball hat als Gegner zugesagt. Anwurf ist um 19 Uhr. Die Tickets mit freier Platzwahl kosten nur fünf Euro, an der Abendkasse zehn Euro. Zur Generalprobe wird diesmal der ERIMA Cup am 8. und 9. August in Bremen. Das Turnier ist hochklassig besetzt. Schließlich eröffnet am 15. August die Pokalpartie gegen den Drittligisten TV Korschenbroich das lange Pflichtprogramm.
Text und Fotos: Jan Kirschner











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